Startseite Nach oben

Tur Blogg

Meine Füße fliegen. (AHS)

Ich liebe auch die G-Dur-Trio-Sonate. Morgen Orgel-Tag.

Wenn man bei manchen Orgel-Videos den Ton abschaltet, sieht man erst, wie manche Organisten auf die Orgel einhacken, wie ohne Gefühl und mit unbeweglichem Gesichtsausdruck – dann stelle man sich dabei ein Klavier vor: wie hart das klingen würde. Unmusikalisch. Das ist die sogenannte Orgel-Technik mancher Organisten? Man muss sich nur einen Flügel unter den selben Händen vorstellen – und es ist klar, wie es “in echt” klingen würde.

Mein Weg mit der Orgel (2) 

Ich spielte Carsten Wiebusch vor, der in Frankfurt neu beginnen würde. Als ich ihn in Karlsruhe das erste Mal traf, dachte ich: Oh nein. Ein Sunnyboy. Ob das gut geht?  –
Aber anfangs ging es gut. Die ersten 6 Monate. Er versprach, sich nicht in mein Konzertleben einzumischen. Ich berichtete, dass mir meine Konzerte sehr wichtig sind. Ich wusste zuvor nichts über ihn. In Frankfurt spielte ich dann einer reinen Männer-Jury vor, was ich seltsam fand.
Ich lernte während des Studiums viel, u.a. Pedal, Messiaen und Registrierung, und war die einzige Frau mit Künstlerischer Orgel. (Insgesamt schien es mir eine kleine Welt.) Ich war fleißig und wurde bald hochgestuft – etwas zu radikal. Was mir auffiel: Ich war sehr wissbegierig und wurde doch eher am langen Arm gehalten. Die zu mir kühle und abweisende Art von Stefan Viegelahn stand im deutlichen Kontrast zu meiner Leidenschaft. Keiner der beiden Männer kam auf die Idee, mir Orgelbau oder LO (Liturgisches Orgelspiel) beizubringen, obwohl mein Interesse groß war. Jedoch fand ich andere Leute, die mich hier „versorgten“. Ich reiste zu allen Orgeln, konzertierte auch in den USA, und besuchte Orgelbauer und war richtig auf dem Orgeltrip. Problematisch wurde es, als zu der Kälte in Frankfurt der Punkt dazu kam, dass mir Carsten Wiebusch dann doch Konzerte und Videos verbieten wollte, gegen die ursprüngliche  Abmachung. Auslöser war das Angebot aus Spanien an mich, meine erste Orgel-CD aufzunehmen (von einem Kollegen von ihm) – was ich nicht ablehnen konnte und wollte. Anstatt sich für mich zu freuen und mich zu fördern oder „seine“ Orgel zur Verfügung zu stellen, wollte er mir alles, was mein Orgel-Künstler-Leben ausmachte, verbieten. Auch unterschreiben wollte er mir nichts mehr. Außer, ich willigte ein, meine öffentliche Orgeltätigkeit einzustellen oder sehr runterzufahren. Dem konnte ich nicht stattgeben. Es war mir klar, dass meine Videos viel mehr aufgerufen wurden als seine, und dass ich mehr konzertiere als er. Das war mein Leben. Ich hinterfragte daher seine Motive und konnte nicht erkennen, dass seine Vorgehensweise für mich gut und richtig sei. Ich kam mit dieser Machtausübung nicht klar. Mein Vertrauen war zerstört. Hätte ich Vertrauen gehabt, wäre es vielleicht anders gewesen. Aber er schien nicht erkannt zu haben, was er da verlangte von mir. Vielleicht hätte ich ihm vertrauen müssen. Aber das konnte ich nicht mehr. Vertrauen muss man verdienen.

Ich hatte noch ein Jahr bis zur Prüfung. War „extrem hochgestuft“. War in der Zwickmühle. Plötzlich gefangen wie ein Vogel im Käfig. Was sollte ich tun? Was hättet ihr getan?

Das berichte ich morgen.

