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Ladegast Eule Orgel St. Marien Weißenfels (Weissenfels)

St. Marienkirche Stadtkirche Weissenfels e.V.

Orgelbauer:

Friedrich Ladegast

Baujahr:

1864-2021

Datum des Erstbesuchs:

5.3. 2021

Disposition und Spielhilfen

Locken-Frisur-Blond

Ladegast Orgel St. Marien Weißenfels (Weissenfels)

Ladegast steht für weichen, farbigen Ton, orchestral, großvolumig, grandioser Labialpfeifenchor mit Pedal. Breit labierte Prinzipale, ein (riesiger) Klangapparat, Barker, oft Walze, Schwelltritt, Luftpumpen, die Mensuren von Prof. Töpfer als Norm. Hier: Restauriert von Orgelbauwerkstatt Eule (Bautzen).

Bach ist seit 1713 eng mit Weissenfels. Er spielte die Schlosskirche.

Stadtkirche St. Marien zu Weissenfels, Sachsen-Anhalt. Ort der musikalischen Ausbildung. Heinrich Schütz erlebte die Marienkirche als Zentrum, hier wurden junge Musikanten ausgebildet.

Auch heute ein Veranstaltungsort. Das wunderschöne Ölgemälde Ecco Homo ist Dauerleihgabe im Museum.

Epitaph 1515, barocker Hochaltar 1684, Kanzel 1673, neugotische Verglasung.

Früher: 6 Keilbälge, Chortonstimmung.

Ein wunderbares Klanggebirge neu erleuchtet.

Jetzt: Manual- und Pedalkoppeln, 5 Sperrventile, seitlicher Löffeltritt zum Einhaken für die Schwelltüren. Gleichschwebend, Magazinbälge im Zwischenboden.

Vorgänger-Orgeln

1405 gab es bereits eine Vorgängerorgel, ein kleines Blockwerkinstrument als Schwalbennest an der Nordwand, evtl.  sogar schon 1303.

1581 reparierte diese anonyme Orgel der geniale Heinrich Compenius aus Halle.

1639 baute Tobias Weller aus Dresden eine neue große Orgel mit 30 Registern, trotz schwerer und armer Zeiten, mitten im Krieg. Er hatte die Orgel mit Angst vor der Kirche gebaut, was ich schlimm finde.

Vermutlich stand dieses Instrument schon auf der Westempore. Sie hatte 6 Keilbälge, Chortonstimmung. OW, BW, RP, P.

1702 geschah durch Johannes Zschuckelt aus Weissenfels eine Erweiterung: 32 Register, Schleifladen, neue Bälge. 1827-29 sollte die Orgel repariert werden durch Böhme aus Rippicha. Es geschah nicht. Erst 1852 gab Ladegast Laut, wie zerfallen und kaputt die Orgel sei. Er wolle eine ganz neue bauen, mit 3 M. Der Liszt-Schüler Gottschalg empfahl ihn.

Früher II (HW) Oberwerk CD-c3

Principal 8‘

Grobgedackt 8‘

Quintatön 8‘

Oktave 4‘

Gemshorn 4‘

Kleingedackt 4‘

Quinte 3‘

Nasat 3‘

Octave 2‘

Flöte 2‘

Quinte 1 1/3‘

Mixtur Cymbel

 

Jetzt: C-F

Bourdon 16′

Principal 8‘

Hohlflöte 8′

Viola da Gamba 8′

Gemshorn 8′

Rohrflöte 8′

Oktave 4‘

Spitzflöte 4′

Quinte 2 2/3‘

Octave 2‘

Cornett 5fach

Mixtur 5fach

Trompete 8′

Brustwerk III früher:

Schwiegel 1′

Schärfe 1′

Regal 8′

Schalmei 8′

Nebenregister: 2 Tremulanten, 2 Cymbelsterne, Sperrventile Positiv und Brustwerk, Vogelgesang, Manualschiebekoppeln

 

Jetzt Echowerk C-F im Schwellkasten:

Lieblich gedackt 16′

Viola d’amour 8′

Flauto traverso 8′

Unda maris 8′

Fugara 4′

Zartflöte 4′

Violine 2′

Cimbel 3fach

Manual- und Pedalkoppeln, 5 Sperrventile, seitlicher Löffeltritt zum Einhaken für die Schwelltüren

