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Ann-Helena Schlüter

25. September 2025: Wenn ich zum Himmel flöge, ich könnt dir nicht entflieh’n. Wenn ich zum Abgrund zöge, ich fände dich darin. Trüg’ mich das Morgenrot bis zu der Erde Enden, du hieltest mich in Händen im Leben und im Tod. (Thurmair)

Foto: Konzert in Balve

Dieses Lied GL 428 gehört mit zu den schönsten der Welt, finde ich. Einer der schönsten Texte im gesamten Gotteslob ist von einer Frau geschrieben. Auch die Melodie liebe ich. Wenn ich im Marienheim mit den alten Menschen an der Kapellen-Orgel singe, bin ich diejenige, die bei diesem Lied weinen muss, weil mich der Text so berührt.

Ich freue mich auf Rendsburg und Balve.

Gerade lese ich jeden Tag Bücher in alter deutscher Schrift, da ich festgestellt habe, dass ich die am Anfang gar nicht lesen konnte, und das gefiel mir nicht. Zudem lese ich gerade Lebendige Stimme.

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24. September 2025: So leben heute noch viele Politiker, Parteien und selbstgerechte Machtmenschen.

Ich habe das alte Buch gelesen: Helmut Kohl, die Macht und das Geld von Hans Leyendecker u.a.. Obwohl es so ein altes, dickes Buch ist, lernt man von diesem Werk sehr viel über unsere jetzige Politik und unsere jetzige Justiz und unsere Gesetze. Das Buch ist im Grunde diesbezüglich zeitlos. Ich finde, man lernt von diesem Buch viel über unser Land, wie es sich entwickelt hat, wie es so weit kommen konnte, wo die Weichenstellungen waren. Ich kann es nur empfehlen, jedenfalls allen, die sich für Politik, Geschichte und Justiz interessieren.

Es geht dabei nicht um Helmut Kohl allein; er ist längst tot und hat auch sicher viel Gutes für unser Land getan. Ich bin auch nicht der Meinung, dass man das, was jemand Gutes geleistet hat, wegwerfen kann oder muss, wenn er etwas Falsches tut. Das ist unmenschlich. Es geht mehr um das ganze (Männer-)System, um den Geist dahinter, um die Zusammenhänge, die blinden Flecken, “den Gesetzgeber”, das “Grundgesetz”.

Das, was unser Land rettet, ist Vergebung und Umkehr.

23. September 2025: Hehr ist sein Name und alle Himmel sind sein Gebiet. (Christian Fürchtegott Gellert)

Heute erinnere ich an Evelyn Palla. Und erneut an Erika Kirk, die ich von ganzem Herzen bewundere.

Mein dunkelbraunes Gotrian Steinweg Klavier ist endlich bei mir angekommen. Seit ich klein bin, hatte ich immer auch ein Klavier, nicht nur einen Flügel. Es ist etwas Gemütliches, Intimes und positiv Introvertiertes, an einem Klavier an der Wand zu üben, wie ich es seit meiner Kindheit gewöhnt bin. Ich fühle mich sicher und fein. Die Welt ist heil.

Seit ich Kind bin, hatten wir folgende Klaviere im Haus: Yamaha, Blüthner, Steinweg.

Empfehlen kann ich, jeden Tag vierstimmige Chorsätze und vierstimmige Choräle am Klavier zu spielen. Es ist wie Vollkornbrot. Gesund.

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22. September 2025: Es ist im Grunde unmöglich.

Foto: Pedal Bad Homburg Gonzenheim 2025

Heute erinnere ich an Evelyn Palla.

Das Konzert war sehr schön. Natürlich habe ich die Fuge BWV 542 gespielt. Ich hasse es übrigens, wenn jemand diese Fuge als “das Kaffeewasser kocht” bezeichnet. Was für eine dämliche Respektlosigkeit. Es ist ein so dichtes Werk, das einem keine Luft lässt, eine Fuge, die nach der Fantasie buchstäblich explodiert. Mit Kaffeewasser hat dies alles überhaupt nichts zu tun und ist einfach nur lächerlich.

Es war schön, hier zu konzertieren an der frisch gestimmten Orgel. Neu hinzugekommen ist die Trompete 8 im HW und die Klangkrone 1 im OW und die schrille, piepsige Mixtur im HW wurde abgemildert. Das Nachthorn 2 im HW wurde entfernt.

Gonzenheim hat ca. 8000 EW, Bad Homburg ca. 57.000 EW.

21. September 2025

Foto: Orgel Bad Homburg Gonzenheim 2025

Ich bin in Gonzenheim angekommen:

Mild neobarocke, mechanische, frisch sanierte Förster & Nicolaus Orgel ev. Kirche Gonzenheim Bad Homburg, Taunus, Hessen, 17 R, 2 M, 2000 Pfeifen, Schleifladen

Die Gonzenheimer Orgel ist ein Allround-Instrument, auf dem viele Musikrichtungen gespielt werden können. Sie wurde 2024/2025 gereinigt für über 100.000 Euro von F&N.

Hübsche, schlichte, helle Kirche mit türkis geschmückter Tafeldecke und Turm.

Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz.

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19. September 2025: Es ist Grashüpferzeit.

Foto: Konzert Bad Homburg Gonzenheim

Heute erinnere ich an Kaija Saariaho.

Ich freue mich auf das Chorseminar in Rendsburg, gesponsert für meinen Master Chorleitung von der Folkwang Essen. Ich habe auch wieder angefangen, für Chor zu komponieren. Seit ich Chöre dirigiere, ist natürlich auch mein Interesse für Chorliteratur intensiver geweckt.

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18. September 2025

Foto: Orgelherbst Twistringen

Heute erinnere ich an Vítězslava Kaprálová.

Ich liebe die Chormusik von Clara Schumann. Die Art, wie sie Text in Musik setzt, ist sehr intensiv, ihre harmonischen Wendungen besonders.

Überhaupt mag ich Chormusik; es ist zwar eine andere Stilistik hier und da als das, was ich an Flügel und Orgel spiele. Und manches des heutigen Chorrepertoire ist mir auch zu platt oder zu einfach gestrickt und zu sehr auf (rhythmische) Effekte aus – man findet überhaupt sehr viele Effekte auf engstem und kürzestem Raum vor in der Chorliteratur.

Aber dafür gibt es auch Stücke, die umwerfend sind, besonders in der alten Literatur, und nicht zu überladen mit den typischen Choreffekten, die mich auf Dauer stören, weil sie mir kitschig vorkommen. Die „neuen“ Stücke sind oft voll mit postromantischen Dissonanz-Wendungen. So etwas Plattes würde man für die Orgel niemals schreiben.

17. September 2025: Sinnesreich

Foto: Konzert Bach Goldberg Variationen on Organ St. Antonius Worbis

Heute erinnere ich an Eleanor Daley.

Ist das nicht verrückt, dass in unserer Welt so viel auf den Kopf gestellt ist? Zum Beispiel wird das Älterwerden als etwas Negatives dargestellt, als etwas, das schädlich oder schlecht ist. Aber das Gegenteil ist der Fall. Es ist ein Segen. Vor allem bei denen, die an die Ewigkeit glauben, an den Himmel. Der Himmel ist keine Harfe oder eine Wolke. Der Himmel ist Gott. Wer ihn nicht liebt, hat dort natürlich nichts verloren. Bzw. er hat dort alles verloren.

Und was ist also so geheimnisvoll und so tief, der Schatz am Älterwerden? Dass sich das Versprechen, die Hoffnung, die Gott uns schenkt, mit jedem Jahr vertieft in unserem Herzen. Weil die Reise immer intensiver wird, das Versprechen immer kostbarer, das Leben immer mehr an Fahrt aufnimmt hin zu Gott. Im Grunde immer geistlicher wird. Hin zum Vater, der unseren Namen kennt, hin zum Hirten. Am Schluss ist es das Einzige, was man wirklich weiß: Gott. Ist er der einzige, den man weiß.

Natürlich, wenn man so beschenkt ist, dass man gesund ist, wird man mir sagen. Wenn man nicht krank ist oder Schmerzen hat. Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass weder Armut noch Reichtum, weder Gesundheit noch Krankheit, weder Glück noch Pech, weder Kirche noch Nichtkirche, weder Perfektes noch weniger Perfektes unsere tiefste Sehnsucht jemals stillen wird. Es kann uns noch so gut gehen und wir sind doch in der Lage, blind zu sein für das, um das es wirklich geht.

Was erstaunlich ist: Gott hat kein Problem damit, dass wir verblendet sind. Er wartet auf uns. Er erträgt unsere Provinz. Nichts zieht so sehr wie seine Geduld. Seine Gnade, was noch viel mehr ist als Geduld. Wer diese Geduld, diese Gnade verpasst, der hat schon immer wieder bewusst und aggressiv weggeschaut.

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16. September 2025

Foto: Gaida Orgel St. Michael Kirchberg Rhein Hunsrück 2025

Ich bin ein Fan von Derrick, das ist so schön gemütlich, altmodisch und wie von einem anderen Stern. Es gefällt mir besser als Inspector Barnaby.

Ich übe neues Repertoire und es macht Spaß.

Wenn ich oft unterwegs bin, brauche ich manchmal Ruhe und Tage, an denen ich gar nicht oder wenig aus dem Haus gehe. Stille ist gerade für Musikerinnen sehr wichtig.

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15. September 2025: So eine Multiplex-Orgel ist gar nicht so leicht zu spielen, weil man überall auf aux-Kippschalter trifft, die subkoppeln, Super, Hyper, Sub.

Foto: Nollet Sebald Gaida Orgel St. Michael Kirchberg Hunsrück 2025

Heute erinnere ich an Jessica Hocks.

Große Nollet-Sebald-Gaida Orgel kath. St. Michael Kirche Kirchberg, Hunsrück, Rheinland-Pfalz, 3 M, 34 R

Kirchberg ist die älteste Stadt im Hunsrück. Und steht erhoben auf einem Berg. Und diese wundervolle Kirche besaß die erste Stumm-Orgel überhaupt! Diese war von 1717. Bevor 1754 Nollet aus Trier kam.