Neu: Das Wohltemperierte Klavier, Erfurt

You are currently viewing a placeholder content from YouTube. To access the actual content, click the button below. Please note that doing so will share data with third-party providers.

More Information

Ilvesheim, Popp Orgel

12. Juni 2021

Tags:

Kommentar verfassen

Mit meiner Musik verwirkliche ich Schweigen. (AHS)

Ich konnte den ersten Schnitt für meine Audite-CD (Trost Orgel Waltershausen) schon hören. Super! Freue mich! Klingt schön.

Traurig ist, dass Laukhuff schließt. 

Mein Weg mit der Orgel (1)

Vielleicht wird es einige inspirieren, ebenfalls ihren Weg trotz Hindernisse zu gehen. Es lohnt sich!

Ich verliebte mich in die Orgel in Leipzig. Meine ersten richtigen Stunden (nach USA) nahm ich an der Thomaskirche – wie passend :). Die ersten Wochen waren himmlisch. Ich saugte die Orgel auf. Hatte das Gefühl, Bach beobachtet mich. Mein Lehrer Stefan Kießling warnte mich sofort, dass Menschen neidisch werden. Er beschrieb die Kirchenmusikszene unschön und unterstützte mich nicht, Orgel zu studieren. Es passte ihm gar nicht, dass ich sofort überall Orgelkonzerte spielte mit der Kunst der Fuge. Mein Bestreben, Orgel zu studieren, legte ich daher erst mal auf Eis und konzertierte weiter. Einen Vorstell-Termin bei einem Professor in Berlin ließ ich sausen. Mein Leben war ohnehin schon voll. Und die Szene gefiel mir nicht, von dem, was ich gehört hatte. Ich hatte sie spontan und frei betreten. Ich konnte sie jederzeit wieder verlassen. Doch ich hatte Entscheidendes gelernt. Mein Feuer war entfacht. Die Orgel war mein Ding.

Doch die Orgel mit ihrem Pedal ließ mich nicht los.

Ich spielte mit Torsten Laux Duo, war aber von seiner Art eher abgeschreckt. Dass ich mitten in meiner Pianistenkarriere dann einen C-Schein gemacht habe, haben einige nicht verstanden. Und wer Dinge nicht versteht, kann unfreundlich werden. Ich habe den C-Schein nämlich natürlich nicht in einer jahrelangen Ausbildung gemacht, sondern nebenbei und unabhängig. Ich wusste damals nicht, dass individuelles, spontanes Verhalten in der konservativen Kirchenmusik oft nicht gern gesehen wird. Dies bekam ich durch Unfreundlichkeit zu spüren. Vielleicht sind Menschen wie Reiner Gaar an sich “nette Menschen” (als ich dann später eingebunden war in das System der Hochschule mit der Orgel, fiel mir das auf.). Jedoch in dem Moment, außerhalb des Systems, hat er wohl nicht verstanden, dass ich wirklich Orgel lernen wollte. Vielleicht weil ich nicht der Norm entsprach und bereits eigenständige Künstlerin war, was viele Kirchenmusiker nicht sind. Ich merkte, dass ich als Pianistin nicht wirklich willkommen schien, auch noch Organistin zu werden. Dass die Orgel eine Männerwelt ist, war mir zu dem Zeitpunkt nicht bewusst. Dass ich als eher kindlich wirkende, kleine Frau das Gegenteil war von dem, was man in der Kirchenmusikszene normalerweise antrifft, hat sicher zur Skepsis beigetragen. Menschen wie Stephan Heidecker waren nett zu mir, solange ich Pianistin blieb. Aber als Organistin… das veränderte alles. Dennoch hatte ich wieder sehr viel gelernt. Es waren meine ersten Schritte. Dass man lernt, liegt an einem selber. Mit Konzerten am Klavier und an der Orgel war ich nach wie vor sehr busy. Eigentlich war mir die Orgel fast zu viel.

