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15. August 2020

Wo der Wille nur erwacht, dort ist schon fast etwas erreicht. (Hofmannthal) 

Ich freue mich auf die Presse von Erlangen. Die schöne Walcker-Jann-Orgel ist erneut eine “Universalorgel” im besten Sinne. 

Bin nun in Salzburg gelandet. Salzburger Festspiele.

Kent Nagano heute in der Felsenreithalle mit Mahlers Lied von der Erde war sehr interessant, ich habe seine Bewegungen genau verfolgt. 

Das Stück Jedermann von Hofmannsthal im Festspielhaus gestern Abend war spannend. Es wird wohl seit hundert Jahren jedes Jahr gespielt. Es wirft natürlich den Mann an sich in ein schlechtes Licht. Schön ist, dass es ein christliches, weises Stück ist. Jedoch wird dies wohl meist verkannt, diesen wahren Aspekt. Da sitzen nämlich die reichen Jedermänner im Publikum mit ihren teuren Karten und verstehen nicht, dass sie selbst gemeint sind, dass sie selbst umkehren müssen. Der Mittler, der mitgeht, ist Jesus, keine Menschen, keine Werke, auch nicht der eigene Glaube. Denn der kann gar nicht existieren ohne Jesus. Man muss wissen, an wen man glaubt und warum. Dies wurde nicht genug herausgebracht. Das Evangelium blieb dadurch an entscheidender Stelle im Stück auf der Strecke, wahrscheinlich durch die Inszenierung. Daher bekam der schwule Teufel am Schluss den meisten Applaus. Ich war berührt, dass am Ende, als wir das Haus verließen, Christen Zettel verteilten, auf denen das Evangelium stand. Passend zum Stück.

In Salzburg gibt es an sich keine Maskenpflicht, was einen ja schon mal aufatmen lässt. Frische Luft zu atmen ist Luxus geworden. Überall höre ich Französisch, Italienisch und Bayerisch. An sich sprechen die Österreicher auch bayerisch. 

Das neue Museum für moderne Kunst (Museum der Moderne) auf dem Mönchsberg ist sehr schön; moderne Kunst war es natürlich nicht. Daher passt der Titel des Hauses nicht ganz. Aber es wurden viele Frauen ausgestellt, endlich. Wunderbare jüdische Künstlerinnen, deren Werke mir sehr gut gefielen: Lotte Laserstein, Else Lasker-Schülers Zeichnungen und Louise Kolm-Fleck. Wobei der Mann, ein Thöny, die größte Fläche bekommen hat. Seine Bilder gefielen mir nicht. Zudem kam es mir suspekt vor, dass von ihm berichtet wurde, er hätte “ganz nach seiner Gewohnheit im Exil New York jahrelang im Hotel gewohnt, so wie in Graz.” Wie konnte er sich das leisten? Wurde nicht erwähnt. Es wurde im Grunde die gesamte Realität weggelassen. Die Lebensrealität. “Sein Problem war, wie er die Lichter der Stadt malen sollte.” Aha. Dieses Problem hätten andere Juden, die sich eine Überfahrt nach New York nicht leisten konnten, sicher auch gern gehabt. 

Endlich hat Salzburgs Stolpersteine auch den jüdischen Künstlerinnen Patz gemacht, wie Alma Rose. Da Frauen nicht so aggressiv wie Männer auf Erinnerung von sich selbst pochen, werden sie oft vergessen, wird erschreckend lang über sie geschwiegen. Aber nun ist Salzburg aufgewacht. Ich hoffe nur, dass die Bewegung, Frauen ihren rechtmäßigen Platz zu geben, nicht zerstört wird. Es gibt ja nun genügend Männer, deren Kultur es nicht ist, Frauen zu ehren. Und Frauen sind oft zu leise darin, andere Frauen zu ehren. 

Heute freue ich mich dennoch auf Barenboim abends und Mozart frühs.

Schön war es, im Cafe Tomaselli “Mozarts Mandelmilch” zu trinken, “die er immer trank, im Kirschenzimmer, wenn er Noten schrieb”. Okay, klar. Schön war es trotzdem, vor allem, die Fiaker zu sehen, die mit ihren lieben Pferden vorbeitraben. Heute Abend gibt es Mahler. Die facebook-Gruppe Pinnwand Kirchenmusik schaltet Beiträge von Organistinnen kaum frei, so dass die Gruppe zu 90 Prozent aus männlichen Beiträgen besteht. 

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