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Tourblog

Sei dankbar für jeden Dorn, den andere auf dich schleudern, das Zeichen, dass du bald in Rosen badest. (Elif Shafak)

Türkische Schriftstellerin. Heute erinnere ich an Yvette Vaucher, Schweizer Bergsteigerin, und Erika Runge, Regisseurin (oral history) und Assia Djebar (algerische Regisseurin).

Foto: restaurierte Ladegast Orgel St. Laurentii Weißenfels, Einweihungskonzert gestern, Mai 2022: Wunderschöne zarte kleine Orgel, die spitz nach oben läuft. Sehr schönes und einzigartiges Museum in Sachsen-Anhalt, sehr zu empfehlen. Das Museum gehört zur hübschen, kleinen, roten, evangelischen Kirche St. Laurentii (Laurentiuskirche) unter großen Bäumen, ein Ort der Zivilcourage 1989. Mein Konzert am Museumstag am 15.5.2022 war sehr schön. Es war das Einweihungskonzert der 2020 restaurierten Orgel.

Die Orgel mit 14 Registern wurde im Jahr 1879 durch Ladegast in der kurz zuvor errichteten Kirche installiert und besitzt ein Kegelladesystem. 1895 nahm sein Sohn Oskar Ladegast Veränderungen und Erweiterungen vor, anstelle der mechanischen eine pneumatische Traktur.

Obwohl es zwischendurch auf Grund des Ausfalls einer Orgelbaufirma eine Verzögerung bei der Neurestaurierung gab, wurde diese Ladegast-Orgel schließlich durch die Orgelbaufirma Thomas Bochmann restauriert.

2020 saniert, seit 2010 existiert das Museum.

Friedrich Ladegast (1818 – 1905) gehört neben Heinrich Schütz und Novalis zu Weißenfels, S-A. In Ladegasts dort 1847 gegründeter Werkstatt entstanden 200 Instrumente und zogen Franz Liszt, Julius Reubke und Max Reger an. Neben Wilhelm Sauer und Eberhard Friedrich Walcker gilt Ladegast als Schöpfer der deutschromantischen, süffigen “Monumentalorgel“ im 19. Jahrhundert, besonders hier im heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt. In Weißenfels und Umgebung sind viele Orgeln im Originalzustand erhalten. Diese Orgel ist klein, aber oho.

Schöne samtig trockene Akustik, griffiger und sinnlicher Spieltisch.

Mir gefallen Haydns Flötenuhren sehr. Am meisten aber liebe ich Haydns Schöpfung und seine Klaviersonaten.

Es hat viel Spaß gemacht, die 2020 restaurierte Ladegast Orgel von 1879 in der Laurentiuskirche einzuweihen, gut besuchtes Konzert, Blumen, liebe Leute, die bis aus dem Harz gekommen sind. Wir waren lecker essen (Spaghetti, Spargel, Eis…). Museumstag 2022. Die Stasi-Lampe direkt neben der Orgel spendete mir Licht.

Sehr schön war hinterher das Konzert im Heinrich Schütz-Haus, mit dem Ensemble “suonArte”, das ich sehr empfehlen kann. Wundervolle Instrumente, schöne Atmosphäre, Schlüsselfideln, Gamben, Clavichorde und Schütz‘ wunderbare geistliche Musik, sich auf ihn und seine Zeit einzulassen. Was mir zudem gefiel: Auch optisch war das Ensemble angepasst an die Zeit von Schütz, kein moderner Schmuck, schöne, schlichte Kleidung von damals, und auch die Noten waren in Hüllen und Umschlägen, die keine moderne Zeit verrieten – also alles angenehm und schlicht. Dazu die Instrumente: eine Schlüsselfidel (Key Fidel), Viola da Gamba, Blockflöten in allen Formen und Größen, und eine schöne Stimme ohne massives Vibrato von Friederike Urban. Von allen wunderbaren Komponisten stach Schütz in seiner Genialität doch immer wieder heraus, wie ich fand.

Das Programm war leider rein weltlich. Ich liebe geistliche Musik. Nur am Schluss, als Zugabe, gab es einen Choral, was meine Laune erheblich steigen ließ. Begeistert hat mich auch die gespielte Komponistin Barbara Struzzi (1619-1677). Eine der wenigen Frauen (ein Adoptivkind), die damals Kompositionsunterricht nehmen durfte. Obwohl sie unglaublich gute Madrigale komponierte und sehr talentiert war, durfte sie nicht wie die Männer am Hofe als Komponistin arbeiten, sondern nur als eine Art höher gestellte Hof-Geliebte, als eine Art Edel-Prostituierte dort wohnen. Das ist die Männerwelt mit ihrer buchstäblich aus allen Poren tropfenden Geschlechter-Ungerechtigkeit, sowohl damals als auch heute. Es gibt sicher nicht viele Frauen, die Einweihungskonzerte von restaurierten Orgeln spielen.

ps: “Ohne Schuld” von Charlotte Link kann ich empfehlen, spannend als Hörbuch, wenn auch sehr lang, aber perfekt für das Auto. Und CDs mit geistlicher Chormusik von Heinrich Schütz.

