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Tur Blogg

Heute ist der No-Pants-Day. Endlich haben auch Exhibitionisten ihren Feiertag. (Czech/Domzalski)

Jemand sagte mir gestern, meine Homepage würde mindestens 3 Frauen zeigen. Wie ich das alles in einer Person sein kann?

Ich freue mich auf das Konzert in Rothenburg/Tauber. Es ist am 29.10. an der Steinmeyer Orgel in Heilig Geist.

Die Konzerte 28. und 29.9. sind auf 30. und 31.10. gelegt. Rudolstadt ist ebenfalls im Oktober.

„Die Verwandlung“ von Kafka ist hervorragend. Klug, ironisch, sehr witzig, verrückt, psychologisch, sarkastisch. Und vor allem originell. Das Besondere und Originelle ist der sagenhafte Humor, der natürlich bissige Kritik ist. Jedoch solch einen genialen Umgang mit Kritik habe ich selten so klug und witzig erlebt. Denn es ist ganz ernst und erschreckend und doch so lustig, dass man den Kopf schütteln muss. Gleichzeitig traurig. Es ist eine unfassbare Mischung. Kafka schreibt viel aggressiver, wilder und sarkastischer als Zweig, der wehmütig und lyrisch ist. Kafka bleibt bis zum Schluss „böse“ und beißend. „In der Strafkolonie“ – sehr gut komponiert. Beide schreiben keineswegs politisch und doch sehr politisch. Besonders in Zweigs Essays.

Apropos Kompositionen. Meine neuen Werke sind eingetroffen. In DIN A 3 vor mir liegend – wunderbar. Furore und Stringendo.

NEU: Wiegleb Orgel Ansbach:

Wegen Lazy Load werden alle neuen Fotos und Texte bei Orgel Infos jeweils erst nach ca. 24 Stunden online zu sehen sein. Dadurch läuft die Webseite schnell.

Es kann gern kommentiert werden:

Wiegleb Orgel Ansbach

Rainer Goede erzählte mir, Architekten können manchmal durchaus auch ein Problem sein beim Orgelbau. Das hätte ich nie vermutet. Die grünen Schleier innerhalb der Stiftskirche Stuttgart dienen dem Klang. Denn Orgelbau Mühleisen wollte keinen Freipfeifenprospekt. Gehäuse und Schleier helfen, Klang zu bündeln, zu sammeln, zu sortieren. Aber die Architekten suchen nicht die Organisten und Orgelbauer aus, sondern Juristen und Theologen im Amt. Da wird oft der Hausarchitekt ausgesucht. Einen hervorragenden Freipfeifenprospekt (Werke übereinander) zu bauen, der dem Klang nicht schadet, ist schwer und viel Arbeit. Um dem Klang zu helfen, gab es zumindest ein Rückpositiv und die grünen Schleier. Das Zusammenspiel von Kirche, Klang, Orgelbauer, Gewölbe, Architekt, Sachverständiger, Organist – ist enorm! Als Organistin ist man also auch Akustikerin. Es gibt viel zu wissen und zu kennen. Und dann muss man noch diplomatisch sein, denn der Bau einer Orgel oder die Rekonstruktion ziehen sich Jahre hin, man muss mit den unglaublichsten, widersprüchlichsten Leuten zu tun haben.

Ich bin verblüfft, dass die Bälge in der Decke über der Wiegleb Orgel liegen (fallender Wind, Schwerkraft). Der mächtige 32-Fuß (offen, Holz) hinter der Orgel ist begeisternd.

Dass eine so wunderschöne Orgel im Prospekt ohne Gott und Anbetung ist, sondern idealtypisch für männlichen Absolutismus – das ist erschreckend. Nur die Musik und doch die Musik werden Gott preisen. Denn der Markgraf ist trotz seiner Monogramme längst im Totenreich. Gott aber wird nie sterben. Kann er gar nicht.

Heute habe ich mit Hans-Ola Ericsson (er ist gerade in Linköping) gesprochen, das Haus in Schweden nehme ich leider nicht , zu weit weg, und wegen Registrierung:

  • immer aufschreiben in die Noten (nicht spontan und mündlich die Orgel inhalieren), was wo will
  • auch wenn es keine Nummern gibt, sich im Kopf Nummern (er hat mir eine immer gleiche Strategie genannt) „notieren“ (=merken)
  • jedes Register EINZELN durchgehen, dann mischen, die Chöre usw., erst dann in die NOTEN SCHREIBEN (auch wenn meine „awful“ wären )- nicht spontan
  • sollte was schief gehen, gleich korrigieren (den FlOW stoppen!) – sollte aber nur 3 x im Leben passieren (was bedeutet, dass es mir nie mehr passieren darf)

Ich mag Manualschiebekoppeln und Sperrventile wie bei Ladegast. Wiegleb hat dies „edler“ gelöst.

