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Seifert Orgel Stiftskirche zu Freckenhorst

kath. Stiftskirche St. Bonifatius, Westfalen

Orgelbauer:

Romanus Seifert (Kevelaer)

Baujahr:

2016-17

Datum des Erstbesuchs:

2.2022

Disposition und Spielhilfen

Frauenkloster. Damenstift. Münsterland. Klosterlandschaft Westfalen-Lippe. Konzert Fantasien im Licht. Kloster, Stift und Kirche. Großartig sind die 12 Glocken der romanischen ehemaligen Stiftskirche in Freckenhorst und die spätgotischen Tabernakeltürme, Krypta, Triumphkreuz, die Gedenktafeln und der bedeutende Taufstein 1129 mit heilsgeschichtlichen Szenen, Löwen, Mensch und Pflanze, früherer Thiatildiskapelle mit Fräuleinchor. Museum Stiftskammer.  Es ist eine Pfeilerbasilika mit 5 Türmen, einzigartiger Arkadengalerie, Krypta und Chor, mächtigem Glockenstuhl. St. Bonifatius und St. Lambertus.

Vielen Dank an Gunter und Maria Tönne.

2178 Pfeifen, 38 Register auf zwei Manualen und Pedal. Das obere Manual ist das Schwellwerk. Die elektrische Register- und Spieltraktur mit Setzer-Anlage der Firma Otto Heuss ist leicht zu bedienen.

Standort: Nord-Querschiff der Kirche. Verbesserter Winddruck, neue Mensuren und  Intonation der Pfeifen. Das war wohl ca. die Zeit, als Andreas Sage Seifert ganz für Klais verlassen hatte, erzählte mir Gunter.

Die schöne Henrich Reinking Orgel aus Bielefeld 1661 und die schöne Mencke Orgel von 1711, um 1901 noch da und dann sogar aufgerüstet mit RP, als die Stiftskirche romantisch mit Nazarenerkunst geschmückt war, in der ausklingenden Romantik, wurde leider bei der Umgestaltung 1957 entfernt. Das Gehäuse (Innenleben Bensmann-Orgel 2000) steht nun als Barockorgel in Nordwalde, kath. St. Dionysius im Münsterland. Im Zuge der Reromanisierung der Stiftskirche zu Freckenhorst und um dort den archaischen Stil und mittelalterliche Malerei freizulegen (die nicht wieder herzustellen war), wurde die Nazarenerkunst leider ebenfalls zerstört. Fotos hierzu sind in der Galerie zu finden. Die Franz Breil-Orgel (Dorsten) von 1964, Schleifladen, 40 R, an der Stelle, wo nun die neue Seifert-Orgel steht, war eher blockig und “norddeutsch” gebaut, blockiger als die Seifert-Orgel, um die Fenster herumgebaut, mit doppeltem Pfeifenbesatz. Das Pedalwerk wurde wegen den Fenstern abseits gebaut, was klanglich sehr problematisch wurde, da die Windlade darunter litt, und weil sie schon zurückgesetzt stand. So war der Klang trotz doppeltem Pfeifenbesatz nicht wirklich präsent. Fotos hierzu ebenfalls in der Foto-Galerie oben.

I. Hauptwerk C – g3

1. Bordun 16 ‘
2. Principal 8 ‘
3. Viola da Gamba 8 ‘
4. Spitzflöte 8 ‘
5. Traversflöte 8 ‘
6. Octave 4 ‘
7. Rohrflöte 4 ‘
8. Quinte 2 2/3 ‘
9. Octave 2 ‘
10. Mixtur IV – V 1 1/3 ‘
11. Cornettino III 2 2/3 ‘
12. Trompette 8 ‘
13. Clarinette 8 ‘
14. Clairon 4 ‘

II an I, Sub II an I, Super II an I

II. Schwellwerk C – g3

15. Diapason 8 ‘
16. Salicional 8 ‘
17. Vox coelestis 8 ‘
18. Gedackt 8 ‘
19. Principalbv 4 ‘
20. Flauto traverso 4 ‘
21. Nasard 2 2/3 ‘
22. Piccolo 2 ‘
23. Terz 1 3/5 ‘
24. Mixtur 4-fach 2 ‘
25. Larigot 1 1/3 ‘
26. Horn 16 ‘
27. Trompete 8 ‘
28. Oboe 8 ‘
Tremulant
Sub II, Super II

