17. Juni 2026: Was ist Tod? Wo wohnen Seele und Geist?
Foto: Pedal Jehmlich Orgel Stadtkirche St. Marien Werdau bei Zwickau
Heute erinnere ich an Francois-Xavier Bellamy, französischer Philosoph.
Gerade wird mein Steinway B-211 frisch gestimmt. Ich höre die Klänge, während ich schreibe. Ich stimme ihn immer auf 443. Früher mochte ich 444. Ich trage alles in mein Steinway-Buch ein und habe einen guten Stimmer, der jedes Jahr kommt. Kaum zu glauben, dass mein Steiny schon 10 Jahre alt ist. Er kommt aus dem Werk in Hamburg und ist Baujahr 2016. Heute ist der Listenpreis eines solchen Instruments 150.000 Euro aufgrund der Wertsteigerung, also fast doppelt so hoch. Damals 2016 konnte ich noch im Hamburger Werk alle neuen Flügel spielen und mir einen, meinen aussuchen. Das macht Steinway & Sons wohl gar nicht mehr. Ich hoffe, das liegt nicht an mir. Ich war damals im dortigen Auswahlsaal, dem Factory Selection Room, und wollte immer mehr Flügel ausprobieren. “Habt ihr noch mehr?” Die armen Mitarbeiter. Dabei gingen meine Ohren schon blutend Richtung Fidschi Inseln, und ich habe mich dann doch für den entschieden, den ich von Anfang an haben wollte. Denn jeder Steinway klingt ja individuell.
Warum muss man jedes Jahr stimmen? Die Stimmung rutscht ab, der Flügel fängt sonst etwas an zu “jaulen” und geht in Richtung 440.
Ich hatte schon immer einen Flügel: den wunderschönen alten Blüthner mit seiner Patent-Mechanik aus meiner Kindheit und einen alten samtigen Bechstein während meiner Kölner Studienzeit. Beide verkauft, beiden trauere ich hinterher.
Ich lese gern alte Bücher aus Antiquariaten. Zum Beispiel fand ich Deutschland nach dem Zusammenbruch von 1947 von einem Jesuitenpater, Max Pribilla (2006 neu gedruckt), ein seltenes historisches Dokument. Es geht um das “Schweigen des deutschen Volkes”. Auch damals gab es die Monatszeitschrift Stimmen der Zeit. Das Buch schreibt, dass die Deutschen schweigsam geworden sind, gelernt haben, zu schweigen und wegzuschauen und alles andere eher als dumm zu bezeichnen. Ich finde, das kann man noch heute sehr gut bemerken. Manche sind immer total erstaunt, wenn ich was sage und nicken heimlich dazu, würden aber nie selbst etwas sagen.
Dabei muss gesagt werden, dass Deutschland ein wichtiges Erbe zu vermitteln hat. Oft wird das positive, wichtige Erbe nicht weitergegeben und wenig Bleibendes oder Heimat vermittelt. Bellamy spricht vom “Kampf der Unkulturen”.
Auch Kunst und Musik sind ein Heimatraum und Lebensraum. Ich bin mir sicher, dass im Paradies, im Garten Eden gesungen wurde, bevor der Mensch in Schuld fiel. Wir stammen aus einem Garten; vom Land; vom Himmel; nicht aus einer Industrie.
Und ich erinnere an Etty Hillesum, jüdische Autorin, ermordet im KZ 1943, eine wunderschöne junge Frau. Sie schrieb, dass das Falten der Hände und das Knien zum Gebet ihre intimste Körpergeste sei, ihr kostbarstes Erbteil, eine sinnliche Gebärde. Kurz nachdem sie Gott fand, wurde sie ermordet. Ich muss schlucken und die Tränen zurückhalten, während ich das schreibe.
Aber wir wollen nicht nach Eden zurück. Eden ist abgelöst. Von Jesus.
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