Ps:

In den Lektürevorschlägen der Lehrpläne für Deutsch in Bayern sind immer noch viel zu wenige Autorinnen erwähnt, meistens max. 2-3, aber es überwiegt immer noch der Eindruck, dass hauptsächlich (ältere) Männer schrieben, erst recht gute Literatur/ Weltliteratur. In einer Diskussion darüber bemerkte letztens ein Mann, dass das wohl daran liegt, dass Frauen eben anders und insbesondere nicht so gut schrieben wie Männer und deshalb in Vergessenheit geraten wären und auch nicht in der Schule gelesen werden. Ich finde jedoch, dass dies genauer untersucht werden müsste und heutige Schülerinnen unbedingt auch viel mehr Texte von Autorinnen lesen sollten. Es geht mir dabei vor allem um eine Balance, kein entwederoder. Erst dann entzerren wir auch diesen doch noch immer sehr patriarchalen Blick auf Literatur, Geschichte und Kunst. Das Bild ist aber viel bunter, und die Kenntnis dieser Autorinnen würde uns alle sicher bereichern. Zudem bestimmen nach wie vor Männer, was „gut“ sei. Der einzige Lichtblick: Männer schreiben über Frauen. Es geht in der Literatur zu 90 Prozent um Frauen.


Aber auch Frauen können Weltliteratur schreiben.

Ebenfalls neu Ladegast: Es kann gern kommentiert werden:

Ladegast Orgel Weißenfels

Ladegast Orgel Marienkirche

Wiegleb Orgel Ansbach

Dortmund Konzert

14. September 2021

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Die Erde ist ein atmendes Lebewesen. Ob sie fühlen und hören kann? (AHS)

Wenn man selbst registriert, ist es wichtig, dass man registriert. Also nicht zu wenig. Sondern farbig. Dass einem dabei Fehler unterlaufen können, sollte nicht abschrecken davor, farbig und viel zu registrieren, so als hätte man zwei Registranten oder als gäbe es eine Setzeranlage oder Nummern. Inhaliere die Registernamen!
Was ich bisher jedoch noch nicht wusste: Wenn man beim Selbstregistrieren einen Fehler macht, zB eine Mixtur vergisst oder im Pedal plötzlich zu viel oder zu wenig hat – was tun? Soll man stoppen und sofort korrigieren? Oder so tun, als wäre alles gewollt so und erst bei der nächsten Chance korrigieren? Im Studium lernt man so etwas nicht, denn wer konzertiert schon viel im Studium? (Außer mir) Rainer Goede aber gab mir darauf eine Antwort, ohne dass ich fragte: Zum Fehler stehen und sofort oder bei der nächsten Eins korrigieren. Dies würde auch ein Dirigent tun. Ich war erstaunt. Am Klavier ist es eine Todsünde, stehen zu bleiben.
Wunderbar war auch, dass er mir eine lange private Orgelführung gab zu dieser wundervollen Wiegleb Orgel, die er seit über 18 Jahre betreut. Und auch zur Rieger-Orgel in der Nachbarkirche St. Johannis. Die Rieger-Orgel ist im Stil eines entwickelten Neobarocks, hell, aber nicht grell und scharf. Sie ist ganz anders als die historische Barock-Bach-Orgel Wiegleb, die einzigartig ist: Gambenchor, 2-Fuß-Gambe, Echo im Schwellkasten, Flagiolett 2 im Prospekt, ein Prospekt des reinen Absolutismus.

Besonderheiten sind und gelernt habe ich:

Kirchen und Klang einschätzen können:

  1. Teppich 
  2. Putz (glatt ode rau)
  3. Farbe (körnig oder glatt)
  4. Bögen, Rippen, Gewölbe (Gleichmäßigkeit, Höhe)


„Feinde“ von Orgeln:

  1. Schmutz, Wurm, Feuchtigkeit (oder Trockenheit)
  2. Klanghinderer (siehe obiger Hauptpunkt Kirche)
  3. Gewisse Architekten und Orgelsachverständige

Orgelbau und Komponieren:

  1. Kapieren
  2. Kopieren
  3. Eigenes machen 


Man kann auch 1 und 2 tauschen: Solange kopieren, bis man kapiert. Denn Kapieren ist der Knackpunkt, finde ich.

