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Bachvermittlerin

12. Dezember 2025: Was ist das Eigensein eines Menschen?

Identität ist ein sinnliches, leidenschaftliches Thema. Maske, Antlitz, Äußeres, Inneres, Wahres, Geist, Seele – alles spielt hier hinein. Und neuerdings auch der Begriff RBF – was das ist, schaut bitte selber nach. Doch was mich heute besonders interessiert, ist:

In wiefern ist eine Webseite, beispielsweise wie ich sie habe, Identität? Ist ein Konstrukt, ein Bildnis, ein Selbstzeugnis Identität, und wenn ja, welche? Damit beschäftigen sich auch Forscher, und zwar mit dem Bildnis, dem Selbstkonstrukt, welches sich Johann Sebastian Bach 1746 anfertigen ließ von dem Maler Elias Haußmann.
So ein Bildnis war damals ungefähr das Gleiche wie eine Webseite heute, finde ich. Man stellt sich selbst dar. Und dies tat Bach auch. Er stellte sich, wie jede weiß, mit einem Notenblatt dar. Mit einer Komposition, einem seiner Rätselkanons. Als Meister seines Fachs. Was er auch war.

Künstler stellen sich selbst dar. Das müssen sie. Viele Nicht-Künstler, darunter Kirchenmusiker, hassen Künstler und deren Selbstdarstellung.

Ist ein SeIbstkonstrukt wahrer, authentischer Ausdruck? Identität? Und wenn ja, warum? Und wenn ja, warum neiden und verachten manche Menschen genau dies? Bach ging es da nicht besser mit den Hatern, die er hatte.

Ihr wisst, ich bin unterwegs, aber das beschäftigt mich trotzdem sehr.

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11. Dezember 2025: Danke für 5000 Abonnenten auf YouTube ! ❤️

Den Artikel von Markus Hänsel Hohenhausen vom Nackten Bach bzw. entkleidetem Bach fand ich interessant. Er spielt mit den Begriffen Macht, Identität und Symbol. Es geht dabei um Biografien, Selbstdarstellungen und Bildnisse. Mehr dazu morgen.

Wenn man auf die Autobahn fährt, ist sofort Hauen und Stechen. Es dauert keine 3 Sekunden, kaum dass ich die Autobahn betreten habe, dass ich von LKWS per Lichthupe auf die Mittelspur genötigt werde. Dort ergeht es mir zwar etwas besser, aber auch hier gibt es einige Rowdys, die vertreiben wollen. Auf die langsame Spur gehe ich auf keinen Fall zurück, da man dort von den LKWs zerstört wird. Am schlimmsten ist das Hauen und Stechen auf der Raserspur. Aber da bin ich äußert selten. Ich möchte in Ruhe und gern meine 115 fahren. Autobahn: Testosteron und Sexismus.

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10. Dezember 2025: Bach ist keine entschwundene Persönlichkeit. Er ist immer noch da.

Heute erinnere ich an die Schriftstellerin Marie-Jeanne Riccoboni und an Cornelia Schlosser, die Schwester von Goethe, ebenfalls Autorin, die Goethe für begabter hielt als sich.

Ich finde Kunst auch deswegen so spannend, weil sich in ihr das wunderbare Doppelwesen in uns Menschen, in den Künstlerinnen und Künstlern zeigt: Geschöpf und zugleich Schöpfer sein, was das Prinzip Gottes ist, der sich in uns spiegelt. Es gibt wenig Schöneres im Leben. Obwohl man Gott nicht beweisen kann, ist es doch der Glaube, der mich das wissen lässt.

Und ich kann verstehen, dass J.S. Bach, der die Musik zur Spitze der Kunst führte, der (Musik)Wissenschaft nicht sehr entgegenkam, denn die Wissenschaft lehnt den Glauben methodisch ab – und damit im Grunde auch die Kunst. Kunst und Glauben sind eine Einheit. Da ist stets eine splitterzarte Verbindung.

Natürlich kann man sagen, dass der Glaube ihre Axiomen hat, ihre Grundannahmen ohne Beweise. Aber so auch die Wissenschaft, oder nicht? Sie geht selbst von Grundprinzipien aus, die angenommen werden, besonders, wenn sie versucht, die Welt und ihre Entstehung ohne Gott zu erklären.

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9. Dezember 2025: Anders als Mozart und Beethoven bleibt Bach hinter seinem Werk verborgen. (Die Zeit, 2008)

Ich lese Karl Krolow (1915) und Ernst Jünger, beides Schriftsteller aus längst vergangenen Zeiten. Aus Zeiten, die mir fremd sind. Gerade deswegen finde ich deren Leben und Gedichte sehr eindrücklich und in gewisser Weise beängstigend, denn ihre Worte zeigen mir, wie wenig wir doch als Menschen wissen von fremden Welten, Worten und Zeiten. Obwohl wir heute meinen, durch Medien und Bildung alles oder das Meiste zu kennen.

