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Das Bewusstsein seiner Einheit war dem deutschen Volk, wenn auch verhüllt, doch lebendig. (Kaiser Wilhelm I.)

3. Oktober 2026

Foto: Schröter Orgel Tauber 2026

Gesegneten Tag der Deutschen Einheit!

Mein erster Chorauftritt mit Frauenchor und gemischtem Chor Eibelstadt im Fränkischen Sängerbund war ein voller Erfolg. Ich finde es schön, dass die unterfränkischen Dörfer ein so intensives Vereins-und Gesangsleben haben, was von Generation zu Generation weitergetragen wird und niemals ausstirbt. Teils singen die Chöre a capella unter meiner Leitung in der Kirche, teils mit meiner Klavierbegleitung, was eine schicke Abwechslung ist.

Dass eine Chorleiterin top Klavierspielen kann, ist natürlich ein großer Vorteil in jeglicher Hinsicht, sowohl in Probe als auch im Konzert.

Weitere Vorteile einer Chorleiterin sind: Keine Auftrittsangst (im Gegenteil); sehr authentische, freie Moderation, inspirierend, viel Energie, vom Klavier aus dirigieren können, sehr gutes Gehör, und, vor allem: Wenn man sehr gut und künstlerisches ein dynamisches Instrument spielt, besonders Klavier, ist die hohe Musikalität ein Gewinn für den Chor: in Dynamik, Ausdruck, Aufbau, Vorstellungskraft, Gestaltung, Mimik, Phrasierung, Intuition …

Ich glaube, der Grund, warum sich viele „Nur-Organisten“ und „Nur-Kirchenmusiker“ manchmal eher schwer tun mit Chorleitung und lange brauchen, es zu lernen, ist, dass sie die Musikalität nicht (trainiert) haben: wenig Ahnung von dynamischer Gestaltung von Ton, von Zartheit, von Farben, die man in der Vorstellung kreiert: eben nicht im Drücken von Knöpfen, nicht in Lautstärke und Ziehen, nicht in „starren“ Pfeifen, Setzeranlagen und Programmierung, nicht weit weg und unnahbar.

Wenn ich einen Klavierabend oder Piano Recital spiele, bin ich schon immer mein ganzes Leben lang nah und sinnlich am Menschen; am Publikum; sie spüren meine Hitze, die Arbeit, meinen Schweiß. Die Orgelempore ist etwas anderes. Kein Schweißtropfen fliegt zwei Emporen nach unten. Oft friert man zudem.

Für mich ist der Chor in dem Moment mein Instrument, und ich übe und spiele mit ihm so, wie wenn ich Klavier oder Orgel übe oder spiele.

Als ich 2017 mit dem Orgelstudium begann, haben viele (Dozenten wie Kommilitonen) ein Geheimnis um und aus Chorleitung gemacht, ein Buch mit sieben Siegeln, Angst davor. Es wurde von „fürchterlichen Professoren“ gesprochen, die einen vor allen anderen bloßstellen würden. Als würde Klavierspielen von Chorleitung abgesondert oder verboten sein. Es wurde mit Stimmgabeln rumgefuchtelt und so getan, als müsste man vor einem Chor ein maskuliner, autoritärer, hyper-extrovertierter Haifisch sein oder traumatisiert aufgeben. Deswegen machen sie auch so viel Getue daraus. Als wäre Chorleitung etwas völlig anderes als Musik machen.

Als ich damals Leute wie Carsten Wiebusch neugierig fragte, ob sie mir ein paar Sachen in Sachen Chorleitung zeigen würden, wurde abgewinkt, als würde man so eine riesige, schwierige, komplexe Angelegenheit gar nicht mal eben zeigen können.

Ich glaube, ein wahrer Pädagoge brennt darauf, einem begabten Menschen etwas zu zeigen, wenn er fragt. Aber ich bin damals auch auf Organisten getroffen, die absolut keine Lust hatten, mir mal eben etwas an der Orgel zu zeigen, als ich fragte. Als wäre auch die Orgel ein Buch mit sieben Siegeln! Genauso auch Improvisation und liturgisches Orgelspiel. Falsch!

Ist es nicht eher eine Ehre, einem begabten fragenden Menschen etwas zu zeigen und zu erklären, wenn er oder sie freiwillig bittet? Für mich ist es das. Man weiß doch nie, wer fragt und was aus diesem Menschen wird; wem man helfen kann. Ich kann nur jeden ermutigen, diese Dinge zu lernen und zu lehren! Es geht alles, wenn man will! Und es geht gut und schnell! Lasst euch von niemandem entmutigen.

Als ich dann auf Leute wie Bernd Stegmann in Heidelberg getroffen bin, hätte man wirklich den Anschein haben können, als wäre Chorleitung etwas Elitäres, das nur denen zuteil werden darf, die die passende Nase oder die richtige politische Einstellung oder das korrekte Geschlecht haben oder sich zumindest in der gewünschten Clique befinden. Ich kann nur sagen: Chorleitung ist Musik machen. Und es gibt genug Dozenten, die einen begabten Menschen nicht mal dann erkennen, wenn er direkt vor ihnen steht. Lasst euch nicht entmutigen. Musik ist nicht elitär. Nicht ignorant. Musik hat die Nase nicht im Wind.

Musik ist zudem unkonventionell. Sie verfolgt weder einen bestimmten Lebensstil, Lebensweg oder festgelegte Lebens- oder Lernregeln. Wenn das so wäre, gäbe es viele große Künstlerinnen und Künstler gar nicht. Sie engt nicht ein und erstickt nicht – auch wenn das viele versuchen. Das heißt natürlich nicht, dass Chorleitung easy oder nicht zu studieren wäre. Aber sie ist Teil vom Großen, Ganzen.

Damals 2019 wollte ich direkt ins Hauptstudium hochgestuft werden in der HfK. Eine verbrecherisch arrogante Absicht scheinbar für die braven Mitbürger des Heidelberger Clans. Alle dasselbe und niemandem was anderes?
Ich bekam ein atonales Stück mit 6x wechselndem Takt pro Seite in der ersten Chorprobe meines Lebens, mit einem Studentenchor, dem man sagte, ich sei eingebildet und sie sollten ja nicht mitmachen (was gibt es Schlimmeres als ein Kommilitonen-Chor mit Kommilitonen, die neidisch auf dich sind) – und ein Dozent, der dich mobbt, weder grüßt noch ein Wort mit dir wechselt, weil du an der HfMDK eine Eins bekommen hast trotz Hochstufung, was ehemaligen Heidelberger Kollegen wie Wiebusch und Viegellahn gar nicht recht war.

Nun, das war meine „Aufnahmeprüfung“. Ich saß danach weinend hinter einem Busch im Garten der HfK. Aber: Ich habe Blut geleckt. Es war trotz allem absolut faszinierend und spannend, einen Chor zu leiten, egal, wie traumatisierend die Umstände waren, und ich wusste, damals schon (die Dozentin in mir), wieviel Potential ich habe und dass ich gut bin. Man kann jemanden, der für etwas brennt, nichts madig machen. Dass man es versucht, ist eine Untat. Es gibt so einige Dozenten in Hochschulen, die ihren Job verfehlt haben.

Nun bin ich im ICE nach Hamburg und hatte Zeit, zu schreiben.



Neue CD 2026: BACH BERÜHREN:

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