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Kemper Orgel Kirche Peitz Vorspreewald Niederlausitz Brandenburg

evangelische Stadtpfarrkirche (1860)

Orgelbauer:

Emanuel Kemper (Lübeck)

Baujahr:

1956 / 1970 / 1996 / 2006

Datum des Erstbesuchs:

September 2026

Disposition und Spielhilfen

Große schöne Kemper Orgel ev. Kirche Peitz Vorspreewald Niederlausitz Brandenburg, 3 M, 47 R, über 3500 Pfeifen, Walze, elektrische Trakturen, Glocken, Horizontale

Willkommen in der Niederlausitz!

Diese große, raumbeherrschende Orgel mit freiem Spieltisch ist etwas Besonderes. Sie steht im Landkreis Spree-Neiße, Brandenburg, in der roten Stüler-Kirche im historischen Peitz und ist klanggewaltig und bedeutend. Ursprünglich konzipierte man das Instrument für die ev. Nikolaikirche in Berlin–Spandau, wo sie damals als die bedeutendste Nachkriegsorgel Berlins galt.

Da die Spandauer Gemeinde einen Neubau plante und die Orgel dort nicht mehr optimal in den Raum passte, wurde sie 1995 an die Kirche in Peitz verschenkt und zog nach Brandenburg. Sie hat eine bewegende Geschichte. 

Der Transport und Wiederaufbau in Peitz erfolgte 1995/1996 in rein ehrenamtlicher Arbeit durch lokale Orgelfreunde um Orgelbauer Dirk Redies.  Zu Pfingsten 1996 wurde sie hier wieder eingeweiht. Sie gehört zu den kirchenmusikalisch wertvollsten und größten Orgeln im Süden Brandenburgs.

Beim Aufbau in der Niederlausitz wurde das ehemalige Rückpositiv als Fernwerk auf der Südempore aufgestellt und eine Spanische Trompete ergänzt – eine für die Region eher ungewöhnliche und klanglich reizvolle Besonderheit. Sie besitzt Schleif – und Kegelladen. 

Durch Orgelbauer um Dirk Redies wurde die Kemper Orgel umfangreich umgebaut. Seit dem Umzug wurden viele klangliche Anpassungen und Registeranpassungen vorgenommen, um den Charakter des Instruments stetig zu verfeinern und mit romantischen und historischen Klängen und Zungen zu erweitern.
Die ursprüngliche Kemper-Orgel
wurde im Geist der „Orgelbewegung“ erbaut, die sich an barocken Klangidealen orientierte. Nun hat sie viele warme Klangfarben, strahlend und edel. Die Akustik ist phantastisch!

Das große sakrale rote Backstein-Gebäude selbst ist neben dem trutzigen Festungsturm das Wahrzeichen der Stadt und ein Meisterwerk des Historismus in der Niederlausitz. Es wurde von 1854 bis 1860 nach Plänen des berühmten preußischen Architekten Friedrich August Stüler im oberitalienischen Rundbogenstil errichtet. 

Es ist meine 5. Kemper-Orgel. Sie ist nun eine  Art universale Orgel, eine kreative, freie Patchwork-Orgel. Das größte Register misst 5 Meter, der neue Prinzipal 16, welcher aus Holz links an der Orgel seitwärts angebracht wurde und aus dem Dom zu Bergen stammt.

Die Westempore ist sehr breit und ausladend, mit Fotos der Jazz-Konzerte und Tischen und Stühlen für Meetings.

Die Orgel wird von Tino Herrig/Dirk Redies betreut. Tino ist Intonateur bei Scheffler, aber auch freischaffend und für andere Firmen tätig.

Es gibt in dieser Kirche auch eine sehr schöne Volliardglocke von 1663.

