26. August 2026: Verloren geglaubte Empfindungen kommen beim Üben auch hervor. Oft muss ich stoppen und dem erstaunt nachfühlen. Manchmal passiert dies auch im Konzert, was sehr irritierend ist, da ich keine Zeit haben, nachzufühlen und mich das Gefühl kalt erwischt. (AHS)
Heute wurde ich Paul Damjakob vorgestellt, dem ehemaligen Domorganisten in Würzburg; er ist 87, fit, eine starke Persönlichkeit und sehr besonders. Er mag meine Videos zu Franz Liszt, besonders mein Ad nos aus dem Dom in Schwerin an der legendären, schwergängigen Ladegast Orgel (wo meine Füße auf dem riesigen breiten Pedal winzig aussehen) und mein Liszt B-A-C-H aus Hamm Heessen, und sagte, ich sei ein “Orgelvamp”, ein Genie, eine Virtuosin und eine Liszt-Expertin.
Er hat uns viel erzählt aus seinem Leben, was sehr spannend ist. Er schreibt nun an einem Buch über sein Leben.
Das sind so andere Zeiten als die, in denen wir nun leben. Ich bin überrascht, wie ein fast 90jähriger so lebendig, klug und gutaussehend sein kann; mit blauen, wachen Augen erzählte er uns, detailgenau, irgendwie unschuldig und mit viel Leidenschaft, wie die Zeiten 1940 und 1950 waren. Ich liebe Geschichte und könnte stundenlang zuhören, auch wenn mich viele Dinge aufwühlen und ich schon nach 10 Minuten das Gefühl habe, ich muss raus und alles verarbeiten und dann wiederkommen. Das denke ich alle 10 Minuten lang, viele Stunden lang.
Er redete dabei von allem anderen als Musik. Von Pferden, von Straßenbahnen und Zügen; er zeichnete sehr gut. Es war sehr interessant, zu sehen, wie er aufgewachsen ist; die Fotos, Briefe und Bilder – das unfassbar geschraubte Deutsch von damals in Briefen und die Musik zu hören.
Ich bin sehr dankbar und fühle mich geehrt, ältere Menschen, die weise und echt und nicht böse und bitter geworden sind, zu treffen; die lachen und sich freuen wie Kinder; bei denen man auch kindlich sein darf, ohne toll sein zu müssen; die die Zeit vergessen; die durch Schmerz und Leid durchgehalten haben.
Auch sagte er, dass die Zeiten auch bei ihm nicht immer leicht waren; er musste um alles um Erlaubnis bitten und fragen und bitten; aber er sagte, er hätte nicht weg gekonnt, denn die Domorgel in Würzburg sei sein Verdienst, “seine” Orgel. Sein Leben war vor allem der Dienst in der Liturgie. Von daher verstehe ich es.
Mein Liszt an der legendären Ladegast-Orgel Dom Schwerin mit den brennenden Kerzen (Aufnahme nachts):
Anbei meine neue CD bei Naxos:
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