Startseite Nach oben

Tur Blogg

3. November 2024: So lasset auch eure Stimme ertönen in Psalmen, Hymnen und geistbeseelten Liedern. (Kaltenbrunner Orgel Friedenskirche Linz)

Foto: Bruckner-Orgel Alter Dom Linz

Wir waren auch einmal beim Linzer LeberkasPepi, der Tag und Nacht auf zu haben scheint.

Interessant: Sowohl der Prager Rilke als auch der Deutsche Kepler haben in derselben kleinen Schule in Linz wie Anton Bruckner studiert, als junge Männer – natürlich zu unterschiedlichen Zeiten. Ich finde das aussergewöhnlich, wo doch alle drei so verschieden sind.

Auch Christian Doppler wird in Linz gefeiert, da er oft in Linz war. Erstaunlich finde ich, dass den sogenannten DopplerEffekt sicher alle Musikerinnen und Musiker kennen und kannten, bevor Doppler ihn bewies oder ohne Doppler zu kennen. Und damit meine ich nicht irgendwelche anderen Doppler-Effekte 🙂

Und das Schlossmuseum Linz oben ist interessant. Es zeigt die Stadt in seinen vielen Etappen und besitzt einen unterirdischen Gang, der erst seit kurzem frei zugänglich ist.

Anton Bruckner Krismann Orgel Alter Dom zu Linz, 3 M, Schleifladen, 32 R, gleichstufige Stimmung, kurze Oktaven in Manual und Pedal:

Eine konservativ romantisierte Barockorgel mit kurzen Oktaven und repetierendem Pedal

Der Komponist Bruckner war 1856-1868 Organist hier im Dom und baute die Krismann Orgel nach seinem Geschmack um. Diese Umbauten 1857-1893 erfolgten durch Leopold Breinbauer nach Wünschen Anton Bruckners. Die „Brucknerstiege“ ist das kleine Brucknermuseum im Dom. Dieser ist 25 m hoch, besitzt einen mächtigen Hochaltar, eine Kanzel im barocken Raum, ein Fastengemälde, eine Marienkapelle von 1930 und einen weißen modernen Beichtstuhl von Elisabeth Plank.

Orgelbau Kuhn restaurierte die Orgel 2016, zuvor hatte Rieger die Orgel 1980 restauriert. Die Linzer Jesuitenkirche hier in Oberösterreich ist mit seinen Säulen, Giebeln und Fassaden wuchtig und wunderschön und steht direkt am eleganten Hauptplatz, wo ich wohne.

Die Akustik ist lieblich, innig, bunt und warm, eine singende Orgel. Man sitzt mit dem Gesicht nach vorn, was mir gut gefällt. Die Barockorgel Chrismanns in italienischer Manier wurde von Breinbauer und Bruckner (konservativ) romantisiert und erweitert und ist damit ein exklusives Denkmal und Klangjuwel.

You are currently viewing a placeholder content from YouTube. To access the actual content, click the button below. Please note that doing so will share data with third-party providers.

More Information

2. November 2024: Ich nehme meine Stimme wahr. Ich erkenne sie. Sie ist Erkenntnis. Sie ist Ephemer. (Neue Orgel Basilika Linz, Valie Export)

Foto: Freiburger Orgelbau Späth Orgel, Basilika Pöstlingberg Linz

Neue große Freiburger Orgelbau Späth Orgel Anno 2022, Basilika Pöstlingberg Linz, Österreich, 3 M, 34 R, Schleifladen

Die kreative Valie Export-Orgel

Es war sehr schön, hier zu spielen. Die wunderschöne, weiß-violette, barocke Pfarr- und Wallfahrtskirche Basilika „Sieben Schmerzen Mariae“ auf dem Pöstlingberg nördlich der Donau erhebt sich in 539 Meter Höhe, umgeben von Grün. Innen ist sie gelb und prachtvoll. Die Basilika ist die zweitgrößte Wallfahrtskirche Österreichs.

Über den Dächern von Linz und über der breiten, blauen Donau thront dieser Hügel, auf den man mit der Bergbahn fahren kann. Hier oben darf man die Zeit genießen, auf dem Schlössl sehr gut essen und die Aussicht betrachten. Die helle, zweitürmige Kirchenfassade mit zartem Rosa gehört zum Wahrzeichen von Linz.

