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Gottfried Silbermann Werkstatt

Silbermann Haus Orgel Museum Freiberg, Sachsen

Silbermann-Haus der Berg-und Silberstadt Freiberg

Orgelbauer:

Gottfried Silbermann

Baujahr:

2017

Datum des Erstbesuchs:

3. Advent 2023

Disposition und Spielhilfen

Silbermann Orgel Museum Freiberg, Sachsen, Vor-Erzgebirge, am Schloss Freudenstein

Dieses Museum und ehemalige Werkstatt und Wohnhaus am Schloßplatz von Gottfried Silbermann ist sehr empfehlenswert. Es gibt Hörbeispiele, ein Orgelmodell von Wegscheider mit dem Register „Allerlei“, Tafeln, einen Film, eine „Registermaschine“, Werkstatt, Fotos und eine 300 Jahre alte Orgelbank … Es ist immer wieder nett, wenn ich auf unterwegs „erkannt“ werde. Ich besuchte auch die Büroräume der Gottfried-Silbermann-Gesellschaft, die dies alles auf die Beine gestellt hat.

Das Museum zeigt, was für ein tüchtiger Barock-Orgelbauer und Spinett- und Cembalobauer und cleverer Geschäftsmann Gottfried Silbermann war. Dieser Zeitgenosse Bachs wurde ca. 70 Jahre alt,  also älter als Johann Sebastian Bach, der etwas jünger war als Gottfried. Silbermann war im Gegensatz zu Bach ein Star schon zu Lebzeiten. Denn Silbermann ging mit seiner Zeit. Die angeblich „alte Perücke“ Bach aber war seiner Zeit weit voraus.

Bach und Silbermann

Im Gegensatz zu seinen Söhnen und Vorgänger Kuhnau war JS weniger begeistert vom Star Silbermann. Es ist nicht erwiesen, ob Bach in Freiberg war. Ich gehe aber davon aus. Da Silbermann seinen Manualumfang nicht erweitern wollte und außerdem auf die Mitteltönigkeit schwörte, konnte Bach nicht allzu viel mit ihm anfangen, da seine Werke mehr brauchten.
Nur die Silbermann-Orgel in der Hofkirche Dresden hat den Umgang, den Bach wollte.

Gottfried baute Orgeln erst ab 1710 (er war 27) – bis 1753. In dieser Zeit baute er ca. 45 Orgeln, von denen 32 (fast alle spielfähig!) bis heute erhalten sind! Dies zeugt von seiner soliden Kunst, den technisch genialen Orgeln und seiner Handwerklichkeit. Dass er Freiberg wählte, war geschickt, wegen Wald und Bergbau, also kostbaren Materialien.
Er verwendete nur kostbares Zubehör: Ebenholz und Elfenbein, Schlangenholz und Rosenholz…

Es ist erstaunlich, wie er in dieser kleinen Werkstatt solch edle Orgeln baute und entwarf. Er war zudem mit seiner Berufung verheiratet und mit seiner Werkstatt und hatte keine eigene Familie. Gegen Ende seines Lebens war Silbermann steinreich – und nicht bankrott wie viele Orgelbauer heute. Er war ein geschickter Businessman.

Dass er nicht auf risikoreiche Reisen ging, obwohl er von Prag und dem Ausland angefragt wurde, sondern „nur“ in seiner Umgebung bauen wollte, war ebenfalls ein kluger Schachzug. Und gut für uns! So stand in allen Dörfern bald eine Silbermann-Orgel, und die Dorfbewohner gaben ihr letztes Hemd dafür. Sie sparten und bezahlten auch mit Naturalien, mit Milch, Schafen, Holz und Wolle. Und Silbermann wohnte dort kostenlos.

Der ehemalige Schreiner Gottfried, dessen Bruder tolle Orgeln im Elsass baute, schuf in Sachsen, Thüringen und im Land Brandenburg. Heute gibt es sogar eine kleine Silbermann Orgel im Dom zu Bremen, die auf Umwegen dorthin gelangt war.

Klang und Akustik

Der Klang seiner Orgeln ist hell, glänzend, silbrig, hell hoher Glanz und tiefes Fundament gleichzeitig, mit vielen Solostimmen wie das Cornett, präsent und knackig, Sifflöte 1 silbrig hell glanzvoll und 3 Oktaven höher, akribisches Handwerk, das er an seine Schüler weitergab. Zudem baute er ca. 150 tolle Spinette, u.a. mit Vogelfedern.

Silbermann wurde von Kuhnau sehr gefördert und gelobt. Zudem war er meist sehr gewissenhaft und pünktlich in seiner Abgabe. Seine Glanz-Orgel in der Frauenkirche zu Dresden wurde im Zweiten Weltkrieg total zerstört, weil die Verantwortlichen nicht an eine Niederlage glauben durften oder wollten und somit bewusst nichts in Sicherheit brachten, als sie noch konnten. Da reagierte die Hofkirche anders und rettete ihre Orgel und Schätze.

Auch ich mag helle Orgeln.

Auch in Frauenstein gibt es ein Silbermann-Museum.

Persönliche Note

Sehr schön ist die „Registermaschine“, die mit Foto die einzelnen Register auditiv erklärt (mit der etwas verwirrenden technischen Spielerei der Dynamik pro Register. Welche mich auf die Idee brachte, so etwas tatsächlich auf einer Orgel umzusetzen: Dass jedes Register schwellbar ist).

Toll ist auch das Orgelmodell (extra aus der Zeit um 1720): Sie zeigt eine Gamba ala Silbermann, Trompete, Hohlflöte, Quintadena und Spitzflöte unter dem Register „Allerlei“ mit Blasebalg, Wellenbrett und einem Subbass 16.

Die Decke im Wohnhaus Silbermanns ist übrigens original erhalten.

Das Erzgebirge ist wirklich klasse. Ich besuchte den Weihnachtsmarkt mit seinen Schwibbögen, Volkskunst und Holzkunst, die Eisbahn, die Altstadt mit seiner Kunst, das geniale Silbermann-Museum, noch nicht das Steine-Museum voller Kristalle und Mineralien auf riesigen Etagen im Schloss Freudenstein.

Die kleine Silberstadt Freiberg nahe zu Dresden, Chemnitz und dem Erzgebirge ist sehr empfehlenswert. Sie besitzt vier Silbermann-Orgeln, schöne Kirchen, ein Schloss und Museen. Obwohl sie „nur“ ca. 40.000 EW hat, sind ihre Schätze nicht an einem Tag zu erkunden.


2 Antworten auf “Silbermann Haus Orgel Museum Freiberg, Sachsen”

  1. Carsten Stoffel

    1/4 Mitteltönig da wird ja die Milch sauer. Es darf schon bitte eine wohlklingendere Stimmung sein, ach wenn es historisch nicht ganz korrekt ist.

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