Schröter Orgel St. Petri Kirche Wandersleben in Thüringen
ev. St. Petri Kirche (1143)
Orgelbauer:
Johann Georg Schröter
Baujahr:
1723 / 1997 / 1999
Datum des Erstbesuchs:
Neujahr 2026
Disposition und Spielhilfen
Berühmte große Altarorgel, J.G. Schröter Orgel ev. St. Petri Kirche Wandersleben, Landkreis Gotha, Thüringen, 23 R, 2 M, Glockenspiel
Die Orgel ist eine Altarorgel. So etwas liebe ich besonders. Sie wölbt sich weiß bis zur Decke hinter dem Altar, hinter dem Flügelaltar, dessen hölzerne Flügel sowohl außen als auch innen kostbar bemalt sind. Der reiche Prospekt besitzt 6 Putto, die musizieren.
Die ursprünglich romanische Kirche in einem gepflegten Friedhof im Menantes-Ort Wandersleben im Burgenland, Gemeinde Drei Gleichen, im Pfarramt Apfelstädt im Kirchenkreis Gotha besitzt diese wundervolle weiße Barockorgel. Berühmt ist auch dieser Annen-Altar aus dem 15. Jahrhundert, ein holzgeschnitzter Flügelaltar, der erst 1880 wiederentdeckt wurde.
Außerdem ist die lebensgroße spätgotische Darstellung Jesu am Kreuz beeindruckend. Die Kirche ist voll von wertvollen alten Wappen und Gräbern von Adeligen.
Das mächtig schöne, historische Instrument hier in Mitteldeutschland wurde 1999 von Orgelbau Waltershausen restauriert. Ursprünglich kostete sie 630 Reichstaler. Die Firma Waltershausen hat sich als sehr gut erwiesen in und an vielen thüringischen Orgeln, die ich spielte, so auch in Gräfenroda.
Zuvor wartete und erweiterte der Wanderslebender Orgelbauer J.S. Schmaltz, von dem leider nur noch sehr wenige Orgeln erhalten geblieben sind, die Orgel. Er hat das Glockenspiel und den Violon-Bass eingebaut.
Die Restaurierung der Orgel kostete über 350.000.
Johann Georg Schröter erlernte das Handwerk des Orgelbaus von 1701 bis 1708 in Berlstedt. 1712 zog er nach Erfurt. Dort erwarb er das Bürgerrecht und das Orgelbauprivileg, welches sehr begehrt war. Er erhielt viele Aufträge in und um Erfurt und Mühlhausen, u.a. vollendete er die Orgel in der Erfurter Augustinerkirche, wo er J.S. Bach traf.
HW I
| Quintatön | 16′ | |
| Principal | 8′ | |
| Gedackt | 8′ | |
| Gambe | 8′ | |
| Octave | 4′ | |
| Quinta | 3′ | |
| Octava | 2′ | |
| Sesqvialtera II | ||
| Mixtur IV | ||
| Cymbel III | ||
| Trompeta |
OW II
| Quinta Thön | 8′ | |
| Gedackt | 8′ | |
| Principal | 4′ | |
| Gemshorn | 4′ | |
| Nachthorn | 4′ | |
| Octave | 2′ | |
| Terzian II | ||
| Scharff III | ||
| Glockenspiel |
Manualkoppel
Pedal
| Violon Bass | 16′ | |
| Sub Bass | 16′ | |
| Octave Bass | 8′ | |
| Posaunen Bass |
Pedalkoppel









- Cymbel Glocken (1773), Glockenspiel auf dem OW
- Koppeln:
- Manualkoppel, Pedalkoppel
- Tremulant für beide Werke
- Calcant
Die Orgel geht mit dem Calcanten an; das Licht ist oben extra anzuschalten. Sowohl die Registergesichter als auch die Registerschilder sind eine Augenweide.
Klang und Akustik

Die Wanderslebener Orgel erfreut sich schöner Akustik. Sie ist ein Wohlgeruch, ein Wohlklang. Sinnliche Tasten, Intarsien. Es ist meine erste Schröter Orgel. Es sind noch mind. 25 Orgeln von Schröter erhalten.
Die Akustik ist sprechend, vokal und samtig; die Klänge der Orgel sind leuchtend, crispy und exotisch. Das Glockenspiel auf dem Oberwerk klingt besonders trefflich.
Ich bin ja ein Fan von Zimbelsternen, Glockenspielen und Tremulanten. Der Tremulant hier ist für beide Werke.
Eine Klangweide ist das Quintatön 16, zusammen mit dem Tremulanten, die rauchige dunkle Mixtur, die crispy Sesqui, die strahlenden Vierfüße, die weichen Prinzipale.
Das Pedal ist straight, gerade, und insgesamt haben die beiden Manuale und das Pedal einen begrenzten Umfang. Die Orgelbank ist unbequem.
Die Zungen sind trotz Schnee, Wind, Vollmond, Schneeverwehungen und kalten Minus-Temperaturen nicht schlimm verstimmt. Der Posaunenbass im Pedal und die Trompete im HW sind beautiful.
Die Umgebung ist berührend schön, besonders die mittelalterlichen drei “GLEICHEN”: die angestrahlte Bergruine Gleichen, die Burgruine Mühlburg bei Mühlberg und die Burg Wachsenburg, heute mit Hotel – drei Burgen, die überhaupt nicht gleich sind.
Persönliche Note

Ich freue mich, hier zu konzertieren, organisiert vom Förderkreis der Menantes-Literaturgedenkstätte: Das Neujahrskonzert 2026. Der Förderkreis ist sehr umtriebig und veranstaltet viel Kunst in der Gemeinde.
Mein Konzert war sehr gut besucht, obwohl unbeheizt und bei Minustemperaturen. Mit Glühwein in der Hand saßen über 100 Leute im Konzert. Nur ich durfte keinen Glühwein trinken, dafür heißen Tee. Dennoch fraß sich die Kälte von unten her in meinen Körper. Trotzdem spielte ich, selbst registrierend und blätternd, bis zum Schluss.
Die Tasten sind eiskalt, aber ich werde mit warmem Tee, Gebäck und Broten versorgt und wohne in einer schönen Pension im Dorf.
Die Kirche ist die Taufkirche des Schriftstellers Christian Friedrich Hunold, genannt Menantes, der Gedichte und Romane schrieb; ein Zeitgenosse Bachs. Johann Sebastian hat Texte von Hunold verwendet für seine Kantaten.
Die Schröter-Orgel ist im Grunde eine Bach-Orgel, weil Johann Georg ebenfalls wie Menantes ein Zeitgenosse von Johann Sebastian Bach war, nur wenig älter, 1683 geboren. Beide trafen sich in Erfurt bei der Vollendung der Orgel in er Augustinerkirche. Das hervorragende Zeugnis, das ihm J.S. Bach ausstellte, half der Karriere des Orgelbauers J.G. Schröter sehr voran.
Nach dem Konzert waren wir Gans essen und werden die Schmaltz-Orgel in Kornhochheim besuchen.




Den Ort kenne ich sehr gut auch wenn ich woanders aufgewachsen bin die ersten 6 Jahre. Es ist schön und bewundernswert das Du während des Konzert gut umsorgt gewesen warst.
Es ist eine so Wundervoll aussehende Orgel mit so schönen Klangfarben.
Absolut stunning
Hier war der Thüringer Orgelsommer zu Gast. Und der Matthias Grünert, den Matthias Creutzberg anbetet.