Das runde Kuppelfresko von 1899, die Rokoko-Kanzel in Schwarz und Gold von 1789, die Seitenaltäre und das marmorne Taufbecken, das goldene Gnadenbild des Hochaltars, die Krypta, der Triumphbogen und die 14 Kreuzweg-Bilder gefallen mir sehr.

Noch vor kurzem bis 2020 stand hier auf der Westempore die schöne, elektropneumatische Matthäus Mauracher Orgel mit RP und Kegelladen von 1943, die Anton Bruckner abgenommen (= genehmigt, oder wie man im Österreichischen sagt, kollaudiert) hatte. Leider hat diese Orgel (3 M, 37 R) ausgedient und wurde von der Basilika buchstäblich „in den Ruhestand geschickt“, da sie nicht mehr tüchtig funktioniert haben soll.

Die neue Orgel kann man auch Valie Export Orgel nennen, da sie von der Künstlerin aus Linz mit Künstlernamen gestaltet wurde. Das gefällt mir sehr. „Wer begreift, hat Flügel” scheint sie schwingend wie ein Tuch über die Orgel geworfen zu haben. Der Schriftzug leuchtet groß und grün auf, wenn man die Orgel einschaltet. Die Orgel wurde 2023 geweiht.

An den Seiten des Instruments ließ Valie Export folgende Worte eingravieren:

Ich nehme meine Stimme wahr

Ich erkenne sie

Sie ist Erkenntnis

Sie ist Ephemer (= vergänglich)

Die Spur der Stimme gräbt sich

In die Ereignisse der Zukunft

Sie gräbt sich in die Denkbahnen

Der lautlosen Wahrnehmungen

Wenn ich spreche dann handle ich

Die widerspenstige Stimme

Die gespaltene Stimme

Die Stimme ist Suture (= Faden, Naht, Kit)

Die Stimme ist Naht

Die Stimme ist Schnitt

Die Stimme ist Riss

Die Stimme ist meine Identität

Kann ich die Stimme von den Worten

Den Lauten

Den Atemregungen lösen?

Kann ich sie von ihrer Melodie lösen?

Kann ich sie spielen wie ein musikalisches Instrument?

You are currently viewing a placeholder content from YouTube. To access the actual content, click the button below. Please note that doing so will share data with third-party providers.

More Information

1. November 2024: Gesegneten Reformationstag und Allerheiligen ❤️🙏

Foto: Bechstein Centrum Klaviersalon Linz

Wenn ich in Österreich bin, spreche ich automatisch eine Sprache, die ich für Österreichisch halte – eine Mischung aus Schweizerisch, Fränkisch und Oberbayerisch, der ich geflissentlich ein „Pfürdi“ und ein „Baba“ beifüge. Ich mag es sehr, dass sich die Österreicher schnell umarmen, duzen und insgesamt alles andere als unterkühlt sind. Sie sind offen, großzügig und freundlich, zumindest in Linz. 

Gestern waren wir im Neuen Dom, nur 100 Jahre alt, dem größten Gotteshaus in Österreich, und in der Stadtpfarrkirche (ebenfalls mit einer wahren Bruckner-Orgel) und im Musiktheater Linz in einer Operette, in „Paganini“ von Franz Lehár (österreichisch-ungarisch). Wir hatten unten gute Plätze. Natürlich ist das Musiktheater nicht die Nationaloper Prag, aber dennoch sehr schön. Eine Operette habe ich schon lange nicht mehr besucht. Was ist der Unterschied zur Oper? Es ist nicht kürzer, aber leichter und seichter in der Kost sowohl in Musik als auch im Plot. Das Umsetzen auf der Bühne, also das Design, die Lichtershow, die Tanzeinlagen, Kostüme etc. waren super, Note 1.

In der Nationaloper Prag lief letzte Woche Lady MacBeth, was ich aufgrund der Brutalität nicht ansehen wollte – was vermutlich ein Fehler war, denn die Musik von Schostakowitsch ist so gut.

