29. Juni 2026: Wenn man den Tod aus seinem Leben verdrängt, ist das Leben nie vollständig; doch wenn man ihn einbezieht, bereichert man das Leben. (Etty Hillesum)
Foto: Konzert Reinheim Dreifaltigkeitskirche 2026
Heute erinnere ich an Veit Bach, Johann Ernst und Heinrich Bach. Pfarrerstochter Anna Helena Margaretha Wirth heiratete Johann Ernst Bach, der die Stelle nach J.S. in Arnstadt übernahm. Anna Helena starb direkt nach der Geburt ihrer Tochter, weil sich damals wenig um Schwangere gekümmert wurde. Was schade ist, denn diese kleine Tochter Anna Susanna war die letzte Vertreterin der Familie Bach in Arnstadt. Auch sie starb bald, vor ihrem Vater, der Mutter und Kind überlebte. Die Gesundheit von Frauen, Mädchen und Kindern war damals wenig wichtig. Das gleicht sich heute aus.
Ich finde es schön, bei einer Orgel sofort die Art Windlade, das Baujahr, die Trakturen erkennen und definieren zu können.
Romantische voll-pneumatische Köhler / Förster & Nicolaus Orgel ev. Kirche Reinheim in Hessen, Odenwald, 2 M, 19 R und 3 Transmissionen, Kegelladen, Schweller, Walze, 1240 Pfeifen
Die wunderbare Kegelladen-Orgel 1929/2023 im genialen türkisfarbenen Köhler-Barock-Prospekt von 1750 in Reinheim, Odenwald ist denkmalgeschützt. 1750 ist das Geburtsjahr von J.S. Bach. Köhler baute 24 Orgeln in einem Jahr. Heute unvorstellbar.
Der historische grün-goldene Prospekt mit Engeln ist eine Augenweide. Prachtvoll präsentiert sich die Orgel in der Dreifaltigkeitskirche. In dem Prospekt von 1750 stand bis 1928 eine von Köhler aus Frankfurt gebaute Orgel, bis die oberhessische Firma Förster & Nicolaus (F&N) für 18110 Reichsmark eine neue pneumatische Orgel in das bestehende Prospekt einbaute.
Die Disposition war hochromantisch und orientierte sich dennoch an der „Elsässer Orgelreform“ mit Soloregistern im oberen Manual. Bereits 1960 wurde diese Disposition, des zeitlichen Geschmacks geschuldet, leider tiefgreifend verändert und die schwebenden Registerfarben durch obertönige Register ersetzt, sowie Schweller und Crescendowalze ausgebaut.
Der elegante Prospekt ist mit zwei posaunenblasenden Engeln und der Initialkartusche Landgraf Ludwigs VIII. (1739-1768) geschmückt. Die Köhler-Orgel hatte in Manual und Pedal 17 Register.Es ist meine zweite FN-Orgel. Die erste spielte ich in Frankfurt am Main.
Ich bin also wieder in Reinheim im Odenwald angekommen, eine süße Stadt bei Darmstadt. Die voll-pneumatische, romantische Förster & Nicolaus Orgel von 1929 im wunderbaren Köhler-Prospekt von 1750 wurde 2023 rekonstruiert – von Förster & Nicolaus. Für 230.000 €! Auf den Zustand von 1929. Nachdem Förster & Nicolaus sie selbst nach dem Zeitwahn-Geschmack in den 60er Jahren neobarock zerstört hatte – die eigene Orgel!
Sie bauten damals Sifflöte und ein absurd schrilles dreifaches Scharff in die pneumatische Orgel ein und klebten und klemmten die romantischen Solofarben, die Streicher und Flöten ab. Man sieht hier also eine Orgelbaufirma, die es immer noch gibt, im Wandel der Zeit in dreimaliger Tätigkeit von Neubau über Verirrung hin zur Rekonstruktion.
Der Prospekt, spitz zulaufend, ist komplett historisch und war nie vom Holzwurm befallen. Es befinden sich große goldene Engel oben und ein LL-Wappen. Die Pfeifen im Prospekt sind klingend. 2026/2027 wird der Turm mit Dach neu gemacht und die Orgel deswegen eingetütet.
Wunderschöne rosa Kippschalter für das HW I und himmelblaue für das SW. Auf einer Windlade unten steht mit kleinen Schildchen die Originaldisposition 1929.
Die Spendengelder vom Staat kamen, weil die Orgel im restaurierten Zustand unter Denkmalschutz steht. Das hatt 2021 Patrizia Lips (CDU) veranlasst, dann kamen vom Land Hessen, Landeskirchen, Sparkasse Hessen Thüringen weitere Spenden.
Gut kann die Gemeinde 53000 € stemmen, und durch weitere Spenden sind es „nur noch“ 25000 €.
Der Schweller hat sich ausgehängt, die Orgel ist etwas windstößig (und damit etwas verstimmt) und die Pedalkoppeln sind positiv träge, aber sie ist eben denkmalgeschützt.
Bei der Abnahme durch den Sachverständigen fiel die Orgel durch. Ups! Da war was los!
Beim nächsten Termin war der Chef von F&N dabei, da wurde einiges richtig gestellt: der Zustand von 1929 ist so, wie er ist – und nicht wie er gegenwärtig sein sollte. Basta. Das hat gesessen.
Klar sind Defizite vorhanden: der ca. 7 m lange Weg zum Gebläse auf dem Dachboden beispielsweise. Da sind die beiden Säulen rechts und links. Macht zwar keine Geräusche, ist aber ein viel zu weiter Weg, den die Luft gehen muss.
