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Tur Blogg

20. September 2024: Es ist nicht schlimm, gottesbedürftig zu sein. (Maria Kaissling)

Ich freue mich auf die nächsten Konzerte am WE.

Glaube ist nicht einfach, aber ich merke um mich herum, dass Unglaube Trägheit bewirkt. Verschwörungsgläubige gibt es auch.

Rühlmann Orgel St. Michael Kirche Rohr, älteste Kirche in Thüringen

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19. September 2024: Es ist nicht entscheidend, was wir fühlen, sondern was wir bekennen.

Foto: Schulze Orgel Thüringen 2024

Für mich war die Körperspannung an der Orgel am Anfang das Ungewöhnlichste und eine Herausforderung, mehr noch als die Koordination zwischen Hand und Fuß. Denn am Flügel braucht man den Körper als Anker, als Halt, besonders den Rücken, der trägt und einer Pianistin Kraft gibt an einem sehr virtuosen Instrument. Das Pedal am Klavier ist im Grunde auch ein Register, dazu eine smoothe Brücke.

An der Orgel aber wird dieser Anker über Bord geworfen, der Unterkörper eine frei bewegliche, unabhängige, losgelöste Maschine wie die kleinen Hämmerchen am Flügel. Diese neue Körperspannung hat natürlich enormen Einfluss auf Gleichgewicht, auf Koordination, auf Arme und Hände.

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Knauf Orgel Kirche Wangenheim Goldbach, Thüringen

16. September 2024: Most folks think Christianity is an outdated religion. But it turns out it is neither outdated nor a religion. (Lauren Cunningham)

Foto: Hildebrandt Orgel Langhennersdorf bei Freiberg, Sachsen, 2024

Übersetzungen: Wir tappen in viele Fallstricke in unserem sozialen Leben, weil wir uns keine Zeit nehmen, keine Zeit schaffen, nachzudenken.

Viele denken, Christsein wäre eine altmodische Religion. Aber in Wahrheit ist Christsein weder aus der Mode gekommen noch überhaupt eine Religion.

Es war sehr schön, hier in Langhennersdorf bei Freiberg zu konzertieren. Das Konzert war sehr gut besucht. Der Umfang der Orgel ist natürlich begrenzt. Daran muss man sich bei Silbermann-Orgeln gewöhnen. Das Dorf bei Dresden voll alter Häuser hat ca. 800 Einwohnerinnen.

Die Fachwerkhäuser rund um die Kirche wurden verkauft und saniert. Die Kirche steht auf einem gepflegten Friedhof inmitten alter Bäume. Freiberg ist nur ca. 10 km entfernt, Dresden ca. 40 km. Die Menschen sind sehr nett. Es war sehr schön, mit ihnen zu reden und zu essen. Ich habe viele CDs verkauft und Wein bekommen, mit Silbermann-Schriftzug. 

Da die Kirche kein Geld für eine Kirchenmusikerin hat, wird und wurde die Orgel leidenschaftlich von ehrenamtlichen und freiwilligen Kantoren seit Jahrzehnten gepflegt und betreut, die teilweise sogar von Ämtern schäbig behandelt wurden und doch eher eine Medaille und einen Orden verdienen. Leider geht das Geld eher in die reichen Städte drumherum, nicht an die wertvollen Dorfkirchen.

Der wunderbare typische Silbermann-Klang kommt hier in sprechender Akustik perfekt zum Tragen: direkt, edel, hell, glitzernd, sonor und schnarrig: mehr als ein Barockklang. Sehr obertönig schwirrt der Orgelgesang durch die kleine Kirche. Hildebrandts Zungen sind sonorer als die von Silbermann, da beledert. Zudem hat er eine Waldflöte 2 gebaut. Alle Flöten sind genial. Der Tremulant ist weich und rund. Ich liebe Tremulanten. 

Der junge Zacharias (1688 geboren)  war Silbermann-Schüler seit 1713. Diese Orgel ist seine erste: Sein Meisterstück. 1717 bekam er von Silbermann diesen Auftrag persönlich. Hildebrandt war Silbermanns bester Geselle, aus Schlesien zugereist. Er war so gut und begabt, dass Silbermann ihn bezahlte während der Ausbildung (statt umgekehrt) und seine Inspirationen übernahm. Silbermann war ansonsten unbeirrbar in seinem Weg.

