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28. November 2024: Ich widme mich der geistigen Betätigung so viel als möglich. (Wilhelmine von Bayreuth)

Heute erinnere ich an die Komponistin Wilhelmine von Bayreuth, 1709, die eine schwere Kindheit inmitten Streit und politischer Intrigen erlebte und einen kunstfeindlichen Vater besaß, der Musik als gefährdend für die Moral ansah. Sie wurde zum Heiraten gezwungen. Aber sie machte das Beste daraus, holte Musiker ins Haus, komponierte Opern, führte auf. In ihren Opern fehlte der männliche Held, die einzige Überlebende war eine Frau. Das kam natürlich nicht gut an.

Auch Wilhelmine hatte Zweifel an ihrem Talent, da weibliche Kunstleistungen nicht dokumentiert und gefeiert wurden und daher kein weibliches Vorbild für Ermutigung, Kontinuität und Beurteilung zu finden ist. Dies ist auch bis heute so: Weibliche Vorbilder haben zu können für das, was man selbst tut, ist schwer.

Gestern Orgel gestimmt: Zungenpfeifen stecken in einem Schutz, Stiefel genannt. Den Stimm-„Draht“ nennt man Krücke. Zum Stimmen der Zungen nimmt man ein Stimmeisen, bei Lippenpfeifen ein Stimmhorn. Ich liebe Zungenpfeifen. Die runde Metallscheibe oberhalb der Kehle und der federnden Zunge (die im Stiefel geschützt ist samt dem ganzen Fuß) nennt man Nuß. Die Kehle ist der (goldene) Stab und am unteren Ende die schnarrende Zunge, kaum zu sehen. Durchschlagende Zungen klingen weicher, da sie ungebremst durchschlagen.

Beim Stimmen der Zungenpfeifen schlägt man nach oben an der Krücke, der Ton wird tiefer, da die Zunge länger wird (sie ist lang und schnarrt nur am unteren Ende, da dort lose). Schlägt man sachte nach unten, wird der Ton höher. Vorsicht, der Ton ist stets sehr laut. Rein ist der Ton dann, wenn die Schwebung bei Null liegt; dies geschieht stets etwas höher, als man zunächst denkt.

Bei Holz-Lippenpfeifen sieht man dagegen den Spund, den „Holz-Stachel“ obendrauf bei den milden, schönen Holzgedackten. Diese und die Zungen stehen oft im Brustwerk, können auch im Schwellwerk stehen. Morgen geht es weiter.

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27. November 2024: Niemals habe ich eine Frau mit solchen Fähigkeiten an Orgel und Cembalo kennengelernt. (Marquis de Dangerau über Elisabeth Jacquet)

Heute erinnere ich an die Pariser Komponistin, Cembalistin, Organistin und Sängerin Elisabeth Jacquet de al Guerre, 1665, die aus einer Musikerfamilie stammte wie ich. Sie heiratete den Organisten Martin, der sie unterstützte. Sie wurde erstaunlicherweise auch von Johann Mattheson unterstützt, der nicht einsehen wollte, warum Frauen nicht in Kirchen singen und spielen sollten, was Papst Sixtus V. verbieten lassen wollte. Mattheson aber nannte Elisabeth ein Wundergeschöpf, eine Berufsmusikerin, was sie auch war. Sie veröffentlichte Noten und Bücher und besaß sogar Ensembles mit anderen Frauen.

Sie war Organistin und Komponistin und ist durchaus mein Vorbild. Obwohl die kirchenmusikalische Situation damals eine andere war, so hatte Kirchenmusik doch immer mit Weltförmigkeit, Profanitität und Sektierersystemen zu kämpfen, was eine schädigende, absinkende Wirkung hat. Kirche steht im Brennpunkt der Beobachtung. An Gott zu glauben, ist keine Illusion, Kirche keine Verpackung.

Almost Advent:

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26. November 2024: Sie ist eine Legende. Legenden sind schwer zu zerstören. (Mahler)

Heute erinnere ich an Alma, 1879, die mich von allen Komponistinnen am meisten fasziniert. Sie ist unglaublich schön und wurde von Männern und Frauen gefürchtet. Jahrhundertwende. Alma hatte beinahe die Unterwürfigkeit verlassen. Aber sie wurde Opfer des Phänomens frauenfeindlicher Frauen: Während Männer es spannend und erotisch fanden, von einer Femme fatale „ruiniert“ zu werden, da sie hoffnungslos verliebt waren, wurde Alma von Frauen (und Männern) auch lange nach ihrem Tod als arrogant, dämonisch, als eine unbarmherzige Herrin, als Sirene bezeichnet.