Um wieder rechtzeitig an der Uni in Greifswald zu sein, musste ich um 3 Uhr früh aufstehen (da es dort um 10 Uhr weitergeht heute) und wurde nachts nach Berlin gefahren. Danke für alle Hilfe, allein würde ich das organisatorisch nicht schaffen.

Neues Video: Haydn Flötenuhr an der Ladegast Orgel

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Jehmlich Orgel in Plauen

Ladegast-Orgel-Museum Weißenfels

Haltungen im Leben sind unerlässlich: Attitude. (Julia Koschitz)

Heute erinnere ich an Wendie Renard, Fußballerin.

Foto: Hey Orgel Bad Windsheim

Am meisten liebe ich die Choräle “In dir ist Freude” und “Bewahre uns Gott, behüte uns Gott”. Wenn ich Texte von Paul Gerhardt wie “Nun ruhen alle Wälder” betrachte mit seinen wunderschönen Strophen, eine schöner als die andere, oder noch schöner, “Der Mond ist aufgegangen” von Matthias Claudius, dann sind die Texte unserer heutigen deutschen Lieder ein Witz. Es geht hierbei nicht nur um die Auswahl der Wörter, sondern um die innerliche Erkenntnis, die Reife. Da ist es besser, sich auf lateinische Texte zurück zu beziehen, wie Bruckner oder Arvo Pärt in „Da pacem Domine“ oder in schlichte, wahre Texte wie “Herr, erbarme dich”. Sehr schön ist Sweelincks “Herr Gott, höre mein Flehen”. Ich finde, diese alten, wahren Texte wunderschön in Musik zu setzen, ist eine Kunst, auch heute. Oder biblische Texte zu vertonen. Psalmen. “Wie ist die Welt so stille und in der Dämmrung Hülle so traulich und so hold als eine stille Kammer, wo ihr des Tages Jammer verschlafen und vergessen sollt.” Dies ist nicht von Herbert Grönemeyer, sondern von Matthias Claudius.

Doch so lauten Texte von heutigen christlichen Liedern: Ich weiß, wer ich bin … Gott, nimm mich so, wie ich bin, denn ich … und ich .. und ich… Gott, mach das… und das… und am besten noch das…

Nunja. Ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Ich bin gespannt, ob das 9 Euro Ticket Auswirkungen auf mich hat. Ich berichte.

Mein Konzert in Weißenfels war sehr schön und gut besucht. Ich liebe die Friedrich Ladegast Orgel und das schöne dazugehörige Museum.

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Die Verbündeten gegen langweilige Massenware sind Künstler und Kinder. (Friedl Dicker)

Österreich-tschechische Künstlerin, die in Ausschwitz starb. Heute erinnere ich auch an Violeta Dinescu, rumänische Komponistin.

Foto: Reitstall Gondelsheim bei Karlsruhe

Morgen ist mein Konzert an der wunderschönen und frisch restaurierten Ladegast Orgel 1879 in St. Laurentius Weißenfels in Sachsen-Anhalt, der Schütz-Stadt, im Rahmen der Museumsnacht. Ich bin schon in Sachsen-Anhalt und genieße die Ruhe, den Vollmond (den ich spüre) und die schönen Häuser und Kirchturmspitzen. Das Konzert ist erstaunlicherweise schon um 14 Uhr. Danach sind wir noch im Schütz-Haus eingeladen. Heute habe ich es noch daheim geschafft, Blumen, Balkon, Radl, Wäsche, Post usw. einigermaßen noch den Überblick zu haben. Die Ladegast in aus der selben Zeit wie die wunderschöne Mehmel Orgel in Pommern. Ob sich Ladegast und Mehmel kennengelernt haben? Es gab schon einige schöne Ankündigungen in der Zeitung.