Auch wenn Linz kopflos ist, wird vieles etwas verbrucknisiert, vor allem 2024. Alles, was nicht niet-und nagelfest ist, heißt Bruckner. Bruckner-Tower, Bruckner-Tee, Bruckner-Zebrastreifen (da sein Haustier ein Zebra war). Orgeln, die nichts mit ihm zu tun haben, heißen Bruckner-Orgel.

Eigentlich gibt es nur drei wahre Bruckner-Orgeln. Die, die ich besonders mag, steht im Alten Dom. Die historische, original erhaltene Orgel von 1760 vom Österreicher Franz Xaver Chrismann in wunderbarer Akustik ist sehr faszinierend. In das dunkle Holz des freien Spieltisches hat der Rebell Anton Bruckner angeblich seine Initialen geritzt. Der Umfang der drei Manuale und des Pedals ist begrenzt. Der Spieltisch ist einfach nur lovely.


You are currently viewing a placeholder content from YouTube. To access the actual content, click the button below. Please note that doing so will share data with third-party providers.

More Information

31. Oktober 2024: Man muss die Selbstüberwindung kennen, die es kostet, eine bereits errungene Geltung aufs Spiel zu setzen und noch mal von vorn zu beginnen. Denn es kommt nicht darauf an, oben zu bleiben, immer oben. (Edith Biewend)

Foto: Kaltenbrunner Orgel Friedenskirche Linz

Mein Konzert Klavierabend in Linz im Bechstein Centrum mit Bach, Chopin, Beethoven, Himmelsliedern, Satie und Jazz an den Konzert-Bechstein-Flügeln gestern war wunderschön, sehr gut besucht und ein Highlight. Ich bekam statt Blumen eine Linzer Torte (ein berühmter Mandelkuchen mit Marmeladen-Gitter). Linz an der Donau ist eine geniale Stadt. Ich liebe diese Stadt. Wir waren auf dem Pöstlingberg hier in Linz im Schlössl essen (Krautwickel, Saibling, Schoko Sacher und Linzer Torte) und genossen die Sonne und die wunderschöne Aussicht.
Sind mit der Bergbahn hochgefahren. Linz ist nach Wien und Graz die drittgrößte Stadt in Österreich. Bisher war ich zuvor nur einmal in Linz. 

Dann sind wir oben auf dem Pöstlingberg mit der Grottenbahn gefahren ins Märchenland mit der Drachenbahn. Dort gab es Zwerge, Märchen, die ich liebe, auch echte Rehe und Hirsche.

Danach haben wir im BechsteinZentrum geprobt für das Konzert und waren abends Kartoffel-Ravioli essen in der „Alten Welt“. Mein Hotelzimmer von Motel One ist direkt im Zentrum auf dem Hauptplatz nah der Nibelungenbrücke und der Beethoven-Apotheke (Wasser-Apotheke). Wusstet ihr, dass Beethovens jüngerer Bruder eine Apotheke in Linz besaß und Beethoven daher oft in Linz zu Besuch kam? Wohnte Beethoven auf dem Hauptplatz wie ich? Ich schlug der Apotheke vor, sie WasserBeethoven-Apotheke zu nennen.

Da ich letzte Woche in Prag war, konnte ich Prag und Linz direkt miteinander vergleichen.

Im Gegensatz zu Prag (ca. 4 Stunden entfernt) ist Linz eine Art „freie Stadt“ ohne viele Köpfe, Büsten und Plaketten. Während Prag von Köpfen übersät ist, ist Linz so gut wie kopflos.

Auch die genannte Apotheke heißt nicht geschäftstüchtig BeethovenApotheke, sondern schlicht Wasser-Apotheke, ohne Kopf und Plakette. Während Salzburg und Prag Freiluftmuseen sind, ist die Luft in Linz frei von toten Köpfen (Linzluft). Wie eine normale Stadt mit fast ausschließlich lebendigen Köpfen lebt sie, präsentierte sie sich mir. Jedoch ein Mozartkopf (keine Kugel) ziert einen Hof neben dem Landhaus, da Wolfgang Amadeus sehr oft in Linz übernachtet hatte und auch seine Linzer Sinfonie hier über Nacht komponiert haben soll. 

