17. Juli 2026: Ich höre Bach und vernehme darin das gesamte menschliche Flehen und eine Antwort darauf. Die Musik ist gelbfarben. (Frere Roger)
Foto: Register Frosch Orgel Gramschatz – die ehrlichen, authentischen Gesichter
Gestern waren wir in einem Konzert mit dem Streichquartett Feuerbach – es war sehr gut und mal etwas anderes. Im Hintergrund war die erleuchtete Residenz, und auf diesem Platz war ich tatsächlich noch nie, es ist nämlich der Innenhof des ehemaligen Mozart-Gymnasiums, von dem man einen für mich neuen Blick auf die Residenz hat. Ich entdecke immer noch neue Winkel in meiner Stadt. Mein Freund ist (neben gefühlt 1000 anderer ehrenamtlicher Ämter) Vertreter bei der Würzburger VR Bank, und die gaben ihr Sommerfest. Gut für mich. 🙂
Es war ein Crossover-Programm. Super gespielt, vor allem Michael Jackson – mit Streichquartett. Klasse!
Ich könnte so etwas zwar nicht jeden Tag hören, Bach allerdings schon. Und den habe ich vermisst.
Warum kann ich J.S. Bach jeden Tag hören? Es ist ganz einfach: Jeder noch so schöne Song ist irgendwann “ausgehört”. Er überlebt nur eine Weile, wie ein Insekt. Dann ist es genug. Zucker. Aber Bachs Musik ist mehr als Song. Viel mehr. Sie trifft den Geist.
Für manche gibt es nur Songs. Mehr kennen und mehr wollen sie nicht. Eintagsfliegen sind viele dabei. Sie treffen nicht mal die Richtung des Geistes. Bachs Musik ist ein Meer, wie schon gesagt wurde. Bekenntnis. Eine Flut. Ein quellender Sprudel.
Eine Quelle. Wasser, das jeden Tag getrunken wird, um rein oder gesund zu bleiben. Sie ist auch eine Sprache, die viele nicht verstehen. Und dann wird es anstrengend. Diese Sprache zu lernen, ist manchen scheinbar nicht unbedingt gegeben. Was ich sehr schade finde. Denn es geht eher um Instinkt als um Bildung, zu erkennen, wenn etwas in Richtung Geist klingt oder nicht. Das betrifft übrigens alles, nicht nur Musik oder Kunst. GEHE IN RICHTUNG GEIST.
Teil 3 meines Chorleitungs-Studiums:
Die großen staatlichen Musikhochschulen erkennen die Benotung und Fächer anderer hochwertiger Musikhochschulen an. So auch Folkwang. So konnte ich mich ganz auf das Dirigieren konzentrieren.
Im Gegensatz zu den kleinen privaten eher gehemmten kirchlichen, die eher ungern von staatlichen großen Hochschulen anerkennen. Matthias Schneider vom Institut in Greifswald hatte sogar Probleme damit, mir das Fach Klavier, worin ich Konzertexamen studiert hatte, was, soweit ich weiß, kein Dozent im gesamten Greifswalder Institut vorweisen konnte, geschweige denn er, anzuerkennen. Ich habe alles gespielt und gemacht wie die, die gerade mal eine Sonatine herfingern konnten.
Vieles erscheint mir eben wie nach Lust und Laune. So musste ich alles Alte wiederholen und das Neue trainieren. Das hat mir viel Kraft geraubt, anstatt mich auf das Dirigieren zu konzentrieren.
Das Überleben in einer Hochschule gleicht einem zittrigen Blatt im Wind, wenn man genau das wird, was die Hochschule anstrebt, was man werden soll: eine starke, künstlerische Persönlichkeit.
Doch Jörg Breiding wirkte auf mich wie ein Blatt im Wind: Er findet mich sehr musikalisch und super. Aber beim ersten Gerücht schwankt er und wird unsicher. Er verwandelte sich für mich von einem Dozenten, zu dem mal aufblicken sollte, zu einer Art schwachen Figur, der seinen Mund nicht aufbekam gegen Vorwürfe im Hintergrund oder mir zu antworten.
Ich glaube, wenn man sein Leben danach ausrichtet, anderen zu gefallen, ein System zu bedienen, Angst zu haben, anzuecken oder zu verlieren, wird man nie eine künstlerische Persönlichkeit, egal, wie lange man in der Hochschule arbeitet. Nur weil du in einer Garage stehst, wirst du nicht zum Auto. Nur weil du in der Kirche sitzt, bist du noch kein Christ. (Albert Schweitzer). Nur weil du in einer Musikhochschule arbeitest, bist du noch lang kein Künstler. Aber wehe, du wirst einer.

Anbei meine neue CD bei Naxos:
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