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Schuster Orgel St. Andreas Chemnitz

ev.-luth. St. Andreas in Chemnitz-Gablenz (1889)

Orgelbauer:

Schuster und Sohn (Zittau)

Baujahr:

1997

Datum des Erstbesuchs:

2022

Disposition und Spielhilfen

Schöne rote Kirche in Sachsen! Karl-Marx-Stadt. Schuster Orgel, 3 Manuale, Rückpositiv, HW auf dem 2. Manual. Inhaber Benjamin Welde – vormals Schuster Orgelbau, ist nun Ein-Mann-Betrieb, dies ist seine erste große Orgel, die er als Firmenchef präsentierte. Er hat danach noch in der Lausitz einige kleinere und mittelgroße Instrumente wunderbar restauriert oder wiederaufgebaut, aber irgendwann nach der Jahrtausendwende, als die Fördermittel knapper wurden, blieben die größeren Aufträge aus, er mußte Leute entlassen. Sachsen hat viele gute Orgelbauer, die Konkurrenz schläft nicht. Mir gefällt die Orgel gut, sie ist mit roten Ornamenten bemalt und wirkt schwer-gravitätisch, holzig und süffig. Neuer, moderner Spieltisch. Bis zum Rückpositiv ist auf der Empore viel Platz. Gerades Pedal, weiße Tasten, trocken-samtige Akustik. Chemnitz ist immer noch  eine (evangelische) Großstadt mit ca. 240.000 Einwohnerinnen, aber es hält noch immer kein ICE. Ab Leipzig fährt man eine Stunde mit der gemütlichen, lauten, proppevollen DDR-Bummelbimmelbahn.

Manual I

1 Pommer 16‘

2 Prinzipal 8‘

3 Gemshorn 8‘

4 Rohrflöte 8‘

5 Octave 4‘

6 Spitzflöte 4‘

7 Spitzquinte 2  2 / 3‘

8 Octave 2‘

9 Waldflöte 2‘

10 Quinte 1  1 / 3‘

11 Mixtur 5 fach

12 Cornett 3 fach

13 Trompete 8‘

Manual III

23 Metallgedackt 8’

24 Prinzipal 4’

25 Holzflöte 4’

26 Nasat 2  2 / 3’

27 Gemshorn 2’

28 Terz 1  3 / 5’

29 Sifflöte 1’

30 Scharff 4 fach

31 Krummhorn 8’

Cymbelstern

Manual II

14 Holzgedackt 8‘

15 Quintadena 8‘

16 Rohrflöte 4‘

17 Viola d’amore 4‘

18 Prinzipal 2‘

19 Terez 1  3 / 5‘

20 Quinte 1  1 / 3‘

21 Cymbel 3 fach

22 Vox humana 8‘

Schweller

Pedal

32 Prinzipalbaß 16‘

33 Subbaß 16‘

34 Oktavbaß 8‘

35 Gedackt 8‘

36 Mixtur 6 fach

37 Choralbaß 4‘

38 Oktave 2‘

39 Posaune 16‘

40 Trompetenbaß 8‘

Nebenzüge und Spielhilfen 

fünf Normalkoppeln

Nebenregister

Tremulanten, Vorabzüge 

Cymbelstern

Keine Setzeranlage

Kleines Schwellwerk mit Schweller

Klang und Akustik

Schönes Krummhorn.
Insgesamt weicher, warmer Klang in samtig-trockener Akustik, viel Holz in der Kirche. Vorher stand hier eine pneumatische Kreutzbach-Orgel (Sohn). Pneumatische Orgeln können leider eher zum Verschleiß und zum Heulen neigen.

Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg zerbombt. Die Kommunisten und Atheisten, die in Chemnitz renovierte Kirchen sprengten (siehe auch Leipzig) und die sog. „Orgelbewegung“ (Ideologie) taten ihr Übriges. Dazu gab es wenig Material nach dem Krieg. Und nach der Wende halbierte sich das Geld.

Persönliche Note

Der Schweller ist „umgekehrt“: Wenn er unten ist, ist er auf.
Dank an Wolfgang Schubert und Anett Richter


3 Antworten auf “Schuster Orgel St. Andreas Chemnitz”

  1. Gerald Herring

    Ann-Helena, The specifications of the organ are marvelous! So very much packed into those four divisions! I know that you (literally) make it sing!

  2. Vielen Dank an die Künstlerin für das klangvolle Spiel auch an dieser Orgel und die wunderbare Einschätzung, dass keinerlei ideologische Strömung im Stande ist, Kunst – auch wenn scheinbar materiell – ideell zu zerstören.

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