Wenn viele Männer und Frauen ihre Ängste in den Griff bekommen wollen bei aussergewöhnlichen Menschen, wehrten sie sie ab, werden feindselig und vorwurfsvoll. Besonders die Moral wird angegriffen. Über Frauen wurden später von anderen Frauen geradezu gehässige Biographien geschrieben, es seien nur Brunhilde Sonntag und Francoise Giroud genannt.

Fakt ist, dass Alma eine hochbegabte Komponistin war, was oft vergessen wird. Sie stammt aus einer künstlerischen, gebildeten Familie, studierte Komposition in Wien und hatte große Zukunftspläne. Doch sie wurde früh vom viel älteren Gustav erobert, der sie ganz für sich wollte und eifersüchtig und kontrollierend wurde, wenn sie von eigenen Ideen sprach, erst recht, wenn sie von eigenen Kompositionen berichtete und keine Zeit für ihn hatte. Die narzisstisch anmutenden Briefe, die er ihr schrieb, sind schockierend: „Ich Armer, was das ist für eine fixe Idee, die in deinem Köpfchen Platz genommen … Du musst meine Musik als deine annehmen! … Du hast nur einen Beruf: Mich glücklich zu machen.“ Gustav heiratete sie nach ein paar Wochen, und nun begann eine Leidenszeit

Gustav forderte, das Komponieren aufzugeben. All dies hat mir die Freude genommen, die Musik von Mahler, Schumann und sogar von Brahms zu spielen, da diese Leute hochbegabte Frauen klein gehalten haben. Alma wollte nie nur Hausfrau oder gar Muse sein, sondern sehnte sich nach ihrem eigenen künstlerischen Ausdruck, doch versank in Mahlers „fremder Musik“. Ihre Tonsprache ist völlig anders. Sie war Vorreiterin von Berg und Schönberg. Endlich erlaubte ihr Gustav das Veröffentlichen einiger ihrer Lieder. Aber das alles war nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Viel ist verloren gegangen. Tragisch. Empörend.

25. November 2024: Ich glaubte einmal, das Talent des Schaffens zu besitzen, aber zweifle oft ganz an mir, denn eine Frau muss nicht komponieren wollen… (Clara Schumann-Wieck) 

Foto: meine Hände

Heute erinnere ich an Clara, die Wundervolle.
Es tut mir so weh, die Zweifel an sich selbst von diesen hochbegabten Frauen zu lesen, die ich selber kenne. Alma, Nadia, Lili, Fanny … Diese Zweifel an ihren eigenen Fähigkeiten haben Frauen bis heute, und dies nicht von ungefähr. Woher kommen diese Zweifel?

An Claras Leben kann man deutlich erkennen, dass diese Zweifel Männer säen, in Claras direkten Umfeld, in ihrer Erziehung, in Politik und Kultur, im Zeitgeist. Sie lebte in einer Zeit, in der es (laut Danielle Roster) trotz allem geradezu aussichtslos war, als Künstlerin zu leben. Diese Zweifel und Entmutigungen wurden und werden bewusst gesät und pflanzen ein tiefes Mindset der Unsicherheit und Selbstzweifel in Frauen:

Schopenhauer, im Alter von Claras Vater, schrieb zu dieser Zeit: „Schon der Anblick einer weiblichen Gestalt lehrt, dass das Weib weder zu großen geistigen noch körperlichen Arbeiten bestimmt ist.“ Schopenhauer ergießt noch viele andere, drastisch frauenfeindliche und sexistische Aussagen in diesem Stil, die wirklich erschreckend sind.

Claras Mann hatte kein Interesse, Claras Talente zu fördern, im Gegenteil, er half im Haus nicht mit und bemühte sich auch nicht, die Zahl der Schwangerschaften in Grenzen zu halten, im Gegenteil, Clara sollte ständig schwanger sein, mindestens 10 Mal. Dieses Verhalten allgemein kostete unzähligen Frauen das Leben, da sie unter dieser Belastung und der dauernden Schwangerschaften und ohne Medizin, genug Essen, Hilfe oder Betreuung früh sterben mussten. Robert machte Clara das Leben schwer.

