Stumm Orgel Schlosskirche Herrstein Hunsrück
ev. Schlosskirche (1437 / 1707 / 1998)
Orgelbauer:
Gebr. Stumm (Rhaunen-Sulzbach)
Baujahr:
1776 / 1884 / 1959 / 2000
Datum des Erstbesuchs:
Mai 2026
Disposition und Spielhilfen
Historische seitenspielige Stumm Orgel ev. Schlosskirche Herrstein Hunsrück, 1 M
Die große braune Stumm-Orgel steht links an der Außenwand der hübschen kleinen weißen Dorfkirche, eine Art Schwalbennest-Altarorgel in robustem Format. Sie ist rechts-seitenspielig. Wenn man nach oben zur Orgel geht, geht man stumm-typisch über einen Steg durch die Orgel hindurch zum Spieltisch, der Teil der Orgel ist.
Die Westempore mit wunderschönen Gemälden ist leer. Die Kirche ist gepflegt und hell und steht auf einem Berg neben dem Glockenturm.
Herrstein bei Kirn und Bad Kreuznach ist ein idyllischer, malerischer Ort in der Pfalz, eine Augenweide mit Ortskern, seinen Gässchen und Türmchen. Überall stehen sanierte Bilderbuch-Fachwerkhäuser in niedlichster Ausführung, mit schiefen, bunten Balken, Gardinen und Fensterläden. Man befindet sich wie in einem Freiluft-Museum oder in Fachwerk-Bullerbü oder bei den Schlümpfen oder bei den sieben Zwergen.
Die Dorfkirche im mittelalterlichen Dorf steht neben einem Friedhof am Hang und neben dem Schinderhannesturm, in dem der Schinderhannes 1798 eine Nacht gewesen sein soll.
Das historische Dorf wird als Erholungsort sehr geliebt und gepflegt. Fast jedes Haus besitzt ein Schild, welches Baujahr und Erklärung abgibt. Man betritt den Ortskern durch den Uhrturm, dem historischen Stadttor. Man kommt an der Schloss-Schmiede und dem Schinderhannesturm vorbei hin zur Schlosskirche mit Glockenturm, Wehrgang, Amtshaus, dem ehemaligen kleinen Schloss und der Burgmauer mit Turmstumpf (Sichel).
Es ist meine 19. Stumm-Orgel.
Die Orgel wurde von Rainer Müller restauriert. Der kleine Stummel-Notenständer ist sehr weit oben.

Manual & Pedal
| Principal 8′ | Subbaß 16′ |
| Hohlpfeif Baß 8′ | Oktavbaß 8′ |
| Cornet 4f. | |
| Violdigamba Baß 8′ | |
| Flaut Travers Disc. 8′ | |
| Violdigamba Disc. 8′ | |
| Octav 4′ | |
| Hohlpfeif Disc. 8′ | |
| Quint 3′ | |
| Flaut 4′ | |
| Salicional 2′ | |
| Octav 2′ | |
| Terz 1 3/5′ | |
| Mixtur 4f. l‘ | |
| Trompet Baß 8′ | |
| Trompet Disc. 8′ | |
| Vox humana Baß 8′ | |
| Vox humana Disc. 8′ |










Wie Stumm intoniert hat, wissen wir leider nicht. Müller hat diese Orgel bis an die Grenzen intoniert; recht laut aggressiv; direkt und obertönig: die Akustik ist bei voller Kirche trocken. Die Orgel ist fast zu groß für die Kirche. Die Stumm-Orgel in Spabrücken ist viel weicher intoniert.
Die Stumms haben ab 1780 große einmanualige Orgeln gebaut, seitenspielig mit vielen geteilten Schleifen. Dieses Instrument ist ein Kind ihrer Zeit und eine der ersten ganz großen, aber ein-manualigen Orgeln. Sie ist so groß, dass aus ihr locker eine zweimanualige Orgel hätte gemacht werden können.
Für mich gibt es a keinen „typischen“ Stumm-Klang. Alle Stumm-Orgeln klingen sehr unterschiedlich, auch in ihrer Direktheit und Obertönigkeit.
Allerdings ist der Stumm-Klang im Vergleich zu anderen Orgeln typisch und eine Marke: der typische Prinzipalklang, typischer Klang für die Gedackten (Hohlpfeife, Flöte…), typischer Klang der Gamba und der Trompeten. Viele Orgelbauer haben diesen Vorreiter-Klang später ähnlich nachgemacht und sich an Stumm orientiert, bis im 19. Jahrhundert die Orgel-Romantik anbrach. Aber innerhalb der Stumm-Family tönt jede Orgel sehr individuell, allein schon wegen den unterschiedlichen Räumen.
Das wichtigste Register einer Orgel ist der Raum.
Klang und Akustik


Die schwergängigen (etwas klemmenden) Registerzüge sind „über dem Kopf“. Die Akustik ist samtig und füllig. Die italienische Sängerin bringt mit ihrer warmen Stimme in dieser Akustik einen schönen Kontrast zum hellen, obertönigen Orgelklang.
Das Pedal ist gerade und kurz. Leider geht der Tremulant nicht.
Persönliche Note


Es war sehr schön, hier zu spielen.
Unser Konzert war schön und sehr gut besucht gestern, obwohl die Besucherinnen eine steile lange Treppe zur eiskalten Dorfkirche hochmarschieren mussten – und es oben keine Toilette gab. Die warme, romantisch füllige Stimme der russisch-italienischen Sopranistin umkrönte den etwas schrillen Klang der einen halben Ton höher gestimmten Barock-Orgel und war wie heiße Erdbeersoße zu kaltem Vanilleeis, welches ich liebe. Herrstein hat ca. 2000 EW. Doch es „wimmelt“ hier von Touristen: Motorradfahrer, Biker, Wanderinnen.
Ich übernachtete in der rustikalen Pension Zehntscheune mit historischem Touch, wo es auch viel gegendtypisches Essen gab, was ich vorher gar nicht kannte – z.B. „Kartoffelwurst“ und „Omas gefüllter Kloß“. Das Restaurant draußen war gedrängt voll mit Touristen.
Das kleine Pedal der Orgel spielte ich mit Socken. Jetzt bin ich unterwegs zum nächsten Konzert, ein Klavierabend diesmal. Die Instrumente der letzten 5 Tage sind also völlig unterschiedlich gewesen: eine pneumatische Orgel mit drei Manualen, eine Barock-Orgel mit gebrochener Oktave und zwei Manualen, eine Stumm-Orgel mit einem Manual – und ein Flügel.

Genial deine orgel News !