Die Professionalität der GEMA hinterfrage ich manchmal, die die Schlagerbranche ehrt und eher primitive Musikdigitalisierungen fördert.

Ich lese/höre Kafka. Anstrengender Stil.

Was mir an den (schwedischen) Märchen und Sagen nicht gefällt, sind die „Magie“ (oder Trolle im Schwedischen), dass alles „vertrollt“ ist, witchcraft und Hexerei. Muß das wirklich sein? Es gibt doch auch eine gute, heilige Spiritualität. Muß es denn die gottlose Magie sein? Oft wird sie romantisch gefärbt (Disney).
Überhaupt gefällt mir in angeblich romantischen Märchen die angeblich romantische Rolle der Frau nicht: Sie muß stets schön und bescheiden sein und sich alles gefallen lassen (siehe Aschenputtel). Ihr einziges Ansinnen: Ball, König und Heirat, anstatt sich gegen Stiefmutter und (komplett schweigenden, devoten) Vater durchzusetzen oder davon zu gehen in die Welt. Nur Magie und Aussehen helfen ihr, den König zu heiraten. Katastrophales Rollenbild. Zudem sind es immer die bösen anderen Frauen, die Frauen das Leben schwer machen (Schneeweiß, Aschenputtel…). Man muss bedenken, dass alle diese Märchen von Männern beeinflusst wurden und dass die Könige in den Märchen meist schweigen.
Selbst jetzt, 2021, gibt es eine Shampoo-Werbung, die behauptet, das Haar gäbe Frauen Selbstbewusstsein! Frauen sollen wohl mit solcher Werbung verdummt und in ihre Rolle verwiesen werden. Glaubt mir, Frauen, es ist nicht euer Haar, was euch Selbstbewusstsein gibt. Das ist eine Lüge der Männerbranche.

Aber es gibt auch Männer, die verstehen, was Sache ist. Neben Stefan Zweig auch Moa Martinson. Er schreibt darüber, dass Frauen, die von Männern verführt, belogen und geschwängert wurden (ehelos), bestraft und verachtet wurden, auch von der Kirche, während nach den Männern niemand fragte und diese logen, dass sich die Balken bogen. Bei Männern konnte man ja die weiteren Folgen von Sex nicht sehen.
Es gibt selten aufrichtige und mutige Männer. Die meisten sind leider eher schwach, weich und feige.

ps: „Süßsein“ scheint für viele Männer gleich mit Antikönnen zu sein. Süß und Können ist für viele Männer schwer zu kombinieren. Scheint sich für sie geradezu zu widersprechen. Man und besonders frau darf nicht süß (oder unschuldig) sein und doch mehr können.

The Beatles – Yesterday – Piano and Voice (mit Gesang und Klavier) in Berlin. Ann-Helena

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Yesterday mit Gesang

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Pandemic Dance

13. September 2021

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Niedrigkeiten und pöbelnde Männer entlarven sich von selbst. (Alice Schwarzer)

Die schwedischen musischen „Klassiker“ sind interessant: Roman, Bellmann, Kraus, Berwald, Rangström, Nilsson, Attenberg, Hallström…

Schön ist, dass St. Gumbertus Ansbach, evangelische Stifts- und Hofkirche, auf einem Johann Sebastian Bach– Platz steht… mitten in der Innenstadt, am Schloss, in der sich die Regierung Mittelfrankens befindet. Nah der Orangerie. Und dass das kleine Ansbach (bei Nürnberg) ein eigenes feines Theater hat.
Ich fragte den Taxifahrer, wo St. Gumbertus sei. (Wir waren zwar schon mal mit Christoph Bossert da, ist aber schon lange her). Der Taxifahrer sagte, am besten mit Taxi. Ich antwortete, es sei doch nur 7 min zu Fuß entfernt. Er sagte: Wer verrät denn so was?
Ich lachte: Sie hätten wahrscheinlich mit dem Taxi 30 min gebraucht. Klar, lachte er.

Eine schöne Stadtführung hätte ich da bekommen…

Ich finde, an jeder neuen (fremden) Orgel muss frau sich erst wieder neu eingrooven, Hüfte, Gelenke, Körper, sich strecken. Sich streckend dem jeweiligen Instrument entgegenbiegen und anpassen. Nicht zu schwungvoll sein. Anti-Stretta. Ruhe. Wissen, wo man die Ferse platziert. Die Hand merkt schon vorher, wenn und dass etwas unangenehm wird.
Man muss so vieles an der Orgel beachten: 

Frau muss das jeweilige Werk als Tastatur, aber auch als Register begreifen und auch als Klang, als Pfeifen. Dreifach! 

