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4. Februar 2022

Dem Reich der Frauen erwerb’ ich Bürgerinnen. (Louise Otto, 1849)

Oben: Hey Orgel Würzburg

Die Schriftstellerin Louise Otto, die Lehrerin Auguste Schmidt und Henriette Goldschmidt gründeten den Allgemeinen Deutschen Frauenverein und die erste Frauen-Zeitung. Es ging ihnen um Bildung von Frauen, sie gründeten den Verein der Berliner Künstlerinnen und Kunstfreundinnen. Mit dröhnenden Parolen machten Männer in Universitäten (!) diese weiblichen Bemühungen der Freiheit ab 1870 lächerlich. Besonders der Mediziner Heinrich von Sybel (Jahrgang 1817) hielt nichts von der “Emanzipation der Frau”, wie er es nannte. (Ob von daher dieses Wort kommt?) So auch ein Professor für Anatomie: Theodor Bischoff, der behauptete, “die Befähigung zur Ausübung von Wissenschaften sei dem weiblichen Geschlecht nicht gegeben.“ In dieser Zeit bemühte sich die Komponistin Emilie Mayer um die Drucklegung ihrer Werke. Auch heute haben alle großen Verlage wie Bärenreiter und Schott etc. fast nur Männer in ihrem Programm. Sogenannte Musikschriftsteller wie Wilhelm Tappert (Musikalisches Wochenblatt) schrieb um 1870, “dass es den Frauen vergönnt sei, nach höchsten Zielen zu streben” und machte sich über die “musikalische Frauenfrage” in Pamphlets seltsame Gedanken, denn er schrieb, “die Frauen sollen sich damit begnügen, das Haus zu schmücken.” Ähnlich äußerte sich der evangelische Theologe Philipp von Nathusius um 1871, der warnte, “Frauen sollten sich nicht mit Künsten auf Irrwegen begeben.“ Es wird deutlich, dass vor allem Akademiker (!) Frauen hindern wollten. Enttäuscht bin ich über den Pianisten Alexander Winterberger, der zusammen mit Ludwig Rellstab 1850 Frauen nicht ermutigte, sondern behauptete, “den zarten Empfindungen von Frauen läge es fern, sich mit Komposition zu beschäftigen”. Helfriede und Martin Plüddemann zusammen mit Carl Loewe aber halfen den Frauen. Auch heute gibt es genug Lästermäuler. Darunter sind auch Frauen. Doch ich habe durch die Lästermäuler viel gelernt: zu ignorieren. Ich bin dadurch erwachsener geworden. Muss nicht alles durchs Feuer gehen? Lästern ist ein Merkmal von Leuten, die es nicht so weit bringen werden. Der Punkt ist, dass ich mein eigenes „Investment“ bin, meine eigene Marke, während die meisten für andere oder nur für Geld arbeiten. Daher trage ich so viel Verantwortung für mich wie andere für ihre Vorgesetzten oder Kunden oder Kirchgemeinden oder Büros oder Chefs. An mich als Investment denke ich wie von außen, wie an “ein Ding”, für das ich Pflichten und Verantwortung trage. Ich trenne das sozusagen. Private Ann. Und die Kunst Ann. Oder so ähnlich. Es ist schwer zu erklären. Nur jemand, der sich selbst als Kunst hat, kann das nachvollziehen. Für alle anderen ist das “arrogant”. Aber muss nicht jeder seinem Herzen und seiner Berufung folgen? Woran ist zu erkennen, dass man sich selbst als Investment hat oder haben sollte? Daran, dass sonst etwas total fehlen würde. Daran, dass man komplett einen Unterschied macht. Daran, dass man eine völlig neue Facette bringt. Dass man einen Ausgleich schafft. Daran, dass du anders bist, besondere Gaben hast und du es mit deiner ganzen Faser spürst. Daran, dass du in die Bresche springst. Daran, dass du es einfach musst. 

Ich habe einen Tunder-Ohrwurm. Die Choralmelodien mit Sesqui, Gedackt 8 und Flöte 4 (plus evtl. Flöte 2) bohren sich geradezu ins musikalische Gedächtnis ein. 

Meine Schlangen-Wärmflasche ist angekommen. 

Ich mag die ganz alten Strabas in Würzburg. Sie sehen aus wie lange Wespen mit Brille. Mit Vespa-Brille.

Heute habe ich bei den Rita-Schwestern im Kloster gespielt und aufgenommen. Danke an Robert. Die Nonnen sind sehr lieb. Als Deko nahm ich eine Kerze und stellte sie neben die Orgel. Meinte später die liebe Oberschwester (Haupt-Nonne) zu mir: Wie ich sehe, haben Sie sich das Licht der Mutter Gottes ausgeliehen. Oh! antwortete ich. Ich dachte, es wäre eine ganz normale Kerze. – Sie können sie ja später wieder zurückstellen und sich dann bei ihr bedanken. Bei der Mutter Gottes, meine ich. 

Stellt euch vor, ihr Lieben, da schneit eine Organistin ein und beansprucht das Licht der Mutter Gottes für sich!

❤️
Das war hier: Orgel-Information:

Hey Orgel Kloster Würzburg

 

Neu: Mozart, Transkription AHS

Mozart – KV 399 Suite in C Intrada, Transkription AHS, Strebel Orgel Kleinweisach, Orgel Vlog AHS

Neu: 

Mozart

3 Antworten auf “4. Februar 2022”

  1. Theising & Warmblut

    Das Organisten-Forum wurde von uns Lästermäulern gekapert! Es lebe der Männerclan.

  2. Alexander

    Sehr amüsant! Ob er das mit dem Deppenleerzeichen jetzt wenigstens begriffen hat? Ich bezweifle das.

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