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18. November 2024: Manche Menschen brennen für nichts, außer dafür, in Ruhe gelassen zu werden. (AHS)

Foto: Sandtner Orgel St. Marien Kirche Warburg

Große Sandtner Orgel St. Marien Kirche Warburg Westfalen, 3 M (Koppelmanual), Neubau von ca. 1 Million im Jahr 2000, 33 Register, mechanisch

Das Konzert gestern war sehr schön. Es war das Finale vom Orgelherbst 2024. Die hübsche Kirche mit Turm liegt im Kreis Höxter, Nordrhein-Westfalen, Erzbistum Paderborn. Die nächst-größere Stadt ist Kassel, Hessen. Dort im „Palast der Winde“ in Kassel-Wilhelmshöhe wurde ich abgeholt, da der ICE wieder zu spät war.

Schön in der Kirche ist auch der Taufstein von 1620. Die Orgel auf der Turmempore ist das moderne Gegenstück zum neugotischen Hochaltar gegenüber. Unter ihr sieht man das große Kruzifix aus dem frühen 16. Jahrhundert.

Es war sehr schön, hier zu spielen; brillanter, großer Nachhall, schwingende Akustik

Die hügelige, historische Warburger Altstadt ist hübsch, voll schiefer weißer Fachwerkhäuser, die ich mag. Es war sehr schön, hier im Orgelherbst zu spielen. Mein Konzert war das Abschlusskonzert. Eintritt 15 €.

Die alte Orgel, eine große Anton Feith-Orgel von 1954 (Nacktpfeifenprospekt), wurde nach Polen verschenkt, manche Pfeifen verwendet für den Neubau. Feith aus Paderborn hatte die Paderborner Dom-Orgel gebaut. Leider ging er bankrott. Die Vorgänger-Orgel war eine Kuhlmann-Orgel von 1837. Da sie sich selbst überlassen wurde, war sie irgendwann in einem beklagenswerten Zustand.


Obwohl die Hansestadt klein ist, war es sehr gut besucht. Wir waren essen im Loni, Delphi und im gemütlichen Blome. Ich wohne im Alt Warburg Hotel.

Das Team der künstlerischen Leitung der Kirche ist sehr engagiert. Vielen Dank an Johannes!

Ich finde es wichtig, dass Menschen für etwas brennen, nicht nur für Grundbedürfnisse, sondern für etwas weit darüber hinaus.

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17. November 2024: Die Kameradschaft, die so vielen männlichen Künstlern eine Hilfe ist, ist für eine Frau in gewisser Weise ausgeschlossen. (Augusta Holmes, Komponistin)

Foto: Italienische Barockorgel St. Johannes Altenberge: kurze Oktave im Pedal

Heute erinnere ich an die französische Komponistin Germaine Tailleferre, 1892, die als Kind von ihrer Mutter, jedoch nicht von ihrem Vater gefördert wurde. Sie schreibt: „In einer kleinbürgerlichen Familie war es undenkbar, eine künstlerische Karriere anzustreben, schon gar nicht als als Mädchen. Ich sollte eine gute Hausfrau werden – vielleicht mit einer leichten Politur von Musik, Malerei und Literatur.“

Diese leichte Politur ist durchaus auch heute schicklich. Aber nicht mehr als eine leichte Politur. Alles, was besessen, beseelt, intensiv, massiv in Kunst drängt in einer Frau, wird auch heute noch skeptisch beäugt.

Ich bin unterwegs nach Warburg (Westfalen) bei Kassel an die große Sandtner Orgel in St. Marien und freue mich.

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16. November 2024: Drei Hütten will Petrus bauen. Ein vergebliches Unterfangen, denn die Herrlichkeit Gottes kann der Mensch nicht festhalten. (K. Thomas)

Foto: Konzert in Elters bei Fulda

Heute erinnere ich an die in Wien geborene Komponistin Marianne Martinez, 1744. Zu ihrer Zeit war Frau und Musik noch immer eine Streitfrage. Sie schreibt: „Eine Frau sollte nur jene Fähigkeiten durch Bildung erwerben, die sie zur Erfüllung ihrer weiblichen Pflichten benötigte“. Gelehrsamkeit galt als unschicklich für Frauen. Ich spüre diese Strömung deutlich heute noch.

Mir ist Sprache sehr wichtig. Betonung. Wortwahl. Bestimmte oder diffamierende Worte sind abstoßend für mich.

Ich gehöre nicht zu den Strengen und spüre meist, ob es ein Mensch gut meint oder nicht.

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Manche haben es so weit geschafft, dass es für viele Frauen tatsächlich „normal“ geworden ist, sich an das Maskuline anzuhängen. Und zwar nicht nur sprachlich.