Gleichschwebend, Magazinbälge im Zwischenboden

I Rückpositiv CD-c3 früher:

Grobgedackt 8‘

Principal 4′

Flachflöte 4′

Octave 2′

Quinte 1 1/3

Regal 8′

 

Jetzt Oberwerk I C-F: 

Quintatön 16′

Geigenprincipal 8′

Salicional 8′

Gedackt 8′

Octave 4′

Flauto minor 4′

Nassat 2 2/3′

Waldflöte 2′

Progr. Harm. 4fach

Oboe 8′

 

Pedal CD-c1 früher:

Subbaß 32′

Principalbass 16′

Quintatön 16′

Posaune 16′

Trompete 8′

Krummhorn 4′

Cornett 2′

 

Jetzt: Pedal C-D:

Principalbass 32′

Principalbass 16′

Violon 16′

Subbaß 16′

Oktavbaß 8′

Violoncello 8′

Baßflöte 8′

Quintbaß 5 1/3′

Octavbaß 4′

Posaune 16′

Es ist wichtig, Orgeln von diesen Wert zu rekonstruieren, nicht zu entstellen. Orgelbau Eule Bautzen ist die Restaurierung 2019-2021 und Wiedereinweihung 2021 hervorragend gelungen.

Heute am 21.10.2021 spielte ich an der wunderschönen Ladegast Orgel 1864, gerade 2021 frisch restauriert von Eule, in der Marienkirche in Weißenfels, Sachsen-Anhalt. Ich habe die Orgel in drei verschiedenen Stadien erlebt: Einmal weiß (übermalt), mehrmals eingetütet von Eule, und nun heute das erste Mal in ihrer neuen vollen Pracht gespielt.

Es ist schön, eine so wertvolle Orgel über einen längeren Zeitraum zu begleiten und Entwicklung und Prozeß mitzubekommen. Wie bei einem Menschen. Sie ist nun wieder braun. Ohne Gerüst. Mächtiger, runder, warmer, ausgewogener Klang, der sich gut mischt. Farbtöne. Klangtöpfe. Registergesichter. Super Akustik. Groß. Ritter 4. spielte ich.

Klang und Akustik

Der große, ernste, mystische und runde Klang gleitet schwebend schon in die Ferne, verlockend, nicht eilig, würdevoll und mit großer Kraft. Wunderschön die Trompetenbecher, die Schallbecher, Wellenrahmen im HW, angelängte Metallpfeifen, Expressionsschlitze, Trakturdetails –

die alten und neue Registerschilder, Abstrakte, neue Holzpfeifen, rekonstruierte Pfeifen, restaurierte Windkästen und Bälge. Rohrflöten und Gemshorn sind besonders schön.
Bei Ladegast kann man lückenlos von pp bis ff registrieren, was ich liebe, mit vielfältigen Streichern, raumfüllender Terrassendynamik, durchschlagenden Zungen. Die Orgel besitzt jedoch auch spätbarocke mitteldeutsche Klänge für Bachs Musik, neben Flötenschwebung und ätherischem Schwellwerk. Sehr schöne Registerschilder.

 

Persönliche Note

Sinnliche Pedaltasten, schöner Spieltisch, von schönen Prospektpfeifen wie von Angelhaken gefangen, eine typische glänzende Ladegast-Elfenbein-Klaviatur, brillante Akustik in einer großen, schmucken Kirche.

Windladen und Pfeifenwerk und Trakturen wurden restauriert und rekonstruiert. Alles Verschlissene wiederhergestellt, Registerzüge, Holzpfeifen, das Regierwerk mit seiner Balganlage; Stimmblech und Stimmwerkzeug verwendet.

Ich finde es schlimm, dass für Kriege Prospektpfeifen enteignet wurden. Stellt euch das heute vor.


2 Antworten auf “Ladegast Eule Orgel St. Marien Weißenfels (Weissenfels)”

  1. Andreas Friedrich

    Danke für die gelungenen Informationen und die Vorstellung der Orgel im Video während der Restaurierung.

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