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Geissler Orgel Drachausen Niederlausitz

Wenn es keine Juden gäbe, der Antisemit würde ihn (er)finden. (Jean-Paul Sartre)

22. September 2026: Da begruben sie die Sonne. Eine Sonnenfinsternis entstand. (Rose Ausländer)

Foto: Conrad Geissler Orgel 1895 ev. Kirche Drachhausen Peitz Spreewald Niederlausitz

Heute erinnere ich an den irischen Schriftsteller James Joyce, den ich mag. Sein Stephen Dedalus, der in der Kirche gelitten hat, besitzt starke autobiographische Züge.

Wer nicht beides spielt, Orgel und ein dynamisches Instrument, kann nichts spielen. Ich wusste dies bereits vor meinem Studium Orgel und Kirchenmusik. Ich merkte es an der Angst der Nur-Organisten, dass ich tatsächlich noch Orgel studiere. Und als ich im Studium war, an dem Neid und der Angst der Kommilitonen vor meiner Virtuosität und schnellen Fingern. Auch dass manche meinten, ich hätte mein Klavier aufgegeben. Vermutlich haben sie mich mit sich selbst verwechselt.

Romantische historische C. Geissler Orgel ev. Kirche Drachhausen Spreewald Niederlausitz Brandenburg, 2 M, 15 kl. Register, mech. Schleiflade

Wunderschöne große rote Backstein-Dorfkirche mit historischer Geißler-Orgel in Drachhausen, die Kirche ein neugotisch-neoromanischer Ziegelbau aus den Jahren 1894/95 nach Plänen des Cottbuser Baurats, geweiht am 20.12.1895.

Zuvor gab es hier eine Fachwerkkirche von 1513, mit Ziegeln und Turm aus Holz mit 2 Glocken.

Die Taufschüssel von 1761, Altarleuchter von 1781 und eine Kirchenlade von 1819 gingen in den DDR-Zeiten „verloren“.

Weitgehend original aus der Erbauungszeit erhalten sind neben der Orgel auch der Altar, die Kanzel, das Gestühl und die zeittypische, reich dekorierte Innenausmalung. So sind Orgel und Kirche wichtige Denkmäler und Wunder hier in der ehemaligen DDR.

Geissler aus Eilenburg war ein bekannter Meister des 19. Jahrhunderts. Sein Instrument ist Bestandteil der wertvollen historischen Originalausstattung der Kirche, die auch deshalb gut erhalten blieb, weil der Ort jahrzehntelang in einem Bergbauschutzgebiet lag und vor dem Abriss bewahrt wurde.

Die Orgel ist ein typisches Zeugnis der mitteldeutschen Orgelromantik. Der Fokus liegt auf einem warmen, grundtönigen und orchestralen Klang, dominiert von zahlreichen Registern in der 8′-Lage wie Prinzipal, Gambe, Salicional oder Gedackt).  Passend zur neugotisch-neoromanischen Dorfkirche baute Geissler in dieser Spätphase Kegelladen, die ein fließendes, dynamisches Steigern des Klangs ermöglichen; doch diese besitzt Schleifladen.

Sie wird von Scheffler/Dirk Redies betreut. Es ist sehr schön, dass diese kleine romantische Orgel so viele leuchtende 8-Füße hat, auch prinzipalisch, dazu einen 16 Fuß im HW. Weitere Spielhilfen wie Tremulant, Schweller etc. bedarf es gar nicht, sie singt von ganz allein. Der historische Spieltisch mit Elfenbeintasten und langen Registerzügen ist eine Augenweide. So etwas will ich fühlen und sehen! Keine Neobarockisierung.

Die Akustik ist schön, vokal, rund und samtig trocken. Das Dorf Drachhausen ist malerisch und schön, gepflegte Häuser, ein Drachen, ein Laden, ein niedliches Feuerwehrhaus mit Turm und – ein Wurstautomat, mit frischer Spreewalder Wurst, Gurken, Suppen hausgemacht in Gläsern.

Zudem ist hier nah der größte künstliche See Deutschlands: der Tagebausee „Cottbusser Ostsee“ oder Cottbusser Meer, noch nicht gesichert, und die größten Teiche und Karpfenteiche Deutschlands. Und es gibt frischen Fisch rings um Peitz. Die Forelle schmeckte lecker.

Es war sehr schön, hier zu spielen. Ich freue mich, dass die Kirche nicht zerstört wurde in den bösen Zeiten. Unter der Kirche befindet sich nämlich wertvolle Braunkohle. Daher war die Orgel unter “Bergbauschutz” – was jedoch ein perfider Ausdruck war, denn die Kirche stand damit zum Abschuss frei. Jedoch die Russen hatten hier ihren Übungsplatz, daher durfte der Kirche Gott sei Dank nichts angetan werden. Nun steht sie Gott sei Dank unter Denkmalschutz.

Man darf gar nicht zählen, wieviele hervorragende Orgeln mutwillig zerstört, rausgeflackt und Kirchen verbaut, zerstört oder verschandelt wurden. Wo zu viel Geld und die Nase im Wind war. Wo der Zeitgeist anstatt Verstand und Wahrheit dominierte.
In Peitz flog die romantische, große und geniale Dinse-Orgel raus. Sie wurde nicht mal aufbewahrt oder verkauft. Stattdessen kam eine kleine neobarocke Sauer-Orgel hinein, die den Raum nicht füllen konnte. Sie musste ebenfalls weichen.

Auch die hübsche Schuke-Orgel in Leipzig war plötzlich nicht mehr gut genug und wurde verkauft. Genauso auch die Ladegast-Sauer-Orgel. Man wollte eben einen Porsche.

Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz:



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