Zacharias heiratete sogar 1722 in dieser Kirche in Langhennersdorf.

Es gab jedoch einen Vertrag zwischen dem berühmten Gottfried Silbermann und seinem Schüler: Dieser sollte Sachsen verlassen, um nicht in seinem Gebiet zur Konkurrenz zu werden. Einen solchen Vertrag hatte Silbermann selbst auch mit seinem Bruder im Elsass schließen müssen, was für ihn sicher auch nicht leicht war.

Hildebrandt hielt sich aber nicht daran. Die Versuchung war zu groß. Bereits ein Jahr nach seinem Meisterstück in Langhennersdorf baute er eine Orgel in Störmthal bei Leipzig. Johann Sebastian Bach hatte nämlich sein Augenmerk auf Hildebrandt gelegt.

Silbermann flippte aus. Nun wurde aus seinem „besten Schüler“ der „undankbarste Schüler“. Ein riesiger langer Rechtsstreit entpuppte sich zwischen den beiden, den Hildebrandt verlor und sich aus Sachsen zunächst zurückzog und nach Sachsen-Anhalt ging.

Für Hildebrandt war Silbermann ein „alter Zopf“. Er war selbstbewusst und jung. Zacharias wollte mit Bach in neue Richtungen gehen: neue Stimmung, neuer Umfang, neue Klänge. Interessant: Bach wurde später auch als „alter Zopf“ bezeichnet. Für mich sind beide keine alten Zöpfe, sondern genial: Sowohl Silbermann als auch Bach. Und Zacharias.

Ich kann jedoch verstehen, dass Silbermann Bach „zu wenig“ war. Allein der begrenzte Umfang.

Es gibt jedoch ein Happy End in der Geschichte: Als Hildebrandt seine größte Orgel in Naumburg baute, sollte sie von Bach und Silbermann abgenommen und besucht werden. Was muss Hildebrandt geschluckt haben! Aber beide waren absolut begeistert. Es fand eine Versöhnung statt. Der alte Meister Silbermann war bereits kränklich und wollte seine Härte gegenüber seinem besten Schüler verlieren.

In der 2022 frisch sanierten hellen Kirche erklingt dieses besondere Instrument, von Kristian Wegscheider saniert. Von ihm stammt der Prinzipal 8.

Konzert Erzgebirge

 

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15. September 2024: Du durchdringst alles, lass dein schönstes Lichte neu berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten, lass mich so, still und froh, deine Strahlen fassen und dich wirken lassen. (Tersteegen, Gott ist gegenwärtig, 4. Strophe, ca. 300 Jahre)

Foto: Beckerath Orgel

Musikalischer Flow ist dieser Raum der Selbstvergessenheit am Instrument. Ein Spielraum. Deswegen mag ich Üben so gern. Üben ist wie eine Art Probehandeln, ich forme und verarbeite in einem aktiven, kreativen Prozeß. Frisches und unmittelbares Reagieren auf die Welt ist mein Üben. Einen künstlerischen Beruf zu ergreifen, das erfordert Abenteuerlust. Beim Üben ist Raum und Zeit für kreatives Denken.

Ich bin unterwegs in Richtung Freiberg zum nächsten Konzert.

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14. September 2024: Bunt sind schon die Wälder, gelb die Stoppelfelder, und der Herbst beginnt. (Johann Gaudenz von Salis-Seewis)

Foto: Paulus-Orgel Jakob Walcker Orgel Pauluskirche Stuttgart West

Es war sehr schön, hier gestern zu konzertieren. Die Denkmal-Orgel muss dringend saniert werden. Die Pfeifen stehen innen wie ein „Kasperl-Theater“. Die Orgel muss aber so gebaut werden, dass man hinkommt, eher wie ein stabiles Haus.

Wunderbare, sprechende Akustik: Klang-Raum-Konzept, üppig, süffig, kein starker Nachhall.

Feste und freie Kombinationen, Tutti, zu jedem Werk kleine und große Pleno-Kippschalter. Die Lampe blinkt, wenn die Walze aus ist. Fast alle Spielhilfen gibt es auch als Fußpistons. Interessant ist auch die „Schreipfeife“.

Früher gab es hier tatsächlich in der gotischen Vorgängerkirche eine E. F. Walcker Orgel und wurde im Krieg zerstört. 

Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz.