In Ansbach ist das Schließwerk ähnlich wie in Wiesbaden, ein Chip mit Doppelpieps.
Ich mag den schlichten, hellen Raum, in dem das Schmucke einzig und allein die Orgel ist.

In meinem eigenen Stück hatte ich im Mittelwerk (3. Manual) einen Heuler (evtl. wegen den Glissandi). Es war ein a und perfekt und passend, wie er weiterklang. Ich baute mein Stück um den Heuler herum. Man muss flexibel sein. Ich dachte mir nur: Ich muß zudem auch schauen, dass und wie ich ihn im Spiel kreativ wieder wegbekomme. Das ist mir gelungen. Ich war stolz auf mich selbst. Es war ein kreativer Heuler.
Ansonsten hat mir der Ritter besonders Spaß gemacht. Ich habe alles allein gemacht. Der Kantor sagte mir, es sei ein Horror für einen Registranten, hier zu registrieren. Der könne seitlich die Schilder kaum lesen. Setzer und Hilfen und Nummern gibt es nicht. Das finde ich auch schön.
Rainer Goede sagte mir hierzu: In der Bibel steht: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, nicht bei einer Nummer. – So ist es: Man muss alle Register vom Namen (und Klang) her kennen, nicht von einer Nummer. Gembshorn, Petitt, Oboe, Gambe… Ich bin das Register Ann-Helena.

High Risk SOS Pandemic Dance XIV – Wiegleb Orgel Ansbach live in Concert. Uraufführung AHS

 

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Wiegleb Orgel

12. September 2021

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Denn ihr träumt nur noch im Schlaf, um am Tag zu funktionieren. (SDP Duo)

Das Konzert in Ansbach war sehr schön und gut besucht. Weit über 120 Menschen waren da. St. Gumbertus ist groß. Es hat großen Spaß gemacht. Die wunderbare Wiegleb Orgel schmolz unter meinen Händen. Viel Applaus. Ich habe alles selbst registriert, gezogen und geblättert. Der Pfarrer Thomas Meister hat eine sehr schöne Begrüßung gemacht. Danach habe ich alle meine CDs verkauft. Ich bekam auch drei CDs geschenkt von der Ansbacher Orgel. Rainer Goede war auch da. Er ist ein sehr kluger und warmherziger Mensch. Auch Carl Friedrich Meyer ist sehr nett.

Ich musste im Hotel Ansbach einen (meinen ersten) Selbst-Test machen, war aber easy und schnell. Beim Frühstück saß neben mir eine Gruppe älterer Damen. Bei deren Gesprächen brach mir fast das Herz: Sie redeten darüber, dass sie zuerst nicht mehr leben wollten, als die Ehemänner starben und sich fragten, warum sollen sie sich noch hübsch machen?, und dass sie erst lernten mussten, das für sich selbst zu tun – und dass ihre Lebensaufgabe vorbei sei und dass sie sich jetzt etwas Gutes tun. Dass sie wie die Wespen seien, die ihre letzten Wochen nach getaner Arbeit auf dem Zwetschenkuchen sitzen. Dass niemand vom Tod zurückkäme. Von Aussteuer und Zinn und Schmuck und selbstgesticktem Monogramm. Und dass sie den „Plunder lieben“. Davon, dass sie lernten mussten, Kaffee zu mögen, weil der Ehemann das immer trank und sie nicht täglich Tee und Kaffee kochen wollten. Dabei nickten sie sich demütig zu. Ich dachte: Das ist der Grund, warum Männer früher sterben. Damit Frauen danach endlich zu sich selbst finden und leben dürfen.

Die Besucher in den Kirchen lieben mein Üben, ich bekomme oft Applaus und die Bitten, weiter zu spielen (Stuttgart, Ansbach…).
Den Papier-Bogen für die Gage habe ich trotz Mühe wieder völlig falsch ausgefüllt.

Erinnert mich an manche Fingersätze von mir: „Also dies ist der ungünstigste Fingersatz, den man sich aussuchen kann von allen.“ (Kay) ☺️ Ich bin vom Klavier her gewöhnt, unbequeme Fingersätze zu wählen. Je schwerer, desto besser, nach dem Motto. Meine Hand fühlt die Fingersätze schon vorher. So eine (meine) Hand ist ein lebendiges Wesen.

