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Prospekt Hirschhorn Orgel

Krämer Voit Orgel Karmeliter-Klosterkirche Mariä Verkündigung, Hirschhorn

kath. Klosterkirche Hirschhorn am Neckar, Hessen

Orgelbauer:

Andreas Krämer (Heidelberg) / Orgelbau Voit (Durlach)

Baujahr:

1780 / 1884 / 2002 / 2024

Datum des Erstbesuchs:

Mai 2025

Disposition und Spielhilfen

Historische seitenspielige Krämer Voit Orgel Karmeliter-Klosterkirche Mariä Verkündigung, Hirschhorn am Neckar, Odenwald, Hessen, 1 M, 13 R

Seit 1955 steht die hübsche kleine Orgel hier in der gotischen Klosterkirche im Neckartal, dem einzig hessischen Zipfel und Teil im Neckartal, sozusagen eine hessische Zunge in Baden. Vorher stand die Orgel in Weinheim. Die sanierte Krämer-Orgel ist keine Barock-Orgel mehr.

2002 wurde das mechanische Instrument von F & N Förster & Nicolaus aus Lich restauriert und für fast 30000 € rekonstruiert. Die Kirche besitzt eine wundervolle Akustik und der Klang der Orgel ist frühromantisch. Betreut wird die Orgel von Vleugels. 2023-2024 wurde sie von Vleugels für 57000 € saniert, inklusive teurer, automatischer Belüftungsanlage aufgrund der enormen Feuchtigkeit von früher bis zu 90 Prozent Luftfeuchtigkeit durch Neckar und Sandstein. Sie musste aufgrund dieser Feuchtigkeit durch Sandstein und Neckar von Schimmelbefall gereinigt werden und riecht innen noch immer etwas modrig.

Unter der Kirche fließt nämlich der große Neckar mit seinen Schleusen, die den wilden Fluss für die Schifffahrt zähmen sollen, umrahmt von roten Sandsteinfelsen. Die drei katholischen Kirchen hier in Hirschhorn gehören aus politischen Gründen dem Bistum Mainz, was kein leichtes Unterfangen und kein leichter Zustand für die Kirche hier und für die Hirschhornerinnen allgemein ist.

Es war sehr schön, hier zu konzertieren. Es war das erste Konzert seit der Rekonstruktion, sozusagen das Einweihungskonzert.

Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt und brechend voll, das Konzert also hervorragend besucht. Meine Hände wurden nach unten gebeamed und das ganze Konzert live gestreamt von Ceol Studio.

Es ist faszinierend, wie die Klosterkirche an den Hang gebaut ist, unter der Burg und über dem Fluß. Der Weg hinauf ist sehr steil. Man muss laufen. Die kleinen und großen Fachwerkhäuser stehen herzallerliebst am Hang.

Die Disposition und alle Aktualisierungen sind hier zum ersten Mal im Netz.

Plakat Orgelkonzert Hirschhorn

Manual oben

Gedeckt 8

Quintadena 8

Spitzflöte 8

Salicional 8

Vox Coelestis 8

Principal 4

Traversflöte 4

Quinte 2 2/3

Oktave 2

Mixtur III 1 1/3

Pedal oben

Subbass 16

Oktavbass 8

Cello 8

Pedalkoppel

Der Umfang ist begrenzt: C-d3 im Manual und C-c1 im Pedal. Bis auf Mozart, welches ich anpassen musste, ging jedoch das meiste meines Programms wunderbar, auch wenn einige Randtöne fehlen und es nur ein Manual gab.

Die Orgel klingt butterweich, ist jedoch nicht leicht zu spielen, eher etwas unbequem. Die Bank war für mich recht hoch; man kann sie nicht verstellen. Ich habe mit Socken gespielt.

Wunderschön ist auch der Kapitelsaal mit Vorzimmer und einem braunen gepflegten Bechstein-Flügel von 1935. Auch im Burg-Innenhof und Kloster-Innenhof finden Konzerte statt. Die Anna-Kapelle befindet sich neben der Muscheltreppe. Der Altar musste erneuert werden, die Figuren in der Kirche verteilt. Auch die Decke wurde rekonstruiert, was hervorragende Auswirkungen auf die Akustik hatte. Die alten Fresken sind wundervoll.