Ich weiß nicht, was dann der Auslöser war, dass ich Orgel studieren wollte. Ich glaube, ich wollte einfach Pedal, Reger und Trio-Sonaten lernen. Und es gab auch unglaublich nette Organisten, die mich, hochtalentiert, bei Profis sehen wollten. Ich kannte die Namen der Szene nicht und wollte auch nicht so tief hineingezogen werden in diese. Ich wollte darüber schweben wie ein Engel. Unberührt. Weit weg von zuhause. Die Deadlines waren abgelaufen. Es öffnet sich eine Tür, als es eigentlich zu spät war. Zu dem Zeitpunkt war ich noch immer unsicher, ob ich “es” wirklich tun sollte. Mein Leben war schon so voll. Ich hatte keine Ahnung, auf was ich mich einlassen würde. Allerdings nicht! Dazu morgen. 

Klais Severikirche Erfurt 

 

11. Juni 2021

Tags:

Kommentar verfassen

Wir haben Gestaltungsmacht. (AHS)

Heute empfehle ich Safia Shah und Constanze Stelzenmüller.
Ich übe gerade alle 6 Trio-Sonaten von Bach: Vollkornbrot, und liebe Andante aus Trio-Sonate e-Moll BWV 528, besonders die letzten zwei Zeilen.

Ich mag noch immer Die 3 ???

Ihr auch? Und dabei Pizza von Lieferando…

Danke für fast 12.300 Follower.

Anmeldung Sonntag beim Pfarramt Nenzenheim in Willanzheim⋯ geht aber auch spontan.
http://www.evangelische-termine.de/d-5798831

Neu: Klais Erfurt: Severikirche. Wunderbare Kegellade. Elektropneumatische! Ich liebe es manchmal, entweder überdurchschnittlich schnelle oder ungewöhnlich langsame Tempi (Adagio…) zu haben, etwas am Puls vorbei im Extrem!

You are currently viewing a placeholder content from YouTube. To access the actual content, click the button below. Please note that doing so will share data with third-party providers.

More Information

Und aus Hamburg HfMT Master: Danke für eure Glückwünsche! Neben Promovieren mal eben noch zwei Master gemacht Danke für all euren Support! Super Woman! Morgen berichte ich euch, wie mein Weg mit der Orgel überhaupt verlief. 

10. Juni 2021

Tags: ,

Kommentar verfassen

Meine Stücke sind nicht immer dafür gemacht, schön zu sein, aber Schönheit trotzdem in sich zu tragen. (AHS)

Ich freue mich auf die Konzerte beim Thüringer Orgelsommer und Bad Frankenhausen, Oberhausen, Sachsen, Bayern… Amberg fällt leider aus. Hüttenheim am Sonntag geht. Ob Altenburg klappt?

Heute Doktoranden-Stammtisch, es war super, habe via Zoom mein Thema vorgestellt; es war sehr nett mit den Österreichern auf der anderen Seite. Die Salzburger sind so höflich, ehrlich und nett. Ihre Art zu loben und zu gendern ist geradezu Balsam für meine Ohren. Ich brauche manchmal Erholung vom aggressiven Deutschen. Daher zieht es mich oft ins Ausland. Auch die Deutschen, die in Österreich leben, scheinen sanfter. Und ach, ich spüre keine Frauenfeindlichkeit. Das tut sehr gut. Alles ist höflich und geradezu akademisch warmherzig. Was ich als positiv und gesittet empfinde. Soft Skills!

Ich glaube, manche Männer denken, die Welt sei ihr Revier, und Frauen dürften mitmachen bei ihrem Spiel, mehr aber nicht.

You are currently viewing a placeholder content from YouTube. To access the actual content, click the button below. Please note that doing so will share data with third-party providers.

More Information

Vlog Organ & Piano #7 Organistin und Pianistin. Beides sein? Pianist and Organist: being both

9. Juni 2021

Tags: ,

Kommentar verfassen

Ich bin sicher, dass es Leute gibt, die skeptisch sind, dass eine Frau diesen Job so gut machen kann wie ein Mann. Glücklicherweise bin ich mit der Fähigkeit ausgestattet, sie völlig zu ignorieren. (Frances Arnold)

Dieses Ignorieren ist nicht so leicht. Ich frage mich auch, ob das Ignorieren überhaupt der richtige Weg ist. Ich muss das noch testen.

