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Klais Orgel Dom Trier

kath. Dom

Orgelbauer:

Johannes Klais, Bonn

Baujahr:

1974

Datum des Erstbesuchs:

20.11.2021

Disposition und Spielhilfen

Schwalbenschwester. Schwalbennester. Wunderschöne Knospen-Orgel, Schwalbennest-Orgel in der Liebfrauenkirche/Dom, Trier an der Mosel, Rheinland-Pfalz. Älteste Bischofskirche Deutschlands, ein Kompendium von 1700 Jahren. Große, romantische, vielseitige Blüten-Orgel mit 4 Manualen. Ein mächtiger, runder, heller, schöner Dom mit starkem Besucherandrang und römischen und gotischen Anteilen, viel Stuck, Schmuck, Figuren und Engeln. Danke an Kantor Josef Still, der dort schon seit 1994 tätig ist.

Klais 1974. Schleifladen. 5602 Pfeifen. 67 Register. Man sitzt mitten in der Orgel vor dem Brustwerk. Weit oben. Nicht ganz so hoch wie Rieger Bamberg. 4 M. Ich spielte Vierne. Passt perfekt hier. Schönes Rückpositiv. Man bekommt ein Headset, um die Akustik unten auch oben etwas prüfen zu können. Denn unten klingt alles anders. Mir gefällt die Wechselwirkung zwischen Orgel und Raum. Man kann die Akustik gut einschätzen.

Zuvor gab es hier eine Hocque-Orgel von 1593, eine Nollet-Orgel von 1727, eine Breidenfeld vom 1837, eine Weigle Orgel von 1908, jedoch gab es mit Weigle Probleme. Daher wurde Klais beauftragt. Die ganze Sache wurde sehr teuer. Jedoch konnte man sich zufrieden einigen.

Hauptwerk
2. Manual
C-c4

Praestant 16′
Principal 8′
Hohlflöte 8′
Gemshorn 8′
Quinte 5 1/3′
Octave 4′
Nachthorn 4′
Terz 3 1/5′
Quinte 2 2/3′
Superoctave 2′
Cornett 5fach
Mixtur 5fach
Cymbel 3fach
Trompete 16′
Trompete 8′
Trompete 4′

Schwellwerk
4. Manual
C-c4

Bordun 16′
Principal 8′
Lochgedackt 8′
Gamba 8′
Unda Maris 8′
Octave 4′
Flute octaviante 4′
Salicional 4′
Flageolett 2′
Fourniture 6fach
Cor anglais 16′
Trompete 8′
Clairon 4′
Tremulant

 

Brustwerk
3. Manual
C-c4

Rohrflöte 8′
Praestant 4′
Blockflöte 4′
Nasard 2 2/3′
Doublette 2′
Terz 1 3/5′
Sifflet 1′
Acuta 4fach
Oberton 3fach
Hautbois 8′
Vox humana 8′
Tremulant

Rückpositiv
1. Manual
C-c4

Praestant  8′
Quintade 8′
Gedackt 8′
Principal 4′
Rohrflöte 4′
Octave 2′
Waldflöte 2′
Larigot 1 1/3′
Sesquialter 2fach
Scharff 4fach
Glockencymbel  2fach
Dulzian 16′
Cromorne 8′
Tremulant

 

Pedal
C-g1

Untersatz 32′
Principal 16′
Subbaß 16′
Octave 8′
Spielpfeife 8′
Superoctave 4′
Flöte 4′
Hintersatz 5fach
Aliquotbaß*) 4fach
Piffaro 2fach
Bombarde 32′
Posaune 16′
Trompete 8′
Schalmey 4′
Tremulant

*) Aliquotbaß (Pedal):
5 1/3‘ Rohrflöte
3 1/5‘ Koppelflöte
2 2/7‘ Konisch
1 7/9‘ Zylindrisch

 

67 Register
5602 Pfeifen mit Länge zwischen 5 und 5400 mm
10 Koppeln
4 Tremulanten
2000 elektronische Setzerkombinationen

