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20. März 2022

Immer wieder am Anfang ankommen und Altes neu entdecken. Schönheit bleibt ein Geheimnis. (AHS)

Foto: Bensheim bei Frankfurt, Klais Orgel

Mir gefällt Niedersachsen sehr gut. Es ist ein riesiges Bundesland, Göttingen mittendrin bis in den Norden. Selbst Oldenburg und Osnabrück sind Niedersachsen. Da ich in diesem Bundesland „gemacht“ wurde, habe ich dieses Bundesland in mein Herz geschlossen.

Nach der großen schönen Führer Orgel in Damme mit seinem Radialpedal besuchte und spielte ich die schöne Eule in Neuenkirchen (Oldb). Mir gefallen hier sehr die Zungen, die singende Rohrflöte im ersten, die Oboe im zweiten Manual. Sehr schön ist auch der Tremulant, das Geigenprinzipal im zweiten. Schöne milde Akustik. Ich spielte Mendelssohn. Sehr hübsche Kleinstadt in Niedersachsen bei Vechta, Holdorf und Damme, Oldenburger Münsterland. Es gibt hier auch eine hübsche evangelische Kirche mit schöner kleiner Führer Orgel. Ich liebe Eule-Orgeln, ihre singenden Farben. Hier 2 Manuale, 32 Register. 

Die Registerzahl wird erweitert durch Transmissionen aus dem HW  ins Pedal. Die Windladen sind nach dem mechanischen Schleifladensystem mit Doppelregistratur für die elektronische Setzeranlage angepasst. Der klangliche Schwerpunkt liegt auf dem mitteldeutschen Orgelstil des 19. Jahrhunderts, ergänzt durch französische Klänge.

1705 baute Hinrich Klausing (Herford) hier eine der ersten Orgeln, dann Neubau des Orgelbauers Friedrich Wilhelm Haupt aus Damme; diese Haupt-Orgel hatte 12 Register auf zwei Manualen. Während das Pedal angehängt war, fügte sein Sohn 1870 ein selbständiges Pedal hinzu.

Dann, 1869/1909 gab es hier eine Rudolf Haupt Orgel (Osnabrück), pneumatische Kegelladen (16 Register auf zwei Manual und Pedal) unter Verwendung von sechs Registern aus der alten Orgel. Nachdem der Orgelbauer Johann Caspar (Nordenham) diese Orgel 1947 nicht umbauen konnte, auch nicht Kreienbrink und Kruse aus Lohne, gab es dann eine ganz neue.

Eule ist phantastisch darin, Orgeln zu restaurieren (u.a. Altenburg, Naumburg, Weißenfels…) und zu bauen. Im Osten Sachsens begonnen, hat diese Orgelbaufirma von 1872 bis heute weltweit Erfolg.

Sehr schöne Schleierbretter aus Eichenholz und schönes Schnitzwerk. Die Accessoires der Orgel. Sie helfen, den Klang zu bündeln, um den Raum gut zu fluten. Diese durchbrochenen Schleierbretter über den Prospektpfeifen stellte Ferdinand Starmann aus Neuenkirchen her. 2022 ist eine Reinigung und Überholung angesehen.

Die Vorgängerorgel (40 R) hatte Wurmbefall.

Danke an Gabriel Isenberg und Team!

Die Führer Orgel in Damme gefiel mir besonders gut. Sehr schöne Akustik. Ausgewogener, vielfältiger Klang. 2013 wurde die Orgel durch Orgelbau Fleiter aus Münster gereinigt und generalüberholt, moderne elektronische Setzeranlage, im Pedal wurde die Trompete 4′ zu 8′ umdisponiert, Manualkoppeln elektrisch, die Koppel III-I hinzugefügt.

2015 bekam die Orgel einen neuen Motor und neue Trakturwinkel im Pedal. 2021 wurde der Einbau eines neuen Ladenbalgs für das Schwellwerk beschlossen und durchgeführt, neuer Einzeltonladen für die tiefe Oktave des Bordun 16′ und eines neuen SW-Tremulanten durch Fleiter (Münster), für eine bessere Windstabilität. Die Orgel ist ein Neubau der Orgelbaufirma Alfred Führer aus Wilhelmshaven aus dem Jahre 1975, 40 Register und ein Glockenspiel, auf drei Manualen und Pedal. Die Werkgliederung in Hauptwerk, Schwellwerk, Rückpositiv und Pedalwerk ist optisch wiederzuerkennen, was die norddeutsche Barocktradition zeigt. Die Trakturen sind gemischt (Spieltraktur mechanisch, Registertraktur elektrisch). Die Disposition nimmt  im Schwellwerk französisch-romantische Elemente ein, was für Orgelwerke dieser Zeit noch eine Besonderheit war. Die Schnitzarbeiten am Orgelgehäuse stammen vom heimischen Künstler Ferdinand Starmann (Neuenkirchen).

