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Trost Orgel zu Waltershausen

Waltershausen ev. Stadtkirche "Zur Gotteshilfe"

Orgelbauer:

T. H. G. Trost u.a.

Baujahr:

1724–30/55

Datum des Erstbesuchs:

17. März 2020

Disposition und Spielhilfen

Ein-und Ausschaltung über Calcant, Koppeln nicht während des Spielens verwenden, Vox hum. geht nur mit Hohlflöte zusammen, das d Pedal fehlt manchmal (Transmissionen), Koppel III zu II erst nach oben führen, dann raus, runter, einhaken, Koppel I-II nach oben schieben.

Disposition seit 1998 (= 1730/1755)

Letzter Umbau/Restaurierung: 1994–1998. Epoche: Barock. Größte Barockorgel Thüringens. Mit 47 (46) klingenden Registern, 6 Pedaltransmissionen, 3 Manualen und Pedal ist sie die größte Barockorgel in Thüringen von Tobias Heinrich Gottfried Trost, dem Genie. Sein Herzblutwerk. Ein herausragendes Beispiel des Thüringer Orgelbaus des 18. Jahrhunderts. Anzahl der Pfeifen: 2.806, Anzahl der Register: 47. Anzahl der Pfeifenreihen: 60. Anzahl der Manuale: 3. Tontraktur: Mechanisch Registertraktur: Mechanisch Anzahl der 32′-Register: 1 1722: Für den fast fertiggestellten Kirchenneubau wird eine Orgel bei Trost in Auftrag gegeben. 1724: Die Arbeiten an der Orgel beginnen. 1730: Trost reist ab, ohne die Orgel vollendet zu haben. Durch die Zahlungsschwierigkeiten der Stadt beim Bau der Orgel sowie durch die geringe Rücksichtnahme auf den Orgelbau scheint es Trost schließlich unmöglich gewesen zu sein, die Orgel zu vollenden. Der Kantor bedrohte Trost und behandelte ihn schlecht. Der geniale Trost litt sehr unter dem Kantor. Diese Orgel war sein Lebenswerk, weswegen er in die Stadt zog, und er arbeitete mit Herzblut daran. Doch es wurde ihm schwer gemacht in jeder Hinsicht. 1755: Die Orgel wird von verschiedenen Orgelbauern vervollständigt, vermutlich wesentlich von Johann Heinrich Ruppert 1835-55: Umbau und Reparatur durch Michael Hesse, u.a. Höherstimmung. 1896: Einbau einer neuen Windanlage durch Hugo Böhm. 1958-59: Einbau einer neuen Windanlage und Austausch von Registern durch Firma Eule. 1993: Vertrag über eine Restaurierung mit der Firma Orgelbau Waltershausen GmbH. 1994-98: Vollständige Restaurierung der Orgel auf den ursprünglichen Zustand durch Orgelbau Waltershausen. Es gibt auch einen Hebel für geschöpften Wind. Sperrventile. Der Thüringer Komponist Bach klingt hier wunderbar.

I Hauptwerk C–c3

Portun-Untersatz  16′ Groß Qvintadena  16′ Principal  8′ Gemshorn  8′ Viol d’Gambe  8′ Portun  8′ Qvintadena  8′ Unda maris             8′ Octava   4′ Salcional   4′ Röhr-Flöta  4′ Celinder-Qvinta   3′ Super-Octava   2′ Sesqvialtera II Mixtura VIII Fagott  16 Trompetta  8′

Vier Spanbälge (Keilbälge), Balgtretanlage. Gesamtlänge aller Windkanäle: 159 m. Winddruck: 69 mmWS. Tontraktur: Mechanisch Registertraktur: Mechanisch Stimmung: Höhe a1= 466,8 Hz bei 15° C Wohltemperierte Stimmung (1/5 pythagoreisches Komma)

II Brustwerk C–c3

Gedackt  8′ Nachthorn  8′ Principal  4′ Flöte douce   4′ Nachthorn  4′ Gemshorn  4′ Spitz-Qvinta  3′ Nassad-Qvinta  3′ Octava             2′ Sesqvialtera II Mixtura IV Hautbous  8′ Tremulant

Spielhilfen und Nebenzüge Sperrventile und Tremulant zu allen Manualen

Koppeln III/I (Hakenkoppel), II/I (Schiebekoppel) II/P (Hakenkoppel), I/P (Windkoppel)

III Oberwerk C–c3

Flöte Dupla  8′ Vagarr  8′ Flöte travers 4′ liebl. Principal  4′ Spitzflöte  4′ Gedackt Qvinta   3′ Wald-Flöte  2′ Hohl-Flöte                8′ Vox humana  8′ Geigen-Principal  4′

