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Orgel Josefskirche Simmern

Akustik ist unberechenbar. (AHS)

21. Mai 2026

Ich freue mich auf die Konzerte am WE. Das Konzert in Großkmehlen fällt leider aus, obwohl sich schon viele darauf gefreut haben. Der Grund ist, dass es ein paar Testosteron nicht gefallen hat, dass eine Konzertorganistin dort spielt. Ursula Wegmann, die mit mir das Konzert geplant hat, ist sofort eingeknickt. Bisher haben hier fast nur Männer gespielt. Die Gottfried-Silbermann-Gesellschaft ist ja bewusst ein Männer-Klüngel-Verein.

Ursula Wegmann sagte, sie habe es falsch organisiert, habe aber auch kein Geld, mir den Ausfall zu bezahlen oder für ihren Fehler geradezustehen, sie sei ja so arm und klein. Wir wissen ja, wie wenig Geld Pfarrerinnen als Gehalt beziehen. Als Krönung behauptete sie noch, sie würde „für die Musik leben“.

Ich glaube, viele Leute schreiben so einen Satz dahin, ohne zu wissen, was er bedeutet. Für die Musik zu leben, bedeutet, alles dafür zu geben, jeden Tag, jede Stunde, seit Kindheit. Aber die meisten Menschen lieben Geld, Sicherheit und Kontrolle wesentlich mehr als Musik. Da dies aber nicht sehr sinnlich klingt, meinen auch diese, für etwas Höheres oder Sinnlicheres oder gar für die Musik oder Gott zu leben. Was total kalter Kaffee ist. Sobald es unbequem wird, ist Musik für sie zweitrangig. Und Gott erst recht.

Es klingt zwar gut und ist leicht daher gesagt, dass man Musik liebt oder dafür lebt. Aber die Opfer, die man bringen müsste, sind für die meisten eine Zumutung.

Musik als Hobby zu haben oder nebenberuflich Orgel zu spielen oder gern Musik hören ist nicht, für die Musik zu leben. Schon gar nicht ist es das, wenn man denen, die dafür und davon leben, das Leben schwer macht. Das Gegenteil von musikalisch ist nicht unmusikalisch, sondern feige. Und meistens auch faul.


Groß aufgefaltete Orgel Hunsrücker Dom Kloster Ravengiersburg, Hunsrück, 2 M, 19 R

Die ehemalig romanische Stiftskirche St. Christophorus („Hunsrückdom“) geht auf eine Gründung des 11. Jahrhunderts zurück. Sie ist hoch erhoben auf Schieferfelsen über dem kleinen Dorf im zentralen Hunsrück, riesig für den kleinen Ort, und mit seinen Türmen eindrucksvoll. Hier stand früher mal eine Burg.

Das weiße Klostergebäude davor wurde nun für ein Altersheim verpachtet, da die letzten beiden (indischen) Brüder ausziehen mussten. Das Bistum Trier ist leider auch noch nicht aus den Pantoffeln gekommen, die Orgel zu restaurieren oder zu sanieren – was mehr als dringend erforderlich ist. Es wird aber recht teuer werden.

Alle Epochen der Baugeschichte von der Romanik über die Gotik und den Barock bis in die Moderne haben an den Gebäuden Spuren hinterlassen.

In der Reformation wurde das Kloster 1566 aufgegeben, doch während des Dreißigjährigen Krieges wieder mit Augustinern besetzt. Ein Auf und Ab prägte das Leben des Stiftes bis zur Säkularisation 1803, als es ganz aufgelöst wurde.

1920 wurde ein Ausbildungsseminar für die Mission durch Patres der „Heiligen Familie“ gegründet, die bis 2012 das Kloster bewohnten. Von 1970 bis 2007 befand sich das Berufsbildungswerk der katholischen Arbeitnehmerbewegung KAB im Haus.

Von 2012 bis 2017 waren im Kloster Ravengiersburg zwei Priester der Kongregation der Vinzentiner aus Kerala untergebracht, die nun nicht mehr bleiben konnten.

Die Orgel auf der Empore wurde ursprünglich im 18. Jahrhundert für die St. Nikolaus Kirche in Bad Kreuznach gebaut,  in der ich auch schon gespielt habe, und 1898 hier in die Stiftskirche St. Christophorus versetzt. Dabei wurde der Prospekt aufgefaltet, um möglichst pompös zu wirken. Die Kirche ist eigentlich relativ klein im Verhältnis zu den enormen Gemäuern auf den Felsen.

Ein neues Instrument wurde 1923 von der Werkstatt Gerhardt & Söhne in den alten schönen Orgelprospekt eingebaut. Hierbei wurde dort, wo der mechanische Spieltisch stand, ein riesiger Engel von oben nach unten hingestellt und ein freistehender Spieltisch rechts an die Seite gebaut. Dieser ist nun sehr in die Jahre gekommen. Viele Register spielen nicht mehr oder haben Durchstecher. 

Die Orgel muss dringend saniert werden. Bitte spendet!

Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz.



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4 Antworten auf “Akustik ist unberechenbar. (AHS)”

  1. Rochus Frensel

    Das Gegenteil von „Technisch begabt“ ist nicht etwa „technisch unbegabt“, sondern „Künstler“.
    Erste Steigerung: Musiker.
    Zweite Steigerung: MusikerIN.
    Du bist viel mehr als technisch begabt

  2. Hermann Beyer

    Ich boykottiere und stalke auch gern. Aus mir ist nichts geworden. Weil ich nie auf Plakaten stehe, dürfen auch andere nicht. #“rektor“

  3. Hans Bonfigt

    Hochachtung und Dank, daß Du nicht einknickst und Deine Meinung zur Verwahrlosung der Gesellschaft und Degeneration der Kirchen auch weiterhin deutlich publizierst.

    Courage zeigen die, die sich auf christliche Werte rückbesinnen wie du und die die Augen nicht verschließen vor Leid und konsequent handeln.

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