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Orgelnews

9. Juli 2022: Welch eine Wendung durch Gottes Führung (König Wilhelm I.)

Musik ist ein fliegender Teppich.

Heute erinnere ich an Eva Peron, Radiomoderatorin aus Argentinien – wo ich leider noch nie war. Und ich erinnere an Ursula Meyer, Malerin, die Museen liebte, eine Greifswalderin. Oder heißt es Greifswälderin?

Foto: Wunderschönes Logo von Lücken

Bildungsvermittlung: Ich liebe es, Orgeln Menschen zu vermitteln, die gar nichts mit Orgeln anfangen können oder von Kirche komplett abgestoßen sind.

Es war wieder ein schöner, relaxter Tag in Greifswald. Ich bin in der riesigen Wohnung allein. 172 qm ist gerade groß genug für mich :). Viel Chorleitung, dann Pizza mit allen.

Dressur

Abends hatte ich ein interessantes Gespräch mit einer Kollegin. Sie sagte, sie würde es hassen, dressiert zu werden. Dressur in der Musik. Sie würde dann sogar mittlerweile körperliche Symptome ihrer Gegenwehr und ihres Sträubens bekommen, wenn man ihr vorschreibt, wie sie eine Phrase musikalisch zu gestalten habe gegen ihren Willen: Ihre Hände und Arme würden verkrampfen und hart werden und sie könne ihre Hände nicht mehr bewegen. Das finde ich bemerkenswert. Erstens, dass der Körper sich meldet, wenn ein Mensch Konflikt scheut und nicht wagt, zu sagen, was Sache ist. Zweitens, dass es so weit kommt, dass es im Unterricht zu solchen Reaktionen kommt und der Lehrer das nicht merkt. Wie unsensibel. Und drittens, wie negativ sich Druck und Dressur auswirken.

Niveau

Für mich ist völlig neu, dass unterschiedlichstes Niveau in einen Topf geworfen wird. Normalerweise kenne ich es so, dass es ein Niveau gibt, oder sagen wir ein, zwei. Zwei Flächen. Es muss ja auch irgendwie verglichen und benotet werden können. Es ist verwirrend, wenn es fünf Flächen Niveau gibt und dennoch agiert wird wie mit zwei Flächen Niveau. Mit fünf Flächen Niveau hat man keine glatte See, sondern Wellen. Da geht es rauf und runter mit dem Niveau, Berg- und Talfahrt, also Musikschul-Niveau einerseits und künstlerisches Können auf hohem Level andererseits, gemischt, als würde man Champagner mit Ketchup und Zitronenwasser mischen. Auf der anderen Seite ist es auch nett, dass die Leute nicht so extrem fixiert auf Leistung und Konkurrenz sind, sondern auch mal über etwas anderes reden können.

Wenn man ein einigermaßen ähnliches Niveau untereinander hat, dann erkennt man sofort, wenn jemand besonders gut ist oder wer sich abhebt. Bei Berg- und Talfahrt-Niveau, wo fast alles dabei ist, geht es erstaunlicherweise viel eher unter, wenn jemand besonders gut ist. Schlechtes Niveau zieht Gutes runter, nicht Gutes das Schlechte rauf. Es profitieren die Schlechten von den Guten. Die Benotung schießt hierbei noch den Vogel ab. Jeder wird “nach seinen Möglichkeiten” benotet, nicht im Vergleich.

Da wird ohne Pedal gespielt wie in Musikschule und gesungen mit Kinderstimme, es wird nicht erst gehört, wenn jemand falsch singt … es ist geradezu verrückt, danach die eigenen Sachen zu präsentieren. Je mehr man sich anpasst und wenig Angriffsfläche bietet, desto besser. Es gibt hier dementsprechend Musterschülerinnen. Wird dadurch schon früh der allgemeine Zustand der Kirchenmusik angedeutet? Es ist alles dabei. Man muss mit allem rechnen. Die, die wenig können, tun sich am meisten hervor.

Ein schlechtes Gehör wird mit Charme wieder wettgemacht. Da ist man sich sicher, dass die Omas und Opas in der Kirche einen schon mögen werden. Da zählt es vor allem, ein netter, lieber Mensch zu sein, der pünktlich ist und sich an Regeln hält. Orgelspielen – liebe Zeit, das hat schier den geringsten Stellenwert. Zum Orgelüben kommt man in der Kirchenmusik am allerwenigsten. Da ist alles andere wichtiger. Je durchschnittlicher man ist, desto besser kommt man an. Hauptsache, man ist “nett”.

Kirchenmusik

Aber es gibt auch eine andere Seite: Die Musik ist nicht das Wichtigste. Sondern das Menschliche. Manche sind zwar nicht authentisch nett, und wiederum andere sind sehr hintenrum, aber es gibt auch wirklich Nette, Freundliche. Und Kirchenmusik bietet ein sehr solides musikalisch-nüchternes Fundament durch Chorleitung und Liturgie, die mir auch im Künstlerischen Neues aufzeigt: Wie ich neu und anders auswendig spielen kann, wie ich neu Musik analysieren und atmen kann, Rhythmus, Puls, Angewandte Theorie… Das Tool Kirchenmusik bietet auch für Künstler ein ordentliches Werkzeug für ihre Kunst. Und Chor – ist genial. In diesen 4 Monaten ist mir vieles aufgegangen.

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