Wissen ist ein Schatz und eine Bürde. Wenn ich auf neue Gedankengänge stoße, auf neue Wörter und Formulierungen, dann jauchzt etwas in mir vor Vergnügen. Vermutlich mein Horizont, der sich weiter dehnt und wie ein Schwamm ist. Man trifft ja lange heute auf nichts Gutes mehr, überall Schrott, in Buchläden besonders. Es ist also ein Geschenk, plötzlich und überraschend auf richtig gutes Futter zu treffen.

Um an Kunst und Literatur dran zu bleiben, braucht es viel Arbeitswillen, es ist mühselig, man ist durch gesellschaftliche Anforderungen oft beinahe gehindert. Mein Lebenselixier ist zudem die Musik. Mit einer Eindringlichkeit zieht sie mich an sich. In der Musik sehe ich die höchste Literatur und Verdichtung.


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8. Dezember 2025

Heute erinnere ich an Franz und Else Rauhut, 1898 geboren und in Würzburg gelebt, er war romanischer Philologe.

J.S. Bach war nicht der typische Kirchenmusiker, Kantor oder Dommusiker von heute: junger weißer Mann mit dem oft langweiligen Lebenslauf eines typischen Kirchenmusikers, oft an einer Stelle studierend und dann oft Assistent bei einem Dommusiker und dann 40 Jahre an der gleichen Stelle, bis alter weißer Mann – nichts verändert und nicht über den Tellerrand geschaut und alles bekämpft, was neu und anders ist.

Bach aber war an sehr vielen Orten, war Kammermusiker, Geiger, Komponist und Tasteninstrumentler. Viele Kirchenmusiker dagegen können kein einziges Tasteninstrument spielen (die Orgel gehört nur bedingt dazu, ist zudem ein Pfeifeninstrument) – es hört bei den meisten beim Klavier und Cembalo auf, von Geige ganz zu schweigen, und wenn, dann auf keinem hohen Niveau; von Komponieren und Kammermusik mal ganz ganz zu schweigen. Dazu im Vergleich war Johann Sebastian völlig anders, so gesehen beinahe gar kein Kirchenmusiker / Kantor, denn er war Künstler und hat unglaublich viel verändert. Man mag nur allein an das WTK denken.

Noch im letzten Jahr seines Lebens nahm er Schüler in seine Wohnung auf, die bei ihm lebten. In der deutschen Abteilung Kirchenmusik heute unvorstellbar. Da wird ein Graben zwischen Dozent und Studierenden gemacht. Viele weiße alte Männer reisen sofort nach dem Unterricht ab in ihre Parallelwelt in eine andere Stadt zur family. Manche können gar den Hals nicht voll kriegen und haben gleich 2 Professuren, pendeln und machen Dienst nach Vorschrift.

Bach aber hatte Jünger wie Jesus, Nachwuchs, der bei ihm und seiner Frau lebte, mit ihm diskutierte, mit ihm aß und ihn beobachtete, wie er wirklich war. So hatte der gesegnete Gottlieb Müthel noch die unfassbare Gelegenheit gehabt, bei Bach zu leben. Obwohl JSB bereits fast blind gewesen sein könnte. Und noch immer bekämpfte er seine Feinde mit der Waffe der Kunst.

Leider war J.S. Bach auf einen gewissen „Arzt“ John Taylor hereingefallen, der ihn nicht gesund machen konnte. Bach starb am 28. Juli 1750.

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7. Dezember 2025: Nicht nur durch die richtige Predigt oder die richtigen Worte, wie die Bibel sagt, sondern auch durch Hören von Musik, die selig macht. Die die Wahrheit und Schönheit spricht, auch ohne Worte: Durch Hören selig werden.

Gesegneter 2. Advent!

Wenn Bach kein Musikwissenschaftler war, was war er dann? Er war Musikgelehrter, der über 260 Kantaten geschrieben hat und der – schon damals zum Trotz des Jung-Sein-Wahns – in seinen letzten Jahren wieder trotz Leid seine größten Werke schrieb, eine Ausnahme in Alter, in seiner ganzen Art … der sich Ausnahmen schuf, weil er selbst eine Ausnahme war.


Ich glaube, dass jemand, der eine Ausnahme ist, Ausnahmen für sich schaffen muss, um zu leben, um zu überleben.


Welche Gestalt wollte Johann Sebastian Musik bringen? Nicht in die Gestalt von Theorie und Wissenschaft, sondern in die Gestalt von Kunst.

Obwohl Thomasschulkantor, betrat er die grässliche Schule nicht mehr, sondern unterrichtete zuhause. Obwohl im hohen Alter, führte er seine Passionen und Kantaten auf. Es kann sein, dass er 1749 noch Kantaten komponierte.