15. November 2024: Jeder Mensch ist ihre eigene Kultur. Wir arbeiten alle an unserer Kultur. (AHS)

Foto: Seifert Orgel Niederkassel bei Köln

Heute erinnere ich an die französische Komponistin Augusta Holmes, 1847, Berufskomponistin, was ein Meilenstein ist. Sie schreibt: „Ich hatte zu kämpfen, und das als Komponistin und als Frau. Glauben Sie ja nicht, dass die künstlerische Karriere den Frauen offener stehe. Das ist ein Irrtum.“

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Mit Mann shoppen: 1. „Wie findest du, dass diese Haarmaske duftet?“ „Riecht nach Gartengelände.“ „Wie bitte?“ 2. „Schau mal die Engel mit den Streichinstrumenten.“ „Ist das da eine aufgeblasene Geige?“ „Das nennt man Cello.“

14. November 2024: Hinter meinen Augen stehen Wasser, die muss ich alle weinen. (Else Lasker-Schüler)

Foto: Orgelbau Eule in Bautzen

Heute erinnere ich an die italienische Komponistin und Sängerin Barbara Strozzi (1619).

Ich empfehle sehr den Film HOME von Yann Arthus-Bertrand. Es ist erschreckend, was wir unserer Erde angetan haben und wir verdienen, dass wir mit ihr untergehen. Denn sie ist nicht mehr zu retten. Sie ist ganz tief geschädigt, mehr als wir es uns vorstellen können. Die Schöpfung schreit nach Erlösung. Der Tag der Erlösung wird kommen.

Konsum und Gier hat unsere Erde zerstört und sie ist todkrank. „Es ist zu spät, Pessimistin zu sein“: Der Film ist von 2009 und die Verletzung ist viel schlimmer geworden. Der Film hat uns damals 10 Jahre gegeben. Und das Unfassbare ist: Trotz ihrer tiefen Verwundung ist die Erde noch immer unglaublich schön.

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13. November 2024: Geh dahin, wo es keinen Weg gibt, und hinterlasse eine Spur. (Emerson)

Foto: Linz

Heute erinnere ich an die Komponistin Antonia Bembo.

Also, wenn man nicht übt, dann ist und wird man teilweise wie all die anderen Menschen auf der Welt. Das Üben prägt einen schon sehr.

Ich empfehle den Film „Symphonie der Tiere“ mit Camille Saint-Saens Karneval der Tiere. Ich liebe diese Musik, habe es selbst mit meiner Schwester gespielt. Überhaupt mag ich sehr, wenn Schöpfung, Tiere und Dokumentationen in und mit Musik ausgedrückt werden, siehe Joseph Haydn und seine geniale Schöpfung.

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12. November 2024: Musik muss nicht in allen Bereichen innovativ sein. (Ethel Smyth)

Foto: Acryl AHS

Heute erinnere ich an die britische Komponistin Ethel Smyth.

Ich finde, so wie man in der Musik die Komponierenden erkennen kann, so auch in der Schöpfung den Schöpfer. Wenn ich Schafe auf der Wiese beobachte, dann sehe ich in diesem einen Schaf allein schon Zeit und Ewigkeit. Dass das einfache kleine Schaf da steht und weidet und lebt, während unzählige große Namen gestorben und verschwunden sind: Auf Leben und Tod und Zeitliches und Ewigkeit und Wert haben Geschöpfte, Geschöpfe und Geschaffene wenig Einfluss oder im Grunde keine Kontrolle. Wir können shoppen und bauen und kontrollieren, aber wir sind genauso unmittelbar wie das Schaf.

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11. November 2024: Vixi, scripsi, dixi. (Haydn) 

Foto: Konzert Schwäbisch Hall

Früher ging es mehr um das Werk als die Interpretation. Heute glaubt kaum jemand mehr, dass es noch etwas Neues oder gar „Besseres“ geben kann in der Musik. Aktuelle, neue Musik war früher normal, heute nicht. Komponierte, zeitgenössische Lyrik brauchen wir.

Wenn ich mich frage, was für mich ein musikalisches Erlebnis ist, ist es meist „Bach-Glück“ in dem, was er komponiert: Programmmusik, Formelschatz, symbolisch, verschlüsselt, Tod und Auferstehung in der Kunst der Fuge. Musik spricht.
Ich mag auch Muffat, Zeitzeuge vieler verschiedener Stile, wie Bach.

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10. November 2024: Als Künstler wird man oft für verrückt gehalten. (Ivan Wyschnergradsky)

Foto: Orgelherbst Warburg

Ja, Klang ist etwas, was auch mich überflügelt. Der Propeller des Klangs, die Spaltung des Klangs, Dinge der Unmöglichkeit im Klang. Der Skandal des Klangs. Die gläserne Kutsche und Rasanz. Reicher, exzentrischer Klang. Als Künstlerin muss man Allrounder sein. Oder wie Schubart es schildert:

Tanzende Docken, Töne wie Glocken, Flößen ins Bluth, Rosigen Muth…

Heute erinnere ich an die Komponistin Marianne Martínez.

Ich liebe schnelle, virtuose Finger, brillante Läufe, die Sinnlichkeit an den Tasten, Akkordarbeit. Wenn man selbst weder unmöglich noch exzentrisch, weder gläsern, verwundbar noch skandalös ist, wie will man besonders klingen?

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9. November 2024: Tue deine Augen auf und gehe zu einem Baum und besinne dich. (Jakob Böhme) 

Foto: Beckerath Orgel Altenberge

Heute erinnere ich an Elisabeth von Thüringen.

Ich freue mich auf mein Konzert in Warburg und Würzburg.

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