Selbst Brahms sah in Clara eine Ausnahme, hielt ansonsten von Komponistinnen nichts. Es ging bei ihm nicht nur um Skepsis, was schlimm genug ist, sondern um deutlich negative Einstellungen Künstlerinnen gegenüber.

In diesem Umfeld keine Zweifel an sich selbst zu bekommen, ist für eine Frau kaum möglich gewesen, denn sie sollte ja Zweifel bekommen.

Wenn man alle Männer mit frauenfeindlichen Aussagen und Taten genauso canceln würde wie die mit rassistischen Aussagen, blieben nicht mehr viele übrig.

Es ging auch nicht um die Zeit: Mittelalter, Barock, 18. und 19. Jahrhundert – das haben wir jetzt alles behandelt und es war immer das gleiche: Frauen hatten kaum eine Chance auf Ruhm oder Erfolg und wurden oft auch von ihren eigenen Leuten ausgebremst. Wir werden morgen sehen, wie es weiter geht.

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24. November 2024: Alle in unserem Haus machten Musik. (Nadia Boulanger)

Foto: Wagner Heinze Orgel St. Nicolai Kirche Bad Blankenburg, Thüringen

Heute erinnere ich an die französische Komponistin und Lehrerin Nadia Boulanger, 1887, eine Vorkämpferin und Pionierin für Recht als Frau im männlichen Business der Komposition und Musik. Sie bekam nur den Zweiten Preis in Rom, obwohl sie (laut Spycket) als Mann den ersten bekommen hätte. Nadia sagt: „Vergessen wir doch, dass ich eine Frau bin, reden wir über Musik!“

Auch ihre hochtalentierte, kränkliche kleine Schwester Lili wurde Preisträgerin und daher über Nacht berühmt. Krieg und Krankheit bedrohten ihre Karriere. Sie komponierte in den letzten sieben Jahren wie verrückt, bevor sie früh sterben musste, weil die Medizin noch nicht so weit war.

Ihre Schwester Nadia leistete auch im Dirigieren Pionierarbeit. Mein Herz geht aus für diese wundervollen hochbegabten Damen, die ihre Kunst ausübten bis zum letzten, auspressten wie eine Orange in einer frauenfeindlichen Welt voll Macht und Kontrolle. Lili spielte Orgel, Nadia war Kapellmeisterin und bildete nach langem Kampf, ob sie unterrichten dürfe als Frau, zahlreiche Komponistinnen aus, aber auch Dinu Lipati und Gardiner. Sie wurde 92. ❤️

Alle in unserem Haus machten Musik. (Nadia Boulanger) Bei mir auch – alle in unserem Haus machten Musik.

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23. November 2024: … so bin ich mit meiner Musik ziemlich allein. (Fanny Hensel-Mendelssohn)

Foto: Mixtuur Orgel Hauptwerk NAK Hermsdorf, Thüringen

Heute erinnere ich an die jüdische Komponistin Fanny Hensel. Ihr Bruder Felix Mendelssohn hatte ihr verboten, ihre Werke drucken zu lassen, und auch ihr Vater zwang ihr eine Isolation auf, dass sie nicht vor Publikum kommen und berühmt werden konnte. Das wirft ein trauriges Licht auf Mendelssohn, denn Fanny litt darunter, dass sie nie eine Chance bekam und kontrolliert wurde, denn sie liebte es, frei zu sein und mit verschiedenen gebildeten, klugen Menschen Kontakt zu haben.

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22. November 2024: Es ist immer Zeit, um ein Wort auf den Weg zu bringen.. (Gracian)

Foto: meine Hand 

Heute erinnere ich an die französische Komponistin und Dozentin Louise Farrenc-Dumont, 1804. Sie wuchs in einer Künstlerfamilie auf und wurde auch später von ihrem Mann gefördert. Sie lebte daher ein anderes Leben als Fanny Hensel (1805), die unter der Rollenaufteilung litt. Aber auch Louise wurde unterschätzt und geriet lange in Vergessenheit wie viele Frauen. Es ist schwer, ihre Kompositionen im Handel zu erhalten. Schön ist, dass sich ihr Mann sehr dafür eingesetzt hat, die Werke seiner Frau bekannt zu machen. 🥰

Ich persönlich liebe alle Instrumente in der Kirche, besonders Orgel, aber auch Klavier und Flügel. Eine Kirche mit Klavier und Flügel hebt mein Herz. Vor allem, wenn alle Instrumente gut behandelt werden. Eine Kirche ohne Flügel macht mich ein wenig traurig.