Orgelkonzert Peitz

Fernwerk (1. Manual, C bis g“‘)

42. Singend Gedackt        8′
43. Quintade                   8′
44. Prinzipal                    4′
45. Rohrflöte                   4′
46. Nassat                   2 ⅔‘
47. Oktave                      2′
48. Blockflöte                  2′
49. Vogelpfeife                1′
50. Scharf                  3fach
51. Hornaliquot           4fach
52. Rankett               16′
53. Krummhorn                8′
54. Doppelregal            8′
55. Tremulant
56. Glocken / Zimbelstern

Schwellwerk (3. Manual, C bis g“‘)

01. Spitz Gedackt        8′
02. Spielpfeife                8′
03. Salicet                    8‘
04. Vox Celeste                   8‘
05. Prinzipal                   4‘
06. Lochflöte                    4‘
07. Fugara                  4‘
08. Sesquialtera                 2-3
09. Mixtur                   3fach

10. Trompete           8‘

11. Trichterregal               8‘

12. Tremulant

Pedal (C bis f‘)  

13. Prinzipalbaß*               16′
14. Subbaß                       16′
15. Zartbaß                      16′
16. Quintbaß
17. Oktavbaß                     8′
18. Gedacktbaß                  8′
19. Pommerbaß                  4′
20. Glöckleinton            2fach
21. Posaune*                    16′
22. Trompete                     8′
23. Clarine                         4′
24. Tremulant

25. Koppel             SW-Pedal

26. Koppel             HW-Pedal

27. Koppel              FW-Pedal

Hauptwerk (2. Manual, C bis g“‘)

28. Bordun                    16′
29. Prästant                        8′
30. Traversflöte                8′
31. Spitzgambe                 8′
32. Oktave                         4′
33. Gemshorn                 4′
34. Quinte                       2 ⅔‘
35. Oktave                          2′
36. Mixtur                   3-5fach
37. Spanische Trompete 8′
38. Tremulant


39. Koppel                  SW-HW

40. Koppel                   FW-HW

41. Suboktavkoppel  SW-HW

 

In den 70er-Jahren war das Kirchengebäude so massiv von Hausschwamm befallen, dass es baupolizeilich gesperrt werden musste. Zwischen 1975 und 1979 folgte eine umfassende Sanierung, bei der der Innenraum modernisiert und umgestaltet wurde. Jedoch wurde dabei die wertvolle romantische Dinse-Orgel einfach zerstört, obwohl sie vollkommen in Ordnung war.

Dies ist unbegreiflich und unverzeihlich. Ich habe schon einige wundervolle Dinse-Orgeln gespielt, beispielsweise auf Rügen.

Neben moderneren Elementen beherbergt die Kirche ein Epitaph von 1620, zwei Bronzeglocken aus dem 17. und 18. Jahrhundert und zwei aus dem 20. Jahrhundert sowie eine Kopie von Leonardo da Vincis Heiligem Abendmahl. Zudem gibt es ein Kruzifix von 1910, ein Kreuz von 1860, aber auch moderne Kunstwerke und Engel. 

Sehr schön sind die horizontal in den Raum ragende Zungenpfeifen mit einem majestätischen Klang. Zusammen mit dem installierten Fernwerk ist diese Kombination extrem selten und in der gesamten Region zwischen Berlin, Leipzig und Dresden nur in Peitz anzutreffen.

Klang und Akustik

Stadtkirche Peitz

Die Akustik ist brillant, warm, rund.

Es war sehr schön, hier zu konzertieren. Die Kirche ist hell, sonnendurchflutet, eine geniale Akustik durch hohe Decke, mit 3 Kronleuchtern von der Decke und mit einer bunten Glasbrüstung entlang der Empore:

Die Glasscheiben leuchten in der Sonne, ICHTHYS verarbeitend. In der gemütlichen vorderen Winterkirche gibt es ein Orgelpositiv von Hofbauer, Göttingen, mit 5 Registern von 1989 unter der Orgelempore.

Insgesamt gibt es 3 Flügel: vorne der weiße große Förster-Flügel, hinten der kleine Steinweg und oben der süße mini Blüthner; zudem mehrere Cembali.