Aufgrund des Kabelbrands bei der Deutschen Bahn war meine Fahrt etwas eine Odyssee – denn von Greifswald aus ist schier alles eine Odyssee. Obwohl ich ansonsten schnell und quirlig bin, verfalle ich, was die Deutsche Bahn angeht, sofort in einen stoischen Ertrage-Zustand und wundere mich über gar nichts mehr. Und oft lernt man interessante Leute kennen. Einmal saß neben mir einer, der tütete eine seltsame gelbe Flüssigkeit in kleine Plastikbehälter und machte dabei ein finsteres Gesicht. Ich fragte ihn, ob er ein Drogendealer sei. Dann fuhr leider tatsächlich mal mein verspäteter Zug ein und ich weiß bis heute nicht, ob er einer war.

Neu: Geniale Mehmel Orgel Opus 180 um 1888 (ein sehr persönlicher Vlog):

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Mehmel Orgel Groß Bisdorf bei Greifswald

Ladegast Orgel St. Laurentius Weißenfels (Weissenfels)

Das Konzert morgen

Gott sei Dank wurde meine Erziehung vernachlässigt. (Beatrix Potter)

Englische Schriftstellerin, 1866 geboren. Heute erinnere ich auch an Bettina Volkens, deutsche Managerin und Juristin.

Foto: Dom Greifswald

Mir gefällt es im Posaunenchor. Auch wenn ich noch “Narrenfreiheit” habe und manchmal geschmunzelt wird. Wir spielen das Stück einer Komponistin, Frieda Fronmüller. Manchmal übe ich mein Bariton draußen. Es macht Spaß, in Sonne und Wind zu üben. Als ich abends in Eldena/ Wieck Orgel unterrichtete, in der Nähe vom schönen Kloster Eldena, wurde ich mit einem Tandem abgeholt. Da wir auch noch mein Bariton mitnehmen mussten.

Es macht auch Spaß, Haydns Schöpfung und Carmina Burana zu dirigieren.

Ich bin unglaublich berührt, dass ich (“zufällig”) neben einer wunderbaren Orgel wohnen darf: Ich habe mir das gar nicht ausgesucht, es ist einfach passiert. Ich liebe solche schönen Überraschungen. Wenn sich gute Sachen einfach “ergeben”. Wunderbarer Klavier-Spieltisch, Elfenbeintasten. Der Friedhof  besitzt große, denkmalgeschützte alte Bäume mit knorrigen Stämmen mitten im leuchtenden Maigrün. Der Kuckuck singt. Die Orgel wird bald restauriert. Zuerst brauchte es Geld für die Restaurierung der Decke (50.000 Euro).
Viele große Kirchen in Städten mit Orgeln (für die Gelder zur Verfügung stehen) werden gesehen und verehrt. Und dabei gibt es noch viel größere Schönheiten, die verborgen und unbekannt sind. Mit Menschen ist es oft genauso. Diese: Friedrich Albert Mehmel Orgel opus 180: Neu:

Mehmel Orgel Groß Bisdorf bei Greifswald

Da wohnte ich eine ganze Woche neben dieser Kirche und war mit meinen Sachen so beschäftigt und wusste nicht, dass dort, so nah, eine so schöne Orgel nach mir rief  – und war erst heute dort. Ich musste weinen. Manche Schätze brauchen im Leben eine Weile, entdeckt zu werden. Der Altar hat ein großes blaues Becken ringsherum, was ich auch noch nie zuvor gesehen habe. Die tiefe, mit biblischen Figuren verzierte blaue Kanzel ist wunderbar restauriert. Ein Klein Bisdorf gibt es nicht. Aber Griebenow. Das ist der Ort nebenan. Und hier gibt es im Wald eine komplett erhaltene, vierzehneckige Schlosskapelle (was besonders und selten ist) mit kleiner Orgel. Und weiter nebenan in Levenhagen eine seltene Kapelle (die kleinste in Pommern) und eine kleine Kirche mit Holzturm.

Der Chor der dreischiffigen Backsteinhalle in Groß Bisdorf stammt aus dem 13. Jahrhundert, Langhaus und Sakristei aus dem 14. Jahrhundert. Die Kanzel (1703) zeigt Apostel und Landschaftsgemälde. Der Kirchhof ist umrundet von einer niedrigen Steinmauer mit einem barocken Friedhofsportal (1784). Auf dem Kirchhof kann man ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges bestaunen. Eine Patronatsloge blieb erhalten. Die Ostwand schmückt ein Triumphkreuz. Auf der Westempore erklingt die Orgel von Friedrich Albert Mehmel Sohn aus Stralsund (mit einer Filiale in Wismar). Sie wurde vermutlich von Vater und seinem Sohn Paul gebaut.

