Ladegast Orgel St. Petri Kirche Hohenmölsen
ev. Stadtkirche St. Petri
Orgelbauer:
Friedrich Ladegast
Baujahr:
1851 opus 8 / 1998
Datum des Erstbesuchs:
18. Oktober 2020 / 2023 / 2026
Disposition und Spielhilfen


Beautiful Ladegast Orgel, Sachsen-Anhalt, ev. Stadtkirche St. Peter Hohenmölsen bei Weißenfels, 24 R, 2 M, mit Aeoline und Sperrventile
Mein Konzert gestern im Frühjahrs-Sonnenschein 2026 war schön und gut besucht. Lars Tappe und ich haben zuvor Posaune und Aeoline gestimmt. Das Konzert wurde mehrfach gefilmt.
Hohenmölsen hat ca. 10.000 EW. Die helle, alte, schlichte Dorfkirche ist eine der wenigen offenen Kirchen, die es noch gibt. Die singende Orgel, eine der frühen und original erhaltenen Ladegast, geht unten mit dem Calcanten an und steht auf einer bunt bemalten Empore mit einer witzigen Bank. Es gibt Zungen und auch Sperrventile, die mitten unter dem Registervolk stehen und die man nicht übersehen darf.
Die breiten Registergesichter sind eine Augenweide. Die Elfenbeintasten sind etwas unregelmäßig, aber dafür sind die dunklen Klänge umso schöner. Besonders liebe ich die Doppelflöte, Lieblich Gedackt, Posaune, die seltene Aeoline 16, die wie ein Akkordeon klingt und mich an Schiffe erinnert, und den insgesamt vollen, tiefen Ton im Stile einer Toni Braxton, da alles 16füßig ausgestattet ist. Ich liebe Ladegast-Orgeln.
Manual I
Principal 8‘
Bordun 16‘
Hohlflöte 8‘
Doppelflöte 8‘
Principal 4‘
Spitzflöte 4‘
Quinte 3‘
Octave 2‘
Mixtur 4f
Manual II
Aeoline 16‘
Progressio Harm. 1 1/3‘
Waldflöte 2‘
Salicional 4‘
Floete 4‘
Geigen Pr:8‘
Liebl. Gedackt8‘
Flaute tr:8‘
Gamba 8‘
Pedal
Posaune 16‘
Octave 4‘
Cello 8‘
Violon 16‘
Subbass 16‘
Pr: Bass 8‘
Hilfen
Ventil pro Oberwerk
Ventil pro Hauptwerk
Pedal Coppel
Manual Coppel
Calcant (Rudiment)
Die übrige Mechanik fungiert nur noch als Gebläse und Lichtschalter.
Die weiße Orgel wurde 1851 als eine der ersten Projekte und Orgeln des genialen romantischen Orgelbauers Ladegast realisiert. Ihre ursprünglich 24 Register und der Gesamteindruck blieben bis heute weitgehend erhalten. 1998 erfolgte nach Abschluss der Restaurierung die Neu-Einweihung.







Die weiße Orgel wurde 1851 von Friedrich Ladegast, einem der bedeutendsten deutschen Orgelbauer des 19. Jahrhunderts, als Opus 8 geschaffen. Bei der Zunge oder Akkordeon Melodica Aeoline 16 im Schwellwerk handelt es sich um eine seltene linguale Form dieses Registers mit trichterförmigen, aber engen Bechern.
Eine Inschrift an der Orgel lautet: „Im Jahr 1851 wurde ich in Weißenfels bei Fr. Ladegast erbaut.“
Und weiter: „Es erging mir traurig: Durch Regen und beim Thurmbau 1875–76. Renoviert im Mai 1877.“
Die Orgel wurde 1980 als Werk von Ladegast wiederentdeckt und ist nahezu im Originalzustand erhalten geblieben, weil es Gott sei Dank kein Geld gab.
Nur die im Ersten Weltkrieg abgegebenen Prospektpfeifen waren 1922 ersetzt worden.
Zudem ersetzte Orgelbau Jehmlich die Kastenbälge 1952 durch einen Schwimmerbalg; der Winddruck beträgt nun 71 mm. 1998 wurde das Instrument durch Orgelbau Wegscheider aus Dresden umfassend restauriert und rekonstruiert.
Klang und Akustik

Bezaubernder Klang, schüchtern und selbstbewusst zugleich, dunkel und zart, warm, grundtönig, weich. Die Akustik ist schön und sprechend trotz niedriger Holzdecke.
Ich hatte hier während meines Master-Studiums Online-Orgel-Unterricht bei Pieter van Dijk.
Persönliche Note

Es war sehr schön, hier zu spielen, auch 2026, aufzunehmen und interviewt zu werden.
Im Konzert 2026 wurde ich ebenfalls zweimal professionell gefilmt.
Nach der schönen, großen, romantischen, pneumatischen Sauer-Orgel in Mönchengladbach ist die kleine, bezaubernde Ladegast-Orgel in Hohenmölsen eine völlig andere Welt.
Diese weiße Ladegast-Orgel (meine sechste) mit ihren zwei Manualen und ihrem typisch wunderbarem Spieltisch (ähnlich Schwerin, Leipzig, Rudolstadt, Köthen, Merseburg) und ihrem rohen, wunderbaren Pedal ähnlich wie Alkmaar, ist wie Vollkornbrot, wie dunkle Erde.
Als ich dort Bachs Passacaglia gespielt habe, merkte ich, dass die Orgel frisch und gesund ist. Sie bog sich mir zart, beinahe schüchtern entgegen. Die Sauer-Orgel von 1902 bog sich mir ganz anders entgegen.
Ich wünsche ein gutes Gelingen, besonders war für mich die Zugabe “Kleine weiße Friedenstaube”, die auch tatkräftig von den Anwesenden gesungen wurde.
Ihr Wolfgang Knipper
Wunderschön dieses Instrument Danke!
“ist wie Vollkornbrot” wie Wundervoll, sowas habe ich noch nie gehört!
Eine sehr schöne Kirche und eine ebenso Wundervolle Orgel. Diese Fotoserie gefällt mir sehr gut. Es ist schön das die Prospektpfeiffen ersetzt wurden. Danke für deine wunderbaren Orgel News und Informationen.
Was für eine gelungene Würdigung der kleinen, aber feinen Ladegastorgel in der Stadtkirche St. Petri meiner Heimatstadt. Dankeschön!
Selten von dieser Orgel gehört, möchte sie gern sehen. Danke ! Ich habe übrigens mittlerweile viel von Dir gelesen und möchte dich auf jeden Fall irgendwann einmal persönlich kennen lernen.
Gern!