Gedicht Frausein

Sie summt und weiß dass Männer
Stimmen oft die großen Worte

sind Und doch sie singt
und kämpfend auch
und klar in ihren Schwingen

In Erfurt tranken wir noch giftgrüne Brause: Thüringer Brause. Ich fragte den Restaurantinhaber, ob diese ungesund sei. Er bezweifelte es. Waldmeister Limo. Dazu gab es vegane Bolognese. Und Gnocchi. Was es nicht alles gibt.

Welche von den drei Erfurt-Orgeln, die ich spielte, mir am besten gefallen hat, wurde ich gefragt. Ich glaube, die Dom-Orgel, aufgrund ihrer Farben. Aber eigentlich ist es nicht zu sagen. Manche Orgeln haben einen wunderbaren Prospekt, aber sind vom Spielgefühl und Spieltisch eher ernüchternd und „enttäuschend“. Andere wirken eher unscheinbar von außen, sind aber der Himmel von Farben und Spielgefühl her. Ich mag wohl eher die letztere Variante. Am schönsten ist es, wenn beides zusammen kommt. Das reißt mich dann sehr vom Hocker. Das Pompöse einer Orgel allein ist jedoch nicht, was ich suche. Jede Orgel hat eine Seele und bewirkt in mir Zuneigung zu ihr. Sie muss nicht pompös oder groß sein. Die Schüchternen, Vergessenen mag ich besonders gern. Das Simple, Zarte. Das Ruhige. Siehe Bach. Ist es nicht erstaunlich, wie Bach „Unpompöses“ für die „pompöse“ Orgel schreibt? Kurz: Das, was bei Bach „pompös für die Orgel“ ist, Bachs Pompöses, anders als am Klavier, die „Epic Music“ Bachs – DAS liebe ich. Denn es bleibt unpompös. Ich mag es, überrascht und erstaunt zu werden. Berührt. Oft spüre ich auch die Atmosphäre rund um eine Orgel. Manchmal ist diese von hochnäsigen Typen geprägt, die dort seit Jahr und Tag sitzen. Dann muss ich das erst mal wegspielen und wegspülen innerlich und die Orgel von zu viel Aufgeblasenheit befreien. So kommt mir das vor. Wie ein Pferd, das immer nur mit Sporen geritten wird und plötzlich eine seltene weibliche Hand auf seinem Hals spürt und leise schnaubt. Ich werde nicht durch Pompösität allein beeindruckt. Charakter, Zartheit, Originalität braucht es dazu. Lebendigkeit.

Der Prospekt der Predigerkirche ist natürlich sehr schön, eine eigene Festung, mit einer Art Rückpositiv über und vor einem; man hat den ganzen Prospekt immer sichtbar über einem, dazu hell, freundlich, gewölbt. Man ist nicht im dunklen Kabuff, einsam, versteckt. Sondern leuchtend ragt alles vor einem auf.

Auch die Dreiecksspitze Klais Orgel 1935 in St. Lorenz Erfurt ist sehr schön, 3 M, Elektro-Pneumatik. Freier Spieltisch. Als ich den Kirchenmusiker fragte, welche Lade sie hat, sagte er: „Ähm, Windlade“.

Heute empfehle ich die Chemikerin Frances Arnold, Hilla Becher (Fotografin), Chloe Kim.

Karten für den 29.7. in Arnstadt kann man nun online buchen.

Mein Album Himmelslieder wird immer noch sehr gemocht und gekauft.

Die GEMA Mitgliederversammlung (via Webex) – meine erste! Und dann online. Und ich hab mich auch mutig gleich zu Wort gemeldet! Und gefragt, warum die GEMA so männerlastig ist. Nun: Sie antworten lieb und freundlich. Aber doch unangenehm berührt, etwas genervt und mit schlechtem Gewissen. Denn 15 Prozent – nur 15 Prozent – Frauen sind GEMA-Mitglieder. Schlimmer als ich dachte! Hürden und Regeln der GEMA-Männergesellschaft für Gremien etc. macht es Frauen schwer! Müssen Frauen Männer sein und werden?: Kumpels. Langweilige Themen. Ausreden. Unehrlichkeit. –   – Berechtigte Kritik von Frauen macht Männer kirre und gekränkt.

