Geissler Orgel Kirche Drachhausen Spreewald Niederlausitz
ev. Pfarrkirche (1894)
Orgelbauer:
Conrad Geißler (Eilenburg, Sachsen) Nr. 115
Baujahr:
1895 / 2007
Datum des Erstbesuchs:
September 2026
Disposition und Spielhilfen
Romantische historische C. Geissler Orgel ev. Kirche Drachhausen Spreewald Niederlausitz Brandenburg, 2 M, 15 kl. R, mech. Schleiflade
Wunderschöne Dorfkirche mit historischer Geißler-Orgel in Drachhausen, die Kirche ein neugotisch-neoromanischer Ziegelbau aus den Jahren 1894/95 nach Plänen des Cottbuser Baurats. Weitgehend original aus der Erbauungszeit erhalten sind neben der Orgel auch der Altar, die Kanzel, das Gestühl und die zeittypische, reich dekorierte Innenausmalung. So sind Orgel und Kirche wichtige Denkmäler und Wunder hier in der ehemaligen DDR.
Geissler aus Eilenburg war ein bekannter Meister des 19. Jahrhunderts. Sein Instrument ist Bestandteil der wertvollen historischen Originalausstattung der Kirche, die auch deshalb gut erhalten blieb, weil der Ort jahrzehntelang in einem Bergbauschutzgebiet lag und vor dem Abriss bewahrt wurde.
Die Orgel ist ein typisches Zeugnis der mitteldeutschen Orgelromantik. Der Fokus liegt auf einem warmen, grundtönigen und orchestralen Klang, dominiert von zahlreichen Registern in der 8′-Lage wie Prinzipal, Gambe, Salicional oder Gedackt). Passend zur neugotisch-neoromanischen Dorfkirche baute Geissler in dieser Spätphase Kegelladen, die ein fließendes, dynamisches Steigern des Klangs ermöglichen; doch diese besitzt Schleifladen.
Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz.



Links
Salicional 8 OW
Fugara 4 OW
Manualkoppel
Pedalkoppel
Vacat
Floete travers 8 OW
Quinte 2 2/3 HW
Doppelflöte 8 HW
Bordun 16 HW
Rechts
Principal 8 HW
Viola da Gamba 8 HW
Mixtur 3-4fach HW
Oktave 4 HW
Oktave 2 HW
Blockflöte 4 HW
Prinzipalbass 8 P
Subbass 16 P
Violoncello 8 P


Es ist sehr schön, dass diese kleine romantische Orgel so viele leuchtende 8-Füße hat, auch prinzipalisch, dazu einen 16 Fuß im HW. Weitere Spielhilfen wie Tremulant, Schweller etc. bedarf es gar nicht, sie singt von ganz allein. Der historische Spieltisch mit Elfenbeintasten und langen Registerzügen ist eine Augenweide. So etwas will man fühlen und sehen!
Klang und Akustik

Die Akustik ist schön, vokal, rund und samtig trocken. Das Dorf Drachhausen ist malerisch und schön, gepflegte Häuser, ein Drachen, ein Laden, ein niedliches Feuerwehrhaus mit Turm und – ein Wurstautomat, mit frischer Spreewalder Wurst, Gurken, Suppen hausgemacht in Gläsern.
Zudem ist hier nah der größte künstliche See Deutschlands: der Tagebausee „Cottbusser Ostsee“ oder Cottbusser Meer, noch nicht gesichert, und die größten Teiche und Karpfenteiche Deutschlands. Es gibt hier frischen Fisch rings um Peitz.
Persönliche Note


Es war sehr schön, hier zu spielen. Ich freue mich, dass die Kirche nicht zerstört wurde in den bösen Zeiten wie den 70er Jahren. Unter der Kirche befindet sich nämlich wertvolle Braunkohle. Daher war die Orgel unter Bergbauschutz – was jedoch ein perfider Ausdruck war, denn die Kirche stand damit zum Abschuss frei. Jedoch die Russen hatten hier ihren Übungsplatz, daher durfte der Kirche nichts angetan werden. Nun steht sie Gott sei Dank unter Denkmalschutz.
Man darf gar nicht zählen, wieviele Orgeln mutwillig zerstört, rausgeflackt und Kirchen verbaut und verschandelt wurden. Wo zu viel Geld und Nase im Wind war. Wo der Zeitgeist anstatt der Verstand dominierte.
In Peitz flog die romantische, große und geniale Dinse-Orgel raus. Sie wurde nicht mal aufbewahrt oder verkauft. Stattdessen kam eine kleine neobarocke Sauer-Orgel hinein, die den Raum nicht füllen konnte. Sie musste ebenfalls weichen.
Auch die hübsche Schuke-Orgel in Leipzig war plötzlich nicht mehr gut genug und wurde verkauft. Genauso auch die Ladegast-Sauer-Orgel. Man wollte eben einen Porsche.

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