Ansonsten ähneln sich Prag und Linz durchaus. Während in Prag die Moldau glänzt, strömt in Linz die blaue Donau. Der größte Fluss Europas. Ich liebe Städte an einem großen Fluss. Denn auch wenn man sich am anderen Ende der Stadt befindet oder den Fluss nicht sieht, weiß man, dass er da ist. Auch abends im Bett. Das ist sehr einprägsam.

Der Hauptplatz ist riesig, elegant, mit restaurierter, weißer Dreifaltigkeitssäule, dem alten Rathaus mit dem „Hitler-Balkon“ (dort hatte Hitler, der Linz liebte und als Österreicher aus der Nähe stammt, seine Reden gehalten), den charakteristischen Häusern (den hohen, schmalen, tief gebauten und barocken Häusern in Pastellfarben und mit gotischem Kern) und den denkmalgeschützten „Hitlerbauten“ mit der Kunstakademie von Linz darin (was für eine kuriose Sache, wo doch Hitler in Linz und Wien als Kunststudent abgelehnt wurde). Mein Zimmer ist schräg gegenüber vom „Hitler-Balkon“ (so heißt er natürlich nicht). 

Auch die Nibelungenbrücke stammt vom Beginn des Zweiten Weltkrieges, wo der damals geschlossene Hauptplatz durch die Brücke über die Donau aufgebrochen wurde. Die Hitlerbauten sind denkmalgeschützt, weil sie im Grunde von KZ-Häftlingen gebaut wurden. Wir hatten eine private Stadtführung.

Dann habe ich die große Kaltenbrunner-Orgel gespielt in der Friedenskirche in Linz, auch die Truhenorgel und das alte schöne Harmonium dort in der Kapelle, dann die sogenannte BrucknerOrgel (große Rieger-Orgel) ganz neu von 2018 im großen Konzertsaal im modernen Bruckner-Haus gespielt (einer der größten Konzertsäle Österreichs) und an der neuen Freiburger Orgelbau Späth-Orgel von 2022 in der Wallfahrtsbasilika Sieben Schmerzen Mariae auf dem Pöstlingberg gespielt, butterweiches Teil, klangfein und brillant. Am schönsten zu spielen jedoch war für mich die richtige Bruckner-Orgel von 1760 im Alten Dom.

Wir waren auch kurz im lentos Kunstmuseum (Gustav Klimt) an der Donau. (Lentos —- Linz)

30. Oktober 2024

Foto: Knauf Strebel Orgel ev. St. Petri Kirche Liebenrode, Thüringen

Evangelische St. Petri Kirche Liebenrode, ehemals Grafschaft Hohenstein in Nordthüringen, Vorharz, Südharz:
Historisches Gehäuse Friedrich Knauf 1835, Johannes Strebel 1904 (aus Königsberg, Unterfranken), 2019 frisch restauriert eingesetzt von Thomas Hübener, mit Knaufpfeifen (stumm), also Pfeifen von Friedrich Knauf stumm im Prospekt.

Ich spielte erneut die zweimanualige Strebel-Orgel, ursprünglich aus der Marienkirche Königsberg (Unterfranken), Prospekt von Friedrich Knauf (Groß Tabarz). Dohlen und Turmfalken sind zu hören, wenn man die schöne Kirche St. Petri betritt.

Ich bin in Nürnberg geboren und spiele an einer Nürnberger Orgel mit original Nürnberg-Strebel-Spieltisch, aber in Nordthüringen.

Die Orgel-Dynastie Knauf ist aus Thüringen (bei Gotha). Hier treffen Thüringen und Franken aufeinander, im wahrsten Sinne des Wortes.

2019 Verlegung und Installation der Orgel nach Kirche St. Petrus Hohenstein, Liebenrode, und von Thomas Hübener restauriert. Orgelsachverständige wollten die Orgel zuerst ablehnen.

Die Kirche ist nicht im Krieg zerstört worden, sondern zu DDR-Zeiten zerfallen. Gottesdienste fanden nur noch im Pfarrhaus statt. In der Kirche lag teilweise über ein Meter hoch Schutt. Als die Pfarrerin Sabine Werner 1988 als junge Vikarin ins Grenzgebiet kam, sah die Kirche schlimm aus.

