28. Oktober 2025: Ob Vincent mit seinen wundervollen Selbstportraits, die mich am meisten berühren, ebenfalls einen Traum von sich selbst gemalt hat? Ich glaube nicht. Ich glaube, diese Selbstportraits zeigen und beschreiben genau den traurigen, einsamen, sehnsüchtigen Mann, hungrig nach Liebe, der er wirklich war.
Was ist LUXUS? Was ist BILDUNG? Und wie hängen die beiden zusammen? Damit beschäftigen wir uns die nächste Zeit. So viel kann ich schon mal sagen: Die Sonderrolle als Musikerin ist oft irritierend, vor allem mit dem Hintergrund, wie der Rest der Welt sowohl mit Luxus als auch mit Bildung umgeht und mit all dem, was damit zusammenhängt, nämlich sozialen Rollen, Armut und Reichtum, die aufeinander prallen.
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Heute erinnere ich an Sanae Takaichi, erste Ministerpräsidentin Japans.
Und an Cindy Sherman, amerikanische Fotokünstlerin. Sie stellt ebenfalls Frauen dar, wenn auch auf eine ganz andere Weise als Mika. In gewisser Weise spielt sie mit ihnen herum wie mit Puppen, um herauszufinden, was sie wie wirklich sagen möchte. Beeindruckend finde ich ihre riesigen Fotografien, in denen sie alternde Frauen authentisch darstellt, immer mit der Frage: Was ist eine Frau?
Diese Frage stellt und stellte auch Charlie Kirk. Denn es ist eine sehr entscheidende Frage, vor allem in heutiger Zeit. Die meisten können diese Frage nicht beantworten. Ich werde mich in nächster Zeit mit dieser Frage beschäftigen.
In Cindys Kunst sehe ich vor allem eines: Eine Frau ist ein Mensch – kein Schmuckstück, Spielzeug oder Sexsymbol, weder Gott (bzw. Göttin) noch etwas, das Mitleid oder Abwehr oder Abwertung verdient. Ein unfassbar interessanter Mensch, von der ersten bis zur letzten Sekunde. Vermutlich ist eine Frau der komplexeste Mensch ever. Wenig ist so komplex wie Frau.
Cindy hat bewusst wandfüllende große Fotografien gewählt, da, wie sie sagt, Männer dies in Museen die ganze Zeit tun würden, „in your face, egoistisch“. Also hat sie es auch getan, um ein Gegengewicht zu schaffen. Das verstehe ich gut. Auch ich möchte in der Orgelwelt und Kirchenmusik ein Gegengewicht sein und schaffen.
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Foto: Breil Orgel kath. Pauluskirche in Recklinghausen 2025, 5 M, 70 R
Ich kann die argentinisch-jüdische Künstlerin Mika Rottenberg sehr empfehlen. Ich habe eine Ausstellung gesehen gerade und war verblüfft. Sie stellt die Frau in einer ausgebeuteten Welt dar – und was heißt „die Frau“? Nun, Frauen in einer Welt, die ausgebeutet wird, meist von Männern. Sie zeigt dies sehr kreativ, klug, sarkastisch, bunt. Ja, beinahe lebensfroh. Was es umso mehr betont. Zwischen den Zeilen.
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22. Oktober 2025: Wie lauten eure Lieblingszitate?
Foto: Franz Breil Orgel kath. Pauluskirche in Recklinghausen 2025, 5 M, 70 R
Das Konzert gestern war sehr schön.
Wunderschöne, brillante Akustik. Ein Paradebeispiel an Nacktpfeifenorgel, wie ich zu sagen pflege. Die Kirche ist hell, restauriert, sauber und gepflegt.
Tolle Zungen, Glockenspiel, zarte Farben. Ich mag das Gefühl von Kegelladen.
Es war sehr schön, hier zu spielen. Durch die Chororgel und die 5 Manuale, die Tremulante und das Glockenspiel sind sehr schöne Farben möglich. Ich habe ein abwechslungsreiches Programm gespielt und alles, was die Orgel zu bieten hatte, genutzt von ppp bis fff.
Ich mag das Pneumatische, Ferne. Recklinghausen ist eine hübsche Stadt; in der Größe von Würzburg; kein Vergleich mit Duisburg, Mühlheim oder Gelsenkirchen, die vom Stadtbild eher an ein islamisches, arabisches Land oder an die Türkei erinnern.