Das alles passte dem Rat in Leipzig nicht. Sie entwürdigten Bach und hatten schon einen Nachfolger… ein Unbekannter, ein Harrer, der 13 Monate warten musste, bis Johann Sebastian starb.

Wie kann man so einen unglaublich tollen Menschen entwürdigen? Wie überhaupt auf die Idee kommen? Jemand, der so wundervoll ist, dass ich mich sehr darauf freue, ihn im Himmel endlich persönlich zu treffen? (Warum Angst vor dem Tod haben? Diesen Weg gingen bereits meine größten Vorbilder, Jesus, Bach, Bonhoeffer, Jeanne d’Arc, Maria, Gerhardt…)

JS tat ihnen den Gefallen erst mal nicht und erholte sich. Trotz Schmerzen war er in den Jahren 1749 und 1750 sehr produktiv und kreativ und widmete sich ganz dem Komponieren und seiner Familie und ließ alles andere liegen. Er war auch nicht verbohrt wie viele heute, die massiv zwischen evangelisch und katholisch unterscheiden, sondern komponierte eine wundervolle katholische Messe.

Wenn Bach kein Musikwissenschaftler war, was war er dann? Ein Kunstgeist mit eigenem Kunststil, schrieb Forkel, der unermüdlich studierend und arbeitend das Gebiet der Kunst in der Musik bis ins Letzte auszudehnen und auszuweiten gedachte – Ideale und unvergängliche Muster zu schaffen – warum? Weil diese Kunst bereits ausstarb. Bach muss gewusst haben, dass seine Kunst über alle Zeit erhalten bleibt. Er ordnete seine Werke wie ein Verrückter in seinen letzten Jahren.

Er war ein Prophet. Der erste wahre Künstler, das erste wahre Genie.

6. Dezember 2025: Da steig ich im stiller Stund auf den höchsten Berg in die Weite, grüß dich, Deutschland, aus Herzensgrund! (Eichendorff)

Heute erinnere ich an die Sängerin Faustina Bordoni, eine Anhängerin und Freundin Bachs.

Das stimmt, dass man sich in Instrumenten und deren Klang verlieben kann – und auch sollte. Es wäre schlimm, wenn nicht. Es ist schön, wenn man sich nicht satthören kann. So geht es mir auch mit Stimmen.

Musik ist das Wahrzeichen Gottes. Sie muss süffig, nicht trocken sein. Johann Sebastian Bach mochte die Musikwissenschaft nicht sehr und schrieb, er sei „kein Freund von trockenem, theoretischen Zeug“ – gar ein „Gegner, Musik in die Gestalt einer Wissenschaft zu bringen“ (der angeblich ach strenge trockene Fugenkomponist, wie manche ihn sehen bzw. (nicht) hören).

Es gibt Menschen, die sind dafür umso geflissentlicher dabei, Musik und Kunst in Theorie und Wissenschaft zu bringen. Bach in seiner unübertroffenen musikalischen Klugheit gehörte nicht dazu. Ich glaube, er wusste von der Einzigartigkeit seiner Kunst. Insgesamt hat er zudem weit über 100 Schüler unterrichtet.

4. Dezember 2025: Im kulturellen Gedächtnis werden fast nur männliche Helden genannt. Dabei haben meist Frauen ihr Leben für das Land gegeben, nicht für den eigenen Ruhm.

Vielen Dank für alle Geschenke und die tollen Orgel-Bücher und Adventskalender! 🥰

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3. Dezember 2025

Foto: Schmid Orgel St. Mariä Himmelfahrt Kirche Landsberg 2025

Die 32′-Register sind eigenständig.

Die Chororgel ist vom II. Manual aus elektrisch anspielbar.

Die große Kirche wirkt etwas kühl und dunkel trotz Gold und Weiß, sehr hübsch sind jedoch der kleine Brunnen mitten im Gang, der barocke goldene Hochaltar 1679, die Kunstwerke und die bunten Farbglasfenster aus dem 15. Jahrhundert.

Bach erlebte das Hin und Her, das typisch ist für Künstler: Auf der einen Seite in einer Sänfte in Kassel, von Erbprinzen und Gönnern mit Ringen, Titeln und Achtung beschenkt; auf der anderen Seite die bedrückenden Jahre mit den armseligen Neidern, weswegen er sich schon ab 1730 zurückzog und das Komponieren stark einschränkte. Insgesamt kam er mit den Adeligen viel viel besser zurecht als mit der Kirche. In Leipzig war er oft isoliert, er hatte gegen Intrigen zu kämpfen.

Und von Anna Magdalena gibt es nicht mal eine Beschreibung, geschweige denn ein Bild.