Die Worte des damaligen Superintendenten an ihren Mann und sie waren damals: „Lasst euch nicht einfallen, an der Kirche etwas zu machen, wir wissen nicht, ob wir sie als Ruine erhalten können.“

Sie haben sich nicht daran gehalten, Gott sei Dank! Aber von der damaligen Knauf-Orgel war leider nur wenig übrig. Das ganze Dorf kämpfte wie Löwinnen, eine neue Orgel zu erhalten. Obwohl es durch den Orgelsachverständigen keine Förderung, Hilfe und Genehmigung (Abnahme) gab, schaffte es das Dorf, die Strebel-Orgel zu erhalten.

You are currently viewing a placeholder content from YouTube. To access the actual content, click the button below. Please note that doing so will share data with third-party providers.

More Information

Es war sehr schön, hier zu konzertieren und 2021 und 2024 hier zu spielen. Eine Fränkin an einer fränkischen Orgel in Thüringen! Nordthüringen, Südharz! Knauf und Strebel, was für eine schöne Mischung, kenne und schätze beide sehr. 2 Manuale, bunte Registerkippschalter ala Späth und Walcker, eine malerische kleine Kirche mit samtiger Akustik.

29. Oktober 2024

Foto: Historische, romantische Knauf Orgel von 1810 in Epschenrode, Hohenstein, Südharz, Nordthüringen

Historische kleine Knauf Orgel Kirche Epschenrode Kirchspiel Hohenstein im Südharz Thüringen, 1 M, 9 R, mit neuem Zimbelstern, funktionierendem Calcantenzug und Parallelbalg-Anlage

Im schönen Nordthüringen ca. 10 km von Bleicherode entfernt, steht diese romantische Orgel mit selbst geschnitztem Zimbelstern. Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz. Die typisch seitlichen, breiten Registerzüge von Knauf gefallen mir gut. Ich nenne sie Registergesichter. Die Orgel wurde 2013 von Orgelbau Hüfken (Halberstadt)  saniert und gerettet.

Recht weit oben auf der zweiten Westempore in der hellen, innen blau-weiß gemalten, sehr alten Kirche auf einer Anhöhe steht das Instrument. Das winzige Dorf besteht hauptsächlich aus Fachwerkhäusern und Bauernhöfen.

Meine 25. Knauf-Orgel aus dieser mächtigen Dynastie. Bleicherode war früher eine aufstrebende Stadt gewesen.

Der von einem Dorfschreiner geschnitzte Zimbelstern muss erst mal Luft holen, bevor er startet, wenn man ihn am etwas sperrigen Registerzug zieht. Sehr schöner Kanzelaltar

Warmer, weicher Klang in sprechender Akustik. Lebendiger Wind kann getreten werden und die Hohlflöte ist wunderschön.

Die Manualkoppel (Schiebekoppel) und die Pedalkoppel sollen in Limlingerode noch restauriert werden. Dies ist jedoch teuer. Bitte spendet! Es gibt eine wundervolle Posaune 16 und Quintadena und in samtiger Akustik die Flöten. Besonders berührend ist für mich, dass in Limlingerode direkt neben dem Glockenstuhl das Geburtshaus der Lyrikerin Sarah Kirsch steht, die bekannteste Dichterin der damaligen DDR.

You are currently viewing a placeholder content from YouTube. To access the actual content, click the button below. Please note that doing so will share data with third-party providers.

More Information


28. Oktober 2024

Foto: Historische, romantische, letzte Werner Orgel von 1810 in Limlingerode, Hohenstein, Südharz, Nordthüringen

Kaum aus Prag zurück und eine Nacht zuhause, geht es auf zum nächsten Konzert. Besser gesagt, zu zwei Konzerten an einem Tag. Und zwar zuerst ins schöne Nordthüringen an der Grenze zu Niedersachsen (Göttingen) im herbstlich sonnigen Südharz nach Limlingerode. Viele evangelische Dörfer im Harz und in ganz Thüringen heißen „rode“ oder „roda“, auch im Thüringer Wald, von „gerodet“. Auch in den fränkischen Dorfnamen gibt es eine typische Endung für „gerodet“, habe jedoch vergessen, welche. Weiß es jemand von euch? Schreibt‘s gern in die Kommentare.

