16. Juni 2026: Solange man Leistung überbewertet, muss man nicht die Trauer durchleben, dass man nicht ohne Leistung geliebt worden ist. (Alice Miller)
Foto: Pedal Schlimbach Orgel reformierte Kirche Heubach Odenwald Hessen
Heute erinnere ich an den Opern-Komponisten Reinhard Keiser, 1674 geboren.
Ich lese Lessings Dramen. Gotthold Ephraim erzieht sein Publikum am Glauben vorbei hin zu einer moralischen, menschlichen Gerechtigkeit (ohne Gott) = Aufklärung. Er wuchs in einem christlichen gebildeten Elternhaus auf. Vermutlich fühlte er sich zu vielem gezwungen und war lange auf der Suche nach seiner eigenen Berufung, studierte mal dies, mal jenes, Theologie, Medizin, Philosophie, liebte Reisen, Poesie, Literatur und Bildung. Seine Gesundheit war jedoch nicht stabil. Zurecht ärgerte sich Gotthold über die Politik in der Kirche und hatte sich dabei einige Feinde gemacht. Zudem hatte er jüdische Freunde, was vielen in der Kirche nicht gefiel. Lessing hatte Neider und Gegner, auch nach seinem Tod. Ich wäre ihm gern begegnet – und bin immer wieder erstaunt, dass es Hater in jedem Jahrhundert gegeben hat, auch ohne Internet.
Lessing war vielseitig, suchend, kritisch, frei, polemisch. Ich mag das sehr. Sein ironischer Stil ist eine Wonne, zu lesen. Menschen wie er haben unser Land zu einem Land der Dichterinnen und Denker gemacht. Wo sind diese Menschen heute? Was ist aus unserem Land geworden?
Die Zeit der sogenannten Aufklärung war natürlich auch eine sehr schwierige Zeit; so wie jede Zeit irgendwie auch schwierig ist. Themen Schuld, Hölle, Ewigkeit wurden in der aufklärerischen Weltanschauung ganz neu angeschaut – was auch notwendig ist und war. Gott hält jede Kritik aus, und Gott ist nicht die Kirche. Gott sei Dank.
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