Große voll-elektrische Walcker Orgel Paulus-Orgel Pauluskirche Stuttgart, 3 M, Radialpedal, über 50 R, 3842 Pfeifen, Walze, Schweller:
Die Walcker-Orgel in 4 Werken Hauptwerk, Schwellwerk, Kronwerk und Pedalwerk besitzt einen freien Spieltisch und einen Nacktpfeifen-Prospekt auf der breiten WE. Die Orgel mit ihren wertvollen Pfeifen ist ein Stuttgarter Kulturdenkmal der Nachkriegszeit. Sie muss dringend saniert werden, vor allem der Unterbau.

Saniert werden müssen:
Gehäuse, Sicherungen, Laufböden, Träger, Elektrik

Qualität

Behebung von Fehlkonstruktionen

Verschleiß

Kosten: mind. 500.000 € (Neubau 1,5 Millionen)

Walcker Orgel Paulus Orgel Pauluskirche Stuttgart

13. September 2024: Ich möchte leben und möchte den Himmel mit Händen fassen. (Selma Meerbaum-Eisinger)

Foto: Schulze Orgel Oberweißbach Thüringen

Es wird Herbst. Ich fahre zu den Konzerten nach Stuttgart zur Paulus-Orgel (elektrische Walcker-Orgel) und dann nach Langhennersdorf bei Freiberg in Sachsen. Mit dem Auto.

Witzmann Orgel Kirche Greussen Greußen Großenehrich

Ladegast Orgel Kreuzkirche Suhl, Thüringen (kleinste Ladegast)

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9. September 2024: Mancher ist tot und weiß es nicht. (Fontane)

Foto: Schulze Orgel „Dom von Südthüringen“ Oberweissbach Schwarzatal Thüringen

Viele sind tot und wissen es nicht.

Pneumatische Schulze Strobel Orgel ev. „Thüringer Dom“ Oberweißbach Schwarzatal, von Strobel (Frankenhausen) 1894 umgebaut, 2 M, 27 R, bemalte Pfeifen

Die große Orgel im Barock-Prospekt (ursprünglich 38 Register) wurde 1991 von Rösel & Hercher (Saalfeld) teilsaniert. Die gelbe Kirche ist die größte Dorfkirche in Thüringen. Sie erinnert mit ihren vielen Holz-Emporen und Wegen an ein Opernhaus. Besonders ist die Westempore ist riesig. 

Aus der großen Schulze-Familien-Orgelbaudynastie war Johann Daniel Schulze (Milbitz) einer der ersten Großen. Es ist meine 4. Schulze Orgel (Rastenberg, Heringen, Meuselbach).

Die Orgel wurde leider bei ihrer Pneumatisierung geschrumpft, um mind. 10 Register. Der freie Spieltisch hat zwar durchaus seine Vorteile auf der sehr großen freien Westempore, noch dazu leichtgängig und mit Schweller. Jedoch war die originale Orgel mechanisch mit Spieltisch direkt dran und hatte dadurch ganz andere Möglichkeiten. Der freie Spieltisch ist an sich zu klein für die mächtige Orgel. Die Orgel klingt immer himmlisch.

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Schulze Orgel Hoffnungskirche Oberweissbach „Dom von Südthüringen“ Schwarzatal

8. September 2024: Durch Sprache kann man Politik verändern. (Sahra Wagenknecht)

Foto: Schulze Orgel Meuselbach Schwarzmühle Schwarzatal 2024

Durch atemberaubende Serpentinen geht es in Richtung Rennsteig hoch nach oben nach Meuselbach Schwarzatal. Der Klimawandel und die Hitze haben dem wunderschönen grünen Thüringer Wald sehr geschadet: Kahlschlag, kranke Bäume, lichte Stellen, Parasiten und Borkenkäfer. Ich hoffe sehr, dass  sich die Wälder und Bäume bald wieder erholen und sich neu anpassen lernen. 

Endlich kam ich mit Drop, meinem Beetle, im kleinen Dorf (ca 1300 EW) an. Ich verliebte mich sofort in die wunderbare Orgel. Das Konzert war gut besucht, ich habe viele CDs verkauft, es gab hinterher ein kleines Fest vor der Kirche und wir besuchten die schöne Meuselbacher Kuppe. Die Schwarza fließt fröhlich vor sich hin. Ich übernachte im Hotel in Schwarzmühle.

Ich habe Blumen bekommen ❤️ Ich verbeuge mich gern unten. 