Spielhilfen

  • Normalkoppeln
  • Tremulanten: RP, BW, SW, P
  • Nebenregister: Röhrenglocken (HW)
  • Windauslaß-Ventile: HW, SW
  • Tastenarretierung: HW
  • 1920 elektronische Setzerkombinationen
  • Registercrescendo (Walze)
  • Spieltraktur mechanisch, Registertraktur elektrisch
  • Betätigung der beiden Schweller mechanisch
  • 5602 Pfeifen

Gewicht 30 t
Höhe 16 m, Breite 8 m

Klang und Akustik

Wunderschöner Tremulant für das Pedal, besonders für die singenden Vierfüße, gut für Vierne und Messiaen. Sehr schöne Grundstimmen Rückpositiv (erstes Manual, unten), schöner Prinzipalklang im HW (zweites Manual). Sehr duftige Schwellwerke (drittes und viertes Manual). Der linke Schweller ist für das dritte und der rechte Schweller für das vierte Manual.
Walze. Schwarze Tasten, leichtgängig, angenehmes helles Radialpedal. Tremulant, Schwebung, Solostimmen und leise Zungen besonders schön im vierten Manual. Die beiden Schwellwerke perfekt für französische Musik. Diese „Universalorgel“ ist sehr gut geeignet für Alte Musik, deutsche und internationale Romantik und Neue Musik. Es gibt ein schönes Glockenspiel im HW. Alles lässt sich koppeln. Die beiden Pedaltürme sind rechts und links. Das dritte Manual ist direkt über einem und wirkt daher sehr laut am Spieltisch. Die Orgel klingt viel ausgewogener unten und entfaltet sich erst unten. Die Oboe im dritten Manual ist unten leise zu hören, oben laut.
Sehr schön Unda Maris und Lochgedackt im vierten Manual. Eine sehr singende Orgel.

Persönliche Note

Heute besuchte ich zum ersten Mal den Dom in Trier, ganz nah zur ev. Basilika. Völlig andere Orgel als in der Basilika. Hübsche Knospen-Orgel im Dom Trier an der Mosel, rosa-weiß und geschmückt mit Trauben und Tauben, derselbe Künstler wie der Gestalter der Altarinsel weit unten links. Schwalbennest Orgel. Geschmückte Pfeifenbündel. Zwei Schweller, Pistons, Walze. Ornamente aus Aluminium umgeben die Orgel. Es gibt Röhrenglocken im HW und auch eine Panflöte.

Die wunderschöne Klais Chororgel ist von 1996. Geschmückte Hängekonsolen. 24 R. Zuvor eine Stumm-Orgel 1837. Die Truhenorgel in der Ostkrypta von Link (Giengen) 1994. 5 R.

Man fährt mit dem Fahrstuhl hinauf und läuft dann oben in den Gewölben herum, und oben ist es riesig. Und hell. Über Treppen erreicht man dann die Orgel und darf nicht allzu unschwindelfrei sein. Und auch nicht das Bedürfnis haben, sich hinabzustürzen. Den schönen Gewölbe-Altar sieht man links, auch die hängende, hübsche, elegante Chororgel und den nicht hängenden Flügel, der tatsächlich auf dem Boden steht. Warum gibt es eigentlich keinen Schwalbennest-Flügel?

Und gibt es Orgeln in Kreuzform? Das vermisse ich.

Ob ich auch gegen das Orgel-Virus geimpft werden kann? Jedoch: Seit 1724 bis heute gab es auch in diesem Dom noch nie eine Domorganistin. Stattdessen 19 Männer! Das ist unglaublich, der Zustand der Orgelwelt. Wahrscheinlich bin ich seit 1724 eine der wenigen Organistinnen, die an der Orgel überhaupt spielten!

Das Gewicht der Orgel mit fünf Stockwerken beträgt 30 Tonnen bei einer Höhe von 16 m und einer Breite von 8 m. Der Wunsch, die Orgel zu schmücken, gelang den Bildhauern Hillebrand und Heiermann zusammen mit Maler Viktor Breiling. Das mittlere Orgelgehäuse wird von den Türmen des Pedals  umgeben (C- und Cis-Seite). Aus Platzgründen stehen die 32 gedeckten Holzpfeifen des Untersatz 32’ auf einer eigenen Lade, Ventilsteuerung elektrisch, Gebläseanlage.