Große neugotische Kirche, viele Türme, großer heller Platz. Sie wird Dom genannt. Damme und Holdorf (Oldb) (Vorsicht, man spricht es „Holldorf“ aus) und Vechta sind sehr schöne, ländliche, vornehme Orte voller Pferde, Wiesen, Siedlungen und norddeutschen Villen. Schade, dass Führer Orgelbau 2004 pleite gegangen ist. Viele Künstler sind leider keine Businessleute oder Unternehmer.

Wenn ich irgendwo bin und vlogge, muss ich mich schnell auf die jeweilige Orgel einstellen, auf ihre Stärken und Schwächen, das ist immer spannend. Wo klemmt was, wo klappert es? Wo muss ich beim Pedal besonders stark drücken, weil sonst der Ton nicht kommt? Wo ist es ungleichmäßig? Das muss ich mit beachten. Was ist gerade zufällig verstimmt? Wo hakt es?

Ist es bei euch auch so, dass ihr manchmal ganz arg nach einem griechischen Salat, nach Rohkost lechzt? Bei mir war das heute Abend so. Hmmm soo lecker. Heute ist meine zweite Nacht im „Hotel zum Pferdezentrum“, ganz nah vom Zentrum, indem die berühmten Oldenburger Hengste und Stuten gezüchtet werden. Die Hotelzimmer sind voll Bilder dekorierter Siegerpferde. Passt ja, ich bin auch ein hochgezüchtetes Rennpferd ☺️

Orgel News:

Neu: Orgel-Information Führer Damme:

Führer Orgel Dom zu Damme (Oldb)

Neu: Orgel-Information Eule Neuenkirchen

8 Antworten auf “20. März 2022”

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  2. Dorf- und Dooforganist

    Warum ist der Johannes Sommer eigentlich so rot geworden? Oho?! Scham? Alter? Wie gut ist er mit Rochus Schmitz befreundet?

      • Faule H.

        Konzerte spielen ist überbewertet. Gute Beziehungen sind wichtiger. Und natürlich die Unkündbarkeit, wenn man seinen Orgelsessel lange genug warmgesessen hat! Bis zur Rente kann mir keiner was!

  3. Klar, dass die dicken Männer aus aus Erfurt, Thüringen, Mitteldeutschland was gegen Rennpferde haben. Sie selbst sind ja irgendetwas zwischen Ameise und Schnecke. Das liegt sicher auch an den aufregenden Vorbildern? Wie spielt eigentlich Matthias Dreissig? Wann ist sein nächstes Konzert?

  4. Ich erinnere heute an Musik dasAntikriegslied
    „Sag mir, wo die Blumen sind“ hat Wurzeln in der Ukraine
    07:09 Minuten

    Junge ukrainische Frauen sitzen in traditioneller weißer und bunt gemusterter Kleidung auf einer Bank im Schatten und singen.
    Das Lied „Sag mir, wo die Blumen sind“ ist eigentlich kosakischer Herkunft.

    Marlene Dietrich machte die deutsche Version von „Where Have All The Flowers Gone“ 1962 berühmt. Kaum bekannt ist, dass das Lied auf ukrainische Musik zurückgeht, aber auch auf russische. Letztlich passt der Song nicht in nationale Schubladen.
    Seit rund drei Wochen wütet inzwischen der Krieg in der Ukraine. Jeden Tag erreichen uns neue Meldungen von Angriffen, von Todesfällen, von Zerstörung und von geflüchteten Menschen. In diesen Zeiten haben Antikriegslieder Konjunktur. Eines wurde im Jahr 1962 weltbekannt, kurz vor der Kuba-Krise.
    Marlene Dietrich sang „Sag mir, wo die Blumen sind“ – die deutsche Version von „Where Have All The Flowers Gone“ des US-amerikanischen Songwriters Peter Seeger. Nur wenige wissen wohl, dass zentrale Passagen aus diesem Song einem ukrainischen Volkslied entstammen.
    Vorbild: Das Wiegenlied im Roman „Stiller Don“
    Seeger kam über den Umweg der Literatur zu diesem Volkslied. Er hatte Sympathien für sozialistische und kommunistische Ideen. In den 1950er-Jahren las er den sowjetischen Roman „Der stille Don“. Dieses Buch erzählt vom Ersten Weltkrieg, vor allem aber vom Bürgerkrieg nach der Oktoberrevolution. Es ist ein Mammutwerk mit 2.000 Seiten.
    Der Held ist ein Donkosake, der auf beiden Seiten kämpft, ein scheiternder Held. Der Autor Michail Scholochow erhielt dafür übrigens 1965 den Literatur-Nobelpreis, obwohl es bereits damals Plagiatsvorwürfe gab, er könne so ein Werk gar nicht geschrieben haben. Das ist aber eine andere Geschichte.
    Entscheidend für Pete Seegers zukünftigen berühmten Song war eine Szene im Roman, als eine weibliche Figur ein Wiegenlied für ein Kind singt. Diese Zeilen haben Pete Seeger beeindruckt, und er hat sie sich notiert. Das waren die die berühmten Worte, die den Kern seines Lieds bilden:
    Und wo sind die Gänse? Sie liefen ins Schilf. Und wo ist das Schilf hin? Von Mädchen gemäht. Und wo sind die Mädchen? Verheiratet längst. Und wo die Kosaken? Sind fort in den Krieg.