Samtig-trockene Akustik in einer Kirche mit wunderschön bemalten Holzdecken. Süffiger Klang trotz überschaubarer Register, viele warme Achtfüße, kaum Nebengeräusche. Der Schalter ist versteckt ganz hinten. Schwarzweiße runde Registergesichter.

Diese Kirche wirkt ganz anders als süddeutsche oder thüringische und norddeutsche Kirchen. Es ist eine geheimnisvolle blaue pommersche Ostseekirche mit schwedischem Touch hinter weiten, gelben Rapsfeldern. Die wunderschöne bemalte Holzdecke bis mittig direkt hinter die Orgel und hier ein Engelskopf und die bemalten Wände sind berührend und beeindruckend. Die kleine Loge rechts aus Holz ist ganz aus Holz gehalten. Hier in diesem urigen kleinen Ort gibt es Bauern, die ihr kleines Kartoffelfeld vor ihrem Haus ganz langsam mit einem Pferd bewirtschaften. Es ist so schön altertümlich und drollig. Als ich fragte, was sie da machen, sagten sie, es hätte zu viel geregnet, es gäbe kaum Kartoffeln. Da taten sie mir so leid.

Wer würde vermuten, dass hier, im Niemandsland, verborgen, eine solche Orgel steht? Ich bin eine Mehmel-Liebhaberin geworden.

Ein wunderschönes Dorf in Pommern an der Ostsee zwischen Rügen und Stralsund, 15 km von Greifswald entfernt, ca. 80 Einwohnerinnen. Die weiße, schwedisch anmutende Kirche mit Turm mit schwarzem, hohen Helm und gepflegtem Friedhof drum herum besitzt eine wertvolle historisch romantische Mehmel-Orgel Opus 180, 2 Manuale. F.A. Mehmel war ein berühmter Orgelbauer in Pommern zusammen mit seinem Kollegen Barnim Grüneberg, der viel auf Rügen gebaut hat. Mehmel arbeitete vor allem in Stralsund, wo er auch starb. Er wurde in Thüringen geboren. Im Wonnemonat Mai besuchte ich diese herrliche Orgel, die mir überraschend wie als ein Geschenk gemacht wurde. Bänke und Einrichtung innen sind blau gehalten. Die größte Mehmel Orgel steht in St. Marien Greifswald und gilt als beste Orgel Greifswalds.

Nicht empfehlen kann ich die Johanneskirche und die OJC/Daniel Schneider in Greifswald. Erstens haben sie keine Orgel und zweitens kommen sie mir heuchlerisch vor: Zu Ukrainern und Flüchtlingen sind sie nett und machen auf fromm, weil sie hierfür wohl teilweise Geld bekommen oder weil das fromm wirkt, aber zu Leuten aus ihrem eigenen Land sind sie unfreundlich und verlogen.

Ist es nicht erstaunlich, dass viele Zeitungen als Frontbild irgendwelche sich balgenden Männer einer Männersportart präsentieren – egal, was in der Welt los ist? Auch der Sportteil der Zeitungen ist meist überwiegend von Männersport dominiert.

Neu:

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13. Mai 2022

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Natürlich müssen Frauen in den Vorstand. (Jennifer Morgan)

Heute erinnere ich an Corinna Hölzer, Biologin, und an Julia Morgan, mit ihren großen wunderschönen Bauten.

Foto: Dom Greifswald

Ich mag Scarlatti. Seine Musik ist meiner Meinung nach noch immer unterschätzt. Manche Pianisten missbrauchen seine Musik als Fingerübungen – und selbst dann ist es noch schwer. Es wird auch an der Orgel viel zu wenig italienische Musik gespielt (im Gegensatz zu französischer Musik). Scarlatti mit seiner unglaublich kreativen und gesanglichen Musik übertrifft bei weitem die Musik von Bachs Söhnen, die galant, aber nicht in diesem Sinne kreativ ist wie Scarlattis Sonaten. Besonders wunderschön sind K. 213, K. 109, K. 138. Und am allerschönsten: K. 380. Besonders schön ist Scarlattis Musik am (italienischen oder französischen) Cembalo.

Neu: Nussböcker Orgel

Nussbücker Orgel Dom Greifswald

Es fragen mich manchmal Leute, wie es für mich als Wunderkind war – ich denke, es ist vor allem die Förderung, die Gene, die Kontinuität, die besondere Leistung hervorruft – egal, in welchem Alter, aber besonders als Kind (Familie, Umfeld). Das, was unterscheidet, ist, ob man zu etwas hingeschleppt werden muss oder die Förderung freiwillig annimmt.

Ich lese Hans Fagius “Johann Sebastian Bachs orgelverk” – ein schwedisches Buch über Bach (was es eher selten gibt).