Die Prospektpfeifen stehend und hängend, der Spieltisch befindet sich zwischen Rückpositiv und Brustwerk. Über das nördliche Seitenschiffgewölbe geht der Weg zu dem hinter der Orgel liegenden Biforium. Von hier aus führt eine Treppe direkt zum Spieltisch.

Die Verbindung zwischen Tasten und Pfeifen, die Spieltraktur, geschieht über dünne hölzerne Zugruten (Abstrakten). Die Schaltung der Register und der Koppeln geschieht elektrisch, elektronische Setzerkombinationen.
Als besondere Spielhilfen gibt es eine Tastenfessel und Windauslassventile für Haupt- und Schwellwerk.

Hinter dem Dom breitete sich der Weihnachtsmarkt aus. Mein erster Weihnachtsbaum Season 2021: Innsbruck. Mein erster offener Weihnachtsmarkt (Stuttgart war noch geschlossen): Trier. Es war 2G. Mein erster 2G-Weihnachtsmarkt. Der Weihnachtsmarkt ist mit 30 gestrichenen Buden sehr verkleinert worden. Aber dafür war er wunderbar. Andere Städte haben ja gar keinen. München musste dicht machen. Schlimm. Aber hier war er heimelig und süß. Es gab ungarische Hefetaschen mit Knoblauch und Käse – so lecker. Und Kinderpunsch. (Ich kann keinen echten Glühwein mittags trinken.) Weihrauchs-Dufter und eine kleine Krippe aus Birkenholz habe ich gekauft und einen schönen blauen Wollpullover. Und die Hälfte der Besucher waren Amerikaner! Es gab auch noch einen kleinen Weihnachtsmarkt in der Nähe von der Porta Nigra (Wahrzeichen von Trier), ebenfalls umzäunt. Es war sonniges Wetter.

 


5 Antworten auf “Klais Orgel Dom Trier”

  1. THEMEN DES TAGES
    Trier trauert noch immer – eine Stadt fühlt mit

    Eine Gedenk-Tafel, geschaffen vom Trierer Steinmetz Henning Wirtz, steht jetzt neben der Porta Nigra. Sie erinnert an die Amokfahrt vom 1. Dezember 2020 in der Trierer Innenstadt, bei der fünf Menschen getötet und zahlreiche verletzt wurden.
    Am ersten Jahrestag der Amokfahrt gab es einen großen Gedenk-Gottesdienst für die Opfer. Die schrecklichen Bilder bleiben im Kopf.

    VON BIRGIT REICHERT
    TRIER |(dpa) Im Zentrum von Trier steht das Leben still. Passanten halten schweigend inne, während die Domglocke läutet. Kerzen brennen – und im Dom stehen Hunderte Menschen andächtig beieinander. Auf die Minute genau vor einem Jahr, um 13.46 Uhr, raste ein Amokfahrer durch die Fußgängerzone. Vier Minuten später war die Stadt eine andere: Fünf Menschen starben, Dutzende wurden verletzt, Hunderte traumatisiert. Es sind die Opfer, derer am Mittwoch bei der ersten großen Gedenkveranstaltung zur Todesfahrt gedacht wird.

    Viele von ihnen sitzen am Jahrestag in den Bänken des Doms. Daneben Angehörige, Hinterbliebene und Rettungskräfte, die im Einsatz waren. Mit dabei ist auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). „Die Stadt ist damals im Mark getroffen worden. Und auch das ganze Land“, sagte Dreyer, die in Trier zu Hause ist. Das spüre man am Jahrestag noch einmal besonders. „Wenn man sich an die Bilder erinnert, das ist einfach erschütternd bis zum heutigen Tag.“ Im Dom sprach der Trierer Bischof den Menschen aus der Seele. Die Amokfahrt bleibe bis heute eine „unbegreifliche Tat“ mit vielen unbeantworteten Fragen, sagte Stephan Ackermann vor knapp 400 Besuchern. Sie habe die Trierer „jäh herausgerissen“ aus dem Alltag, bei Betroffenen den „Blick auf das ganze Leben verändert“. Sicher sei: „Die Verarbeitung des Geschehenen steht erst am Anfang“, sagte der Bischof.

