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Sandtner Orgel Schongau

kath. Maria Himmelfahrt, Bayern

Orgelbauer:

Sandtner (Steinheim an der Donau)

Baujahr:

2011

Datum des Erstbesuchs:

2020

Disposition und Spielhilfen

Hauptwerk

1 Bourdon 16‘

2 Principal 8‘

3 Copel 8‘

4 Doppelflöte 8‘

5 Viola da 8‘

6 Gamba 4‘

7 Octave 4‘

8 Koppelflöte 2  2 /3‘

9 Quinte 2‘

10 Superoctave 1  1 / 3‘

11 Mixtur   IV 8‘

12 Cornet    V 8‘

Trompete

Schwellwerk

13 Gegenprincipal 8‘

14 Harmonieflöte 8‘

15 Lieblich Gedeckt 8‘

16 Salicional 8‘

17 Vox coelestis 8‘

18 Octave 4‘

19 Traversflöte 4‘

20 Nasard 2  2 / 3‘

21 Flautino 2‘

21 Terz 1  3 / 5‘

22 Mixtur   IV 2‘

23 Fagott 16‘

24 Trompete harm. 8‘

25 Oboe 8‘

26 Vox humana 8‘

Tremulant

Rückpositiv

27 Rohrgedeckt 8‘

28 Quintade 8‘

29 Praestant 4‘

30 Sesquialter 2  2 / 3‘

31 II 2‘

32 Schwiegel 2‘

33 Larigot  II 1  1 / 3‘

34 Rankett 16‘

Cromorne

Tremulant

Pedal

35 Kontrabass 16‘

36 Subbass 16‘

37 Quinte 10‘

38 Octavbass 2 / 3‘

39 Flötbass 8‘

40 Choralbass 8‘

41 Posaune 4‘

42 Trompete 16‘

8‘

Koppeln

III/II , III/I , I/II , III/III sub , III/II sub , III/P , II/P , I/P , III/P super

Spielhilfen

– mechanische Spiel- und Registertraktur

– elektronische Setzerkomination

 

Steinmeyer-Sandtner. Orgelprospekt: Rückpositiv 18. Jahrhundert, Hauptprospekt 19. und 20. Jahrhundert. Danke an Andreas. Mechanische Spieltraktur. Kurzer Weg zum Tonventil. Sehr mag ich an der Sandtner-Orgel, dass es keine fatalen Setzer-Knöpfe zwischen den Tasten gibt. Und dass alle Tutti nie ein „mauerndes“ Pedal haben. Schöne Schwebeteppiche und Solostimmen, dazu eine tolle Akustik in einem barocken, weiß-goldenen Umfeld voller Deckengemälde und Schnörkel, goldener Zunftstangen, Adler, Engel. Feuer frei!

Klang und Akustik

Für Brahms, Mendelssohn, Messiaen, Chopin! Die digitale Registertraktur ist spannend zu sehen, bunt, flackernd, eine IT-World hinter einem Schrank. Ihre Zungen sind bombastisch, der akustische 32-Fuß, Fagott (früher Pedal), das man runterkoppeln kann aus dem 3. Manual, ein voluminöses Schwellwerk. Ein Larigot (Zimbel). Ein hübsches Steinmeyer-Rankett, ein Cucculus. Wundervolles Säuseln.
Ich liebe Messiaens Banquet, der über und unter dem Schweben das Glitzern setzt, die Tropfen, die Flecken. Die Achse zeigt, wie sehr er die Tropfen in steigende Intervalle färbte.
Blutflecken in Quinten. Man kann Messiaen auch wundervoll ohne Einfuß (1-Fuß) registrieren.

Persönliche Note

Heute lernte ich die schöne Sandtner-Chororgel in Schongau kennen, mit Schleifenteilung (um sozusagen zwei Manuale zu haben). Die Orgel ist von der Künstlerin Hilda Sandtner mit klangdurchlässiger, schöner Webarbeit geschmückt. Schräg über der Orgel schwebt der Heilige Geist in einem Deckengemälde. Die große Sandtner-Schwester mit vier Schwellkästen und mit einer Maria von beinahe 1,80 m thront weit hinten. Wenn man überlegt, dass ich nicht mal 1,65 m bin. So eine Orgel ist groß wie ein Einfamilienhaus. Ich freue mich auf mein Konzert hier im Mai! Martin Gessner kümmert sich um die Orgeln in Schongau. Die Schmid-Orgel wird generalüberholt.

Ich mag das Bayerische: Pfürdi. Es pressiert… Und Löwenzahnhonig. Und Krapfen mit Mango. Manchmal, wenn mir sehr kalt ist, übe ich auch mit UGGs.

