28. Februar 2026: Ich war auch noch nie so fromm, als während der Zeit, da ich an der Schöpfung arbeitete; täglich fiel ich auf meine Knie nieder und bat Gott, dass er mir Kraft zur glücklichen Ausführung dieses Werkes verleihen möchte. (Joseph Haydn)
Foto: Konzert Cottbus 2026
Ich war im Jüdischen Museum in Hohenems in Österreich in Vorarlberg, während auf der Berlinale antisemitisch eingestellte Künstler Israel und Deutschland bedrohten, von dem sie gerade 50.000 Euro Preisgeld erhalten hatten.
Hohenems an der Grenze zu Deutschland und der Schweiz mit kleinem bewohnten Palast, jüdischem Museum, Schubert Museum, Kirchen, Schubertiade und neuem Literaturhaus ist sehr schön.
Ich habe ja schon mal erzählt, dass ich Museen liebe. Manche haben mich gefragt, warum. Denn es gibt Menschen, die mit einem Museum nicht viel anfangen können. Was gefällt mir an Museen? Dies:
Ich habe manchmal eine sehr intensive Gotteserfahrung in einem Museum. Nehmen wir das Jüdische Museum im schönen Hohenems an der Grenze zu Deutschland und der Schweiz in der besonderen jüdischen Rosenthal-Villa im Jugendstil: Hier ist es gelungen, dass die Zeiten und Orte verschmelzen und Geschichte direkt präsent wird.
Glücklicherweise war es fast leer, als ich durch die Räume mit dem knarzenden Boden lief. Oft stören mich andere, wenn sie laut und unsensibel sind. In einem Museum sollte man gar nicht reden, finde ich; dann kann man richtig eintauchen. In einem Museum wird man ganz anders eintauchen als in einem Film, im Kino oder auf YouTube, weil man mittendrin ist, in einem Ort der Geschichte. Ich laufe, sehe die Gesichter, höre mit dem Kopfhörer oder dem Audio Guide die Stimmen und die Musik.
Was macht ein gutes Museum aus? Dass die Zeit, wie sie war, wirklich so dargestellt wird. Dazu muss sie erst mal richtig erfasst werden. Und dann so dargestellt, dass man es auch als ganz normaler Mensch, der hineinspaziert, erkennen und erfassen kann, und zwar so, dass es erträglich, sogar angenehm und ästhetisch ansprechend ist. Dass man weder erschlagen noch veräppelt, weder für dumm verkauft noch überfordert ist. Und das ist gar nicht so leicht. Schon gar nicht bei komplexen Themen. Das ist in Hohenems hervorragend gelungen.
Ich lief also ruhig durch die Räume und las die Texte und Zitate, die schlicht eine unfassbare und schlimme Wirklichkeit und Zeit beim Namen nannten; ohne zu belehren, ohne Theatralik. Sehr nüchtern. Und gerade dadurch so erschütternd. Hübsch gestaltet sind poetische kleine Geschichten, die man im Audio Guide dazu anhören kann, die alles etwas aushaltbarer machen. Im zweiten Stock angekommen gibt es Interviews zu hören; in einem kleinen dunklen extra Mini-Raum; dort setzte ich mich in eine Nische und nahm die Kopfhörer, die vor vieler Benutzung schon etwas abgewetzt und auditiv schlecht geworden waren.
Ich saß also da in der Nische mit diesen Kopfhörern und hörte und sah ein altes jüdisches Ehepaar, 2000 gestorben, in einem Interview von 1997, und sie saßen auf ihrem Sofa, 1912 geboren, und es war, als würde ich mit ihnen auf diesem Sofa sitzen, jetzt, in ihrem Daheim, und als würden sie direkt mit mir sprechen und mir erzählen. Die Zeit hielt an. Die beiden sprachen in einem Schweizer Dialekt, aber gut verständlich für mich (und auch mit Untertiteln). Sehr authentisch. Ohne Show. Jeweils den anderen Ehepartner erinnernd. Der Mann berichtete, wie er als junger Mann in Deutschland von Nazis beinahe tot geprügelt worden war. Seine Frau und sein Baby mussten zusehen. Jakob und Ida Kreutner ist das Ehepaar.
Weil die Nazis dachten, er sei tot, ließen sie ihn liegen und nahmen ihn nicht mit. Und diese entsetzliche Sache, dass sie ihn vermeintlich tot liegen ließen, war seine Rettung. So beschlossen sie endlich, zu fliehen, und sie konnten fliehen. Sie kamen an die nahe Schweizer Grenze und baten darum, hinüber gelassen zu werden, denn das war ihre einzige Hoffnung. An die Grenze und dem Zollamt, hier, die ich eben gerade ebenfalls zu Fuß und zuvor via Auto passiert hatte. Die Art, wie der Mann dies erzählte, einfach, ohne Vorwurf, ohne Hass, und nach all der Zeit immer noch so, als könne er es nicht begreifen (und dies kann man ja auch nicht!), ließ mich weinen. Ich saß also in dieser Nische allein und weinte. Er war so sympathisch, so klug, so unschuldig – ich weine auch jetzt, während ich es schreibe. Sie traten ihn, weil sie dachten, er sei ein „spuckender Jude“, weil er vor Angst vergass zu schlucken, als sie ihn schlugen.
Das Museum ist und wurde ein historischer Ort des Treffpunkts von Generationen, die sich die Hand reichen und über Tod und Zeit hinaus Versöhnung, Vergebung und Erkenntnis erfahren. Hier an diesem Knotenpunkt treffen sich die deutschsprachigen Völker der Deutschen, Juden, Schweizer und Österreicher. Nach dem Besuch eines solchen Ortes und eines solch guten Museums wird man mit berührtem, reinerem Herzen hinausgehen als aus der Kirche nach so manchen Predigten.
Meine neue CD ist da:
Ihr könnt sie nun bei mir oder Ambiente oder jpc bestellen und bekommt sie (bei mir signiert) gleich zugeschickt:
VÖ 2026 neue CD BACH BERÜHREN J.S. Bach Goldberg Variationen BWV 988 G-Dur, Ambiente Audio 2026

Klingt gut.
Ich würde sowas nicht als Gotterfahrung nennen.
Eher deine enge Verbundenheit mit dem Thema, Künstler, Werk, Epoche usw.
Aus sowas kann sich auch das Gefühl der Spiritualität einstellen.
Ich bin nicht gläubig und erlebe es auch. Es kommt aus dem Inneren.
Ein Museum ist kein Ort der Stille oder Tod.
Danke für diese schöne Flucht-Geschichte.
Auch ich finde Museen einfach Wundervoll und herrlich, sie tragen viel zur Geschichte bei und Erhalten diese.
Mir gefällt deine Erzählung sehr und gerne wäre ich zu diesem Zeitpunkt dort gewesen um es mit Dir zusammen zu Erleben.