Spielhilfen

– 4 freie Kombinationen, 2 zusätzlich für Pedal; Zungeneinzelabsteller
– 5 Schleifladen; Gemshorn 4′ C-g“‘ sowie Bordun 16′ C-H auf Kegelladen
– elektrische Trakturen; fahrbarer Nebenspieltisch (2 Man. / Ped.) im Altarbereich; Normalkoppeln und Subkoppeln, Schweller und Walze

Ich habe noch nie eine Patchwork-Orgel kennengelernt und gespielt, aber diese hier ist eine, und sie klingt gar nicht schlecht: Im dritten Manual in der Orgel in Peitz: Eine Trompete aus der Migendt- Barockorgel in Berlin, aus der bekanntesten Barockorgel des Orgelbauers Johann Peter Migendt, der Amalien-Orgel in Berlin-Karlshorst. Auch die Fugara und Vox Celeste und Salicet sind ebenfalls aus historischem Pfeifenmaterial; das Salicet von Kemper ist rausgeflogen. Das Principal 4 ist aus der Rostocker Heilig Geist-Kirche. Im Pedal: Der Principal 16 ist aus Bergen, steht aus Holz links außen an der Orgel, und der neue Holz-Bordun 16 im HW steht rechts außen an der Orgel und wurde von Stiftungsgeldern bezahlt. Die Pommer 16 der Kemper ist nämlich rausgeflogen und diese Pfeifen im Prospekt stummgelegt. Im Grunde wurden in diese Orgel Pfeifen hineingerettet.

Im Hauptwerk weiterhin: Prästant 8 original Kemper, Traversflöte historisch aus Süddeutschland, Spitzgambe 8 aus Helsinki von der dortigen Walcker-Orgel, die spanischen Trompeten wurden dem ehemaligen Kemper-RP entnommen und stehen nun über der Brüstung. Denn das RP hatte keinen Platz mehr.

Was haltet ihr von dieser erstaunlichen Idee, gute (und auch historische) Pfeifen zusammenzutragen und daraus eine neue Orgel zu bauen?

Persönliche Note

Es war sehr schön, hier zu konzertieren. Wenn man die Kirche betritt, erwartet man eine schöne historische Inneneinrichtung – so, wie es war, als die Dinse-Orgel noch stand.

Die Peitzer Orgel besitzt einen Zimbelstern, der, wenn man unten einen Schalter betätigt, zum Glockenspiel wird. Beides gleichzeitig ist eigentlich nicht möglich. Aber ich habe es geschafft, im Konzert, beide gleichzeitig zu aktivieren.

Es ist eine Überraschung, wenn man das modern eingerichtete Innenleben in der roten alten Backsteinkirche antrifft – was mir auch sehr gut gefällt.

Dirk betreut auch die schöne kleine Museumsorgel von Schuke von 1984 im Hüttenmuseum Peitz.

Das Cockpit der Kemper Orgel erinnert mich an die Kemper Orgel in Lübeck. Ich mag diese alten, unübersichtlich wirkenden Spieltische, die in Wirklichkeit sehr organisiert sind.

Im Konzert spielte ich auch alle Flügel in der Kirche; der Wechsel von Orgel auf Klavier ist eine Herausforderung in Technik und Konzentration.

Genauso Moderieren und Spielen.

Die Kirche war während des Konzerts in wunderschönes buntes Licht getaucht mit Strahlern. Es gab Sekt und Snacks. Kinder waren ebenfalls da.

Es war sehr schön, im Spreewald zu spielen.

Es gibt hier hübsche Feuerwehrhäuser. Zudem ist hier nah der größte künstliche See Deutschlands: der Tagebausee „Cottbusser Ostsee“ oder Cottbusser Meer, noch nicht gesichert, und die größten Teiche und Karpfenteiche Deutschlands. Und es gibt frischen Fisch rings um Peitz. Die Forelle ist so lecker.


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