Wenn eine Orgel einen freien Spieltisch hat, der Weg eventuell nicht direkt geht, sondern erst in die entgegengesetzte Richtung, also nach unten statt nach oben, dann dennoch sollte das Spielgefühl geschmeidig, nie teigig sein.

Ich bin in Schongau bei München an der wunderschönen Sandtner-Orgel angekommen. Schongau ist eine hübsche, wohlhabende Stadt von ca. 15.000 Einwohnern. Sie hat mindestens fünf schöne Orgeln zu bieten. Die dreimanualige „Sandy“ in Maria Himmelfahrt, früher Steinmeyer / Kamp, ist die größte mit einer langen Geschichte. Ein Kraftpaket! Sie hat eine mechanische Spieltraktur und eine digitale (elektronische) Registriertraktur. Schleiflade. Die Wege sind kurz und direkt: ein angenehmes, transparentes Spielgefühl. Direkter Kontakt zum Tonventil.

Dann besuchten und spielten wir noch eine weitere wunderbare Orgel, die kleine historische, süddeutsche Ferdinand Stückl -Orgel von 1725 in der hübschen zweiten Barockkirche St. Anna Spitalkirche, Werckmeister. Der geniale Orgelbauer Ferdinand Stückl stammt aus Schongau. Die kunstvolle Orgel ist ähnlich einer italienischen Orgel. Klein, aber oho, Wahnsinns-4-Fuß, scharfe Mixtur, kurze Oktave, kleines Einmanual, richtiges Pedal (kein Stummel-Pedal), repetierend, wunderschöne türkis-dunkellila Farben, passend zur Kirche, gold-weiße Engel. Perfekt für Muffat, Kerll, Pachelbel, Knecht, Rathgeber… Was mir mit am besten gefiel: die Schwerter. Aus hellem Holz. Als Registerknöpfe. Wie breite Malerpinsel. Sinnlich. Künstlerisch.

Wenn man das Cromorne stimmt (halbgeöffnet, „Fischdose“), braucht man ein Stimmeisen („Harpune“) mit einer unteren Einkerbung (Haken). Es gibt unterschiedliche Stimmkrücken. Das Cromorne haben wir abends gestimmt für die Videos.

Auch die schöne Offner-Orgel spielte ich in der wabenförmigen Kirche Verklärung Christi, von 1974, 2014 generalüberholt. Sie passt optisch perfekt zur Kirche und ist völlig anders. Sie hat eine mechanische Spieltraktur und eine pneumatische Registertraktur und sehr starke Zungen. Kippschalter. Mich an Lobback-Orgeln erinnernd. Andreas hat mir stets die Orgeln auch von innen gezeigt. Ein wirklich toller Musiker.
Heute 8 Stunden geübt trotz Kälte, und in die Unterschiedlichkeiten zu Hamburg, St. Wendel und Tholey eingetaucht. In St. Wendel wurden meine Noten abfotografiert. Welche Farben was bedeuten. Ja, jede Farbe hat eine Bedeutung.

In St. Wendel wohnte ich im Posthotel. Aber jetzt wohne ich so richtig wundervoll: Auf einem Hof mit 13 Pferden, preisgekrönte Kaltblüter und anhängliche Schmuse-Fohlen, mit Schafen und Babyschafen, Katzen, Babykatzen, Kühen mit Kälbern. Ich liebe Tiere! Wenn die Musik nicht meine Liebe wäre, dann hätte ich vielleicht etwas mit Tieren gearbeitet. Warum? Tiere nähern sich schüchtern, neugierig, klug, mit empfindsameren Seelen als Menschen. Und auch hier in Schongau gibt es einen schönen Bücherschrank. In einer gelben Telefonzelle.


4 Antworten auf “Sandtner Orgel Schongau”

  1. Alexander Abs

    In der Tat: Die Sandtner- Orgel im bayerischen Schongau ist mehr als bemerkenswert, schon von ihrer Konzeption her; und auch wenn sich die “Klassiker” der Barockzeit hier sicherlich gut spielen lassen, so scheint sie sich doch am ehesten für ein Repertoire zu eignen, das das Hauptgewicht nicht nur auf die Romantiker legt, sondern- neben Messiaen und anderen “Modernen”- auch auf teilweise verkannte, aber geniale Vertreter einer Zwischenzeit wie Enrico Bossi, aber auch Karg- Elert, Middelschulte und viele andere!

  2. Andreas Friedrich

    Sehr ausführliche und mit persönlichen Impressionen angereicherte Information, Klasse auch die tollen Musikvideos – großartig!

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