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24. Juli 2021

Romantische Fülle heute in Ann-Helenas Konzert. (Bettina Astfalk)

Heute dreifache Premiere:

  1. Ritter Sonate das erste Mal im Konzert gespielt
  2. Zwei romantische Sonaten in einem Orgel-Konzert gespielt (Mendelssohn und Ritter)
  3. Ein Physharmonica-Stück komponiert und uraufgeführt an der wunderschönen Klais (Baujahr 2015) in Neckarsulm bei Heilbronn

Und alles gefilmt. Das ist Pandemic Dance. Der apokalyptische weiße Ritter aus der Offenbarung, Teil 1.

Die Physharmonica ist ein außergewöhnlicher Registerzug an einer außergewöhnlichen Orgel. Die Tonerzeugung und der Klang sind ähnlich einer Mundharmonika, mit einer unglaublich großen dynamischen Bandbreite. Die Töne entstehen durch durchschlagende kleine Zungen, viele Metallzungen; die Lautstärke wird mit dem Fuß über einen Windschweller geregelt. Mehr Wind: lauter, weniger Wind: leiser. Der Klang erinnert mich an ein Akkordeon. Ein Akkordeon funktioniert auch mit durchschlagenden Zungen; ein Akkordeon ist auch eine kleine Orgel. Summend, wie eine Hummel positiv beißend klingt es. Ich kann den Klang und die Lautstärke an der Klais Orgel nicht nur durch den rechten Windschweller steuern, sondern da diese Register im Schwellkasten stehen, zusätzlich genialerweise die Physharmonica durch beide Schweller beeinflussen (Schweller sind windregulierbare Schlitze, die den Austritt des Schalls regulieren; beim normalen Schweller ist der Schallaustritt, nicht die Windzufuhr für die Lautstärke verantwortlich). Das ist aussergewöhnlich, dass ich die Physharmonica durch beide Schweller anschwellen und dynamisch bedienen kann, selbst in Hoffenheim gibt es das nicht. Nur noch an der Klais in Würzburg (Saal-Orgel). Es ist klanglich ein großer Unterschied, ob ich mit der Windzufuhr oder mit dem Schallaustritt arbeite. Das Pianissimo ist durch den Windschweller geradezu entschwebend oder aus dem Nichts kommend, wie es nicht durch ein Schwellwerk herstellbar ist. Ursprung der Physharmonika ist das vom genialen E. F. Walcker erstmals in Hoffenheim (zwischen Heidelberg und Heilbronn) eingebaute Register. Diese Orgel in Hoffenheim ist eine phantastische Orgel. Das von Walcker erfundene und in Hoffenheim erstmal eingebaute Register Physharmonica hat Klais wundervoll nachgebaut: Eine regionale organologische Rarität und Spezialität. Die Physharmonica habe ich mit Traversflöte 4, später mit Nasard und auch mit Schwebung gemischt – ich liebe diese verrückten und ausgefallenen Klangfarben. Dazu Zungen im Pedal, frisch gestimmt, und helle Aliquoten (Flötenmensur) und Klangkronen (Mixturen).

Kleine Quizz-Insider-Frage: Durch was wurde Hoffenheim in Zusammenhang mit mir noch berühmt? 🙂

Ritter-Sonate:

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