Ich mag gern den Stil von Stefan Zweig, auch wenn er sehr melancholisch und etwas anstrengend ist/schreibt, besonders seine Kurzgeschichten. Im Grunde drehen sich seine Erzählungen immer um das gleiche Thema: Um traumatische Ereignisse (in der Kindheit) und das zerstörte Vertrauen hinterher bis hin zur völligen Katastrophe und Vernichtung (Tod/Selbstmord). Auffällig ist ebenso, dass das Traumatische, von dem Stefan Zweig berichtet, fast immer um das (sexuelle oder moralische) Versagen des Mannes gegenüber der Frau geht. Was muß Zweig geschehen sein?: Diese tiefe Trauer und das Aufarbeiten in seiner Literatur.
Manche Menschen werfen einem Trauer vor. Als dürfte man nicht traurig sein im Leben, schon gar nicht als Christ. Als wäre Trauer in dieser Welt unpassend, unerwünscht, peinlich oder gar unverständlich und seltsam. Aber das Gegenteil ist der Fall, finde ich. Es gibt kaum etwas Passenderes für einen klugen, ehrlichen Menschen in dieser Welt, in dieser Welt des Versagens, als aufrichtig Trauer zu empfinden.

Ich höre gern Dave Grusin zum Entspannen (Jazz).

Was mir auch auffällt ist, dass Frauen und Mädchen (ich auch) gern winken. Männer (sogar kleine Jungs) winken oft nicht. Nicht mal zurück.
Ist Winken etwas Weibliches?

Ich vermisse Schweden und einen leckeren Kanelbulle. Nun bin ich wieder im Maskenland Deutschland.

Über das Leben bin ich täglich erstaunt. Dass die Erde ein atmendes Lebewesen ist. Ob sie fühlen und hören kann? Dass die Natur Mathematik ist. Dass Zellen, Amöben, Seetang, Samen, Schnürgras, Plankton leben. Dass Haie selbst im Schlafen schwimmen. Dass es Haie gibt, die 200 Jahre alt werden. Ob ich auch wie so ein Hai sein kann, obwohl ich ein ganz anderes Wesen bin?

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Orgel Vlog – Organ Piano Vlog AHS #10 Stretta an der Orgel? Kraft? Dynamik? Wiegleb Orgel Ansbach 

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Wiegleb Orgel Ansbach

Der Motor meines Handelns ist Gerechtigkeit. (Alice Schwarzer)

Bin in Ansbach (wunderschön, Mittelfranken, 49.000 Einwohner). Kaum zuhause, am nächsten Tag schon wieder im ICE: Diesmal zuerst Unterricht Stiftskirche Stuttgart bei Kay, dann Konzert Ansbach. Gleich zwei tolle Orgeln hintereinander an einem Tag, und so unterschiedlich wie Tag und Nacht, Stiftskirche und Gumbertus beim Schloss, Mühleisen und Wiegleb. Ich übernachte in Ansbach und treffe morgen vielleicht Rainer Goede wegen den Rezensionen. Die Konzerte in Schmölln sind auf Oktober verlegt. Rudolstadt ist am 3.10.
Nächste Konzerte Ansbach, Nürtingen, Liebenrode Hohenstein und Mannheim. Die Wiegleb 2007 ist einfach genial, was für wunderschöne Farben und Prinzipale! Ich berichte morgen.