Neu: Ladegast Orgel Harz

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12. Mai 2022

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Ich lasse nicht zu, dass andere bestimmen, ob ich dazugehöre oder nicht. Das mache ich selbst. (Serap Güler)

Heute erinnere ich an Megan Rapinoe und Kazuyo Sejima, die schrieben, dass Architektur bedingt, wie Menschen sich im Raum begegnen. Sehr wahr.

Foto: Bach und Ann in Leipzig

Ich habe meine Fingernägel rot lackiert. Äußert selten mache ich das.

Also, es sind 30 km jeden Tag mit dem Radl. Anstrengend. Obwohl es hier kaum Hügel gibt. Die Nummernschilder sind HGW, NVP, RÜG, VPR – nett. Heute habe ich auch mit audite telefoniert.

Und war mein Interview mit Backstage Podcast. Es war schön. Ich musste es schon mal verschieben.

Mir fällt auf, es gibt Orgel Nerds, die sind wie Autofans, oder Maschinenfans, oder Flugzeugfans, also Nerds für Technik, Geräte, Maschinen, Cockpits usw. Um Musik geht es ihnen dabei gar nicht. Solche Nerds können auch komplett unmusikalisch sein. All das alles ist weit entfernt von mir. Denn es geht immer natürlich in allererster Linie um Musik. Meine Liebe zur Orgel ist weit darüber hinaus vor allem die Liebe zur Musik an der Orgel. Die Orgel ist nur Mittel zum Zweck, heißt, die Orgel, so schön sie ist, ist das Instrument (kein Gerät), an der die Musik erklingt. Meine Liebe zur Orgel ist die Liebe zur Orgelmusik. Konkret gesagt, die Liebe zu Bachs Musik. Ich glaube, das ist der große Unterschied zwischen Nerds und Künstlern: Die einen reden pausenlos über das Gerät. Sie kommen nie darüber hinaus. Die anderen machen Musik. Es ist ein riesiger Unterschied, über einen Fußball zu reden oder Fußball zu spielen. Über Kochtöpfe zu reden, oder Essen zu kochen und zu essen, wozu man Kochtöpfe braucht. Über die Voraussetzung zu philosophieren oder das Brillante, das große Etwas, das Unsichtbare, Herrliche hinter der Voraussetzung zu sehen und zu lieben und anzustreben. Es ist eine Frage der Erkenntnis, der Gabe, der Priorität. Die Orgel ist sichtbar, irdisch, materiell. Die Musik ist unsichtbar, geistlich, geistig, himmlisch. Niemand, der sich mit dem Zweiten mit Herzblut beschäftigt, wird ein gewissenloses Lästermaul sein oder bleiben. Sehnsuchtsort Orgel. Hier bleibe ich niemals beim Sichtbaren stehen.

Neu: Ilfeld

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Hätten Schlachthäuser Glaswände, wäre die ganze Welt vegetarisch. (Linda McCartney)

Heute erinnere ich an Yvonne Ryakiye aus Busoro. Googelt sie mal.

Ich wohne nun auf dem Dorf. In einem wunderschönen Dorf. In Groß Bisdorf. Ich fahre also mit dem Radl, 14 km. Nach Greifswald. Über Felder und durch Dörfer. Gestern bin ich mit einem roten Hollandrad geradelt. Jedoch war der Sattel zu hoch. Mal sehen, wie lange ich mit dem schwarzen Klapprad brauche.

Heute wurde die Domorgel Greifswald gestimmt. Ich übte derweil auf der Nussbücker Orgel im Dom.

Ich freue mich auf das WE und das Konzert.

Neu: Ladegast Orgel Harz

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Foto: Richter Orgel Pomßen (Pomssen) bei Leipzig

Richter Orgel Pomßen (Pomssen) bei Leipzig

Tabubrüche sind für viele schwer auszuhalten. Aber Kunst stößt ständig in Bereiche vor, die schmerzen, schmerzen müssen. (Marion Ackermann)

Das stimmt. Kunsthistorikerin. Heute erinnere ich an Germaine Krull, deutsch-niederländische Fotografin.

Foto: Greifswald, Dom

Ich bin wieder in Greifswald, über Leipzig gereist.

Ich mag den Parallelismus Membrorum in den Psalmen: Wenn dasselbe mit verschiedenen Worten gesagt, wiederholt wird, in unterschiedlichen Formen. Das mache ich auch oft. Wie die Psalmen wohl gesungen wurden? Wie ein Psalterium wohl geklungen hat? 

Es ist wahr, dass, wenn eine Sache zu lang geht, beispielsweise der Männer-Hype in Kompositionen oder in der Orgel-Welt, dann entsteht, wie Wellen in einem Meer, das Bedürfnis, dagegen zu wirken, etwas Neues zu wagen, zu riskieren, zu beginnen, es auszugleichen. Es ist, als würde die Erde an sich für Ausgleich suchen wollen und sich dafür Menschen aussuchen. I can feel it. 

Neu: Orgel-Information: Jehmlich Orgel in der einzigen katholischen Kirche in Greifswald, St. Joseph:

Jehmlich Orgel St. Joseph St. Otto Greifswald

Neu: Orgel-Information Jehmlich Orgel Plauen:

Jehmlich Orgel Erlöserkirche Plauen

 

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Keine Frau, die versucht, ein Ideal auf ihre eigene Weise zu verfolgen, ist ohne Feinde. (Daisy Bates)

Das stimmt. Heute erinnere ich an Mursal Hedayat, Unternehmerin aus Kabul, und an Annie Lööf, schwedische Politikerin.

Foto: Geniale Buttstädt Orgel, die dringend saniert werden muss

Ich bin nun in Plauen. Ich wurde von meinen lieben Harz-Gastgebern von Liebenrode nach Erfurt gefahren (sie machen sich dort einen schönen Tag), von dort fuhr ich über Jena und Gera nach Plauen (Sachsen, Vogtland). Heute 18 Uhr, am Muttertag, Konzert. Auch hier gibt es viele Rapsfelder. Ich habe meine schönen Konzertblumen im Gepäck. Schade, dass ich sie heute nicht meiner Mom geben kann.

Plauen ist eine schöne kleine Stadt, ungefähr so groß wie Greifswald, bei Zwickau. Die hübsche sächsische Stadt feiert ihr 900jähriges Jubiläum, das Alte Rathaus ist angestrahlt, noch dazu gibt es den 25. Plauener Frühling, endlich wieder, nach Corona. Wir bummelten durch die Stadt, sahen das Wende Denkmal, den Marktplatz, das Vogtlandtheater, St. Johanniskirche und Konvent, die Lutherkirche, die eine neue Orgel von Wolf bekommt (nach dem Vorbild von Mende), die vielen Vater und Sohn-Figuren von Erich Ohser, der kein Freund von Hitler war. Berühmt ist auch die “Plauener Spitze” – keine Schokolade, sondern Textilien, handgemachte Deckchen usw. Und Plauen hat einen Bücherschrank: eine rote Telefonzelle, liebevoll gestaltet. Ich liebe diese Bücherschränke und suche sie immer auf, egal, wo ich bin, um eine “fette Ausbeute” zu machen, heißt, besondere Bücher zu finden, die interessant oder anders sind. Eine Stadt ohne Bücherschrank ist mir nicht sympathisch. Komisch, in Greifswald habe ich noch keinen gesehen. Ich weiß, nicht jeder kann etwas mit Büchern oder den Bücherschränken anfangen. Einmal sagte mir jemand: Was willst du denn mit diesen alten Büchern? 
D. Buxtehude – Praeludium g-Moll BuxWV 148, Erlöserkirche Plauen, Jehmlich Orgel Vlog:

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Die Flohmärkte waren spannend, auch wenn wir nur noch das Ende mitbekommen haben: alte Platten, Dosen, Fächer aus DDR-Zeiten. Ich mag das: Krimskrams und Kruuusch. Die Stadt hat auch viele andere hübsche Figuren, zum Beispiel die “Nei-deitel” (=traschende Leut).  

Das Konzert war sehr gut besucht, ca. 100 Leute. Blumen und Wein. CDs verkauft. Die dreimanualige, ebenerdige, pneumatische Jehmlich Orgel (meine 12.) gefiel mir sehr gut. Ich habe auch ein wenig aus meinem Leben erzählt, das mögen die Leute gern. Vor allem, wenn die Orgel und ich sichtbar vorne sind wie am Flügel. Vielen Dank an Kathrin Nürnberger und Norbert! Hinter der Orgel heizte die Heizung. Zum ersten Mal dachte ich, ich bekomme an einer Orgel einen Hitzeschlag. Hinterher waren wir lecker essen beim Italiener. 

Großer Klang, samtig-trockene Akustik, neobarock mit romantischen Tendenzen, meine 12. Jehmlich Orgel, schönes Schwellwerk

Schöne große Kirche. Die ebenerdige, pneumatische Orgel, Tutti und zwei freie Kombination, weiße Tasten, Kippschalter: generalsaniert 2019, 3 M, freier Spieltisch links, 31 Register, 2160 Pfeifen, 2 hohe Schallöffnungen beim Altarraum, elektropneumatische Traktur. Die HW-Pfeifen rechts an der Wand, Schwellwerk links.