Nach dem Konzert waren wir im Nero und aßen frische Tagliarini mit Trüffel und Carpaccio und tranken PornstarMartini, ein schlüpfriger Name für ein leckeres, gelbes Getränk, das ichFeurigeSonne nennen würde. Auch das Café Helene kann ich sehr empfehlen. Mandarinen-Torte, Ingwertee… Bald gibt es das Festival „Recklinghausen leuchtet“. Am Bahnhof aßen wir zuerst, als ich ankam, lecker Chinesisch.
Mein neues Lieblingsauto ist übrigens der Mercedes Klasse G, mit dem ich herumgefahren wurde. Der Wagen ist ein Traum: von außen wie ein Jeep, innen alles Leder mit schummrigem blauen Licht, und die Sitze bewegen sich mit dir mit, die Lehnen stützen dich bei jeder Kurve. Also das ist noch mal eine ganz andere Niveau-Klasse als ein SUV. Öffnest du den Wagen, fällt ein großer Stern als Lichtbild auf den Asphalt. „Damit man weiß, wo man einsteigt.“
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Heute erinnere ich an Marie Frommer, Architektin, 1890.
Bin unterwegs nach Recklinghausen bei Essen zum nächsten Konzert. Ich freue mich auf die Pauluskirche und die große Breil-Orgel:
Große elegante elektropneumatische historische Franz Breil Orgel kath. St. Paulus Kirche Recklinghausen, NRW, 5 M, 56 plus 14 R, Kegelladen, mit Chororgel
Die Pauluskirche ist die größte Kirche in Recklinghausen, und ihre Orgel ist ebenfalls dis größte mit ihren insgesamt 70 Registern inklusive Chororgel. Recklinghausen im Ruhrgebiet an der Grenze zum Münsterland hat ca. 150.000 EW. Die Breil Orgel ist im Krieg Gott sei Dank unbeschadet geblieben.
Der Spieltisch wurde 1987 fünfmanualig, um die Chororgel mit ihren 14 Registern mit anspielen zu können. 2010 wurde sie saniert. Es ist meine zweite Breil-Orgel.
Im ICE lese ich “Die Bachs” von Percy M. Young, sehr interessant.
Der Herbst ist inzwischen in die ländlichen fränkischen Dörfer eingezogen. Randersacker und der Main sind umsäumt von leuchtend roten und gelben Farben. Dorfwasser läuft in eine orange Badewanne. Nur die fetten E-Bikes nerven.
Ich habe übrigens eine seltene Blutgruppe.
Sahne und Zimt:
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Nach Stuttgart mit dem Zug zu fahren, ist eine Katastrophe. Es gibt von Franken und Bayern aus gesehen keine Direktverbindung, sogar Schienenersatzverkehr. Man braucht mehr als doppelt so lang als mit dem Auto, muss wirre Umwege fahren, und wenn man endlich in Stuttgart angekommen ist, soll man um einen ellenlangen Bauzaun herumlaufen, um überhaupt irgendwo hinzukommen. Überall ist Hässlichkeit, Lärm, Schmutz und Gewusel. Es hat sich über die Jahre hinweg nicht verbessert, sondern verschlimmert.
Im Bahnhofsgebäude selbst, wenn man es überhaupt so nennen kann, wird (und das ist das Schlimmste von allem) Schuberts Unvollendete gespielt, in all dem Dreck und Müll, und Bachs h-Moll, um Menschen fernzuhalten, die nicht willkommen sind und die trotzdem da sind: Betrunkene, Drogenabhängige, mit Schaum vor dem Mund und Rentner, die in Papierkörben wühlen, während die Geigen aus schlechten lauten Boxen spielen wie die Hintergrundmusik zu einem Horrorfilm. Ich stand mit offenem Mund da. Was ist aus den Großstädten und Bahnhöfen der Bundesrepublik Deutschland geworden? Was ist aus dem Stadtbild unserer Städte oder besser, aus unseren Städten und Menschen geworden?
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Ich lese von Ilse Pohl: Miniaturen. Johann Sebastian Bach.
