19. November 2025: War Johann Sebastian wirklich kein Freund der Oper?
Johann Sebastian fand sich, als er endlich seine “regulierte Kirchenmusik zu Ehren Gottes” machen durfte, nicht in der Kirche, sondern bei Hofe wieder. Also als “säkularer” Musiker, in Weimar. Denn sowohl in Arnstadt als auch in Mühlhausen hatte er bereits eine schwere Zeit als Kirchenmusiker durchlebt: Streit und Druck; er schrieb, dass ihm in den Kirchen die regulierte Kirchenmusik verwehrt worden war. Verwehrt! Dann war es also schon damals so. Vermutlich schon immer? Bach war tief enttäuscht erstens über die Bezahlung und zweitens: “Eine regulierte Kirchenmusik zu Ehren Gottes und Ihrem Willen war nicht möglich.” An den Pfarrer bzw. den Kirchenvorstand.
Das ist sehr mutig, das so zu formulieren. Viele Kirchenmusiker machen einfach weiter, was man ihnen sagt; ob es eine regulierte Kirchenmusik zu Ehren Gottes ist oder nicht. Viele wissen zudem gar nicht, was das überhaupt bedeutet. Bach wusste offensichtlich genau, was es ist. Und was er wollte. Denn es ist schon ein starkes Stück, den Geistlichen mitzuteilen, dass “eine Kirchenmusik nach Gottes Willen hier nicht möglich war.”
So einen Ort zu finden, wo es möglich ist … ob der nur im Traum existiert? Oder im Himmel? Habt ihr schon mal einen Ort gefunden, an dem wirklich die Kirchenmusik gemacht wird, die zur Ehre Gottes ist? In Freiheit und Kunst? Offen und gläubig? Virtuos und frei? Hingegeben und ohne Kampf zwischen evangelisch oder katholisch? Ohne religiösem Getue und Macht? Ohne auf einen Stil festgefahren zu sein? Ohne Vetternwirtschaft und Frauenfeindlichkeit? Heilig und in Liebe? Auf höchstem Niveau?
Ich mag Oper natürlich gern. Nicht nur als Spektakel. Es ist definitiv Kunst. Es ist nicht meine Lieblingskunst, da mir die gewisse Tiefe fehlt, das Geistliche. Es wird zwar durchaus das Existenzielle thematisiert, Tod, Liebe, Leben. Aber eben nicht der Himmel bei Gott. Somit ist Oper nicht vergleichbar mit Bachs Kantaten. Da liegen Welten. Zu Bachs Gunsten. Ich mag Geschichten, gute Storys. Aber noch mehr mag ich, mit der Wahrheit tief berührt zu werden.

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