Eule Orgel Oberkirche St. Nikolai Cottbus
ev. Oberkirche
Orgelbauer:
Orgelbau Eule
Baujahr:
1984 opus 500 (Gehäuse 1759)
Datum des Erstbesuchs:
2025 / 2026
Disposition und Spielhilfen
Die gleichschwebende Eule Orgel Oberkirche St. Nikolai Cottbus, Süd-Brandenburg, Niederlausitz, 3 M, 50 R, Schleifladen, 3672 Pfeifen, mit Vleugels-Fernwerk
Walze, Schweller, Pistons, mehrere stufenlos einstellbare Tremulanten, Setzeranlage: Sie besitzt ein Fernwerk, eine eigenständige Vleugels-Orgel aus den Sechzigern, 1966, mit Schweller, aus der Bonhoeffer Saal Kapelle / Loge nebenan, siehe Fotos oben, die als Chorraum dient mit Blüthner-Flügel, 2 M, die separat auf dem SW hinzugeschaltet werden kann. So hat die Orgel beinahe 4 Manuale mit Echowerk. Der Schweller funktioniert andersherum.
Die helle, elegante, große hohe Hallenkirche am Spreeufer mit großer Akustik ist schmuck; vorne gibt es auch eine hübsche Truhenorgel. Der herrlich alte Prospekt der Eule-Orgel stammt von 1759 von Johann Gottfried Stecher, Johann Georg Schön und Adam Gottfried Oehme, Silbermann-Schüler und Erbauer der Vorgänger-Orgel. Sie wirkt auf den ersten Blick wie eine Silbermann-Orgel mit den lebendgroßen Engeln.
Die rote Oberkirche in der schlesischen Oberlausitz mit großen schönen Glocken konnte ebenfalls ihre Schätze vor dem Krieg bewahren, da sie sie rechtzeitig eingemauert hatten. Sehr klug. Denn die Kirche wurde schwer beschädigt. Andere wollten die Niederlage bis zum Schluss nicht wahrhaben, was Deutschland viel gekostet hat. Die Parochialkirche war ihr eng verbunden.
Das Besondere an dieser Orgel: Sie besitzt einen Pedal-Tremulanten!
Die große rote Backsteinkirche erinnert mich sehr an die „dicke Marie“ in Greifswald, fast 400 km entfernt.
Ich habe jetzt schon 3 x in Cottbus konzertiert. Die Oberkirche besitzt die größte Orgel der Umgebung und Stadt.



HW I
Pommer 16′
Prinzipal 8′
Rohrflöte 8′
Oktave 4′
Spitzflöte 4′
Quinte 22/3‚
Oktave 2′
Nachthorn 2′
Cornett 3-5f.
Großmixtur 4-5f.
Kleinmixtur 3-4f.
Fagott 16′
Trompete 8′
SW II
Stillgedackt 16′
Spitzprinzipal 8′
Koppelflöte 8′
Salizional 8′
Schwebung 8′
Oktave 4′
Blockflöte 4′
Nasat 22/3‚
Spitzoktave 2′
Terz 13/5‚
Quinte 11/3‚
Sifflöte 1′
Prinzipal Mixtur 5-6f.
Spillregal 16′
Cromorne 8′
Tremulant
BW III
Holzgedackt 8′
Quintadena 8′
Prinzipal 4′
Rohrflöte 4′
Oktave 2′
Spitzquinte 11/3‚
Septime 11/7‚
Sesquialter 2f.
Zimbel 3f.
Rohrschalmei 8′
Tremulant




Pedal
Prinzipalbaß 16′
Subbaß 16′
Quintbaß 102/3‚
Oktavbaß 8′
Gedacktbaß 8′
Choralbaß 4′
Pommer 4′
Rohrpfeife 2′
Rauschpfeife 4f.
Posaune 16′
Trompete 8′
Clairon 4′
Tremulant
Fernwerk
Metalflöte 8
Prinzipal 4
Waldflöte 2
Mixtur 4f.
Großgedackt 8
Rohrflöte 4
Kleinprinzipal 2
Sedqui 2 2/3
Trichterregal 8



Spielhilfen & Koppeln |
II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
32fache Setzeranlage, Tremulanten regelbar, Crescendo-Walze |
Klang und Akustik