Zu dieser Zeit war die Kirche eine Simultan-Kirche.

Wir wissen, dass die Disposition dieser kleinen ersten Stumm-Orgel einen 4-Fuß im Pedal hatte wie in Rhaunen und einen 4 Fuß Salicional (was revolutionär ist), die er Spitzflöt nannte. Die 1717 errichtete Stummorgel war eine vollmechanische Schleifladenorgel, so auch die Nollet-Orgel.

Das elektrische Schleifladen-Instrument nun mit 4 Auxiliarreihen = Einzeltonladen befindet sich im historischen prächtigen Gehäuse von Roman Benedikt Nollet aus dem Jahr 1754. Wie diese barocke Nollet-Orgel geklungen hat, wissen wir leider nicht mehr. Und leider erst recht nicht, wie die erste Stumm-Orgel klang!

Seit 2016 besitzt die Sebald-Gaida-Orgel einen neuen freien Spieltisch und eine Setzeranlage.

Die mechanische zweimanualige Sebald Orgel (Schleiflade) von 1969 war mit 16 Registern ausgestattet, nun hat sie 20 „echte“, aus denen Gaida per Multiplex und Elektronik 34 gemacht hat zusammen mit der Chororgel hinter dem Hochaltar, die (ähnlich wie in Cottbus Oberkirche) als Teilwerk oder Fernorgel hinzugefügt wurde zum Spieltisch. Die Orgel wurde komplett elektrifiziert.

Die Pedalregister wurden auf Einzeltonladen gestellt und als Auxiliarregister in mehreren Fußtonlagen in allen Manualen spielbar gemacht. So etwas kann man auch multiplex nennen. Der OSV war nicht begeistert.

Die rotweisse Kirche im Hunsrück ist sehr schön. Auch der Taunus gefällt mir gut.

Jahre lang musste man sich mit der Behelfsorgel neben dem Altar begnügen, während Orgelbauer Thomas Gaida aus Wemmetsweiler mit seinem Team die Renovierung vornahm. Daraus wurde leider ein Neubau, die Barockorgel war angeblich nicht mehr zu retten. Der Neubau kostete ca. 130.000 Euro. 

Brillante, wundervolle Akustik. Durch die „Chororgel“ an die Hauptorgel angegliedert, erlebt man einen tollen Dolby Surround Effekt im Saal. Allerdings kann man die Chororgel nicht wirklich so nennen. Sie steht vollkommen verborgen hinter dem Hochaltar, dieser geschmackvoll angestrahlt. Hinter dem Hochaltar ist es sehr eng.

Im Grunde steht in diesem engen Spalt nur ein Brett mit kleinen Pfeifen auf einem hohen Holzgestell. Dennoch ist es eine super Idee von Gaida, vor allen in diesem schicken Nachhall, einen Dolby Surround Effekt auf diese Weise durch eine tricky Chororgel zu gestalten.

Mein Konzert war sehr schön. Es war ein warmer Spätsommerabend.

Früher stand hier die erste wunderschöne Stumm-Orgel, in der Größe wie die in Rhaunen, ein einmanualiges Instrument des jungen Stumm. Stumm hatte sogar eine Interims-Orgel angeboten in der Bauzeit, seine Wohnzimmer-Orgel.

Warum Nollet sie entfernt hat, weiß ich nicht. Aber die Kirche hat also eine bewegte Zeit hinter sich.

Nun fand ich eine völlig andere Orgel vor: eine moderne multiplex-Orgel. So eine Orgel ist gar nicht so leicht zu spielen, weil man überall auf aux-Kippschalter trifft, die subkoppeln, Super, Hyper, Sub. Auch wenn ich dies von anderen Orgeln kenne: Hier ist es besonders extrem, aus dieser verhältnismäßig kleinen Orgel ist eine Mammut-Orgel geworden.

Ich habe jedenfalls noch nie eine solche Multiplex-Orgel mit Chororgel in einem barocken Gehäuse gespielt! Es gibt echt immer etwas Neues zu entdecken!

Es hat viel Spaß und Freude gemacht, hier zu spielen. Tolle Zungen!

Viele mögen Verzögerungen durch Kegelladen oder Pneumatik nicht. Ich mag es sehr gern.

Tremulante habe ich natürlich vermisst.

Der Turm einiger Kirchen der Gegend wird übrigens gerade für 1,4 Millionen Euro saniert. Momentan dürfen die Glocken nicht geläutet werden, und das ist für eine Wallfahrtskirche unschön.

Diese teuren Turmsanierungen betreffen einige Kirchen im Hunsrück.

Der schöne Hunsrück ist übrigens nicht gut angeschlossen an den Rest der Welt, schlechter als Mecklenburg oder Pommern, und das will schon was heißen. Die malerischen Orte im Hinterland mit ihren Fachwerkhäusern liegen oft wie „tot“ da: kaum Cafés, keine Menschen. Geschäfte haben dicht gemacht. Aber Döner und Asia.

Der Airport Hahn ist übrigens furchtbar hässlich und im Off.