    Der Amokfahrer war am 1. Dezember 2020 mit seinem Geländewagen fast einen Kilometer durch die Fußgängerzone gerast und hatte dabei gezielt Menschen angefahren. Bei der Tat starben ein neun Wochen altes Baby, dessen Vater (45) und drei Frauen im Alter von 25, 52 und 73 Jahren. Im Oktober war zudem ein 77-Jähriger gestorben, der bei der Tat damals schwer verletzt worden war. Ob die erlittenen Verletzungen todesursächlich waren, muss noch abschließend geklärt werden.

    „Wir sind heute hier, weil wir nicht vergessen können“, sagte der Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Christoph Pistorius, in seiner Predigt. Und: „Weil wir nicht vergessen wollen. Wir wollen uns an die Opfer erinnern.“ Man trauere gemeinsam, teile „das Unverständnis und das Entsetzen, die Wut und Machtlosigkeit“. Aber Verzweiflung und Hass sollten das weitere Leben nicht bestimmen, sagte er.

    Als mutmaßlicher Täter steht seit Mitte August ein 52-Jähriger vor dem Landgericht Trier. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Deutschen fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen vor. Bislang wollte sich der Angeklagte im Prozess nicht äußern. Der zuletzt arbeits- und wohnsitzlose Mann leidet nach vorläufiger Einschätzung eines psychiatrischen Sachverständigen an einer Psychose.

    Für Petra Lieser, die bei der Amokfahrt ihre Tochter Katja Lieser (25) verloren hat, ist der Mittwoch „einer von vielen furchtbaren Tagen“. Eigentlich sei im letzten Jahr jeder Tag „schwarz“ gewesen. Nach dem Gottesdienst wollte sie sich zum ersten Mal seit einem Jahr an die Stelle wagen, an der ihre Tochter getötet wurde.

    Die Tat treibt bis heute viele Menschen in Trier um. Bei einer Gedenktafel, die am Freitag nahe der Porta Nigra enthüllt worden war, haben Menschen Kerzen aufgestellt. „Ich war an dem Tag der Amokfahrt mit meiner Tochter in der Stadt. Es hätte auch mich treffen können“, sagte eine Frau. Und eine andere, die ein Geschäft in der Nähe vom Hauptmarkt hat: „Ich habe die Bilder noch im Kopf. Es kommt alles wieder hoch.“

    Man spüre, dass „nach wie vor die Trauer wirklich sehr, sehr groß ist“, sagte Dreyer nach dem Gottesdienst. „Den Menschen möchte ich mitgeben, dass sie nicht vergessen werden. Dass wir bei Ihnen sind.“ Der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) sagte, es werde künftig jedes Jahr „ein Ort des Gedenkens“ geschaffen. „Das habe ich den Familien versprochen.“

    Auch bei der Polizei wirkt die Tat nach. „Manche Kolleginnen und Kollegen werden noch begleitet oder sind noch in therapeutischer Behandlung“, sagte Polizeipräsident Friedel Durben. „Wir sehen uns allerdings nicht als Opfer.“ Natürlich hätten alle, die im Einsatz oder in Ermittlungen waren, die schrecklichen Bilder im Kopf.

    Das Erinnern sei wichtig, sagte eine Frau vor dem Trierer Dom auf dem Platz, auf dem wegen der Gedenkveranstaltung der Weihnachtsmarkt bis zum Nachmittag geschlossen blieb. „Aber das Leben geht weiter.“

  2. An eine Schwalbennestorgel einen Flügel schwindelfrei anzubauen, wäre eine patentwürdige Innovation.
    In St. Michael SB wäre auf der Empore auch Patz genug für einen solchen für Salonkonzerte mit allem was Tasten hat.

  3. Maximilian Nicolaus

    Danke für den einfühlsamen Kommentar zu meiner Bischofskirche und wunderbaren Fotos aus Organistinnen-Perspektive. Hoffe auf Konzert mit dir dort. Und Main Rhein und Mosel und Saar aufwärts führen viele Wellen zueinander.

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