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1. Dezember 2020

Man gewinnt bei Bauwerken eine klare Vorstellung von seinen Proportionen; so auch mit den philosophischen Systemen. (Friedrich II.)

Es schneit!

  1. Dezember.. und es schneit pünktlich zum Adventskalender.

Philosophische “Systeme” sind in gewisser Weise genauso eine Suche nach Wahrheit und Freiheit wie Ideale und Religionen. Die Aufklärer ab 1736 waren unzufrieden, kritisch, intellektuell. Verständlich, vor allem bei fanatischer Religion und Sekten und Aberglauben. Aber Sehnsucht nach Schönheit und Fortschritt ist nicht in Systemen zu stillen, Freiheit schon gar nicht in Systemen zu finden. Weder in aufklärerischen, philosophischen, fortschrittlichen noch in religiösen Systemen. Ich bin froh, dass ich Gott schon als Kind erlebt habe und glaube ganz fest, dass der kindliche Glaube bis zum Schluss der Schlüssel zur Freiheit ist, der Schlüssel zum Himmel, der Schlüssel zur Schönheit. Denn: Die Weisheit ist Gott. Die Vernunft ist Gott. Die Schönheit ist Gott. Und die Freiheit, die ist er auch. Aber ein System, das ist er nicht.

Es war spannend, bei Liszt an der Ladegast mit dem Schweller (viertes Manual) zu hantieren, bzw. dies mit dem Registranten zu planen, dass er den Registerzug bedient, wenn ich in zu viel Action bin. Einige Stellen in Ad nos habe ich in Schwerin bewusst ganz anders gemacht als in Hannover, Mönchengladbach oder Würzburg (Video kommt noch): Ich habe beispielsweise vor dem zweiten Satz zum ersten Mal bewusst aufregistriert und zuvor aktiv abregistriert, also gegenteilig agiert diesmal. Es ist spannend, ein Werk unterschiedlich zu interpretieren. Und die Reise hin zum Endchoral habe ich anders aufgebaut, sogar bis kurz vorher, von der Spannung her. Im dritten Satz habe ich gewisse Stellen ganz anders artikuliert, manchmal diesmal kein legato gespielt. Mal sehen, wem von euch diese Dinge auffallen. Auch die Dialoge im zweiten Satz habe ich farbig und dynamisch anders gestaltet.

Wenn ich improvisiere und komponiere, komme ich mir wie eine Malerin vor. Ich werfe Farbe, Gewürze und Geschmäcker in die Luft. Ich wittere immer wieder neue Wege.

Eine Antwort auf “1. Dezember 2020”

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