Overmann Orgel Kulturkirche Hüffenhardt Odenwald
ev. Pfarrkirche (1730)
Orgelbauer:
Overmann / Gebr. Link
Baujahr:
1814 / 1868 / 1929 / 1982
Datum des Erstbesuchs:
September 2026
Disposition und Spielhilfen
Große Overmann Orgel Kulturkirche Hüffenhardt bei Heilbronn, Kraichgau, 2 M, 29 kling. R, links-seitenspielig von Gebr. Link, gerades Pedal
Die historische, ursprünglich frühromantische Overmann-Orgel in der evangelischen Kulturkirche Hüffenhardt (Odenwald-Neckar-Region) in Baden-Württemberg wurde um 1814/1815 erbaut und 1982 umfassend renoviert und leider auch neobarockisiert und umgebaut von Orgelbau Link. Doch der wunderbare, große Prospekt wurde erhalten.
Sie steht auf einer markanten, zweigeschossigen hölzernen Empore der unter Denkmalschutz stehenden Kulturkirche, die dringend saniert und gesichert werden muss, was in die Millionen geht. Bitte spendet! Die Emporen sind mit Gemälden verziert.
Das wertvolle historische Instrument stammt aus der Werkstatt der renommierten Orgelbauerfamilie Overmann, die über drei Generationen von Heidelberg und Mannheim aus wirkte. Es ist meine erste Overmann-Orgel. Sobald die Kirche saniert worden ist, soll auch die Orgel rekonstruiert und in ihren ursprünglichen Zustand gebracht werden.
Als Instrument von 1815 markiert sie den Übergang vom Spätbarock zur Frühromantik. Die Werkstatt Overmann behielt die klassische handwerkliche Struktur bei, stimmte das Pfeifenwerk aber bereits spürbar grundtöniger, wärmer und vokal-ausgewogener ab.
Trotz späterer, leider teils einschneidender Überarbeitungen (unter anderem durch die bekannten Werkstätten Voit im Jahr 1886 und Walcker im Jahr 1929) ist der Großteil des historischen Pfeifenwerks bis heute im Original erhalten geblieben. Jedoch die Register sind nun „über Kopf“, da der Spieltisch verändert wurde; ursprünglich war die Orgel wohl nicht seitenspielig.
Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz.






Pedal
Violonbass 16
Subbass 16
Octavbass 8
Flautbass 4
Posaunenbass 16
Trompetbass 8
Claironbass 4
BW Positiv
Tremulant
Vox humana 8
Cromorne 8
Fagott Hautbois 8
Flageolett 2
Rohrflöte 4
Bourdon 8
Viola da Gamba 8
Flaut traverso 8
Principal 8
HW
Trompet 8
Mixtur IV 2
Terz 1 3/5
Octav 2
Flautgedeckt 4
Quint 3
Gemshorn 4
Bourdon 8
Salicional 8
Quintatön 16
Cornet V
Octav 4
Principal 8
1815 HW
Principal 8’
Oktav 4’
Cornet V
Quintatön 16’
Salicional 8’
Bourdon 8’
Gemshorn 4’
Quint 3’
Flautgedackt 4’
Oktav 2’
Terz 1 3/5
Mixtur IV 2’
Trompet 8’
1815 Positiv
Principal 8’
Flaut Traverso 8’
Viol de Gambe 8’
Bourdon 8’
Rohrflöt 4’
Flageolett 2’
Fagott + Hautbois 8’
Cromorno 8’
Vox Humana 8’
1815 Pedal
Subbass 16’
Oktavbass 8’
Posaunenbass 16’
Claironbass 4’
Coppelung zum Manual
Tremulant zum Positiv


Die Orgel muss dringend saniert werden. Viele Register brauchen Pflege. Auffällig ist, dass viele Register den gleichen Namen haben, sowohl im BW als auch im HW
1813 wurde der Vertrag mit der Firma Anton Overmann über eine neue Orgel in Hüffenhardt geschlossen. Die Vorgängerorgel von 1738, ein Instrument der Firma Johann Adam Ehrlich, war wohl zu klein geworden, möglicherweise auch durch mangelnde Wartung schadhaft. „Gut genug“ war sie noch für die kleine Nachbargemeinde Bargen, wo das Originalgehäuse noch heute erhalten ist. Ich liebe Ehrlich-Orgeln!
In Hüffenhardt wurde die neue Orgel also im Jahre 1815 fertig gestellt; bis heute hat sie viele, zum Teil einschneidende Veränderungen über sich ergehen lassen müssen. Die hohe Qualität der Orgel steht aber bis heute außer Zweifel. Das Instrument ist nicht nur als einzigartig im Großherzogtum Baden zu bezeichnen.
Die einschneidenste Veränderung wurde 1929 durch die Firma Walcker aus Ludwigsburg durchgeführt. Schleifladen und mechanische Traktur wurden entfernt; eine neue pneumatische Traktur und Kegelladen eingebaut. Erwähnt sei noch, dass auch die originalen Prospektpfeifen in den Kriegswirren nicht der Metallmobilmachung zum Opfer fielen.
Wir können hier also noch die originalen Pfeifen bestaunen, ein eher seltener Umstand.
Die genannten Veränderungen wurden bei der grundlegenden Restaurierung 1981/82 wieder zurückgenommen, und man bemühte sich, den originalen Zustand nach Möglichkeit wiederherzustellen.
Bemerkenswert an der Disposition (Auswahl der Register) ist die große Anzahl an Zungenstimmen; ansonsten ist sie der süddeutschen Bauweise der Zeit verpflichtet.
Klang und Akustik

Die Akustik ist recht trocken, vor allem, wenn viele Leute da sind. Viele Zungen.
Die hübsche Kirche gehört zum Kirchenbezirk Mosbach der Evangelischen Landeskirche in Baden. Während im benachbarten Kälbertshausen eine Steinmyer-Orgel steht, beherbergt die Hüffenhardter Kirche das romantisch geprägte Werk aus dem Hause Overmann.
Persönliche Note

Es war sehr schön, hier zu konzertieren. Das Wetter wärmte sonnig, es waren fast 100 Leute im Konzert. Es gab hinterher Sekt und Snacks. Ich habe viele CDs verkauft. Zudem stellte ein Künstler seine Holz-Skulpturen aus, über die ich improvisierte. Presse war da. Ich habe schon oft im Odenwald gespielt, sowohl in Hessen als auch in Baden-Württemberg.
Hüffenhardt hat ca. 2000 EW. Wir besuchten dann auch die süße Dorfkirche in Kälbertshausen. Dort gibt es eine kleine hellblaue Steinmeyer Orgel von 1974.
Ich übernachtete in Hassmersheim im Hotel Adler. Nach dem Konzert in Hüffenhardt habe ich Pralinen bekommen; anschließend waren wir in einem der schönen Hinterhofs-Neckar-Biergärten-Restaurants essen; es war noch warm. Hier gab es Gerichte wie Kochkäse-Schnitzel.
Sehr gut: Mediale Aufmerksamkeit: Die Orgeln der dörflichen Kirchen rücken aktuell durch ein Porträt und ein Video-Vlog der bekannten Konzertorganistin und Musikwissenschaftlerin Ann-Helena Schlüter in den Mittelpunkt.