Die Kirche muss dringend unterstützt werden, bitte spendet und wendet euch hierzu an: PaulKessler@gmx.de

Klang und Akustik

Die Akustik in der Kirche ist wunderbar: Weich, brillant, voll, resonant, singend. Die Orgel klingt sweet, weich und elegant warm, ist für mich, trotz der ehemals barocken Herkunft, um es mal so zu sagen, eine eindeutig frühromantische Orgel mit süffigem Sound, ohne Kanten, Direktheit oder grellen Farben. Auch die Mixtur ist angenehm und keineswegs schrill. Es ist auch möglich, natürlichen Wind zu schöpfen wie früher.

Ich habe Zugaben gespielt und mich mit Socken unten verbeugt und Blumen bekommen. Hinterher gab es einen Sekt-Empfang und leckeres Essen. Die Presse und eine Fotografin waren ebenfalls da: Rhein-Neckar und Stadt-Anzeiger.

Besonders schön ist die Sandstein-Muschel-Treppe, die zur Orgel und eine kleinere zur Kanzel führen.

Im Kloster wohnen seit Neuestem indische Karmeliten-Mönche aus Kerala. Sie sprechen sehr gut Deutsch. Es sind die Padres aus Indien, die neuen Karmeliten-Brüder. Das Schloss oberhalb des Klosters war ehemals eine wehrhafte Ritter-Burg.

Persönliche Note

Heute Abend ist mein Konzert in der Karmeliter-Klosterkirche Mariä Verkündigung in Hirschhorn am Neckar, Hessen. Es ist das erste Orgelkonzert in diesem Jahr.

Die spätgotische Kirche von 1406 liegt mit ihrem fliederfarbenen Pfarrhaus und Klostergebäude unter dem Schloss, das für 2 Millionen Euro frisch renoviert wurde, jedoch noch immer keinen Pächter hat. Vermutlich ist der Preis zu hoch.

Das Schloss ist jedoch eine wichtige Quelle für den wunderschönen Ort, da es das einzige Hotel und Restaurant ist und dringend verpachtet werden muss. Jetzt steht die teuer renovierte Burg leer. Vor ca. 10 Jahren war dies die erste Adresse vor Ort.

Das kleine Hirschhorn im Odenwald, früher eine reiche Ritterstadt im Mittelalter, besitzt 4 schöne Kirchen. Jedoch die wichtige und denkmalgeschützte Brücke über den großen Neckar, die innerhalb von 10 Monaten fertig saniert sein sollte, ist selbst im 5. Jahr noch nicht fertig und nicht befahrbar.

Die Klosterkirche, eine einschiffige Hallenkirche direkt oberhalb dem Neckar, besitzt einen Schlussstein im Chorgewölbe mit dem Wappen der Klosterstifter und Doppelgrabmale. Hirschhorn erinnert mich stark an Heidelberg. Heidelberg ist ja auch nur 25 km weit weg.

Auch die Art, wie der Neckar eine Schleife dreht und mitten unter grünen Wäldern, umrahmt von Fachwerkhäusern und roten Häuschen, fließt, erinnert mich an meine Studienzeit in Heidelberg.

Das malerische Hirschhorn ist ein hessischer Zipfel zum südhessischen Bereich „Bergstraße“, umrundet von Baden und badischen Städten von Baden-Württemberg.

Aber die katholischen Kirchen in Hirschhorn gehören aus politischen Gründen zum Bistum Mainz. Die Bewohnerinnen Hirschhorns müssen nach Heppenheim fahren, wenn sie zu Ämtern müssen.

Die Hirschhorner Ritter hätte ich gern mal kennengelernt und die Gänge des Klosters erlebt, wie die Mönche sie bevölkern. Durch die Säkularisierung wurde das Kloster 1803 geschlossen. Es stand sogar auf der Kippe, ob das Kloster abgerissen werden soll. Das Inventar wurde jedenfalls verschleudert, das Kloster wurde eine Ruine, bevor sie gerettet wurde – durch das Sammeln einfacher Menschen im Ort.

Auch heute ist die Kirche wieder in schweren  Zeiten.

Das Bistum Mainz zwingt Hirschhorn, Kirchen verschließen, obwohl sie hervorragend erhalten sind, gebraucht werden, tolle Orgeln besitzen und denkmalgeschützt sind.


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