Historische hochromantische, schwergängige North-Schulze Orgel evangelische Kirche Meuselbach Schwarzatal, Schiefergebirge, Thüringer Wald, 2 M, 23 R, 1500 Pfeifen

Der wunderschöne weiße Barock-Prospekt mit 12 Pfeifenfelder thront hoch oben auf der ersten Empore. Zwei Empore thronen darüber.

1354 wurde der Ort Meuselbach zum ersten Mal urkundlich erwähnt (Muzsilbach), 1589 wurde hier das erste Pfarrhaus gebaut und 1638 die erste kleine Kirche, ein kapellenartiges Gebäude mit Betglocke. Diese Kapelle bekam 1687 eine Orgel, einmanualig, von einem Eisfelder Orgelbauer. Diese Orgel wurde später verkauft.

1738-1760 wurde die jetzige schöne Dorfkirche gebaut: Eine dreistöckige, hohe, helle Kirche aus viel Holz. 1751 wurde der schöne separate kleine schieferngedeckte Glockenturm erstellt, aus Furcht, dass die schweren Glocken den schiefergedeckten Kirchturm zerstören könnten. 1744 kam die große Orgel des Orgelbauers Paul North aus Nahwinden auf die dritte Westempore. Bis 1807 wurde diese regelmäßig saniert.

1852 baute Schulze (1793-1858)  die jetzige Orgel. Er war bereits ein bekannter Orgelbauer in Thüringen und baute insgesamt über 150 Orgeln weltweit. Heute ist er in Deutschland weitgehend vergessen leider. Er verwendete den wunderbaren Prospekt, viele Pfeifen der Vorgängerorgel, die Windladen und die Gebläseanlage. Am 21.8.1852 wurde die Orgel eingeweiht.

1980 verstummte die Orgel, da dringend Geld für eine Sanierung gesammelt werden musste. Der Verein wurde gegründet. 2011 hatte Hoffmann/Schindler aus der Rhön die Orgel saniert. Die Blasebälge wurden restauriert, die Schleierbretter neu geschnitzt. Dagmar Weinberg vergoldete sie.  Es fehlen noch ca 70.000 €, um das Gehäuse vollständig zu renovieren.

Die Register der Orgel sind wie bei Knauf-Orgeln seitlich angebracht.

Die gepflegte, größtenteils sanierte Kirche mit den wunderbar bemalten Emporen besitzt eine sprechende, samtig-trockene Akustik, klar, durchsichtig. Sehr schön ist der funktionierende Calcantenzug, die 16-Füße in beiden Manualen, die weichen, rauchigen Flöten und die vielen 8-Füße.

Es gibt auch süffige 4-Füße, schöne Streicher, überblasene Traversflöten. Insgesamt ist der Klang warm, rund, dunkel und gravitätisch. Sehr besonders ist, dass diese von den Registern her doch relativ kleine Orgel so gut und vielfältig bestückt ist und sogar einen 32-Bordun im Hauptwerk besitzt. Auch die Klangkrone Mixtur ist warm und mild. Es stört in keiner Weise, dass die Orgel keine Zungen besitzt.

Der Umfang ist begrenzt, die Manualkoppel möglichst nicht zu verwenden, da diese die Orgel fast unspielbar macht.

Im Nachbarort Oberweissbach gibt es die pneumatische Schulze-Orgel im sogenannten „Thüringer Dom“.

 


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7. September 2024: Wahre Worte klingen oft wie Gegensinn. (Laozi)

Foto: Werner Orgel Limlingerode, Thüringen

Ich bin wieder unterwegs nach Thüringen zum nächsten Konzert. Ins Bachland. Tag des offenen Denkmals. Ich habe fast schon alle Orgeln hier gespielt. Nun Konzert in Meuselbach Schwarzatal Schwarzmühle hoch oben im Thüringer Wald.

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2. September 2024: „Ich wusste gar nicht, dass eine Orgel auch Flöte spielen kann.“ (aus dem Publikum) 

Foto: Werner Orgel Limlingerode

Das Konzert war sehr schön und gut besucht. Ich finde, Thüringen und Franken haben sehr viele Gemeinsamkeiten. Anschließend waren wir bei schönem Wetter im Biergarten. Ich habe thüringische Zwiebelsuppe mit Käse probiert. Sehr gut. Nun bin ich im Schloss.

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