Die Akustik ist phantastisch und bezaubernd, mit und ohne Leute. Allerdings 8 Sekunden Nachhall.
Das heißt, dass jede kleine Verstimmung unten gereinigt ankommt.
Und aufgrund der kahlen Wände gibt es zudem auch ein Echo, was bedeutet, dass der Klang oft wieder zurückgeworfen wird.
Optimal sind ca. 4 Sekunden. Allerdings besitzt jedes Gebäude seine eigene Schwingung, den eigenen Ton. Darauf muss man achten.
In der Oberkirche ist der Schwingungston tief, was bedeutet, dass die Bässe stark verstärkt werden. Es muss also darauf geachtet werden, dass es unten nicht zu mulmig wird. Oder dass der Klang in eine Endlos-Schleife geworfen wird.
Es gibt keine Unterkirche. Der Turm und der Glockenturm gefallen mir sehr, die Aussicht vom Turm her oben ist genial.
Tickets zum Konzert: 10 €
Als ich gerade die Wanderer-Fantasie von Schubert auf die Orgel übertrug, brach wegen den vielen Oktaven und Läufen das Hauptwerk unter mir zusammen und begann zu heulen auf einem hohen a. Das soll wohl noch nie vorgekommen sein. Ich brachte die Orgel zum Weinen! Dirk aus Peitz kam und behob das Problem. Gott sei Dank.
In einem solchen Moment wünschte ich, ich hätte noch Orgelbau studiert. Denn oft ist es nur eine „Kleinigkeit“, aber man eben genau wissen, wo und was und wie. Es ist nicht möglich, in die Orgel zu klettern und irgendwas zu machen. Man muss sich auskennen.
Selbst wenn man weiß, was es ist (es ist wohl offensichtlich etwas herausgesprungen), muss man wissen wo. Und selbst wenn man weiß, wo und was und wie es aussieht, muss man wissen, wie man das Problem behebt und das entsprechende Werkzeug dabei haben. In diesem Fall eine bestimmte Zange. Denn in der Orgel ist es eng und recht dunkel. Man muss vorsichtig sein; es ist eine ziemliche Fummelei.
Die herausgesprungene Feder (die trotz Schutzbrett herausgesprungen ist!), die aussieht wie eine Klammer, musste wieder eingefriemelt werden. Ich bin natürlich mit hineingeklettert. Inder Orgel sind alle immer per Du.
Dann konnte ich weiterspielen. Wobei ich ab da immer gefragt wurde, ob die Orgel noch steht.
Vor der Kirche gab es den Samstag-Markt mit „DDR-Leberkäse“ (eine Art Leber-Pastete), „Pferde-Bockwurst“, Wildschwein-Salami, polnischem Heilbutt, Spreewaldgurken und „Harzer Blasenwurst“. Wir spazierten an der Spree entlang und aßen zu Mittag.
In der Kirche gibt es auch eine Bibliothek und ein Archiv mit sehr alten Büchern. Das Konzert war gut besucht. Bei der Fuge blätterte Peter, allerdings bin ich meist etwas gestresst, wenn jemand blättert, weil dann in meine Sphäre eingebrochen wird. Doch mag ich nur echte Noten, keine kalten iPads.
Dann stieg ich in den Nachtzug in die Schweiz.
Persönliche Note

Von opus 8 Ladegast nach opus 500 Eule: Es war sehr schön, hier zu spielen.
Es sind eben nur fast 4 Manuale, denn wenn ich das Fernwerk spiele, kann ich leider nicht unabhängig davon die Klänge des Schwellwerks nutzen, was schade ist. Es fehlt ein viertes Manual. Die Farben des Fernwerks klingen zauberhaft durch die offenen kleinen Fenster der Loge.
Die Zungen sind wundervoll.
Die dreimanualige Vorgänger-Orgel von Heinze 1912 wurde im April 1945 leider im Krieg zerstört. Ich habe schon Heinze-Orgeln gespielt. Die Jehmlich-Orgel nach dem Krieg von 1950 wurde 1979 schwer beschädigt.
Es gibt noch eine weitere Orgel: Eben die kleine Vleugels-Orgel in der Bonhoeffer-Kapelle ist vom zweiten Manual aus spielbar als Fernwerk, eine zweimanualige Orgel:
Metalflöte 8, Prinzipal 4, Waldflöte 2, Mixtur 4f., Großgedackt 8, Rohrflöte 4, Kleinprinzipal 2, Sesqui 2 2/3 und Trichterregal 8.
Cottbus ist eine schöne Stadt, nah an Polen, etwas kleiner als Würzburg, mit einem hübschen Marktplatz, einer Stadtmauer, dem Park, Spreewald und einer wundervollen Klosterkirche, in der ich auch schon konzertiert habe. Berlin ist ca. 150 km entfernt.






Danke für die schönen Fotos deiner Orgel Information. Man wird wieder bestens informiert. Es ist, als wäre man selbst beim Konzert dabei gewesen. Vor allem deine Shorts auf Youtube passend zu deinen Orgel-Portraits geben einem das Gefühl, immer dabei zu sein.
Was für eine tolle Orgel.
Da strahlen meine Augen
Sehr gut gemacht deine Orgel Vorstellungen und Kirchenkunde!
Ich habe noch nie ein Konzert gespielt.
Liebe Ann-Helena
Danke für die engagierten Bilder und schöne Aufnahmen von Cottbus und der Kirche.
Da ich in Süddeutschland geboren bin, der schwäbischen Sprache mächtig, sind mir dennoch auch geographische Kenntnisse, in Form von „wo ist Cottbus“, mit in die Wiege gelegt worden und ich hoffe dass es noch viele „Süddeutsche“ mit dieser Gabe gibt.
Du siehst Humor gleicht vieles aus und umso schöner, Deine Gabe der Musik-und Kunstgeschichte fast täglich zu genießen
Sehr schön gestaltete Bilder und Videos. Danke für die Gestaltung dieses Orgelblog. Du bist die Beste!