Ich habe mit Kai Koepp auch über den Männlichkeitswahn in der deutschsprachigen Kompositionswelt gesprochen. Es werden männliche „Gefühle“ dargestellt.

Die Herrschaftsstrukturen in der sog. Neuen Musik sind heute nach wie vor massiv, wie er bestätigte. Dies sei sogar der Musikwissenschaft aufgefallen. Am Nullpunkt angelangt! Kommt daher der Haß gegen komponierende Frauen?

Und ganz anders:

Wide – Swedish Piano Music – Klaviermusik Schweden Skandinavisch, Ann-Helena Schlüter piano

https://youtu.be/UJABWhTfxD0

8. Juni 2021

Tags:

1 Kommentar
Kommentar verfassen

Der Herr hat Großes mir getan. (Ämilie Juliane von Schwarzburg, 1699)

Heute spielte ich die sehr schöne Schuke-Orgel in der Predigerkirche in Erfurt. Fabelhafter Klang. Leuchtende Akustik. 3 M. Und ein sehr schöner, welliger, mächtiger Prospekt, 1648 Ludwig Compenius. Früher, 1899, war sie eine Walcker Orgel. Hätte mich auch sehr interessiert. Dann nun 1977 Neubau Schuke. Sehr anders als die Schuke im Dom Erfurt. Schuke Potsdam ist oft sehr unterschiedlich, wie Tag und Nacht. Das mag ich. Sehr kreativ und individuell. Es ist eben auch eine Compenius-Walcker-Schuke.

Ich dachte im ICE darüber nach, was „neobarocke Orgel“ eigentlich heißen soll. Nach dem Motto: „What is in a name?“ Dieser Begriff „neobarock“ ist irgendwie abstrus.

Wenn jemand nur auf die Disposition schaut, könnte man gewisse Instrumente schnell „neobarock“ nennen. Man darf nicht vergessen, daß kein Orgelbauer damals Schleifladen gebaut hat, außer allenfalls Alfred Führer und Paul Ott, die gerade angefangen hatten.

Man könnte genauso gut und weiter überlegen, ob denn Orgeln ohne original gestaltete Windanlage (also mehrere Keilbälge) überhaupt „barock“ genannt werden sollten. Man hat so Instrumente, etwa Rysum und Westerhusen, die als besonders gut restauriert und „barock“ gelten.

In einem nächsten Schritt mag man überlegen, ob nicht Barockorgeln auch mit handgeschmiedeten Nägeln daher kommen sollten, anstatt der heute bei Restaurierungen verwendeten Schrauben.

Die Frage ist also, wie weit man bei der Charakterisierung eines „neobarocken“ Instruments gehen möchte, ob man also Schweller und Walzen genau wie moderne Windanlagen und Schrauben einbezieht.

Die damalige (1938) orgelbewegte Umorientierung bezog sich offenbar vor allem auf die Disposition und die Intonation. Es hätte aber vor allem der historisch orientierte Pfeifenbau im Mittelpunkt der Betrachtung stehen sollen, dann die Intonation, dann erst die Disposition. Das war aber nie der Fall.

O tempora, o mores.

Für mich sind Orgeln mit Schweller und Walze nicht „neobarock“. Siehe Weigle Orgel Markuskirche Mannheim. Mit „neobarock“ werden allgemein sicherlich die Disposition und Intonation einer Orgel gemeint sein, also wenige Grundstimmen, vergleichsweise viele Aliquoten, niedrige Aufschnitte, niedriger Winddruck. Vielleicht sieht eine jeweilige Orgel auch irgendwie „neobarock“ aus, indem sie z. B. dem „Werkprinzip“ folgt, also baulich getrennte Werke zeigt. („Neobarocke“ Produkte waren übrigens ab den ca. frühen 70er Jahren negativ konnotiert.) Für mich ist die elektro-pneumatische Kegelladen Orgel-Weigle in Mannheim keine neobarocke Orgel. Für mich kann eine Orgel mit Walze und Schweller etc. nicht neobarock sein. Falls dieser Begriff nicht gänzlich verwirrend und sinnlos ist.

Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust; ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewusst. (Paul Gerhardt, 1653)

Es war spannend, die große Schuke-Orgel im Dom Erfurt zu spielen, Potsdam Schuke 1992, drei Manuale. Mechanische Schleiflade. Und elektronische Wege zur Chor-Fern-Orgel, die glitzernd zu jedem Manual dazu gelegt werden kann und unendlich nachklingt. Wunderbare Farben. Singende Akustik. Schöner, hellholziger, niedriger Prospekt mit großen Pedaltürmen, enge Wendeltreppe, schwarze Tasten. Gotischer, verhältnismäßig schlichter Dom mit langen Fenstern.
Dann nebenan an die elektropneumatische Klais direkt daneben in der Severi (Betonung zweites e, freier Spieltisch, 3 M, Handregister, Walze). Die Orgel der Severikirche wurde 1930 von Johannes Klais (Bonn) in dem Barockgehäuse der Wender-Orgel von 1714 erbaut. Johann Friedrich Wender (*1655 in Dörna, Thüringen (getauft 1655); † 13. Juni 1729) war ein deutscher Orgelbauer, der seine Werkstatt in Mühlhausen hatte. Die ältere Klais in dem wunderbaren alten Engel-Prospekt ist völlig anders als die Schuke nebenan und erinnerte mich an meine Pfalz-Orgeltour. Ich mag auch die elektrische Schleiflade und die Dynamik-Knöpfe. Schwer hochschiebbarer Ratter-Deckel. Die Akustik ist empfindlich. Morgen kommt die nächste Orgel.
Wir aßen beim Italiener (in) (also im Haus) 
Spaghetti Bolognese und redeten über Musik und die Orgelwelt.

Seltsam, dass manche Menschen, wenn man ihre Politik beherrscht, „sehr nett“ wirken. Nett sind sie aber nie wirklich. Es ist Schlangen-Nettigkeit. Muß ich deren Politik wirklich wollen? Es geht doch nur um Bedingungen, Selbstsucht und unfaire Regeln. Musik wird politisiert.

Neues Video: J.S. Bach – Präludium Fuge IV cis Moll BWV 849 Dom Erfurt Schuke Dom-Orgel

You are currently viewing a placeholder content from YouTube. To access the actual content, click the button below. Please note that doing so will share data with third-party providers.

More Information

6. Juni 2021

Tags:

1 Kommentar
Kommentar verfassen

In was du dich versenkst, daraus entsteht deine Kunst. (AHS)

Mein Master Zeugnis Orgel aus Hamburg ist endlich angekommen – Note 1,7 – naja, für meine Verhältnisse schlecht, aber es war auch eine unglaublich stressige Sonder-Situation, beruflich und privat. Dafür habe ich es hervorragend gemeistert. Zudem spielte ich beide Prüfungen innerhalb von wenigen Tagen in einer live-Stream-Übertragung (hochgestuft). Abgesehen davon, dass ich zu dieser Zeit seit 1 1/2 Jahren parallel ein Dreifach-Studium absolvierte, was es zuvor noch nie so gab (Würzburg, Salzburg Mozarteum und Hamburg). Ohne Corona hätte ich das gar nicht geschafft. Ich habe das so gut gemacht und durchgestanden, dass sich keiner auch nur ansatzweise beschwerte und kaum jemand etwas davon ahnte. Es war mein Geheimnis. Ich war überall ganz und mit meinem ganzen Herzen und Fleiß präsent. Zoom hat mir hierbei geholfen, jedoch muß man betonen, dass man via Zoom noch viel fleißiger und selbständiger sein und viel Willenskraft haben muss. Zudem habe ich konzertiert und viele Videos gefilmt. Es ist ein Wunder und Segen, dass ich das alles so erfolgreich geschafft habe.