Im festlichen Gottesdienst in Limlingerode an der letzten historischen, romantischen Johann Christoph Werner Orgel von 1810 in der ev. Dorfkirche Limlingerode, Hohenstein, spielte ich um 11. Es war sehr gut besucht. Ich spielte und predigte. In meiner Andacht ging es um Musik und Glaube. Ich habe völlig frei gesprochen und mich auch nicht mit Skizzen vorbereitet. Das Thema ist so tief in meinem Herzen, dass es nur so aus mir heraus sprudelt. Die Leute waren sehr angetan. Hinterher gab es leckeres Essen im Gemeindehaus. Ich musste sofort nach Göttingen gebracht werden zum nächsten Konzert.

Vor lauter Eile habe ich mir den Kopf an der Orgel angeschlagen und habe nun eine Beule unter den Haaren. Es tat so weh, dass ich dachte, ich hätte eine Platzwunde. Dabei realisierte ich, dass ich selbst mit Platzwunde spielen würde.

Die Orgel wurde 2015 von Orgelbau Hüfken gerettet. Orgelsachverständige hatten sie schon aufgegeben. Es gibt viele sogenannte „Orgelsachverständige“ und Ähnliches, die keine Ahnung und vor allem kein Interesse haben – schon gar nicht an Dorforgeln. Kirchen oder Orgeln in Dörfern zu retten, interessiert sie nicht. Projekte, Anfragen und Ideen der Dörfer werden weggewischt. Regeln, Unkenntnis, Bürokratie und Ignoranz spielen dabei eine Rolle.

Mindestens drei Dörfer im Harz mussten auf eigene Faust handeln, da der ehemalige Orgelsachverständige aus Nordhausen die neue Orgel oder deren Planung dann noch nicht mal abnehmen (= genehmigen) wollte, was jedoch nötig ist für die finanzielle Förderung, bzw. nicht an der Planung interessiert war. Dies betrifft die schönen Dörfer Epschenrode, Liebenrode und Limlingerode. Sehr viele weitere Dörfer sind abgeschreckt und fühlen sich so klein und hilflos, dass sie seit Jahren keine spielbare Orgel mehr haben und auch nicht wissen, wie sie es sich leisten sollen, ihre schöne historische Orgel (meist Knauf-Orgel) restaurieren zu lassen. Es ist so traurig – und ein enormer Kraftakt und erfordert Manpower, den Weg der Restaurierung zu gehen.

Epschenrode, Liebenrode und Limlingerode, wo ich überall schon gespielt habe, schafften es jedoch. Gott sei Dank! Teils zerstrittene oder resignierte Dörfer fanden zusammen und bauten ihre Kirchen wieder auf, reinigten, schnitzten, sammelten Geld und kämpften wie Löwinnen und fanden dabei auch (zurück) zum christlichen Glauben nach all der biblisch langen heidnischen DDR-Zeit (40 Jahre).

Besonders loben möchte ich hier das winzig kleine Dorf Epschenrode, das alles gab, seine Knauf-Orgel (nun von Hüfken restauriert), den Tabernakel, den Turm und die gesamte Kirche vor dem Verfall zu retten. Die kleine Knauf-Orgel von 1860 besitzt jetzt sogar einen selbstgeschnitzten großen Zimbelstern – weswegen die Orgel vom Orgelsachverständigen nicht abgenommen werden wollte, da dieser Zimbelstern „nicht historisch wäre“. Das Dorf liebte den Zimbelstern und behielt ihn. Über Umwege erhielten sie dennoch die Förderung.

You are currently viewing a placeholder content from YouTube. To access the actual content, click the button below. Please note that doing so will share data with third-party providers.

More Information

You are currently viewing a placeholder content from YouTube. To access the actual content, click the button below. Please note that doing so will share data with third-party providers.

More Information

27. Oktober 2024: Sie haben‘s gut, Sie können ins Kaffeehaus geh‘n! (Franz Joseph I., Kaiser von Österreich)

Foto: Basilika St. Peter und Paul Prag

Wir besuchten auch die Karlsuniversität (Musikabteilung und die philosophische Fakultät), die Philharmonie und das Konservatorium; Konzerte in der Franz von Assisi-Kirche mit der zweitältesten Barockorgel mit begrenztem Umfang in Prag (1702), einer Abraham Starck Orgel, und die barocke Salvatorkirche Clementinum von 1601 mit dem Royal Czech Orchestra. Auch der Veitsdom oben auf dem Felsen, angestrahlt in der Nacht, war sehr schön. Er besitzt große Fenster von dem berühmten tschechischen Maler Alfons Mucha, macht ihn hell und mystisch, und eine Orgel auf der Nordseite des Doms, was selten ist. Der Sandstein wirkt sauber und golden.

