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Richter Orgel Pomßen (Pomssen) bei Leipzig

ev. Wehrkirche zu Pomßen (13. Jahrhundert)

Orgelbauer:

Gottfried Richter (Döbeln)

Baujahr:

1671/2006

Datum des Erstbesuchs:

2019

Disposition und Spielhilfen

Gottfried Richter (1643 – 1717) aus Döbeln in Sachsen, Orgelbauer, Bürgermeister und Stadtrichter, baute die Orgel in Pomßen 1671, mit einem Alter von 350 Jahren Sachsens älteste spielbare Orgel. Wunderschöne Renaissance Orgel in einer weißen Dorfkirche (13. Jahrhundert), ca. 14 Jahre vor Bachs Geburt errichtet und geweiht. Sie gehört zu den ältesten Orgeln der Region in Sachsen und Leipziger Land. Ein Manual mit 9 Registern und frühbarockem Klang. Die Orgel wurde erbaut 1671 durch G. Richter (Döbeln), restauriert 2006 durch Fi. Wegscheider, und besitzt einen wunderschönen Prospekt.

Die Kirche, von Schloss und Rittergut Pomßen geprägt, wurde nach einem Sturm 1660 leider beschädigte. Sophia von Ponickau gab den Auftrag, eine neue Orgel zu bauen, die sich bis heute erhalten hat, eine Orgel des Orgelbauers Gottfried Richter (1643 – 1717) aus Döbeln in Sachsen. Dieser hatte in Sachsen einige Orgeln gebaut. Von 1671 existiert die früheste belegte Disposition der Orgel, die ich während der Orgelakademie kennengelernt habe.

Die mitteldeutsche Orgel ist weiß mit weiß-gelbgoldenen, großen Flügeltüren mit Engeln, die musizieren (Engelskonzert), verzierte Pfeifen, vor allem die mittleren, Zimbelstern. Gelbverziert und dekoriert mit einem aufgeschlagenen Buch ist auch der kleine, enge Spieltisch mit schwarzen Tasten. Die Orgel steht perfekt angepasst auf der zweiten, runden Empore unter einer reich verzierten, flachen Kassettendecke (56 Kassetten). Auch die Brüstung um die Orgel ist voller Engel, die musizieren. Die gesamte Kirche ist weiß-gelb verziert und farblich ein runder Guss und eine Einheit wie eine Torte. Die Orgel und die Empore wirkt wie ein riesiges Porzellangeschirr. So schlicht die Kirche von außen wirkt, so reich verziert ist sie innen. Die Prospektpfeifen haben gedrehte Füße und vergoldete Labien, die Ober- und Unterlabien der Prospektpfeifen haben verzierte Kielbögen.

Der Taufstein der sehr alten Kirche mit dem breiten, quergestellten Turm stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Das Beste: Die Kirche ist für mich eine Bach-Kirche, denn: Am 6. Februar 1727 führte hier JS Bach seine Kantate “Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn” auf, BWV 157. Somit ist auch die Orgel eine Bach-Orgel, denn es gibt nicht viele historisch erhaltene Orte und Instrumente, an denen nachweislich Bach war.

Der Glockengießer Johann Jakob Hoffmann aus Halle an der Saale baute die Glocken dieser Kirche. 

Manual I CDEFGA-c3

1 Grobgedackt 8‘

2 Principal 4‘

3 Klein gedackt 4‘

4 Nassat 3‘ (2006 rekonstruiert, ein 2 2/3)

5 Sesquialtera II (fach)

6 Octava 2‘

7 Mixtur III (fach)

8 Cimbel gedoppelt II (fach) (Quinte und Terz)

9 Trompeten 8‘ (2006 rekonstruiert)

 

Pedal CDEFGA-c1

10 Subbass 16‘

11 Violenbass 8‘

12 Posaunen 16‘

13 Cornetten 2‘ (für Cantus firmus)

Koppeln

I/P

Spielhilfen

Tremulant, Vogelgesang, Stern

Die Orgel klingt also recht hell, scharf in trockener Akustik. Auf meinen Leipziger Orgelkursen kennengelernt und gespielt. Sie ist, da sie im Spieltisch so eng, klein und schwergängig wirkt, erst etwas gewöhnungsbedürftig, aber dann wunderbar zu spielen, süchtig machend.

Tremulant wurde 2006 rekonstruiert, ebenso der Stern und der Vogelgesang, so auch die Koppel vom Pedal ins Manual (Pedal und Manual in je eigenem Gehäuse).

Klang und Akustik

Frühbarocker Klang. Historische Orgel, nicht leicht zu spielen. Ich habe spanische Musik gespielt, Tiento von Cabanilles. Ich liebe Dorforgeln, Wehrkirchen und historische Klänge. Mitteltönige Stimmung, 458 Hz. Man kann dort ausgewählte Werke spielen, zB. spanische Barockmusik, Scheidt, ausgewählte Werke von Bach und Sweelinck, da mitteltönig.

Persönliche Note

Ich mag Mitteldeutschland und die Orgeln aus Sachsen. Gottfried Richter (1643-1717) war ein wichtiger Orgelbauer in Sachsen und wurde Bürgermeister von Döbeln. Ungewöhnlich: Welcher Orgelbauer war schon Bürgermeister einer Stadt?

Umbauten der Orgel:
1727 Jochen George Gordt, 1887 Gottfried Hildebrand, 1934 Alfred Schmeißer. 2000 Restaurierung und Einbau der Balganlage (4 Keilbälge) aus der Schlosskirche Zwickau Planitz (1696) durch Wegscheider (Dresden), 2005/06 Restaurierung des Orgelwerkes durch Wegscheider, Wiedereinweihung Oktober 2006.


3 Antworten auf “Richter Orgel Pomßen (Pomssen) bei Leipzig”

  1. Alexander Abs

    Ich selbst kam zum erstenmal 2001 mit mitteltönig gestimmten Orgeln in Kontakt… und war begeistert, es ist beim Hören schon ein Unterschied! Diese Orgel hat in der Tat einen imposanten, auch etwas archaischen Klang… und eignet sich meiner Meinung nach besonders gut nicht zuletzt etwa für Werke älterer Bach- Verwandter und Vorgänger, wie etwa Johann Michael Bach.

  2. Kleine, aber feine Orgel. Sehr persönliche Eindrücke in Worten und Bildern von und mit Ann-Helena.

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