Der Unterricht in Stuttgart ist super an der Orgel: Produktiv, auf den Punkt gebracht, sehr effektiv, klar und direkt und trotzdem ruhig. Es kommt mir wie „Hausputz“ oder wie „Zähne putzen“ vor: Ein guter Lehrer ist wie eine regelmäßige Reinigung. Sei es ein Fingersatz, ein Fußsatz, eine Korrektur, Legato, Erkenntnisse der Einstellung zum Instrument im Allgemeinen. Beispielsweise stretta – eine (von mir geliebte) beliebte „Vorgehensweise“ am Klavier, jedoch problematisch an der Orgel. Denn stretta kann man am Flügel gut ausgleichen und abfangen durch Dynamik und Klang, der automatisch entsteht (crescendo). Jedoch an der Orgel ist kein Ausgleich durch Dynamik da, daher verliert stretta an Klang! Dieses von mir instinktiv gewählte Ausdrucksmittel fällt an der Orgel also meist flach. Im Gegenteil: Zügel in der Hand. Tastengrund ausfüllen. Ruhig fließen.
Genauso auch Kraft und Adrenalin: An der Orgel braucht man mehr Kontrolle als Kraft. Dass ich eine Kompass-Nadel werde, die gleich aus dem Gehäuse springt, nutzt an der Orgel wenig. Im Gegenteil. Man braucht viel Erdung und Ruhe, um (positiv) Kontrolle zu haben. Weiterhin ist auch, neben starken (kontrollierenden) Fingern das weiche Strömen in oder auf der Luft wichtig, ohne Akzente, ohne ritardandi, ohne Drücken.
Die Pedale in der Stiftskirche sind schmal. Daran muss ich mich immer erst gewöhnen. Die Setzeranlage ist top. In Ansbach wiederum gibt es keine, auch keine Zahlen. Ein Registrant hat auch keinen Sinn, denn es soll hier „Horror“ sein zu registrieren, denn man sieht von der Seite die Schrift kaum, und zudem kann leicht verwechselt werden, zu welcher Schrift welcher goldene Knopf gehört, darüber oder darunter. Die einzige Möglichkeit ist es, es selbst zu tun. Die Verschmelzung mit den Registerfeldern ist hierbei wichtig. Das Fühlen, wo was ist. Das Wissen. Wie auf den Tasten. Genauso. Hier ist d und es auf den Tasten und in den Noten, hier ist die Posaune und die Pedalkoppel in den Feldern. Die Pedalkoppel muß angehoben werden. Die Mixtur auf II Ist weicher. 32 Fuß mächtig. Posaune gut gestimmt. Usw. Das muss ich alles im Kopf und im Herzen haben. Das Echo in III ist erstaunlich laut, das Bügeleisen (Schweller) wird nach rechts laut, barocke Wiegleb-Klänge in Ritter draußen lassen (wissen, wo die sind, also Sesqui, Aliquoten, Zimbel, Quinta, Quintatön, 2-Fuß, Vorsicht auch mit der Mixtur…). Wo kann man oktavieren. Usw. Es sind also vier Bereiche: Manuale (Aufteilung auch), Pedale, Noten und Registrierfelder. Die Pedale sind dick und weit. In Stuttgart schmal und eng. Jede Orgel anders. Und der fünfte Bereich Klang: Die jeweilige Größe der Orgel und die Akustik des Raumes. Die jeweiligen Einzelfarben und die „chemischen“ Reaktionen auf das Mischen.



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Wiegleb Orgel Ansbach

Klischees sind keine Missverständnisse, sondern geplante Strategie. (Alice Schwarzer)

Ich bin wieder in Deutschland. Leider. Und doch wieder vertraut normal. ICE. So kalt und modern. Ich bekam zum ersten Mal in meinem Leben eine „Corona-SMS“. Woher sie meine Nummer haben? Von den Reisetickets oder von den Passkontrollen? Bluetooth? Von mir jedenfalls nicht, unheimlich.

Im Nachtzug wurden wir gegen halb 4 Uhr morgens geweckt. Dann wurden alle Pässe kontrolliert. Seltsamerweise fühlte ich mich im Nachtzug sicher und geborgen und konnte gut schlafen. Langsam muss man wieder eine halb zerfetzte Maske hervorkramen.

Aber erst noch mal einen Kaffee trinken. Ich sitze in meiner schwedischen blaugelben, mega-nationalschwedischen Wolljacke von Kiina Kilgren und meinen schwedischen Socken und meiner Schwedentasche mit dem roten Dalarna Häst als lebendige nationale Flagge im ICE Hamburg nach Würzburg (so ganz anders als Snabbtåg SJ) und habe Sehnsucht und schaue finster drein. (Meistens verstehen Menschen meine Miene falsch und fragen mich besorgt, ob alles in Ordnung sei oder finden mich gar süß).

Künstler werden teilweise sogar verspottet und als „Schwurbler“ dargestellt, die zu Corona eine andere Meinung haben. Öffentlich eine andere Meinung zu haben als die gewünschte, scheint mehr und mehr verboten zu werden? Was mich auch wundert: Alte kranke Leute hat die Regierung nie besonders interessiert, manche alte Menschen sammeln Flaschen. Und plötzlich sind alte Menschen besonders wichtig geworden, so dass alles still steht?

Gesundheit wurde zuvor nicht gerade gefördert, Pflegerinnen erschreckend schlecht bezahlt, Krankenhäuser dicht gemacht, Ärztinnen arbeiten ein Wahnsinnspensum ab… und plötzlich ist unsere Gesundheit so wichtig geworden, dass alles still steht?