Auf dieser Felseninsel der Prager Burg besuchten wir neben dem Dom auch die romanische St. Georgskirche. Sie ist besonders spannend und wirkt wie eine mittelalterliche Therme. Eine kleine weiße Orgel steht völlig versteckt auf der Nordseite hinter Gitter und alte Grabhäuser vorne. Die sogenannte Goldene Gasse auf dem Felsen zeigt eine Straße mit 11 winzigen bunten Häusern an der Mauer, in denen früher Menschen tatsächlich gelebt hatten. Dieses Goldene Gässchen demonstriert die hübsche Inneneinrichtung von Frauen in längst vergangenen Zeiten. Kafka soll hier auch eine Zeitlang gelebt haben.

Am letzten Abend besuchten wir ein mittelalterliches Konzert in der kleinen Malteserkirche Maria unter der Kette, eine der ältesten Kirchen. Das jüdische Viertel war leider wegen hoher Feiertage geschlossen. Es besitzt einen berührenden Friedhof und schöne Synagogen.

Das böhmische Essen ist lecker mit seinen winterlich-weihnachtlichen Klößen und Soßen. Geschmeckt hat mir allerdings nicht der Baumstriezel mit Sahne namens Trdelnik – es schmeckte pappig und trocken. Ich schmiss das teure Ding in den Abfallkorb. In jeder Gasse wurde einem ein Zwangs-Trdelnik angeboten. Die armen Touristen!

Der Marktplatz ist geschmückt mit der berühmten astronomischen Uhr, der Aposteluhr am Alten Rathaus, vor der sich Unmengen Menschen zur vollen Stunde tümmeln. Dann klingelt nämlich das kleine Gerippe oben mit einem goldenen Glöckchen, während seine Kumpane warnend den Kopf schüttelnd, die Apostel tanzen im Reigen dazu und der goldene Hahn kräht.
Der Marktplatz ist gesäumt mit vielen Restaurants, der Barock-Kirche St. Nikolai und der Teynkirche mit den 2 Türmen. Kutschen fahren über den Platz, auf dem das mächtige Jan-Hus-Denkmal steht zur Ehre des tschechischen Märtyrers.

Überall gibt es Köpfe und Figuren an den Häusern in der Altstadt: Chopin, Beethoven, Mozart, Rilke, Janacek, Martinu, Kafka – alle werden abgebildet.

Wer nicht teuer Kutsche fahren möchte: Mit der Straßenbahn Nummer 22 kann man eine schöne Rundfahrt machen.

26. Oktober 2024: Trüb sind die Sterne und der Choral, klagen möchten die Bäume wie in Ahnung. (Mathilde Kralik)

Foto: Musikinstrumenten-Museum Prag

Insgesamt in diesen 5 Tagen bin ich 12 x über die romantische Karlsbrücke gelaufen. 😊 Das Musikinstrumenten-Museum (Narodni Muzeum) ist sehr zu empfehlen. Es erinnert mich an die Musikinstrumente-Museen in Leipzig, Hamburg und Berlin. Nach allen Orgeln und Tasteninstrumenten sämtlicher Art aßen wir dann böhmische Linsensuppe unten in der Cafeteria, in der Free Jazz auf Platten gespielt wird.

Zuvor waren wir in der genialen Nationalbibliothek Prag gewesen. Dort hatten wir eine Führung im Saal der alten Noten und Musikbücher in der Musikabteilung. Der wunderschöne Raum war einmal ein Mathematik-Saal gewesen, was man an der Deckenbemalung voll Astronomie erkennen kann. Nun stehen dort ein Flügel und viele Bücherregale. Die wertvollen Originale von Smetana und anderen tschechischen Komponisten in der Hand zu halten, war sehr schön.