Der Spieltisch der Orgel befindet sich nicht wie üblich auf der Empore, sondern neben dem Altarraum, mit dem Blick in den Altarraum. Konzert am 8. Mai. Eine große schöne Kirche, hell mit leuchtenden Fenstern, die Pfeifen der Orgel wie ein geschwungener Engelflügel.

Ist es bei euch auch so, dass wenn jemand sagt, dass Gottes Engel mich begleiten… dass ihr dann denkt: Was will ich denn mit Engeln? Ich will, dass Gott persönlich mich begleitet. Es ist, als wärst du verliebt in jemanden namens John, und jemand sagt dir: Johns Hunde begleiten dich überall und beschützen dich. – Hallo? Ich will John, nicht seine Hunde.  – So ist es mit mir und Jesus und seinen Engeln. Seine Engel sind schön und gut. Aber ich will Jesus. Keinen Ersatz. 

Sehr empfehlen kann ich das neue Nivea Parfüm, frisch für den Alltag. 

Eigentlich hätte ich heute zwei Gottesdienste spielen sollen. Mir sagte jefraud: Wenn man deinen Terminkalender so ansieht – wie kann man an drei Orten gleichzeitig sein? Meine Antwort: Ach, das ist mein Spezialgebiet, an drei Orten gleichzeitig zu sein. 

Neu: Orgel-Information: Ladegast 1876 Neustadt im Harz (Thüringen)

Ladegast Orgel Neustadt im Harz (Thüringen)

Neu: St. Marien zu Bergen, Orgel Vlog AHS

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Orgel Vlog St. Marien zu Bergen

Zur Ladegast Orgel in Neustadt: 1893 gab es hier eine schöne Strobel-Orgel. Die wurde von Weimar übernommen. 1983 wurde die Ladegast Orgel von Neustadt übernommen. 1712 gab es hier die erste Orgel.

Die Inschrift auf der Rückseite der Spieltischverkleidung zeigt: „Im Auftrag des Herrn Alexander Anger auf Eythra gebaut und beendet am 14. Mai 1876 von Friedrich Ladegast in Weißenfels. Friedr. Wiegand dabei geholfen.“

Die Orgel erlebte im Herbst 2004 eine gründliche Reinigung und Überholung durch die Firma Schuster aus Zittau und wird nun von Hüfken betreut.

Aus Unterlagen der Kirchengemeinde Eythra:

„Am 29. Mai 1876 wurde die neue, von Friedrich Ladegast aus Weissenfels gebaute Orgel geweiht. Sie soll 5.478 Goldmark gekostet haben.

David Anger, Rittergutsbesitzer auf Zweinaundorf, Eythra Mausitz (Großdalzig) seit 1819 und Patron der Kirche zu Eythra, hatte testamentarisch die Schenkung einer Orgel bestimmt. Die Ausführung erfolgte durch seinen Enkel Dr. Otto Alexander Anger.“

Dank an Christine Heimrich.

Wunderschöne rote Kirche im malerischen Neustadt im Südharz in Thüringen: 1871 bekam die Kirche ihren Turm mit dem hohen Helm. Die vier Nebentürmchen wurden 1972 entfernt. Barocker Kanzelaltar von 1705 mit Gemälden von 1959, Inschrift von 1678, Turmuhr von 1912. Die Orgel hat 2 Manuale, 17 Register und zwei Nebenzüge, 980 Pfeifen, wurde 1983 übernommen aus Eythra. Taufengel um 1700, 1960 übernommen, 3 Läuteglocken und eine Uhrschlagglocke, große Glocke 1998, 878 kg, mittlere Glocke, 1928, 722 kg, kleine Glocke, 1960 gegossen, 399 kg. Neben der Kirche gibt es den berühmten Roland in einer Ecke, ein Bierzelt und hübsche Restaurants und Fachwerkhäuser. 1678 ging die Kirche im Brand kaputt, 1686 wurde sie wieder neu aufgebaut, 1708 Einbau der Orgelempore – und 1712 entstand die erste Orgel hier. 

Sehr samtig-trockene Akustik, hübsche schlichte weiße Orgel mit Engeln verziert, typisch schöner Ladegastspieltisch mit geliebten weißen Klaviertasten (Heimat), wunderbare süffige Achtfüße und Flöten, sehr gerades Pedal.