Ob es wirklich schon feststeht, dass unser Land nun so richtig rotgrünlinks wird, wird sich zeigen. (Noch linkser geht wohl kaum.) Ich vermisse das freie Schweden jetzt schon. Auch wenn ich nicht viel üben konnte.


Ausgewanderte Deutsche wie Michael sind teilweise aber auch nicht das, was ich mir unter Auswanderern, geschweige denn echten Schweden vorstelle: Nach 16 Jahren können sie immer noch kaum Schwedisch, sind nirgendwo angeschlossen oder eingebunden und leben in einer eigenen Welt.

Noch zu der Frage der Flöten: Laukvik zitiert eine Formulierung von Liszt und fügt erklärend ein, dass mit “sehr dumpf” nur Flöten und Gedackte gemeint sein können. Liszt kann den Begriff “dumpf” wohl kaum negativ meinen, sondern hat – etwas unglücklich ausgedrückt – dunkel und ohne Kontur o.ä. beschreiben wollte. Solche Klänge gibt es nur bei weit mensurierten Flöten und auch Gedackten. Prinzipale und Streicher können einen solchen Klang nicht bieten, denn das ist ja nicht ihre Funktion. Flöten und Gedackte können auch ganz andere Klänge bieten als dunkle – die Vielfalt der Bauformen und Intonationsmöglichkeiten ist da eher noch größer als bei Prinzipalen.

Ich höre gerade wieder Franz Kafka. Er hat ein erstaunlich beschauliches, bescheidenes und kurzes Leben geführt. Er hat nebenbei „Weltliteratur“ (teilweise in einer einzigen Nacht) geschrieben. In einem Flow. Wie er sehe ich das auch als fast „die einzige Art des Schreibens“ an. So möchte ich das auch tun. Und er wurde während seines Lebens angefeindet: Was er schreibe, sei peinlich. Aber er wusste dabei immer ganz genau, dass er ein sehr guter Schriftsteller ist.

Und: Ich weiß, ihr findet das wahrscheinlich lustig, aber ich höre auch gern Kinderhörspiele von Astrid Lindgren und Ottfried Preußler…

9. September 2021

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Für meine Werke braucht man Ohren. (AHS)

Stockholm igen! Stockholm ist wunderschön, Venedig des Nordens. Hier zu wohnen ist eher mein Ding als „im Nirgendwo“, wie manche es verständlicherweise nennen, nämlich 23 Stunden Zugfahrt von Süddeutschland entfernt. Allerdings gehe ich noch in mich und denke nach über die schöne weiße Holzvilla im Ingenstans. Denn hier in Stockholm sind Häuser extrem teuer, sagte Hans-Ola. Es war wunderschönes Wetter in Stockholm. Warm, sonnig. Gamla Stan. Ich war in der „ältesten Konditori“ Stockholms, Sundbergs Konditori von 1785, und aß Shrimps auf Toast und schwedisches Marzipan auf grüner Prinzessinenrollentorte. Alle Regenter von Stockholm werden an den Wänden abgebildet. Dann spazierte ich wieder einmal an der deutschen Kirche und an all den süßen Shops vorbei und konnte nicht anders und etwas kaufen. Mit dem Nachtzug fahre ich heim, denn die Fähre startet erst im Oktober.

8. September 2021

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Leute haben keine Ohren am Gehirn. (AHS)

Orgelsommer Nürtingen

Ich bin in Bullandö, Yachthafen bei Stockholm. Bullandö Marina. Das kleine weißblaue Segelboot liegt bei U. Wir sind mit dem Wohnmobil Mercedes Karmann gekommen. Saugdiesel. Putzig. Und laut. Die Saison ist vorbei, die Sauna kalt, im Krog sitzen abends betrunkene Deutsche. Ich habe noch nie in einem Wohnmobil geschlafen. Es ruckelt alles ganz schön. Bullandö liegt in den Schären. 10.000 Inseln soll es hier geben. Wir fuhren über Gävle. Da beginnt der Norden.
Ich halte ja nicht so sehr viel von Til Schweiger, aber das Video hier gegen Kinder-“Impfungen“ ist mutig. Wie weit wird das Ganze noch gehen? Viele Leute lassen sich impfen, damit der Spuk aufhört und ein normales Leben wieder möglich ist. In Deutschland ist der Druck besonders. Das merkt man erst, wenn man Deutschland verlässt. Und das Drücken der scharfen Maske auf den Wangen – das muss man erst mal wieder vergessen. Das ist ja schon „normal“ geworden in Bayern. Man muss in Bayern mit scharfer Maske in den Bahnhof und ans Gleis, darf dann im Zug die weiche blaue nehmen und an der Grenze sie ganz abnehmen.

ps: Das Video wurde einfach gelöscht, in dem Til Schweiger eindrücklich sagt, wie entsetzlich er die Kinderimpfungen findet.

