Kulturvermittlung



Der Orgelmeisterkurs in Frankfurt mit Daniel Roth war sehr spannend, an “meiner” Prüfungsorgel. Mir gefällt sein Akzent, es klingt beinahe fränkisch. Sein Konzert am Abend in Höchst war auch interessant.
Er ist ja an sich ernst beim Unterrichten, aber dabei auch sehr lustig. Es wirkt so, als würde er dauernd aus allen Wolken fallen. Mir gefiel sehr, dass er viel vorgespielt hat. Auf mich überträgt sich dann immer automatisch etwas, die Energie. Insgesamt war es leider sehr kalt in der Kirche, was es schwer machte, konzentriert zu bleiben. Das mit der Kälte ist für mich immer noch schwer zu akzeptieren.
Kälte und Musik sind einfach Widersprüche. Wie kuschelig sind dagegen die Klaviermeisterkurse.
Was mir noch aufgefallen ist, dass 80 Prozent aller Orgelteilnehmenden, abgesehen davon, dass es Männer sind, auch homosexuell zu sein scheinen. Ich komme mir oft vor wie in einer Ballettschule, wobei viele dieser Orgel-Männer sogar auch Ballettschläppchen als Orgelschuhe tragen. Die meisten sind groß, dürr, bestehen nur aus Muskeln, haben riesige Hände und Füße, keinen Hintern und ellenlange Beine und haben einen Neidstock verschluckt. Wenn ich mich auf die Orgelbank setze, geben meine Oberschenkel weich nach. Dadurch werden meine Beine noch kürzer (obwohl ich sehr schöne Beine habe, aber ich bin eben klein). Aber wenn diese Männer sich setzen, geben deren Oberschenkel nicht nach, sie sitzen wie auf Muskeln, was deren Beine noch länger macht. Seufz. Ich muss mich nach solchen Begegnungen immer irgendwie erholen. Früher war das nicht so in der Orgelwelt. Früher, in der guten alten Schule, da waren die Männer Gentlemen und mochten Frauen. Heute habe ich das Gefühl, ich habe mit lauter X und XX zu tun.

Heute vor vielen Jahren bin ich getauft worden. Ich freue mich auf das Konzert in Thüringen.

Das Konzert in Wolfenbüttel war sehr schön. Ach, ich war schon immer ein Schuke-Fan. Und diese Schuke-Orgel ist einfach ein Traum mit ihren vier Manualen. Eine Prachtorgel und eine Prachtkirche mit Engel und einem sehr schönen Prospekt.
Es ist eine Fritzsche- und Praetorius- und Schuke-Orgel von 1624 ursprünglich. Man darf nie die vergessen, die zuvor auch beteiligt waren. Der liebe Küster hat mir immer Kaffee gekocht, während ich auch nachts in der dunklen Kirche übte, da ich den Klang so mag. Ich war in der Zeitung angekündigt, und die Presse war auch da. Alle waren begeistert.

Tags: Ann-Helena Schlüter, Organistin, Reisen

Tags: Ann-Helena Schlüter, Musik, Piano Lyrik
klang wölbt die handfläche
baut säulen aus fingern
das feuer im kessel der tasten geschürt
schweiß der töne trocknet noch
in den armen des befreundeten akkords
der gesangauffangbecher (AHS)

Für mich ist es mit Dissertation, Beethoven-Üben und Orgel genauso viel Arbeit wie an den anderen Tagen. Ich freue mich auf den Orgelkurs mit Daniel Roth und auf die Konzerte am WE, besonders auf die Schuke-Orgel in der Praetoriuskirche Wolfenbüttel.
Musikvermittlung soll aus Begeisterung heraus geschehen, aus Freude an der schöpferischen Leistung. Was sich nicht so leicht vermitteln lässt, ist eine Herausforderung.

Es war schön, ein zweites Mal auf der BUGA in Heilbronn zu spielen. Und bald in Wolfenbüttel.

dort den Mund zu kauen
wo Ton entsteht
gepresst wird
zum Trost aufsteigt in die Nacht hinaus (AHS)

