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23. Dezember 2019

Gesegnete Weihnachten!

Kevelaer, Teil 1

Ich bin im wunderschoenen Wallfahrtsort Kevelaer in der Naehe von Duesseldorf und staune ueber die Marienbasilika und ihre Orgeln, ueber all die vielen Orgeln in dieser wunderschoen geschmueckten kleinen Stadt. Die beruehmte Orgelbaufirma Seifert hat hier ihren Sitz schon seit der 5. Generation. Die Orgeln der ganzen Gegend sind Seifert-Orgeln, auch die groesste Deutschlands (nach Passau, die ja aus unterschiedlichen Orgeln besteht) mit ueber 10.000 Pfeifen in der Basilika aus einem Stueck. Original 1906. 1926 erweitert. An ihr durfte ich viele Stunden ueben und im Gottesdienst spielen. Die Basilia sieht aus wie ein riesiges, exotisches Schmuckkaestchen mit Wandteppichen, Sternen und intensiven Farben,  und hoch oben ueber den geschnitzten Eingangstueren thront die grosse, praechtige Orgel mit ihrem Gehaeuse aus hellem Holz, roetlich angestrahlt, inmitten blauen Sternenwaenden. Sie ist eine viermanualige romantische Orgel mit 138 Stops (elf werden in den naechsten Jahren ergaenzt) mit wunderschoenen Vierfuessen, Floeten und blendende Zungen. Sehr gut gefaellt mir das Fernwerk, das links weit entfernt als grosse eigene Orgel mit zwanzig Stops steht, mit einer Solo-Trompete. Das Fernwerk hat auch eine unglaublich schoene Traversfloete, perfekt fuer Mozarts Floetenuhr. Jedoch ist das Fernwerk im Dialog nicht so leicht zu spielen aufgrund der Akustik. Jedoch ist die Akustik insgesamt ein wundervoller Traeger fuer die Orgel, nicht so gigantisch wie im Koelner Dom:

Die Orgel blueht hinein in die Akustik, die fuellt und nicht ueberwaeltigt. Ich spielte meine drei Mozartstuecke, und die zarten Acht-und Vierfuesse waren charmant wie Puffaermel an Kleidern, die Hohlfloete, Floete Harmonique, die Doppelgedackten, Streicher, vier Serafonfloeten, durchschlagende Zungen wie Euphonium und Englisch Horn (Fernwerk) und Fagott (Oberwerk), warm und harmonisch reich. Zungenbatterie fuer Vierne und Widor. 

Es ist eine elektrisch-pneumatische Orgel, aber sie ist durch die geniale Entdeckung und Erfindung der Membranenladen vom Gruender Ernst Seifert stets klar, schnell und brillant. Ich wusste, irgendetwas ist anders, als ich spielte, die Manuele und der Touch gefielen mir jedoch gleich. Die Orgel ist perfekt fuer Liszt, Reubke, Ritter, Brahms, Mozart, Mendelssohn, Vierne und auch Bach. Nicht so geeignet ist sie fuer Muffat, Buxtehude etc. Auch die kleine Chororgel mit zwei Manualen unten gefiel mir.

Wunderschoen fuer Mozart. Sie steht inmitten groesser Tannenbaeume, Adventskranz und Krippen. Der Kapellenplatz ist ebenso geschmueckt, in ihrer Mitte die Gnadenkapelle ohne Orgel, dafuer spielte ich Seifert-Orgel in der Kerzenkapelle, die alte Orgel in der Sakramentskapelle mit 5 Stops, die suesse Orgel in der Beichtkapelle an der Seite mit 10 Stops und die Hauptorgel und Kapellenorgel in Sankt Antonius. Die vielen Kerzen lagern Russ in der Orgel in der Kerzenkapelle ab, dadurch sind manche Floeten halb erstickt im Klang oder scheinen zu ueberblasen. Jedoch ist gerade diese Kerzenkapellen-Orgel einfach wunderschoen. 

Ueberall Pilger und Kleinkunst, Weihnachtsmarkt, Punsch, herzhafte Pfannkuchen, Esel, Rotwein, Tannenbaeume und Krippen. Die Innenstadt wirkt mit all ihrem Schmuck sehr reizend, und die Italiener haben herrliche Trueffelpasta. 

Es war spannend, an drei Tagen hintereinander drei sehr unterschiedliche Orgeln zu spielen: Saalorgel Klais Wuerzburg, Schnitger Alkmaar, Holland und die grosse Seifert Kevelaer. Ueberall spielte ich Mozart. Schnitger faellt natuerlich sowieso aus dem Rahmen, dreihundert Jahre vor den anderen beiden. Und der Unterschied zwischen Klais und Seifert (beide Firmen sind gleich alt)? Klais ging mehr mit der Orgelbewegung, aber beide haben ihre Staerke in der romantischen Orgel. Die komplett neue elektrische Saalorgel-Klais ist natuerlich voellig anders als die viel groessere Seifertorgel in der Marienkapelle. Klais benutzt die gleichen Stops auf verschiedenen Manualen, viele Transmissionen. Seifert benutzt keine Transmissionen. Hier sind alle Pfeifen da. Ich mag beide sehr.

Alle Orgeln sind sehr gut intoniert. Andrew zeigte mir alles, er arbeitet fuer Seifert. Danke! Durch ihn habe ich viel gelernt ueber Orgelbau. Wir kletterten auch in die grosse Kapellenorgel hinein, wobei ich auf halber Strecke steckenblieb, da meine Hoehenangst mich nicht weitergehen liess. Danke, Elmar, Andrew und Patryk! 

 

Eine Antwort auf “23. Dezember 2019”

  1. Sophie Schmidt

    Ohja, Kevelaer ist eine beeindruckende Orgel! Ich habe da einige ganz tolle Platten: Rosalinde Haas, die “rasende Rosa”, spielt Regers BACH sowie Liszts “Ave Maria von Arcadelt”. Und die britische Organistin Jane Parker-Smith, die leider kürzlich verstorben ist, hat ein ebenfalls virtuoses und spannendes Programm eingespielt (Vierne, Weitz, Edmundson, Ireland, Ravanello…) Auch eine Transkriptionen-Aufnahme, die nenne ich trotzdem, auch wenn du Transkriptionen nicht magst: Bernadetta Sunavska hat da den Walkürenritt von Wagner eingespielt, mit historischem LP-Knistern als Tontechnik-Gag… und auch ein Vorspiel aus Parsifal… das klingt sooo toll! An solchen Orgeln klingt das einfach trotzdem überzeugend, auch wenn man eigentlich ein Orchester braucht…

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