Aber da gab es strenge Auflagen, damit das Instrument als Denkmal anerkannt wurde, für die Fördergelder.
Selbst der Knopf zum Einschalten musste außerhalb des Spieltischs montiert werden. Wer kommt denn auf sowas?

Warm-samtig-trockene Akustik. Die schöne Oboe funktioniert leider nicht.
In die Orgelwand schnitten sich verewigend die Organisten der Jahrhunderte ein, u.a. von 1777 und 1786. Besonders schön ist die Traversflöte 4 und die Harmonika Aetheria 8.
Die Orgel wurde 29 Jahre lang nicht gereinigt; wurde jetzt alles gemacht, nach so langer Zeit ist dies sehr teuer, 53000 €. Bei der Restaurierung durch die Fa. F&N 2021/22 stellte sich heraus, dass die Windversorgung im Spieltisch bis 1960 unzureichend war, d.h. gerade so funktionierte. Das spürt man auch heute noch etwas.
Bei geringen Temperaturschwankungen entfalteten sich diese Mängel und führten zu Fehlfunktionen bei der pneumatischen Schalttechnik, die nach 1960 reduziert wurde. Das Förderprogramm der Bundesregierung für historische Orgeln machte es möglich, die Orgel die originale Disposition zurückzugeben und sie erst dadurch als denkmalgeschützt einzustufen.
Laut Aussage der Orgelbauer ist sie die einzige erhaltene Orgel der Firma F&N, deren Disposition sich an die Elsässer Orgelreform orientiert und mit einer enormen Fülle an Spielhilfen wieder ausgestattet ist.
Bei der Gelegenheit wurde die Orgel gereinigt (letzte Reinigung vor ca. 30 Jahren), die pneumatische Technik überarbeitet (besonders die unzureichende Luftzufuhr am Spieltisch), Pfeifen ausgetauscht, repariert und die Stimmvorrichtung gerichtet. Das doppelfaltige Magazin wurde komplett neu beledert. Die Manualklaviatur wurde überarbeitet und verformte Tastenbeläge erneuert.
Im Fußwinkelbrett wurde der Bretterverschlag entfernt und die Crescendowalze, deren Schaltmodul 60 Jahre mit gekappten Bleirohren in der Orgel lag, wieder eingebaut. Das Schwellwerk, dessen Jalousien über 60 Jahre auf dem hinteren Gehäuse lagen, wurde ebenso wieder in Funktion gebracht.
Nach 17 Monaten Arbeitszeit, im Sommer 2022 wurde die Orgel wieder feierlich eingeweiht und überrascht seither mit einem vollen, angenehmen, lichten und variationsreichen Klang. Inzwischen wurden namhafte Orgelvirtuosen und Virtuosinnen auf dieses Instrument aufmerksam und spielen Konzerte zur Freude aller.
Zu gern würde ich wissen, wie die barocke Köhler-Orgel von damals geklungen hat. Sie war seitenspielig und besaß ein Manual. 1929 kam dann der Neubau von FN im alten, wunderbaren Prospekt.
Die Dispositionen zu den Vorgänger-Orgeln sind hier zum ersten Mal im Netz:
Anbei meine neue CD bei Naxos:
https://www.naxos.de/neuheiten/4029897020553
Neue CD 2026: BACH BERÜHREN:
https://www.ann-helena.de/orgelinformation
https://www.ann-helena.de/shop
https://magazin.klassik.com/records/teaser.cfm?RECID=41534

ich kenn ne Orgel mit 8 Anschaltern, alle gegenüber dem Spieltisch. Wie immer, die GRÖßTE in ner Kirche, so groß wie mein Möchtegern Schwanz
– die größte Orgelpfeife
Einfach: Immer vor den Tasten. Am schlimmsten mit KMD Titel.
Pfeifengröße und Pfeifen-Anzahl ersetzen fehlende Musikalität.
think big: es darf gerne viiiiiel kosten. Euer Michael Gerhard
Teuer finde ich auch gut. Außerdem ist das Honorar des Orgel-Schwachverständigen direkt gekoppelt. Prozente versteht sich. Mehr gibt mehr.
Grüßt schelmisch-wissend aus Berlin (diesmal nicht am Ofen) #pfui
Es fehlt die echte Kammermusik und Künstler-Mentalität in der Kirchenmusik. Oder wer redet bitte in der Geigen-oder Oboen-Welt von der „größten, längsten, dicksten Oboe“??
Laut Thomas Schmidt und orgel.on interessiert sich die unmusikalische Orgelwelt nur für folgendes:
– die größte Orgelpfeife
– die größte Orgel
– die meisten Pfeifen
– was am größten, schwersten, längsten ist
– THINK BIG
Es geht nicht um Musik, Klang, Kunst, Können. Kein Wunder, dass Leute wie Thomas Schmidt so drauf sind und viele mit ihm (siehe Orgelpfeifenforum und die männerdominierte Musikhochschulwelt in Sachen Kirchenmusik) #penisersatz
„Beim Orgel spielen kommst du GANZ GROẞ raus!“
Typisches Rentner Funktionärs Geschwafel.
Man sieht ja an Johannes Krahl, der dich sexuell belästigt hat und das Passwort zu deiner Webseite haben wollte, wie groß einer rauskommt. Er hält sich auch für ganz groß.
Ein Drama ist auch wenn die schönen Würzburger Domchormädels nichts von mir wollen. Eigentlich unverständlich