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Heinze Orgel Lützen

ev. Stadtkirche St. Viti (1488)

Orgelbauer:

Heinze (Stadtilm)/Inhaber K. Schönefeld/zuvor Kreutzbach

Baujahr:

1839/84/1932/73

Datum des Erstbesuchs:

27.2.2022

Disposition und Spielhilfen

Anschließend fuhren wir in die Innenstadt von Lützen und besuchten die evangelische Stadtkirche St. Viti von 1488, eine große, majestätische Steinkirche. Die Orgel, die ich oben spielte, werde ich noch separat vorstellen. Es war früher zunächst eine Orgel von Urban Kreutzbach d. Ä. von 1839, die später 1884 von Friedrich Ladegast umgestaltet wurde. 1932 wurde sie von Sauer aus Frankfurt/Oder überholt und blieb in diesem Zustand bis zum 4.4.1945 (krasses Datum). Dann aber wurden Kirche und Orgel durch eine Luftmine stark beschädigt, teilweise zerstört. Dies ist eine Tragödie, denn die Orgel erlitt schwere Nachschäden, da sich niemand um sie kümmerte und sie auch nicht abgesichert wurde gegen Diebstahl und Witterung. Erst 1972/73 wurde sie durch Orgelbau Familie Heinze aus Stadtilm neu aufgebaut mit einigen Originalregistern und einem neuen Orgelwerk. Die Abnahme der Orgel erfolgte 1973. Zuvor gab es lange Zeit eine Art Notorgel von Rudolf Kühn aus Merseburg. Der Dom zu Merseburg ist nur ca. 30 km von Lützen entfernt. Das zweite Manual der Orgel heulte heute stark und muss dringend repariert werden. Ansonsten ist es eine hübsche Orgel in einer erstaunlichen Kirche. Besonders ist auch die Tafel aller gefallenen jungen Kriegsopfer aus Lützen und Umgebung. Mit erneuten Spendengeldern wird der Altarraum der Kirche 2022 neu gestaltet werden. Ich bin immer wieder entzückt von den Kirchen im Osten bzw. Mitteldeutschland. Besonders Sachsen-Anhalt besitzt eine unfassbar schöne Kirchenlandschaft. Diese Dörfer mit ihren alten Villen sind einfach ein Augenschmaus, auch Starsiedel.

Links: HW:

Prinzipal 8, Spitzflöte 8, Oktave 4, Waldflöte 2, Mixtur 2-5fach, Trompete 8

Pedal: Subbaß 16, Oktavbaß 8, Choralbass 4 und 2

Rechts: OW:

Prinzipal 4, Holzgedackt 8, Rohrflöte 4, OKtave 2, Sifflöte 1 1/3, Scharf 2/3, 3f. , Krummhorn 8, Tremulant

Pedal: Pommer 4, Posaune 16

Glocken:

Die kleine “Pümmerle”, 1450, die mittlere Glocke von 1537, die große Glocke von 1510 mit der Inschrift: O Land, Land, Land höre des Herrn Wort.

 

Klang und Akustik

Raumfüllend, mit Mixtur, Trompete, Koppeln und 2 M, samtig-trockene Akustik mit wenig Nachhall. Die ersten Orgeln: 1544 für 32 Gulden (Floreni) aus Zeitz. Eine zweite größere Orgel, in Pegau gekauft, 1550, von Meister Gabriel gekauft und gebaut, von 16 Neuschock. 1568-1575 ist die noch bis 1839 vorhandene Orgel von Orgelbauer Georg Lange. Kanzel von 1561, Kruzifix von 1552.

Persönliche Note

Zudem gibt es in Lützen ein schwedisches Dorf als Museum, die Gustav-II-Adolf-Gedenkstätte, mit den typisch roten schwedischen Häuschen, bei deren Anblick ich mich sofort heimisch fühle. Die wunderschöne Gustav-Adolf-Gedächtniskirche wurde errichtet im Gedenken an die Schlacht bei Lützen im November 1632, bei der der schwedische Gustav Adolf II. gefallen ist. Der Findling (Stein) an der Stelle, wo er gefallen sein soll, liegt heute unter einem Baldachin vor der Kirche. Diese war leider geschlossen. Ich weiß nicht, ob es dort eine Orgel gibt. Es ist eine sehr hübsche, kleine Steinkirche zum Knutschen. Der Schwedenkönig wurde nur 37 Jahre alt. In Lützen gibt es zudem noch eine katholische Kirche.

Außen am Stützpfeiler der Kirche, im Südosten, kann man das Erbauungsjahr 1488:

Im Jahre 1488 ist dieses Werk begonnen. I.N.R.I.

Zerstöre mich nicht, Gott sieht es. 


3 Antworten auf “Heinze Orgel Lützen”

  1. Eine sehr inhaltsreiche Angabe über die Kirche und Heinze Orgel in Lützen. Großartig ist auch der geschichtlicher Hintergrund aus dem dreißigjährigen Krieg, weil dort in Lützen der schwedische König Gustav Adolf II. dort in der Schlacht im Jahr 1632, gefallen ist. Mir gefällt das sehr, dass auch solche geschichtlichen Episoden mit in eine Betrachtung mit angegeben werden, weil sie einen großartigen historischen Wert besitzen.

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