Pedal C–d1

Groß Principal  16′ Sub-Bass  16′ Violon-Bass  16′ Octaven-Bass  8′ Celinder-Qvinta  6′ Posaunen-Bass 32′ Posaunen-Bass            16′ Trompetten-Bass  8′ Qvintadenen-Bass  16′ Viol d’Gamben-Bass (HW)  8′ Portun-Bass (HW)  8′ Super-Octava (HW)         4′ Röhr-Flöten-Bass (HW)   4′ Mixtur-Bass VI (HW)

Höhe der Orgel: 8,3 m, Breite: 8,8 m Tiefe (ohne Pedaltürme): 2,2 m Zwei Cimbelsterne, 40 Register (ca. 70 %) Calcant, 47 klingende Register Anzahl aller Pfeifen: 2806, Prospektpfeifen: 318 Metallpfeifen: 2071 (ca. 75 %), Holzpfeifen: 458 Zungenpfeifen: 277 (ca. 10 %), Anzahl der originalen Pfeifen: 1981

Klang und Akustik

Wunderschöner Klang, große klangliche Direktheit, quintbetont. Kammermusik-Feeling und “Barockes Orgeltheater”. Ich liebe den Spieltisch mit den weißen “Tintenflecken”. Schön in Winter und Sommer.
Recording CD bei audite Verlag 2022. VÖ NEU: Juni 2022 Pfingsten

Persönliche Note

Das Pastellfarbene des Mitteldeutschen, das weite Pedal der Trost-Orgel in Waltershausen, farblich, zudem die langen Flammen an den Pedaltürmen. Typisch Trost. Wunderbare Barockorgel. Erneut. Wunderbar schwergängig, geschwollene Hände nach den CD-Aufnahmen. Ich mag an der Trost-Orgel die Flammen (wie an der Sonnen-Orgel), die beiden Teufel, die früher Hörner und Blutaugen hatten für den Organisten Ritz (Teufel statt Sonnen),  die zärtlichen Quintaden, die besonderen Koppeln (Knopf oben, Schieber unten, hierbei den Schieber weg von sich bis zum Anschlag schieben, dann ist die Koppel aktiv). Ich mag es, Dinge schon mal anzuregistieren. Theo hat Recht: Man braucht an der Trost-Orgel die Figur eines Frosches, lange Arme, lange Beine, kurzer Oberkörper, um Pedal und OW gut gleichzeitig bedienen zu können. Je größer und länger man ist, umso besser. Man spürt, wenn man klein ist, alle Intervalle körperlich, vor allem die Oktaven. Hildebrandt (Naumburg) und Trost waren Konkurrenten in ihrem Bachorgelbau. Ich mag Trost unglaublich gern, da ich seinen Eifer schätze: Es war seine Chance, in Waltershausen die große Orgel zu bauen. Und unter schweren Bedingungen und unter Anfeindung und Streit baute er sein Lebenswerk, zog deswegen nach Waltershausen. Die Orgel könnte, gäbe es mehr Platz auf der Empore und wäre sie luftiger gebaut, doppelt so mächtig klingen. So bleibt sie sogar im tutti filigran und verschmilzt wunderbar mit dem Raum. Die Orgel ist geradezu “vollgestopft” mit Pfeifen. Manche Register sind daher Urlaubsregister (Vacat) und schweigen. Und dennoch gibt es Schmuckpfeifen. Danke an Theophil Heinke! Wen es interessiert, und wer die Trost-Orgel auf der Hauptwerk-Orgel hat, was für Register ich verwendete (die Nummern der Register wurden sehr viel später hinzugefügt, 1998): Erster Teil Piece d’Orgue: 41 und 51. Grave von Piece d’Orgue: Koppel 3. M., 1,3,61-64,7,8,13,16,71,72,17,18,19,32-34,68,67,76. Dann beim ungarischen Cymbal beide Koppeln verwenden HW. Bach Trio-Sonate 1. Satz. 2,8,9,11,12,22,61,65,73; 2. Satz: 8,41,37,68,72; 3. Satz: 8,11,12,16,22,32,61,73,74. Beethoven: HW 11, 8, 4, 45 Passacaglia Fuge: 10,11,64,61,62,18,72,71,73,75,1,32,44,51,77,72 Brahms Fuge as-Moll an der Trost-Orgel: 8,45,4, Tremulant, Gedackt  Achtfüßige, engmensurierte Register zeigen, dass es sich um ein mitteldeutsches Instrument des 18. Jahrhunderts handelt. Heute sind noch 70 % der Originalsubstanz da.

Die Pracht der Orgel überwältigt. Trost war ein Wegbereiter. Mein Konzert im 30. Thüringer Orgelsommer war ein wunderbares Erlebnis. Vollbesetzte Emporen, Bravo-Rufe, Zugabe, Standing Ovations.


4 Antworten auf “Trost Orgel zu Waltershausen”

  1. Theophil Heinke

    Tolle Bilder, treffende Texte und schöne Kangbeispiele, Farbigkeit und Fantasie!

  2. Andreas Friedrich

    Interessante Information und Beschreibung – wunderschöne Bilder, Klasse!

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