    Aus dem Roman „Stiller Don“ von Michail Scholochow
    Ein einfaches Kettenlied, bei dem die letzte Zeile der Strophe beziehungsweise die Hauptfigur immer wieder aufgegriffen und inhaltlich weitergetragen wird. Genau das hat Pete Seeger später in seinen Songtext übernommen – mit dem Folkloreforscher und Sänger Joe Hickerson, der ein paar Jahre später, 1960, weitere Zeilen hinzugefügt hat.
    Lied zum Zerkleinern von Mohn.
    Der Legende nach hat Pete Seeger seinen Song während eines Flugs nach Ohio geschrieben, als er ein paar seiner alten Notizhefte durchsah, auf diese Worte stieß und dann noch im Flugzeug eben diesen Song geschrieben haben soll. Zunächst auf eine Melodie des amerikanischen Folksongs „Drill Ye Tarriers Drill“.
    Erst später fand Pete Steeger das im Roman „Stiller Don“ erwähnte Lied zu diesem Text – im Kern sind es sogar zwei Lieder. Das erste ist ein einfaches, rhythmisches Lied aus der Ukraine, das zur Begleitung beim Arbeiten auf dem Land diente, genauer gesagt: beim Zerkleinern von Mohn. So heißt das Lied auch auf Deutsch: „Ich mahle Mohn.“
    Im Video sitzen ein paar Bäuerinnen im Kreis und singen dieses Lied a cappella, mit den entsprechenden Handbewegungen. Da kommen die Blumen ins Spiel, die die Mädchen gepflückt haben. In den letzten Zeilen heißt es: Sie heiraten, die Männer gehen fort und kommen nicht mehr wieder.
    Kosaken in Südrussland und der Ukraine
    Das zweite Lied ist textlich eng verwandt und Pete Seeger erwähnt es als seine Quelle. „Kaloda Duda“ ist ein Wiegenlied der Kosaken.
    Dass es dieses Lied auf Russisch gibt, hängt mit den Kosaken zusammen. Das waren so etwas wie Rebellen, freie Krieger – so auch die etymologische Bedeutung des Wortes. Es waren ukrainische, russische und polnische ehemalige Leibeigene, die sich in Reiterverbänden organisierten und in der gesamten Region – in Südrussland und in der Ukraine – unterwegs waren. Daher die stilistische Nähe über nationale Grenzen hinweg.
    Dadurch, dass Lieder sowohl in der Ukraine als auch in Südrussland mündlich weitertradiert wurden, konnten unterschiedliche Varianten entstehen. In der mehrsprachigen Ukraine wurde ganz selbstverständlich zwischen den Sprachen gewechselt. Man konnte beide Lieder in beiden Sprachen singen.
    Ohne Grenzen zu Sowjetzeiten
    Das Lied lässt sich also nicht in nationale Schubladen stecken. Entscheidender sind die regionalen und stilistischen Aspekte. Die Musik hat vor allem bäuerliche Wurzeln, jenseits von Ländergrenzen. Die gab es zudem in sowjetischen Zeiten gar nicht und es durfte sie nicht geben, etwa zwischen der Ukraine und Russland. Es war ja die Sowjetunion.
    Das erklärt auch, warum Pete Seeger später mal von den ukrainischen und dann wieder von den russischen Wurzeln seines Songs sprach. Als er ihn in den 50er-Jahren schrieb, wurde da kein Unterschied gemacht.
    Das bestätigt auch der Musikwissenschaftler Jascha Nemtsov. Er betont dabei zwei Aspekte: die geografische Nähe zum Schauplatz des Romans „Stiller Don“, wo dieses Lied ja auftaucht, also Südrussland und die Ukraine. Und dass für Pete Seeger das Wort „sowjetisch“ damals gewissermaßen synonym für „russisch“ war.
    Die nationale Identitätssuche und Selbstbehauptung der Ukrainer, die es bereits im 19. Jahrhundert und früher gab, war in sowjetischen Zeiten kein Thema und konnte sich auch erst wieder nach der Unabhängigkeit Anfang der 90er-Jahre neu entwickeln.
    Zusammenfassend könnte man sagen: „Kaloda Duda“ ist ein Lied, das sowohl in der Ukraine als auch in Russland gesungen wurde. Die Klammer ist die kosakische Herkunft.

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