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Ladegast Orgel klein Dom zu Merseburg

Kapelle Dom Merseburg

Orgelbauer:

Friedrich Ladegast (Weißenfels)

Baujahr:

1850/1993

Datum des Erstbesuchs:

2019

Disposition und Spielhilfen

1 M, 10 R

MANUAL

Principal 8’
Flöte 8’
Gambe 8’
Gedackt 8’
Principal 4’
Fl. Minor 4’
Octave 2’
Scharf 2fach

PEDAL

Subbaß 16’
Violon 8’

 

Klang und Akustik

Erstaunliche Klangfülle. In Tonqualität und Klang stelle ich Ladegast-Orgeln über die von Cavaillé-Coll.

Persönliche Note

Das älteste erhalten gebliebene Werk aus Ladegasts Werkstatt: Vollendet am 27. Nov. 1850. Diese stammt aus der
aufgegebenen Dorfkirche Raschwitz, durch
Holzwurmbefall geschädigt, wurde das Instrument 1992 geborgen (Fa. Rösel & Hercher / Saalfeld, Gehäuserestaurierung Hans Rothe /
Burgliebenau). Diese Ladegast-Orgel wurde 1993 in der Michaeliskapelle Merseburger
Domkreuzgang eingeweiht, 2001 dann als Interimsinstrument im südlichen Domseitenschiff aufgestellt.
Friedrich Ladegast, der Silbermann des 19. Jahrhunderts, wurde am 30. August
1818 im sächsischen Hochhermsdorf geboren, sein erstes Werk: eine einmanualige Orgel mit neun Registern für die Dorfkirche in
Tanneberg (Landkreis Meißen). Während seiner Wanderjahre durch Mitteldeutschland
studierte er Silbermann-Orgeln. Anschließend ging er nach Straßburg, ein Zentrum der
Silbermann-Nachfolge, und schließlich nach Paris zu Aristide Cavaillé-Coll, dem
bedeutendsten französischen Orgelbauer des 19. Jahrhunderts.
1847 gründete er im preußischen Weißenfels die eigene Werkstatt. Es verging ein Jahr, bis sich ergab, dass der Graf  ihm in dem kleinen Dorf Geusa bei Merseburg den ersten Orgelbau (14 Register) zutraute.  Damit begann sein großer Erfolg.

Von 1853 bis 1855 baute Friedrich Ladegast im Merseburger Dom die seinerzeit größte
Orgel Deutschlands mit 81 Registern auf vier Manualen und Pedal. 1857 baute Ladegast eine dreimanualige Orgel mit 34 Registern für die Kirche der Landesschule Pforta. Das Werk wurde in den 1960er-Jahren abgetragen.

Dann die  damals größte Orgel Sachsens in der Nikolaikirche in Leipzig.
Endgültig in die erste Reihe der europäischen Orgelbauer seiner Zeit rückte Ladegast mit
dem Vertrag vom 26. Februar 1866 über die dritte viermanualige Orgel für den Schweriner
Dom. 
Eine weitere Ladegast wurde mit der Leipziger Paulinerkirche auf Befehl Walter
Ulbrichts am 30. Mai 1968 gesprengt.
1863 gab der Naumburger Magistrat Friedrich Ladegast den Auftrag für einen
Orgelneubau in der St. Marien-Magdalenen-Kirche. Die Orgel wurde seitdem nicht
verändert und zählt heute zu den am besten erhaltenen Instrumenten Ladegasts.
Ein Auftrag für die Gosecker Orgel wurde 1872 erteilt. Diese Orgel hat während der Jahre nach 1945 gelitten. 1872 bekam er den Auftrag für den Orgelbau im großen Saal des Wiener Musikvereins. 1895 erhielt die neue Kirche in Großjena bei Naumburg eine Ladegast-Orgel, die unversehrt über schwierige Jahre gekommen ist. Sein Sohn Oskar übernahm nach dem Tod von Friedrich Ladegast 1905 die Werkstatt, gemeinsam mit seinem Bruder.

Albert Schweitzer schrieb 1958 aus Lambarene an den damaligen Merseburger
Domorganisten Hans-Günther Wauer:
„Ich halte Friedrich Ladegast für den bedeutendsten Orgelbauer nach Silbermann, dessen Tradition er fortsetzt. Sowohl in technischer wie auch in klanglicher Hinsicht sind seine  Schöpfungen in gewisser Hinsicht einzigartig. Ich selber war ergriffen von der Spielart und der Tonschönheit der Ladegast-Orgeln.“

Eine Antwort auf “Ladegast Orgel klein Dom zu Merseburg”

  1. Sehr informativ gestaltet auch die Orgelinformation zur kleinen Ladegastorgel mit ansprechenden Bildern und Videos. Danke für das gemeinsame Orgelerlebnis.

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