Ich glaube, entscheidend für alles, was Johann Sebastian widerfuhr, war der Tod der Mutter. Ich glaube, dass die 8 Schwangerschaften (!) und der Tod ihrer jungen Kinder (!) und die unglaublichen Pflichten, zusätzlich einen riesigen Haushalt mit Gästen und Lehrlingen zu führen, sie getötet haben. Der Tod der Mutter war ein Schlüsselerlebnis und wird viel zu wenig beachtet in den Bach-Biographien. Er zeigt auch, wie Frauen und Kinder behandelt und misshandelt wurden. Aber das, was wir mitnehmen nach dem Tod, ist unser Charakter.
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16. Oktober 2025: Würde J.S. Bach vor Freude über die Druckknöpfe der modernen Orgeln jauchzen?
Oder würde Johann Sebastian, um Albert Schweitzer zu zitieren, „seine Perücke in die Luft werfen und sich von einem ‚Orgelvirtuosen‘ belehren lassen, was man auf der modernen Orgel alles aus seiner Musik herausholen kann?
Ich verstehe, dass manche denken, der Ton oder gar der Klang der Orgel sei unbeugsam. Ich bin eigentlich froh, dass ich mit dem warmen, dynamischen Klavierklang aufgewachsen bin. Dynamische Instrumente machen sensibel und musikalisch. Die gewisse spezifische Unbeugsamkeit der Orgel hängt vielleicht zusammen mit der Härte gewisser Kirchenmusiker.
Allerdings sehe ich in der Unbeugsamkeit der Orgel etwas Schönes, Heiliges, vor allem dann, wenn die Unbeugsamkeit auf die brennende Leidenschaft in der Brust trifft.
Heute erinnere ich an Ruth Berghaus, 1927, Theaterleiterin.
Wir reden und streiten alle viel über Musik. Aber Musik ist so viel mehr als Instrumente spielen, sogar mehr als Singen. Musik ist innendrin. In der Luft. In den Blättern. In mir. In der Stille. Gott ist nicht Musik, aber er ist so groß, so künstlerisch, er kann gar nicht anders, als dass im Atmen, in der Liebe, im Sprechen, im Universum, im Klopfen des Herzens, in der Stimme und im Ton Musik ist. Im Wort Musik ist.
In der Lyrik. Im Leben. In der Schöpfung. In der Berührung.
Menschen streiten über Geschmack und Musikrichtungen, was gut, heilig, richtig ist. Aber wird man nicht erwachsen und wächst darüber hinaus? Und weiß, dass auch im finstersten Tal oder im Gefängnis, im Tod oder am Ende der Welt Gottes Stimme die schönste Musik ist? Menschen wie Bonhoeffer haben im größten Elend die schönste Musik geschrieben: Im Gehorsam. Im Leben. Im Wort. Im Segnen.
Letztendlich ist es weder J.S. Bach noch Hillsong, weder Orgel noch Schlagzeug, weder Pop noch Songs noch Choral noch Klassik – es ist .. ja was? Es ist der eine, der einzige, der zählt. Der klingt.
Denn ich mache keinen letzten Atemzug – ich atme hier aus und bei Gott wieder ein.
14. Oktober 2025: Die Kränkbarkeit des Menschen ist die Hauptursache für Kommunikationsstörungen. (Hildegard Horie)
Heute erinnere ich an Tony Sender, Politikerin, 1888.
Als Konzertkünstlerin hat man es manchmal nicht leicht. Meistens ist alles wunderbar und schön. Doch manchmal (Gott sei Dank selten) treffe ich auf Verwaltler, die meist keine Ahnung vom Leben von Konzertmusikern haben, die mich 5 Mal eine Rechnung umschreiben lassen, bis sie ihnen passt, also möglichst viel Aufwand meinerseits für möglichst wenig Bezahlung ihrerseits und diese möglichst spät.
Denn ich bin ja seit 2016 keine Kleinunternehmerin mehr – das Wort Großunternehmerin gibt es allerdings nicht -, und manchmal zanken gewisse Verwaltler um 7 Prozent Umsatzsteuer mit mir, was ich schon seltsam finde, so geschehen gerade in Kirchberg, um 35 € Umsatzsteuer.
Dabei kosten Orgeln meist Millionen, die aufgrund mangelnder Konzerte massive Standschäden entwickeln, die ins Dreißigfache einer Konzertgage gehen. Ein Konzert spart mindestens eine teure Wartung.