7. September 2021

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Man kann ja viel erzählen, Berlin ist nicht Bayreuth. Das muss man erst mal erleben, dass dem nicht so ist. (AHS)

Dabei bin ich nun schon lange in Schweden. Das Wetter ist die ganze Zeit herrlich. Zum Baden aber ist es leider zu kalt. Badewanne. Kaffee und Gespräche auf den Terrassen. Es ist ganz ruhig hier. Keine Autos. Es wird traurig sein, Nordschweden morgen wieder zu verlassen. Man kann hier sehr zur Ruhe kommen und dennoch viel erleben.
Sehr empfehlen kann ich englische Filme mit schwedischen Untertiteln, so till exempel Flood.
Ich lese Moa Martinson (1890-1964). Eine sehr interessante schwedische Schriftstellerin. Kann man sich vorstellen, dass ein Land wie Deutschland Autorinnen ehrt, die Beziehungen unter Frauen thematisieren und sogar politische Texte als Journalistinnen schreiben? Mir fällt auf, dass Redakteurin, Journalistin und Autorin sein eine enge Beziehung haben kann und dass politische Ansichten und biographische Hintergründe ohne Probleme dazu gehören dürfen zu literarischen Texten. In Deutschland hatte ich das Gefühl, dass man dies nicht verbinden darf und überhaupt möglichst alles geheimhalten soll, wer man ist, sogar in Gedichten. Was eigentlich sehr schade für die Literatur ist. Es scheint mir langweilig zu sein, Figuren nur zu erfinden. Ich mochte immer schon, wenn Echtheit in irgendeiner Form dahintersteckt: Die Seele und Tiefe des Menschen hinter der Literatur.
Hier mein Schwedenfilm:

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Mein Schwedenfilm

Herren välsigne dig och bevare dig.

Sonntag. Hier sind leuchtend rot die Vogelbeeren und letzten Himbeeren. Ich war Gassi mit Seven. Es ist ein goldener warmer Herbst. 18 Grad. Nur abends wird es kühl. Die Katzen räkeln sich auf den selbstgemachten Terrassen. Wir waren in der kleinen schwedischen Freikirche in Härnösand. Es ist schön, schwedisch zu singen, und alles ohne Maske. An einem schwedischen alten Flügel. Die Predigt des neuen Pastors war sehr schön. Es ging darum, dass man wenig liebt, wenn einem wenig vergeben wird. Und dass man viel liebt, wenn einem viel vergeben wird. Es war diese schöne Bibelstelle, in der Jesus eine Frau ehrt vor einem Haufen widerlicher Männer. Die Männer, die dachten, es müsste ihnen gar nicht erst etwas vergeben werden. Jesus ist auch wunderbar sarkastisch. Welche Stelle ist es? Wer weiß es? Es gibt sogar mehrere zur Auswahl.

Konzert und Malkurs.

Hans-Ola schrieb mir, dass er es für keine gute Idee hält (eher für „wahnsinnig“ ), dass ich das riesige Grundstück nehme. Gåltjärn hat den höchsten Schneestand in Schweden. Ob es nicht etwas Passenderes gäbe? Sie selbst wohnen in einem seit einigen Jahren restaurierten und umgebauten Torp (Hof) mit Sauna und Atelier am See. (Hans-Ola malt ja auch, wie ich.) Ich wusste gar nicht, dass Hans-Ola so gut im Restaurieren ist. Ich bin handwerklich völlig unerfahren. (Und träumte, dass der Biber in mein Schlafzimmer kommt und meine Hände abnagt.) Ich dachte, alle Musiker sind schlecht oder unbegabt in handwerklichen Dingen. Aber das stimmt gar nicht. Ich finde es bewundernswert, wenn Leute selber bauen und restaurieren.

Und just heute erfuhren wir in der Kirche, dass es ein weißes schwedisches Haus gibt in der Nähe von Härnösand mit kleinem Grundstück am See, das viel besser zu mir passt. Morgen um 11 besichtigen wir es. (Und man müsste auch nicht das ganze Jahr über dort wohnen, sondern dann, wenn man möchte.) Hier passt auch mein weißer Schaukelstuhl hin. Und im ehemaligen Kirchsaal der weißen Villa kann man Konzertreihen halten.

Ich lese nun Stig Dagerman (1923-1954).