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21. November 2024: Musik ist Gleichgewicht und Baldachin. (AHS)

Ich mag es gern, mit Laien zusammen Musik zu machen. Viele sind sehr dankbar und wissbegierig und lustig. Es ist spannend, Musik aus verschiedenen Blickpunkten zu betrachten: Musik als Hobby, Musik als Berufung, Musik als Kultur und als Unkultur.

Die Substanz der Musik ist Medizin, in ihr sind wir alle eine Familie.
Bei gleicher Umgebung lebt jedoch jeder in einer anderen Welt (Schopenhauer), in eigener Kultur – aber Musik eint. Da ich viel Kammermusik gespielt hat, mag ich es, im Team Musik zu machen.

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20. November 2024: Musik ist wie Heimat. (AHS)

Foto: Zungenpfeife

Manchmal werde ich gefragt, ob es mich stört, wenn Menschen „falsch klatschen“. Eigentlich nicht, außer es ist zwischen Fantasia und Fuga BWV 542 und ich im Flow bin und ungeduldig in den Startlöchern für die Fuge stehe und das dressierte Renn-und Dressurpferd mit den Hufen scharrt. 

Was mich manchmal wundert: Warum manche Menschen meinen, das Leben anderer kontrollieren oder beinträchtigen zu können. Ein Mensch ist ein Wesen, dass sich umdrehen muss, um hinten zu sehen, das Hilfestellungen zum Hören am Kopf kleben hat (Ohren) und insgesamt also begrenzt und bewusst geschaffen ist.

Wer jemand anderem schaden will, wird selbst Schaden erleiden. Mit einem Stalker wie Maximilian Nicolaus zu leben, ist nicht leicht. Er belästigt, belügt und bedroht Veranstalter und mich jeden Tag. Sein Lebensinhalt bin ich, und das macht mir Angst. Er war mal verliebt in mich und ist seither besessen. Das Beste ist, ihn zu ignorieren, da er sich krank verhält. Der Zeitzer Dom und Warburger Orgelherbst und Merseburger Orgeltage usw. haben ihn ignoriert. Ich hoffe, es ist nur eine Frage der Zeit, wann er festgenommen wird.

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19. November 2024: Geld ist der Schlüssel zur Freiheit. (Coco Chanel) 

Foto: Sandtner Orgel St. Marien Kirche Warburg

Heute erinnere ich an Unternehmerin Sophia Amorouso, die erste, die aus einem ebay-Shop Millionärin wurde.

Ich glaube, frei macht uns die Liebe.

BWV 542 Fuga in Concert:

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Das schläfrig-zufriedene Gefühl nach einem Konzert mag ich gern: Feiertagsstimmung. Mit Johannes‘ Wagen fuhren wir nach Würzburg und aßen dort Gans, meine erste in dieser vorweihnachtlichen Zeit.

Zum ersten Mal in der Geschichte Deutschlands wird Gewalt gegen Frauen von der Bundesregierung verzeichnet. Jeden zweiten Tag wird eine Frau in Deutschland von einem Mann ermordet (Femizide).
Jeden Tag (!) werden Frauen und Mädchen von Männern in Deutschland angegriffen und misshandelt. Zum ersten Mal wurde heute diese unfassbare Statistik in den Nachrichten wiedergegeben.

Aber es geht noch weiter: KI wird von Männern für Männer gemacht. Was zum weiteren Nachteil für Frauen führen kann, wie Natascha Wegelin berichtet. Zudem stellt sie klar, dass Frauen gesundheitlich viel schlechter dokumentiert werden, da die meisten Messungen für Arzneien, Therapien, Behandlungen und Symptome von Männern ausgehen. Frauen haben daher, wie sie sagt, im Schnitt 9 Jahre mehr zu leiden als Männer.