8. Mai 2022

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Wenn Sie glauben, ich habe schon sehr viel über Frauen gesprochen, dann sei Ihnen versichert: Ich habe gerade erst angefangen. (Sahle-Work Zewde)

Äthiopische Politikerin. Heute erinnere ich auch an Mildred Scheel, deutsche Ärztin.

Foto: Seufert Orgel, Dom Würzburg

Muttertag ❤️Das Konzert im Südharz hier in Thüringen war sehr gut besucht, die Kirche voll. Presse war auch da. CDs verkauft. Blumen bekommen. Danach kamen alle draußen zu einem kleinen Empfang mit Sekt und Snacks und Dips zusammen. Leider konnte ich deswegen nicht mit auf das Proben-WE nach Binz (auf Rügen), schade, nicht mitfahren. Ich war schon mal in Binz mit der Fähre bei meinen Rügen-Konzerten. Sehr schön. Aber die Orgeltour hier in Thüringen war auch wieder sehr genial. Ich liebe den Harz. Wir waren in Neustadt im Harz an der wunderschönen Ladegast Orgel von 1876 (meine 18te) und an der Jehmlich Orgel in ev. St. Georg-Marien im malerischen Ilfeld (Harztor, bei Nordhausen), aus den 50iger Jahren, die nun gereinigt wird, nachdem die ganze Kirche restauriert wurde. Beide Orgeln werden von Hüfken (Halberstadt) betreut. Die Orgeln sind auch innen sauber und gepflegt. Vielen Dank an Christine Heimrich und Klaus Rödiger.

Letztes Mal waren wir Quedlinburg und in Hahnenklee. Der Südharz ist Karstgebiet mit Gips als Untergrund. Der kleine Fluss Wieda und der Fluss Bere versickern im Sommer im Gips. Ganz in der Nähe ist das KZ Dora. Hier wurde die V-2 Rakete im 2. WK als Vergeltungswaffe entwickelt. Und natürlich sieht man den Berg Kohnstein, die Burgruine Hohnstein mit Restaurant und den Brocken, den Goethe für seine Hexen-Stories verwendet hat. Goethe soll auch in Ilfeld abgestiegen sein. Dort hinauf auf den Brocken fährt die teure Harzer Schmalspurbahn mit echtem Dampf.

Es sind sehr viele Motorradfahrer unterwegs, die in Tunneln Gas geben. Die stärken sich dann im Netzkater. Die Thüringer Bratwurst hat das besondere Gewürz, das schon in Sachsen-Anhalt nicht mehr dasselbe ist.

Alles voller hübscher Fachwerkhäuser, Biergärten und gelber Rapsfelder. Pollen überall. Meine Nase juckt. Ich niese. „Haben Sie Corona?“ „Nein, ich habe Heuschnupfen“. Skeptischer Blick. Als ob Niesen etwas mit Corona zu tun hätte. German Angst. Ich habe leider eine ganz andere Angst: Wir waren nach den Orgeln auf der berühmten großen Hängebrücke im benachbarten Sachsen-Anhalt (Rappbode Talsperre). Die schaukelt ganz schön in ca. 70 m Höhe an der Staumauer. Ich konnte leider keine Fotos machen, weil die Höhenangst meine Knie weich macht, ich musste mich den ganzen Weg an beiden Geländern festhalten. Da die Brücke recht breit ist, hatte ich danach lahme Arme. Ein Mitarbeiter hat mich beobachtet und sagte hinterher, wenn er das gewusst hätte – er hätte mich auch beauftragen können, wenn ich schon mal dabei bin, die Geländer mit einem Tuch zu wischen. Manche haben die Brücke extra schaukeln lassen, was natürlich verboten ist. Neben uns sausten die nach unten, die das Fliegen gebucht haben. Man bot es mir an, aber ich konnte mich nicht dazu durchringen. Es erinnerte mich an meine Münsterbesteigung in Ulm, als sich die ganze Bagasch hinter mir stapelte, weil ich wegen HA im Schneckentempo hochstieg. Zurück konnte ich auch nicht mehr. In Ilfeld hätten wir auch auf den Turm gehen können. Es sind dort 7 Glocken. Es ist dort nicht ganz gesichert, sehr steile Treppen. Ich habe es nur bis zur ersten Glocke geschafft, trotz guten Zuredens. Spät abends schauten wir dann noch 2 Krimis.

Danke an alle lieben Leute hier! Vielen Dank an Sabine Wegner und Gemeinde Obersachswerfen.
Gute Nacht! Und morgen auf nach Plauen!

Neu: St. Marien zu Bergen

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Ladegast Orgel Neustadt im Harz (Thüringen)