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Selbstgerechtigkeit steht bei „guten“ Menschen hoch im Kurs. (AHS)

22. September 2022: Es gibt laut Bibel keinen guten Menschen außer Jesus. (AHS)

Selbstgerechtigkeit steht bei „guten“ Menschen hoch im Kurs. (AHS)

Heute erinnere ich an Almuth Schult, Fußballerin.

Wieder daheim. Ich las Pascal Mercier „Klavierstimmer“ und Marianne Fredriksson „Hannas Töchter“ auf Schwedisch.

Schade ist, dass es in Sachen Karriere oft nur um Wachstum und Erfolg geht: Fixierung auf Erfolg. Lernt man nicht gerade auch aus Misserfolgen?

Ich wurde gefragt: Was bedeutet, Krieg ernährt den Krieg? Ich denke, es ist wie Feuer; Feuer zündet sich gegenseitig an und wird immer heißer und größer. Diese Art der Ernährung basiert oft auf Testosteron-Sturheit, denn Krieg basiert auf männlicher Sturheit, gelinde formuliert.

Ich wünschte, ich hätte meine schwedische Urgroßmutter kennengelernt. Frida.

Werft einen Blick in meinen Shop, besonders auf meine Noten „Geh aus mein Herz und suche Freud“.

Helene Bresslau

Empfehlen kann ich das Buch „Ein Leben für Lambarene“. Von Verena Mühlstein. Sie beschreibt, dass Frauen wie Helene oft nur von hinten gezeigt werden statt von vorn als eigenständige kluge Persönlichkeiten. Helene kommt aus einem jüdischen Elternhaus. Albert war Protestant. Helenes Vater soll ein sehr liebevoller Mensch gewesen sein, großzügig, gebildet, der seine Töchter ausbilden ließ, einer der wenigen jüdischen Professoren, da die Gesellschaft schon antisemitisch war.

Helene erkrankte mit 10 schwer. Doch sie berichtete später nie davon, was bezeichnend ist für ihre Art. Die süße, goldige, wunderschöne Helene soll wohl schon von Anfang in Albert verliebt gewesen sein, schon beim ersten Treffen, als sie 19 war. Irgendwie ist das traurig und schön zugleich. Sie mußte so lange warten. Diese Zeit muss eine enorm schwierige Zeit für sie gewesen sein, gerade in dieser Gesellschaft, wartend, unsicher, sich immer zurücknehmen müssend. Allein beim Gedanken daran kommen mir die Tränen. Sie hatte Kummer und Druck, nicht als Alberts Liebchen ins Gerede zu kommen. Dass Albert sie schon längst liebte, schien ihm nicht klar zu sein, denn es dauerte ewig, bis er um ihre Hand anhielt. Helene war bereits tuberkulosekrank bzw. anfällig, dennoch folgte sie ihm nach Afrika. Sie heirateten zuvor in Günsbach.

Dass er eine an Tuberkulose erkrankte jüdische Frau nach Afrika mitnahm, verurteilte die Gesellschaft. Helene bekam spät ihr Kind. Sie war ab da nicht mehr in der Lage, ihn nach Afrika zu begleiten. Albert lehnte dennoch eine Professorenstelle ab, baute Frau und Kind  ein Haus und verließ sie. Und sie ließ ihn ziehen, obwohl sie im Grunde bereits sehr krank war. Tuberkulose war damals ein Stigma. Was ich nicht verstehe. Warum? Und Albert konnte ihr nicht helfen. Als Arzt.

Albert ließ sie unglaublich viel allein, jahrelange Trennungen. Trotz ihrer Krankheit begleitet sie Albert ein zweites Mal nach Afrika, was im Grunde unverantwortlich war. Aber Gott schützt sie. Und so reist sie auch ein drittes Mal, endlich mit ihrer Tochter, nach Lambarene. In der Zeit dazwischen hält sie Vorträge und hilft der Sache ihres Mannes und reist bis nach New York. Helene hält durch. Ihr Mann wird 80 und umjubelt. Sie an seiner Seite. Er will erneut nach Lambarene aufbrechen. Und die kranke, fast 80jährige Tapfere, beinahe bereits ein Pflegefall, begleitet ihn. Irgendwann muss sie zurückfliegen, weil es ihr nicht gut geht. Er darf nicht fliegen (sie eigentlich auch nicht, wegen ihrem Herzen) und er will auch bleiben. Dass er nachkommen werde. Doch sie stirbt bereits 10 Tage nach ihrem Flug, was abzusehen war. Sie war bereits todkrank, und es ist ein Wunder, dass sie so lange durchgehalten hatte. Wegen ihm. Der stoische Albert reagiert – stoisch. Er stirbt, völlig erschöpft, 8 Jahre später in Lambarene. Und wurde neben seiner Frau begraben.

Er hätte ein reiches, akademisches Leben haben können, mit aller Anerkennung, mit allem Tamtam. Aber er hatte verzichtet. Und erwartete auch von seinen Liebsten – Verzicht.
Der Nobelpreis hätte auch an sie gehen müssen.

Jedoch: Der Preis war ihnen völlig unwichtig.

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2 Antworten auf “Selbstgerechtigkeit steht bei „guten“ Menschen hoch im Kurs. (AHS)”

  1. Andreas Friedrich

    Der heutige Blog gibt einen sehr nachdenklichen Einblick in das Leben von Albert Schweitzer und seiner Frau Helene. Danke dafür. Auch ich mag die Torfrau und weibliche Persönlichkeit A. Schult. Sie vertritt stets sehr offen und ehrlich ihren Standpunkt (genau wie Ann-Helena). Zugleich gelingt es Almuth Schult ausgezeichnet, Familie (Ehemann+Kinder) und ihren Hochleistungssport unter einen Hut zu bekommen. In den drei Bild-Dokumenten spiegelt sich die fleißige und gewissenhafte Tagesarbeit der Künstlerin Ann-Helena wider. Super gemacht!

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