Der untere große Saal der Bib mit riesigem dunklen Kachelofen und großem Wandgemälde und kleinen Tischen mit Lämpchen, in deren dämmrigem Licht einsame Gestalten (am Laptop) saßen, sah aus wie die Bibliothek aus US-Filmen oder wie von Harry Potters Zauberschule.

Das Frühstück im Hotel Zlata Vaha war übrigens außergewöhnlich gut. Es gab immer frischen Salat und Obst.

Gotische Karlsbrücke

25. Oktober 2024: Prag ist die Mutter der Städte, die ihre Krallen einschlägt und dich nie mehr loslassen wird. (Franz Kafka)

Foto: Auf dem Dach der Universität Prag (Karlsuniversität)

Wir waren gestern noch in vielen weiteren Museen: Im Smetana-Museum auf der anderen Seite der Karlsbrücke, das zwar ganz nett und witzig mit vielen Hörstationen, die man mit einem „Dirigierstab“ anwählen muss, aber auch etwas unübersichtlich gemacht war. Und das, obwohl auch Bedrich ein unterhaltsames, spannendes Leben hatte. Seine Moldau, die überall läuft, wo man geht und steht (auch im Kafka-Museum), ist bei weitem nicht sein einziges Werk. Smetana hatte wie Dvorak viel Kammermusik und viele Opern geschrieben, die nahezu unbekannt sind. Nur Die verkaufte Braut wird gespielt.

Das liegt mit daran, dass die Plots dieser Opern für uns heute völlig fern, stark politisch, normativ, altmodisch und vaterlandsverfäbt sind. Nur die unabhängigen, lustigen, „freien“ Plots haben sich gehalten, so auch bei Wagner, Mozart, Verdi…

Smetana war in Schweden sehr beliebt und viele Jahre in Göteborg. Das Spannende ist, das Bedrich angeblich Autodidakt war, was Dirigieren und Klavierspiel anging, als er in das Kompositionsstudium eintrat. Smetana wurde von Liszt, dagegen Dvorak von Brahms gefördert.
Ich freue mich, dass zwei so wundervolle deutsche Komponisten wie Liszt und Brahms ihren tschechischen Kollegen Smetana und dem jüngeren Dvorak sehr geholfen haben, zu Ruhm zu gelangen. Beide Tschechen haben im Ausland ihre Werke dirigiert, beide starben um das 60. Lebensjahr herum nach einem vollen, erfüllten Leben.

Ganz so gut hatte es Kafka, der sein ganzes Leben in Prag verbracht hatte, nicht. Er starb 1924 jung mit 40, und vielleicht war seine Tuberkulose eine Erlösung für ihn. Zudem wäre er 10 Jahre später in eine lebensgefährliche Situation mit den Nazis geraten und hätte das ganze Elend miterleben müssen.
Er hatte es nie geschafft, sich aus den Fängen seines Büro-Lebens zu reißen, obwohl er unglücklich war und eine ganz andere Berufung hatte, was ihm auch klar war.

Sein intensives (erfolgreiches) Jura-Studium und die Tatsache, dass er Jude war und aus einem sehr intensiven, gebildeten Elternhaus kam mit einem für ihn mächtigen Vater und einer sehr gebildeten Mutter, die ihm alles an Bildung mit vielen Sprachen ermöglichten, machten aus ihm einen sehr kritischen, klugen Mann. Seine Texte, die stets symbolisch um Gericht, Gesetz, Gott, Verurteilung, Gebot, Urteil, Verrat gehen, spiegeln seine verzweifelte Auseinandersetzung mit Gesellschaft, Religion, Erziehung und Beruf wider. Er verurteilt alles. Obwohl er eigentlich alles hatte. Er fürchtete sich zudem vor der Ehe und löste seine leidenschaftlichen Beziehungen zu schönen, gebildeten Jüdinnen immer wieder auf.

Wir besuchten danach das Café Louvre, in dem Kafka immer aß (so auch Einstein und viele andere) in der Nähe vom Marktplatz und genossen Sacher-Torte mit Sahne, Eis, Sorbet, Earl Grey und Kaffee Vienne. Prag erinnert mich auch stark an Wien.
Gegenüber vom Kafka-Museum gibt es ein duftendes Lebkuchen-Geschäft.

Marktplatz Prag im Abendlicht