Warum habe ich das so und nicht anders entschieden? Der Hauptgrund war, dass ich wusste, dass ich in Hamburg ganz andere Sachen lernen und erfahren werde als in Würzburg, und umgekehrt. Und so war es auch. Beides. Süddeutsche Orgeln. Norddeutsche Orgeln. Und hierzu die unterschiedlichen Interpretationen, anderes Repertoire, neue Technik und Herangehensweisen. Ich wollte in kürzester Zeit die beste und intensivste Ausbildung bekommen, die möglich war. Mich verwirren unterschiedliche Herangehensweisen nicht, im Gegenteil. Zudem kannte ich aus Frankfurt und Heidelberg zu diesem Zeitpunkt, wie pädagogisch und fachlich schlecht und menschlich kontrollierend Orgellehrer sein können, besonders talentierten und wissbegierigen Frauen gegenüber. Da ist es besser und sicherer, nicht von einem allein abhängig zu sein. Was sich auch prompt bestätigte. Ich bereue es keine Sekunde, auch wenn es sehr viel Energie und Leidenschaft braucht, intensive Studien parallel so durchzuziehen. Im Grunde war es sogar ein Vierfach-Studium. Aber dazu später. Nun habe ich drei Master.

Meine Abschluss-Noten in Orgel bisher: 1,4 und 1,0 und 1,7. Meine Master-Noten insgesamt bisher 1,2 und 1,0 und 1,7.

Heute las ich im Finale von Nürnberg-Kraftshof „Blattwerk“. Der Goldene Blumentopf. Absurd! Es ist doch bemerkenswert, dass Prosa und Lyrik in einen Topf geworfen und zusammen bewertet wurde, anstatt getrennt. Als würde man Räucherlachs mit Mohnkuchen vergleichen. So bekam eine Sex-Geschichte eines Mannes eine höhere Punktzahl als meine Gedichte (es wurde bis 10 bewertet). In dieser seiner Sexgeschichte ging es um eine unbefriedigte Frau in einem One-Night-Stand mit einem schlechten Lover. Wörter wie Akt, Penis, Schweiß – kurz: plump, direkt, maskulin, „witzig“ (?) und sehr leicht verständlich für Menschen aller Bildungsklassen – bekamen beinahe Höchstpunktzahl der Männer-Altherren-Jury. Ich fragte mich: Wo bin ich hier? Meine Lyrik dagegen ist das genaue Gegenteil: symbolisch, weiblich, ernst, bildhaft, komplex, indirekt, musikalisch, hohe Intelligenz und Bildung erfordernd.

Es ist für mich unbegreiflich, wenn man sie nicht versteht.

Ich habe das auch angesprochen, diese Niveaulosigkeit. Wie kann so eine billige Sex-Geschichte im Finale landen? Und warum kicherten die Frauen im Publikum bei so einer plumpen Geschichte? Wenn ich das vorher gewusst hätte! Ich habe daraus gelernt. Bei solchen Wettbewerben reiche ich nicht mehr ein. Das hat mit Literatur nichts zu tun. Was mich aber gefreut hat, ist, dass ich sehr schön vorgelesen habe, ruhig und sinnlich und mit Ausdruck. Nicht zu schnell. Zudem war der Wald mit seinen uralten Eichen wunderschön. Auch wenn ich sofort zerfressen wurde von sämtlichen Insekten und nun von Mückenstichen übersät bin. Es gibt noch Insekten!

Ps: Gestern bin ich im Schlaf aus dem Bett gefallen.

Anbei neu:

J.S. Bach – Trio Sonate C-Dur BWV 529 2. Satz Largo Orgel Ann-Helena Schlüter

You are currently viewing a placeholder content from YouTube. To access the actual content, click the button below. Please note that doing so will share data with third-party providers.

More Information
Bach-Trio-Sonate 529


5. Juni 2021

Tags:

2 Kommentare
Kommentar verfassen

Frauen sagen eher „wir“ – Männer sagen „ich“. (Julia Komp)

Wenn eine Frau „ich“ sagt, dann…

Eine-ein-Frau-Performance. Pittoresk!

Pfalz-Orgel-Tour!
Heute die wunderbare Späth Orgel opus 500 von 1938 in Maikammer (Pfalz, ca 50 km von Mannheim) gespielt: Original, elektro-pneumatisch, Taschenlade (man kann die Orgel nicht in eine Tasche laden, nein). Einzeln stehender Spieltisch, Walze, Schweller, “Kindersicherung”, ca. 50 Register, Boden untendrunter hohl für alle Drähte und Kabel, frisch überholt, Schwellwerk ist nun 3. M. Nett verstellbare “Stift”-Bank. Super Akustik und viel Platz für die Pfeifen. Es macht Spaß, zwischen Walze, Handregister, Schweller und Schwebungen hin und her zu wechseln. (Besonders schön war das Farbmischen an der Woehl-Orgel.) (So wunderbar wie die Späth in Weikersheim.)

So auch die zweimanualige Steinmeyer in M-Gartenstadt (Taschenlade), alle mit freiem Spieltisch, woran ich meist das Elektro (-Pneumatische) erkennen kann.

Dann die rustikale, dreimanualige Weigle Orgel opus 995 von 1954 in Mannheim Markuskirche, vom Aufbau ähnlich, doch diese mit elektro-pneumatischer Kegellade; freier Spieltisch.

Dann die lokale Hugo Wehr Orgel (aus Hassloch) in Rödersheim (Pfalz) (2 M), elektrische Schleiflade und elektrischer Registertraktur. So auch die Steinmeyerin in M-Almenhof (zw. Mannheim und Ilvesheim) von 1968 in der Lukaskirche. Alle mit freiem Spieltisch.

Jedoch die Popp-Orgel mit historischem Gehäuse in kath. St. Peter Ilvesheim (rot-gelb, wie früher unser Schlösschen) mit mechanischer Schleiflade gefiel mir besonders gut, auch wenn der Druckpunkt nicht ganz gleichmäßig schien. Jedoch auch in wunderschöner Akustik. Ich habe versucht, mir die unterschiedlichen Laden mit ihren unterschiedlichen Spielweisen motorisch in den Fingern einzuprägen.

Es gibt noch viele Orgeln hier…

Die Pfalz ist eine schöne Gegend, es gibt die Vorder-Pfalz, wo wir nun waren (wir waren bis Edenkoben, fast bis Landau). Und dann gibt es die Hinter-Pfalz (Kaiserslautern…). Und die Kurpfalz (Heidelberg…). Und die Oberpfalz … Und manches davon ist Rheinland-Pfalz, und ganz nah liegt Baden. Etwas verwirrend. Wir waren bei einem Kantor/Musiklehrer eingeladen, und es gab typisch Pfälzer Essen. Dies schmeckte etwas seltsam: “Saumagen”, Leberknödel, Brot und Sauerkraut. Aber der Wein war super, grüner Silvaner und gelber süßer Wein. Und Heilwasser. Er besitzt eine Hausorgel mit vier Registern, selbst gebaut (Material mind. 30.000 €).

Sehr mag ich Grazia Deledda, dir bisher einzige italienische Literaturnobelpreisträgerin!

Wichtig beim Konzertieren ist, das Stück, das man gerade spielt oder geschrieben hat, zu werden – nicht nur vorzutragen.

Woehl-Orgel München: Der Satanssturz Teil 1 – The Pain of God.

You are currently viewing a placeholder content from YouTube. To access the actual content, click the button below. Please note that doing so will share data with third-party providers.

More Information

4. Juni 2021

Tags:

Kommentar verfassen

Unsere Zeit ist eher schwachsinnig. Der Idealzustand, dem wir uns nähern, ist, alles über nichts zu wissen. (Chargaff)

Da ist was dran. Wir erkennen weder die großen noch die kleinen Dimensionen, wie auch Fritzsch feststellte. Und Gott erscheint mir sowohl unendlich groß wie unendlich klein. Ich denke momentan noch über Ernst Cassirer nach.

Sehr mag ich Jacqueline du Pré. Wen ich nicht mag: Barenboim.

Entdeckt: Tash Sultana. Wow!