Startseite Nach oben
Cottbus Orgel Brandenburg

Kunst macht sichtbar. (Klee)

15. März 2026: Der Nachhall beträgt 8 Sekunden. Das heißt, dass jede kleine Verstimmung unten gereinigt ankommt. (AHS)

Foto: Eule Orgel Oberkirche Cottbus 2026

Als ich gerade die Wanderer-Fantasie von Schubert auf die Orgel übertrug, brach wegen der vielen Oktaven und Läufen das Hauptwerk unter mir zusammen und begann zu heulen auf einem hohen a. Das soll wohl noch nie vorgekommen sein. Ich brachte die Orgel zum Weinen! Dirk aus Peitz kam und behob das Problem. Gott sei Dank.

In einem solchen Moment wünschte ich, ich hätte noch Orgelbau studiert. Denn oft ist es nur eine „Kleinigkeit“, aber man muss eben genau wissen, wo was wie. Es ist nicht möglich, in die Orgel zu klettern und irgendwas zu machen. Man muss sich auskennen.

Selbst wenn man weiß, was es ist (es ist wohl offensichtlich etwas herausgesprungen), muss man wissen wo. Und selbst wenn man weiß, wo (und was und wie es aussieht), muss man wissen, wie man das Problem behebt und das entsprechende Werkzeug dabei haben. In diesem Fall eine bestimmte Zange. Denn in der Orgel ist es eng und recht dunkel. Man muss vorsichtig sein; es ist eine ziemliche Fummelei.

Die herausgesprungene Feder (die trotz Schutzbrett herausgesprungen ist!), aussehend wie eine Klammer, musste wieder eingefriemelt werden. Ich bin natürlich mit hineingeklettert. (In der Orgel sind alle immer per Du.)

Dann konnte ich weiterspielen. Wobei ich ab da immer gefragt wurde, ob die Orgel noch steht.

Vor der Kirche gab es den Samstag-Markt mit „DDR-Leberkäse“ (eine Art Leber-Pastete), „Pferde-Bockwurst“, Wildschwein-Salami, polnischem Heilbutt, Spreewaldgurken und „Harzer Blasenwurst“. Wir spazierten an der Spree entlang und aßen zu Mittag.

In der Kirche gibt es auch eine Bibliothek und ein Archiv mit sehr alten Büchern.
Das Konzert war gut besucht. Der Nachhall beträgt 8 Sekunden. Das heißt, dass jede kleine Verstimmung unten gereinigt ankommt.

Aufgrund der kahlen Wände gibt es zudem auch ein Echo, da der Klang oft wieder zurückgeworfen wird.
Optimal sind ca. 4 Sekunden. Allerdings besitzt jedes Gebäude seine eigene Schwingung, den eigenen Ton. Darauf muss man achten. In der Oberkirche ist der Schwingungston tief, was bedeutet, dass die Bässe stark verstärkt werden. Es muss also darauf geachtet werden, dass es nicht zu mulmig wird. Oder dass der Klang nicht in eine Endlos-Schleife geworfen wird wie im Dom zu Fulda.

Bei der 542-Fuge blätterte Peter, allerdings bin ich meist etwas gestresst, wenn jemand blättert, weil dann in meine Sphäre eingebrochen wird. Doch mag ich nur echte Noten, keine kalten kahlen iPads.

Dann stieg ich in den Nachtzug in die Schweiz.

https://www.ann-helena.de/orgelinformation

https://www.ann-helena.de/shop

https://magazin.klassik.com/records/teaser.cfm?RECID=41534

https://www.ann-helena.de/news

CD des Monats

CD 2026 Bach berühren auf jpc

3 Antworten auf “Kunst macht sichtbar. (Klee)”

  1. Hans Bonfigt

    Man braucht nicht nur spezielle Werkzeuge, sondern man muß auch damit umgehen können- Dazu benötigt es jahrelanger Übung und man muß auf taktiles Feedback reagieren können.
    Mechanik ist nicht einfach, Schwingungstechnik ist extrem anspruchsvoll (man möchte ja nicht, daß Teile der Mechanik mitschwingen), man muß auch viel über die Quadriga Luft, Luftdruck, Temperatur und Feuchtigkeit wissen. Ein Künstler ist durch das völlig chaotische, archaische Notensystem von vornherein verdorben, das sieht man schon an der Festlegung des Kammertons A. Kein Künstler könnte erklären, wie die „Wolfsquinte“ entsteht.
    Naja, doch: Heinz-Josef Herbort. Der studierte Mathematik, Physik und Musik.
    Die Künstlerin erkennt nicht das Wesen ihrer Kunst:
    Der Resonanzraum ihres Spiels ist nicht das Kirchenschiff — es ist das Gehirn und vor allem die Seele des Rezipienten !
    Kleingeistige Neider bemängeln „Gasttöne“, „Pedal geschickt wegregistriert“, „Ängstlichen Blick aufs Pedal“ und überhaupt, seltenst bekommt man ja das zu hören, was auf dem Programm steht, weil Madame wieder die Noten vertauscht hat.
    Die Zuhörer sind aber trotzdem begeistert und fasziniert.
    Ganz oft, wenn Du spielst, GESCHIEHT Kunst, Du bist quasi das Medium, das den Zuhörer mit dem Komponisten in mentale Verbindung bringt.
    Andere versuchen es mit Tischerücken. Sollen sie lieber Dich hören. Da begegnet man dem Übernatürlichen.
    Man kann nicht Musik lernen oder studieren. Man kann es oder man kann es nicht. Du kannst es. Trotz Studium.
    Jedesmal komme ich mir wie amputiert vor, weil ich spürte, „DAS wirst du nie können“. Die Musikalität war für mich unerreichbar.

    Sieh‘ zu, daß Du Menschen mit offenen Ohren und offenen Herzen findest !
    Und suche nicht in den Kirchen, denn dort wirst Du keine finden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert