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Stumm Orgel Wallfahrtskirche Spabrücken

Stumm Orgel Wallfahrtskirche Kloster Spabrücken Hunsrück

kath. Klosterkirche Mariä Himmelfahrt (1731-1736)

Orgelbauer:

Johann Michael Stumm / Gebr. Oberlinger

Baujahr:

1737 / 1896 / 1988 / 2014

Datum des Erstbesuchs:

2026

Disposition und Spielhilfen

Historische, mechanische, grüne Johann Michael Stumm Orgel, kath. Wallfahrtskirche Kloster Spabrücken, Hunsrück, im Soonwald, 2 M, 25 R, 70 %  des Pfeifenwerks heute von J. Michael Stumm

Gestern habe ich ein wunderschönes Konzert hier in der Wallfahrtskirche gespielt. Es war sehr gut besucht und wurde aufgenommen. Danke, Andreas!

Die katholische, denkmalgeschützte Klosterkirche und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt ist Teil eines Klosters mit 5 wundervollen Schwestern. Hier finden Stundengebet und Seelsorge statt, worin ich teilgenommen habe.
Früher war das Kloster ein Franziskanerkloster nur mit Männern. Die Farben der Kirche waren damals grünlich-rötlich. Die Kirche wurde 2004 restauriert.

Die wertvolle Stumm-Orgel war original eine Brüstungsorgel, hinterspielig, hinter einem Klausur-Gitter, mit Fenster. Sie ist fast baugleich mit der Stumm-Orgel in Bad Sobernheim, wo ich schon konzertiert habe. Manche Pfeifen haben sogar die Notiz Bad Sobernheim und umgekehrt.

Jedoch ist die Reise der Stumm-Orgel in Bad Sobernheim eine andere gewesen als die ihrer Schwester hier in Spabrücken. Die Stumm-Orgel in Sobernheim ist einen halben Ton höher gestimmt und besitzt den typischen Stumm-begrenzten Umfang. Hier ist sie auf Kammerton gestimmt.

Doch 1896 wurde das himmlische Instrument hier in der Wallfahrtskirche durch Johann Stockhausen stark verändert: Die Orgel wurde rückversetzt, auf ein Podest gestellt und umintoniert nach dem Zeitgeist der Mode. Sie bekam eine neue Windlade und verlor ihre Zungen. Klang und Umfang wurden verändert und die Stumm-Pfeifen weggepackt. Die Orgel wurde allen Ernstes pneumatisch mit freistehenden Spieltisch!

(An Stockhausen-Orgeln habe ich auch schon konzertiert.)

Erst 1988 wurde das Instrument von der Firma Oberlinger aus dem nahen Windesheim restauriert und rekonstruiert. Und dies war ein Wunder:

Im „Orgel-Müll“ entdeckte man zufällig – der Neubau war schon beschlossene Sache – die historischen Stumm-Pfeifen, die als Stütze für das Podest gedient hatten. Man kann es kaum glauben, aber diese wertvollen Pfeifen wurden zersägt und nur noch als Podest-Stütze missbraucht. Doch auch hier, der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden, zum Stützstein. Das, was nicht als wert erachtet wird, ist manchmal von unschätzbarem Wert und wird erst später erkannt. Aber bei Gott gibt es hier nie ein Zuspät.

Aus diesen Fragmenten wurde die Disposition rekonstruiert

Aus diesen Fragmenten wurde die Disposition rekonstruiert. Auch von den aussortierten Pfeifen konnten drei originale Pfeifenstöcke eruiert werden und somit das Oberwerk wiederhergestellt. Das Echo-Positiv befindet sich ja im Gehäuse.

Von einem Neubau war also Gott sei Dank nicht mehr die Rede.

70 % des Pfeifenwerks stammen heute von Johann Michael Stumm, Gott sei Dank. Das Pfeifenwerk wurde 2014 erneut restauriert und intoniert im Stile der Stummschen Werkstatt durch Orgelbau RaabPlenz, Bad Kreuznach, die Nachfolger von Oberlinger.

Die Orgel wurde nach heutiger Auffassung in enger Anlehnung an Stummsche Praxis und unter akribischer Verwendung von 70 Prozent Originalpfeifenwerk nebst Obergehäuse als streng historisierender Neubau errichtet, 2014 noch mal überarbeitet und im Stummschen Stil konsequent intoniert: Stummklang auf modernem Klavierumfang, was die Orgel auch für Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts öffnet.

Konzert Wallfahrtskirche

Konzert Spabrücken Kirche

Spielhilfen & Koppeln

II/I, I/P, II/P

Pedal

Sub-Baß 16′

Octav-Baß 8′

Quind-Baß 6′

Posaun-Baß 16

Coppel

HW I

Principal 8′

Hohlpfeiff 8′

Violadigamb 8′

Quintathön 8′

Octav 4′

Gembshorn 4′

Flöth 4′

Quind 3′

Superoctav 2′

Tertz 13/5

Mixtur 4f 1′

Cornett 4f 4‘ D

Trompet 8′ B/D

Echowerk II

Pordun 8′

Solianol 8′ D

Rohrflöth 4′

Octav 2′

Solianol 2′ rep. 4′

Quind 11/2‚ rep. 3′

Cromhorn 8‘ B

Trompet 8′ D

Vox humana 8′

Tremulant

Orgel Spabrücken Hunsrück

Holzpfeifen Stumm Orgel Spabrücken

Die Holzpfeifen sind fast alle original Stumm. Typisch für Stumm ist die Rohrflöte mit zugelötetem Deckel und das repetierende barocke Salicional, dem Vorläufer des romantischen Streicher-Salicionals.

Grund für den kräftigen Klang ist u.a. der offene Wind, da die Füße kaum gekulpt sind. Die Barockorgel ist original getreu rekonstruiert aus der damaligen Zeit von 1988-2014, mit dem großen Umfang von 1896.

Insgesamt haben die Restaurierungen inflationsbereinigt ca. eine halbe Million Euro gekostet.

Die bunten Fenster besitzen musizierende Engel von 1904. Während Wallfahrten wird die sogenannte Schwarze Madonna vom Soon besucht.

Klang und Akustik

Der Nachhall hier in der weißen Klosterkirche mit Glocken-Zwiebelturm, der gerade restauriert wird, ist perfekt, auch für Chorgesang, aber auch für Orgel: ca. 3 1/2 Sekunden Nachhall.

Die Vox humana hat mir sehr gut gefallen und die Posaune im Pedal.

Viele Register in der Stumm-Orgel sind geteilt, so die Trompeten und das Cromhorn.

Der Klang der Stumm-Orgel ist kräftig, präsent, direkt und voll – eine erstaunliche Mischung aus französischem Barock verbunden mit dem klaren, beinahe konservativen rheinländisch-süddeutschen Sound, aus Mainz, besonders hier mit der Gamba.

Johann Michael (gefühlt hießen alle damals Johann) hat also zwei Stile geschickt miteinander verbunden. Den französischen Einfluss bemerkt man sofort.

Ich liebe den Klang von Laute und Gambe. Beide Instrumente kenne ich gut und habe Kolleginnen und Freunde, die diese Instrumente real spielen.

Stumm war es wichtig, das, was auf dem Registerzug steht, auch tatsächlich zu präsentieren und zu imitieren. Bei der Gambe war sein Ziel, den Strich der Gambe wiederzugeben. Sein Gambenklang ist kratzig und langsam in der Ansprache. Einfach perfekt.

Das Quintatön dagegen tönt rauchig und muu-ig (Kuhstall). Die vierfüßigen Flöten sind ganz leicht konisch angelegt, mit einer gläsernen Septime im Oberton. Die Mixtur weist eine Oktav-Repetition auf.

Ebenfalls typisch für den wunderbaren Stumm-Klang sind die hohen Aufschnitte und dass sich alle Farben perfekt mischen und dennoch solistisch brillieren. Der Klang von Silbermann und Stumm haben den präsenten, direkten Touch gemeinsam.

Die Orgel spielt sich leichtgängig und angenehm. Statt eines Schwellers oder eines Löffeltritts gibt es ein Echo-Register, womit man zwei dünne hübsche Holztüren vorn öffnen kann. Da die Orgel hinten jedoch offen gelassen wird, bringt dieser „Schweller“ unten nicht allzu viel. Zudem muss man ihn sehr sanft verwenden, damit die Türen geräuschlos schließen und nicht mit einem lauten Knall.

Das Einzige, was noch fehlt, ist ein Stumm-Glockenspiel. Das wäre hier phantastisch und historisch und schöner als ein Zimbelstern.

Die Zungen waren alle super gestimmt.

Die Füße stehen nicht bei den Registern dabei. Die muss man selbst kennen.

ps: Die Bank schraube ich oft ganz nach unten.

Persönliche Note

Pedal Stumm Orgel Spabrücken

In meinem Konzert spielte ich neben der wunderbaren Stumm-Orgel auch das sehr hübsche historische Harmonium von 1878 mit der Serien-Nummer 29159: Ich spielte Beethoven. Mit den Knien kann man den romantischen Registerschweller bedienen. Mit den Füßen leitet und führt man den Klang des Harmoniums, mit dem sanften, festen, regelmäßigen Druck des Windes.

Das wertvolle Druckwind-Harmonium ist französisch romantisch angehaucht.

Ebenso spielte ich auch das zweimanualige Cembalo im Konzert: Ich spielte Haydn.

Nach dem Konzert gab es einen Umtrunk mit Wein und Häppchen im Josefs-Saal. Anschließend waren wir essen. Ich übernachtete im Kloster im Gästehaus. Am nächsten Tag unternahmen wir eine wunderbare Orgel-Tour mit Andreas.

Sehr eindrücklich war die Gruft unterhalb des Klosters. Es gibt eine verborgene Falltür in der Sakristei. Wirklich. Darunter sind wir geklettert. Und dort liegen unfassbarerweise uralte Leichen (oder besser Skelette) sehr gut erhalten in teilweise offenen (da geöffneten) „Backofen-Fächern“ – auf Stroh. Männer. Mönche. Nackt. Bloß. Knochen. Und doch vollkommen vollständig erhalten und liegend, als würden sie schlafen. Manche seit 1740. Auf Holzbrett, umkränzt von Buchsbaum, als Zeichen der Auferstehung.

Anhand eines Skelettes sieht man nicht mehr Mann oder Frau.

Man ist zunächst geschockt. Da der Tod in unserer Gesellschaft tabu ist. Es sah so unheimlich aus. Dann aber habe ich mich erholt. Die Seele ist längst woanders. Auch das Skelett jedoch und der Kopf besitzen Würde. Es hat mir noch mal bestätigt, dass Verbrennen und das Geschäft mit Industrie, Asche, Urne & Co nie meine Entscheidung wären. Und wie kostbar und was für ein Wunder das Leben ist! Die Auferstehung!

Nach dem Konzert besuchten wir die hübsche Kapelle in Münchwald (früher Mönchswald).

 


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