Pedal C – f1

29. Principalbass 16 ‘
30. Subbass 16 ‘
31. Quintbass 10 2/3 ‘
32. Octavbass 8 ‘
33. Gedacktbass 8 ‘
34. Choralbass 4 ‘
35. Posaune 16 ‘
36. Trompete, Transmission aus Nr. 12 8 ‘
37. Clarine, Transmission aus Nr. 12 4 ‘
38.Clairon, Transmission aus Nr. 14
I an P, II an P, Super II an Pedal

Teile der alten Orgel sollten genutzt werden. Letztlich konnte mehr als die Hälfte der Pfeifen aus der Vorgänger-Orgel in das neue Instrument eingearbeitet werden.  Die Traversflöte stammt noch aus der Vor-Vorgänger-Orgel um 1900. Mit den neuen Pfeifen wurden Grundstimmen erweitert und Streicher ergänzt, auch Zungenstimmen für eine bessere Tragfähigkeit des Klangs, Horn und Clarinette. Mit der Stimme Clairon 4´ als Chamaden-Werk (horizontal angelegte Pfeifen) wurde der Prospekt auch optisch bereichert und verschönert.

Die Windversorgung ist mit Mehrfaltenbälgen konzipiert.

Die Stiftskammer zeigt Schätze wie Meßgewände, Löwenköpfe, Monstranz, Kruzifixe.

Klang und Akustik

Sie klingt gravitätisch, edel und kraftvoll, aber auch weiche romantische Klänge erklingen. So kann auf dieser Orgel ein großes Repertoire gespielt werden.

Persönliche Note

Ich bin in Freckenhorst bei Münster angekommen. Die Züge fuhren über Hannover und Hamm. Die große, katholische Stiftskirche St. Bonifatius (nach dem Brand 1129 wieder aufgebaut) ist eine schöne „Kathedrale“: Romanisch, Arkaden, dicke Säulen; nicht strahlend gotisch, aber strahlend romanisch;  im Westschiff steht keine Orgel mehr, die barocke Orgel (Mencke, 1711, Beckum) stand hier früher im Westwerk. Jetzt steht die neue, weiße Seifert-Orgel (Romanus Seifert, Kevelaer) von 2017 im Nordschiff, links vom Altar, horizontale Zungen (Chamade), freier Spieltisch, elektrische Spieltraktur, Setzeranlage, Wippschalter, 2 M, 38 R, Sandsteinepitaph. Die Orgel hat noch 2/3 Pfeifen der Vorgänger-Orgel Breil. Kreuzförmig sammelt sich der Klang in der Kuppel. Die Akustik von 4 1/2 Sekunden ist gut zu handhaben, da die Orgel im Nordflügel ebenerdig steht. Den Damenstift mit den Nonnen gibt es schon lange nicht mehr. Nun ist der Stift ein Schloß, hinter der Kirche, von Grafen und Gräfinnen bewohnt. Die Kirche besitzt einen echten Brunnen, aus dem geschöpft werden kann, rechts vom Altar, der Thiatildisbrunnen. Neben der Orgel befindet sich der Tabernakel von 1743 mit dem berühmten Kreuz. Angeblich befinden sich dort auch „Splitter vom Kreuz Jesu“. Der silberne Kasten von 1669 mit den Gebeinen der Äbtissin Diethild Thiatildes (Thiatildisschrein) nach der Rekatholisierung steht rechts vom Altar (Alarmanlage) in der südlichen Nebenapsis. 17 Uhr Konzert am 6.2.22.

Wie Angriffswaffen oder Defensivwaffen ragt die Batterie der spanischen Trompeten aus dem Gehäuse…

 


4 Antworten auf “Seifert Orgel Stiftskirche zu Freckenhorst”

  1. Diese fantastischen Inhaltsangaben in Wort, Bild und Ton lassen keine Wünsche offen und bereichern unser Wissen, über diese neu gebaute “Seifert Orgel” in Freckenhorst im Münsterland.

  2. Alexander Abs

    In der Tat- das beigefügte Video scheint in der Tat zu beweisen, daß diese Orgel dazu geeignet ist, ein Repertoire zu spielen, das sicherlich vom Frühbarock/ Hochbarock bis zur mittleren und späteren Romantik reicht.

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