Startseite Nach oben

12. September 2021

Denn ihr träumt nur noch im Schlaf, um am Tag zu funktionieren. (SDP Duo)

Das Konzert in Ansbach war sehr schön und gut besucht. Weit über 120 Menschen waren da. St. Gumbertus ist groß. Es hat großen Spaß gemacht. Die wunderbare Wiegleb Orgel schmolz unter meinen Händen. Viel Applaus. Ich habe alles selbst registriert, gezogen und geblättert. Der Pfarrer Thomas Meister hat eine sehr schöne Begrüßung gemacht. Danach habe ich alle meine CDs verkauft. Ich bekam auch drei CDs geschenkt von der Ansbacher Orgel. Rainer Goede war auch da. Er ist ein sehr kluger und warmherziger Mensch. Auch Carl Friedrich Meyer ist sehr nett.

Ich musste im Hotel Ansbach einen (meinen ersten) Selbst-Test machen, war aber easy und schnell. Beim Frühstück saß neben mir eine Gruppe älterer Damen. Bei deren Gesprächen brach mir fast das Herz: Sie redeten darüber, dass sie zuerst nicht mehr leben wollten, als die Ehemänner starben und sich fragten, warum sollen sie sich noch hübsch machen?, und dass sie erst lernten mussten, das für sich selbst zu tun – und dass ihre Lebensaufgabe vorbei sei und dass sie sich jetzt etwas Gutes tun. Dass sie wie die Wespen seien, die ihre letzten Wochen nach getaner Arbeit auf dem Zwetschenkuchen sitzen. Dass niemand vom Tod zurückkäme. Von Aussteuer und Zinn und Schmuck und selbstgesticktem Monogramm. Und dass sie den „Plunder lieben“. Davon, dass sie lernten mussten, Kaffee zu mögen, weil der Ehemann das immer trank und sie nicht täglich Tee und Kaffee kochen wollten. Dabei nickten sie sich demütig zu. Ich dachte: Das ist der Grund, warum Männer früher sterben. Damit Frauen danach endlich zu sich selbst finden und leben dürfen.

Die Besucher in den Kirchen lieben mein Üben, ich bekomme oft Applaus und die Bitten, weiter zu spielen (Stuttgart, Ansbach…).
Den Papier-Bogen für die Gage habe ich trotz Mühe wieder völlig falsch ausgefüllt.

Erinnert mich an manche Fingersätze von mir: „Also dies ist der ungünstigste Fingersatz, den man sich aussuchen kann von allen.“ (Kay) ☺️ Ich bin vom Klavier her gewöhnt, unbequeme Fingersätze zu wählen. Je schwerer, desto besser, nach dem Motto. Meine Hand fühlt die Fingersätze schon vorher. So eine (meine) Hand ist ein lebendiges Wesen.

Ich mag gern den Stil von Stefan Zweig, auch wenn er sehr melancholisch und etwas anstrengend ist/schreibt, besonders seine Kurzgeschichten. Im Grunde drehen sich seine Erzählungen immer um das gleiche Thema: Um traumatische Ereignisse (in der Kindheit) und das zerstörte Vertrauen hinterher bis hin zur völligen Katastrophe und Vernichtung (Tod/Selbstmord). Auffällig ist ebenso, dass das Traumatische, von dem Stefan Zweig berichtet, fast immer um das (sexuelle oder moralische) Versagen des Mannes gegenüber der Frau geht. Was muß Zweig geschehen sein?: Diese tiefe Trauer und das Aufarbeiten in seiner Literatur.
Manche Menschen werfen einem Trauer vor. Als dürfte man nicht traurig sein im Leben, schon gar nicht als Christ. Als wäre Trauer in dieser Welt unpassend, unerwünscht, peinlich oder gar unverständlich und seltsam. Aber das Gegenteil ist der Fall, finde ich. Es gibt kaum etwas Passenderes für einen klugen, ehrlichen Menschen in dieser Welt, in dieser Welt des Versagens, als aufrichtig Trauer zu empfinden.

Ich höre gern Dave Grusin zum Entspannen (Jazz).

Was mir auch auffällt ist, dass Frauen und Mädchen (ich auch) gern winken. Männer (sogar kleine Jungs) winken oft nicht. Nicht mal zurück.
Ist Winken etwas Weibliches?

Ich vermisse Schweden und einen leckeren Kanelbulle. Nun bin ich wieder im Maskenland Deutschland.

Über das Leben bin ich täglich erstaunt. Dass die Erde ein atmendes Lebewesen ist. Ob sie fühlen und hören kann? Dass die Natur Mathematik ist. Dass Zellen, Amöben, Seetang, Samen, Schnürgras, Plankton leben. Dass Haie selbst im Schlafen schwimmen. Dass es Haie gibt, die 200 Jahre alt werden. Ob ich auch wie so ein Hai sein kann, obwohl ich ein ganz anderes Wesen bin?

Orgel Vlog – Organ Piano Vlog AHS #10 Stretta an der Orgel? Kraft? Dynamik? Wiegleb Orgel Ansbach 
Wiegleb Orgel Ansbach

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert